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Schutzzweckbezogene Rahmenbedingungen

Geschrieben von +Maik Bischoff am 1. März 2011 um 14:40

Im letzten Sommer berichtete ich ja schon einmal über den Nationalpark Müritz, welcher sich seinerzeit wegen einiger kritischer Geocaches an die DWJ wandte. Die Anfrage wurde dann von uns im Supportteam geocaching.de/opencaching.de bearbeitet, auch wenn es sich zunächst um Caches handelte, die ausschließlich bei GC gelistet waren. Seinerzeit konnten wir das Nationalparkamt und den betroffenen Owner ganz schnell zusammenschließen und es wurde dem Vernehmen nach eine Lösung gefunden, mit der alle Beteiligten zufrieden sein konnten.

Aus dieser Sache hat das Nationalparkamt nun entsprechende Schlüsse gezogen. Um den Schutzzweck des Nationalparks und das Freizeit- und Erholungsinteresse von Einheimischen und Urlaubern miteinander in Einklang zu bringen, hat die Nationalparkverwaltung Rahmenbedingungen für das Geocaching im Nationalpark Müritz festgelegt, um

  • Verstöße gegen die Nationalpark-Verordnung zu verhindern
  • durch eine gezielte Lenkung der Geocacher aktive Besucherlenkung zu betreiben und zur Ausprägung des Ruhecharakters des Gebiets beizutragen, sowie
  • den Geocachern einen gewünschten gesetzeskonformen Rahmen für ihre Tätigkeit vorzugeben.

Damit wird deutlich, das die gesetzten Rahmenbedingungen keine zusätzliche Einschränkung für das Geocaching bedeuten, sondern lediglich die ohnehin schon gegebenen gesetzlichen Vorgaben direkt auf das Geocaching reflektieren und damit verdeutlichen sollen, das Geocaching durchaus im Einklang mit dem Naturschutz und den diesbezüglichen Regeln eines Nationalparks funktionieren kann.

Inhaltlich legt das Nationalparkamt Müritz zum Geocaching fest:

  1. Geocaches und die dazugehörigen Routen dürfen im Nationalpark nur unter folgenden Bedingungen angelegt werden:
    • an öffentlichen Straßen und an gekennzeichneten touristischen Wegen bzw. Wanderwegen
    • an oder in Besuchereinrichtungen entlang der Wasserwanderstrecken nur an gekennzeichneten Anlandestellen sowie an Stellen, die kein Anlanden erfordern (z.B. unter Brücken)
  2. Unter diesen Voraussetzungen erfolgt bis auf Weiteres keine zahlenmäßige Beschränkung. Maßgebliche Begründung hierfür ist die Gleichbehandlung zu anderen Nationalparkbesuchern. Sollte die weitere Beobachtung der Entwicklung es erforderlich erscheinen lassen, muss in den Folgejahren ggf. nachgesteuert werden.
  3. Das Nationalparkamt empfiehlt, auf „Nachtcaches“ zu verzichten (allgemein erhöhtes Gefährdungspotenzial v.a. im Wald).
  4. Als „organisierte Veranstaltung“ im Sinne der Nationalpark-Verordnung wird lediglich gewertet, wenn Geocaching in gewerblich organisiertem Rahmen z.B. durch touristische Anbieter angeboten und vermarktet wird. Dann ist die entsprechende Genehmigung erforderlich.

Besonders interessant ist in dem Zusammenhang auch der vierte Punkt, denn er schränkt die Bewertung des Geocaching als organisierte Veranstaltung deutlich auf gewerbliche Aktionen ein. Schließlich gab und gibt es immer mal wieder Anstrengungen auf politischer Ebene, deren Ziel eine eindeutige Bewertung als organisierte Veranstaltung ist. Dies wiederum würde jegliche Geocachingaktivitäten anmelde- und somit genehmigungspflichtig machen. Zumindest für das Bundesland Bayern gibt es ja inzwischen eine offizielle Verlautbarung, das man dort von einer solchen Bewertung absieht, die hier erfolgte Aussage ist nun ein weiterer wichtiger Schritt.

Insgesamt bleibt zu hoffen, das auch andere Nationalparks bei möglicherweise auftretenden Konflikten zwischen Nationalparkinteressen und Geocaching diesen Weg gehen. Amerikanische Verhältnisse, wo ganze Nationalparks zu Sperrzonen für Geocacher erklärt wurden, können schließlich nicht unser Ziel sein. Aber, und dies ist ein sehr wichtiges aber, ohne einen Wandel in der Selbstwahrnehmung mancher Geocacher wird das nicht gelingen. Denn solange sinnvolle Regeln von manchen als Beschränkung der eigenen Freiheit und Kreativität angesehen werden, solange werden zwangsläufig immer wieder überflüssige Reibungspunkte provoziert, die schlimmstenfalls irgendwann die Geduld der ausgestreckten Hand überstrapazieren…

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Kommentare

2 Reaktionen zu “Schutzzweckbezogene Rahmenbedingungen”

  1. OCM

    We have similar rules in our national parks:
    http://www.pc.gc.ca/eng/docs/pc/guide/geocache/index.aspx

    But provincial parks in the province of Ontario where I live have a no geocache policy. :-(

  2. Max

    Damit kann man doch leben und ich hätte auch kein Problem damit, wenn diese Regelung auf alle Wälder usw. übertragen werden könnte.
    Aber wenn so wäre, will ich mal gar nicht an die vertikalen Leitplanken denken ;)

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