Bin ich ein Journalist?

Oder bin ich keiner? Überlegungen zum neuen Telemediengesetz.

Viele Quellen (bspw.: Telepolis) und haben bereits darüber berichtet. Im Jahr 2007 wird das neue Telemediengestz in Kraft treten, das dem ewigen Kompetenzgerangel zwischen Bund und Ländern ein Ende setzen soll. Was aber ändert sich im Kern für mich als Blogger?

Impressumspflicht

Sicher eines der am heißesten diskutierten Themen. Bis dato ist es bei vielen Bloggern Gang und Gäbe im Impressum lediglich eine Mailadresse anzugeben. Dadurch wird allerdings, und das ist schon immer so, der Begriff „Impressum“ ad absurdum geführt, denn ein Impressum klärt Verantwortlichkeiten und zeigt ladungsfähige(!) Anschriften. Branchenriese T-Online hatte es sich seinerzeit ganz einfach gemacht: Alle privaten Homepages die auf dem Kundenserver lagen wurden mit einem Zwangsimpressum versehen. Dieses Problem stiess nicht nur auf Nächstenliebe, brachte aber den kleinen Homepagebetreiber, der mal eben die Fotos vom letzten Grillfest seiner Laubenpieperkolonie veröffentlichte, auf die rechtlich sichere Seite. Zumindest was das Impressum betrifft.
Betrachtet man das bestehende Recht aus der Sicht eines „kleinen“ Homepagebetreibers, so wird man sich die Frage stellen, ob ein Impressum wirklich notwendig ist. Sieht man aber, als juristischer Laie, auf bestehende gesetzliche Regelungen, so wird schnell klar das ein Impressum nötig ist. Also welchen Blickwinkel soll man wählen?

Im neuen Telemediengesetz wird das recht klar geregelt: Von der Impressumspflicht ist nur befreit, wer Angebote bereithält, die ausschließlich persönlichen und familiären Zielen dienen. Und dies trifft meines Erachtens nach nur auf diejenigen zu, die ihre Homepage als Kommunikationsplattform für die eigene Familie benötigen. Und in solchen Fällen ist normalerweise auch der Zugang zum Angebot selbst gesichert. Was aber ist mit Bloggern? Viele Blogger betrachten ihre Ziele sehr persönlich, wollen aber auch das andere ihre Einträge lesen. Und genau hier greift wieder die These der persönlichen und familiären Ziele, denn sobald die Öffentlichkeit angesprochen werden soll, sind diese nicht mehr gegeben bzw. einziger Zweck.

Das bedeutet: Um zu verhindern einer, mit dem neuen Telemediengesetz einhergehenden, Abmahnwelle zum Opfer zu fallen, ist ein Impressum durchaus empfehlenswert. Und seien wir mal ehrlich: Beim Bloggen kommt sehr viel privates rüber, also warum dann noch die Adresse verstecken?

Werbung

Viele Blogger platzieren in ihren Blogs Werbung. Entweder um damit die Kosten für das Hosting zu decken oder einfach nur um das Taschengeld aufzubessern. Ich persönlich mag keine Werbung in meinem Blog haben, ich betrachte es als Hobby und somit ist schonmal klar das Kosten anfallen. Warum sollte ich die decken indem ich meine Besucher belästige?

Aber unabhängig von meiner eigenen Meinung stellt das neue Telemediengesetz klar und deutlich fest, das auch private Seitenbetreiber unter das recht professioneller Medien fallen, wenn sie Werbung platzieren. Damit ist „Klein Hans“ nur dann auf der sicheren Seite, wenn er die Werbung in seinem Blog auch deutlich als solche kennzeichnet. Anderenfalls droht wieder die Abmahnkeule.

Datenschutz

Datenschutz wird schon immer groß geschrieben, ohne Frage. Jedoch wird es den Strafverfolgungsbehörden mit Hilfe des neuen Telemediengesetzes noch leichter an die persönlichen Daten der Nutzer von Internetangeboten, also auch Blogs, heranzukommen. Ich denke mal das mit diesem Punkt die wenigsten ein Problem haben werden, immerhin will man selbst ja keine rechtlich bedenklichen Kommentare und dergleichen im Blog haben.

Pressekodex

Hier kommt eine weitere, einschneidende, Neuigkeit auf den Blogger zu. Grundsätzlich werden Blogger dann nach dem Gesetz gewisse journalistische Sorgfaltspflichten zu beachten haben. Dies gilt in erster Linie für journalistisch-redaktionell gestaltete Angebote, jedoch auch für „journalistisch anmutende Nachrichtenblogs„. Dies Grenze, ab wann das eigene Blog „journalistisch anmutet“ ist nicht wirklich geklärt, aber wer hätte auch ein Gesetz erwartet in dem eine klare Sprache gesprochen wird? Sind es nur die „Großen“ oder trifft es auch die „Kleinen“ mit etwas höheren Besucherzahlen? Bin ich Journalist? Ich bin jedenfalls gespannt inwiefern sich da noch Definitionen ergeben werden.

[siehe auch: hier, hier, hier, hier und hier]

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

11 thoughts to “Bin ich ein Journalist?”

  1. Pingback: Pflasterstrand
  2. Meine Kommentare zur Blogkultur sind bekannt, journalistische Sorgfaltspflichten befürworte ich. Das Medium Blog wird halt erwachsen, aber man sollte Blogs deswegen nicht überregulieren – aber wir leben nun mal in D…

  3. Ja, sorgfältig sollte jeder Blogger sein. Ich habe dies schonmal hier, allerdings aus anderem Zusammenhang heraus erklärt. Allerdings denke ich mal weniger das Blogs jetzt erst erwachsen werden, sie sind m.E.n. einer der Grundpfeiler von Web 2.0 und somit mehr oder minder erwachsen geboren. Lediglich der Beachtungsgrad ist enorm gestiegen.

  4. Deine Einstellung zu Werbung auf dem Blog finde ich gut. Sehe ich genauso.

    Von der Impressumspflicht sehe ich mich jetzt und auch in Zukunft nicht betroffen. Ich halte nur „persönliche und familiäre“ Angebote bereit, auch wenn meine Seite nicht geschützt ist (ist ja schließlich Internet).
    Ich habe auch keine Ambitionen „journalistischer“ zu werden, deshalb fühle ich mich nicht angesprochen.

  5. Werbung finde ich auch in einem Blog vollkommen fehl am Platze. Sicherlich sollte jeder Blog Betreiber in der Lage sein, den Obulus für Domain und Webspace zu entrichten, ohne das durch Werbung finanzieren zu müssen. Ich selbst verlinke auch zu Blogs, die Werbung machen und habe schon überlegt, ob ich diese aus dem Blogroll nehmen, weil ich dies nicht unterstützen möchte.

    Das was ich / wir schreiben ist rein aus Spaß an der Freud. Ob es jemand liest ist Nebensache. Ich werde jetzt und in der Zukunft kein Impressung veröffentlichen. Zumal jeder rausbekommen kann, wer hinter der Site steht.

    Danke für diesen interessanten Artikel.

  6. Was haben eigentlich alle gegen ein Impressum? Whois ergibt die Daten doch auch. Warum sollte man also zunächst den Eindruck erwecken, man hätte etwas zu verbergen? Ich finden das es kein Problem ist, ein komplettes Impressum vorzuhalten, das tut keinem weh und macht ja letztlich auch kaum Arbeit…

  7. Sehr interessant, da hab ich mir bisher nur wenig Gedanken drüber gemacht.

    Grade im geliebten Deutschland ist es für Rechtsverdreher ziemlich einfach an Geld zu kommen, mit den erwähnten Abmahnungen – da kommen mit einem verschickten Brief schon mal ein paar hundert Euro zusammen. In Anbetracht dessen sollte man sich vielleicht zwei mal überlegen ob man ein kleines 3-Zeiler-Impressum wirklich weglassen will.

    Zur Werbung muss ich sagen, dass ich es voll in Ordnung finde wenn diese passend zum Blog-Thema, nicht aufdringlich und in Maßen eingesetzt ist. Denn irgendwie lebt das Internet ja von Verlinkungen und wenn man damit noch ein paar Euro verdienen kann, warum nicht.

  8. Wer ein Impressum Mustertext sucht wird übrigens hier fündig:
    http://www.linksandlaw.info/impressumspflicht-musterimpressum.htm
    Ich denke 6 Zeilen genügen für einen privaten Blog, ab 2007 dürfte es aber mehr werden…

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