Ra(n)dnotizen #78

Manch einer wird sich ja sicher noch daran erinnern: In Soest hatte man in der dortigen Jakobistraße kurzerhand das Radeln in der Mitte der Straße angeordnet. Damit konnten Radler nicht mehr (zu knapp) überholt werden und fuhren recht sicher. Das Ganze war quasi eine Art Pilotprojekt, schlug aber Wellen, die bis ins Bundesverkehrsministerium reichten. Dort war man sozusagen “not amused”, denn diese Lösung verstieß gegen das in Deutschland geltende Rechtsfahrgebot.

Und das geht in Deutschland ja mal überhaupt nicht. Kreative Lösungen, die sich außerhalb geltenden Rechts bewegen und öglicherweise eine Ausnahmegenehmigung benötigen. Also legte der Bundesverkehrsminister sein Veto ein. Aber in Soest will man sich nicht unterkriegen lassen und so nimmt man jetzt allerlei Taler an die Hand, und dekoriert die Jakobistraße einfach komplett um. (mehr …)

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Ra(n)dnotizen #77

Die erst kürzlich veröffentlichten Unfallstatistiken im Zusammenhang mit Pedelecs haben ja, so im Nachgang betrachtet, jede Menge Staub aufgewirbelt. Soviel, das sich nun fast allenorten jemand berufen fühlt, die Sicherheitssituation der Radfahrer zu beleuchten und Vorschläge zu machen, wie man sie denn verbessern könnte.

Und so war die Sicherheit der Fahrradfahrer auch ein wichtiges Thema auf dem Deutschen Verkehrsgerichtstag Ende Januar in Goslar. Und was soll man sagen, die Forderungen des VGT decken sich doch tatsächlich fast exakt mit denen, die auch das Berliner Radgesetz mitbringt. Na sowas aber auch. (mehr …)

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Ra(n)dnotizen #76

Ich selbst radel ja sehr gern, wo immer es geht, auf der Fahrbahn. Nun las ich demletzt einen ganz interessanten Artikel, in dem es um eben dieses “Vehicular Cycling” – übrigens ein Begriff der mir bis dato noch nicht untergekommen war – ging. Der Autor beschreibt darin mit jeder Menge Buchstaben, wie und warum er zunächst dem “Vehicular Cycling” frönte und weshalb er es nun nicht mehr tut.

Doch das, was ich an zusätzlicher Sicherheit gewann, weil mich auf der Fahrbahn kein blinder Rechtsabbieger vernascht, kompensierten die hanseatischen Kraftfahrer mit einem recht aggressiven Fahrstil. Wenn der Hamburger Kraftfahrer einen Radfahrer „trotz Radweg mitten auf der Straße“ bemerkt, dreht er teilweise sofort durch, er muss wild hupen, drängeln, eng überholen, womöglich sogar die Scheibenwaschanlage betätigen oder den Radfahrer mit einer Vollbremsung ins Heck knallen lassen. Der Fantasie für Fahrrad-Sanktionen sind prinzipiell keine Grenzen gesetzt.

Insgesamt mal wieder ein enorm langer Artikel auf Radverkehrspolitik.de, jedoch ist er vollumfänglich lesenswert. Man sollte sich also ruhig mal die Zeit ans Bein binden und sich das in Ruhe durchlesen. Denn das was dort beschrieben wird, ist derzeit wohl eher symptomatisch für Deutschland. Und es zeigt, das wir – also all diejenigen, denen die Verkehrswende am Herzen liegt – langsam aus unserer Lethargie erwachen und unsere Stimme deutlich lauter erheben müssen, als bisher. (mehr …)

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Ra(n)dnotizen #75

Manchmal kann man sich ja kaum ausdenken, was einige Politiker so absondern. Gerade erst letzte Woche waren hier in den Radnotizen sowohl Pedelecs als auch Fahrradhelme bzw. eine Pflicht dafür, aber auch falsch gelesene Unfallstatistiken ein Thema. Und prompt kommt mal wieder ein Politiker um die Ecke, der alle drei Themen verbindet und mal wieder ganz laut nach einer Helmpflicht ruft.

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Martin Burkert (SPD) , fordert deshalb eine Helmpflicht für das Fahren von Elektrorädern. „Fahrradhelme sind Lebensretter“, sagte Burkert in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Nach Einschätzung von Experten könnten Helme rund 80 Prozent aller schweren Hirnverletzungen bei Radfahrern vermeiden. Burkert sagte: „Ich kann mir eine Helmpflicht für Fahrradfahrer, insbesondere für E-Bike und Pedelec, vorstellen, auch wenn ich weiß, dass das kein populärer Vorschlag ist.“

Sehr zum Ärger der Gegner des Radverkehrs gibt es ja, wenngleich auch sehr selten, Fahrradstraßen. Diese Fahrradstraßen, auf denen der Radler den Ton und damit das Tempo angibt, erlauben in aller Regel auch Anwohnern, sich dort mit dem Kraftfahrzeug zu bewegen. Was in aller Regel auch funktioniert. Zumindest meistens, denn ich selbst erlebe häufig, das ich auf der einzigen Fahrradstraße die ich selbst regelmäßig befahre, mit der Hupe vorangetrieben und dann durch knapp überholende PKW fast abgedrängt werde. (mehr …)

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Ra(n)dnotizen #74

Fangen wir heute mal ganz sportlich an. Seit einiger Zeit beobachte ich den Steierer Christoph Strasser, der durch zahlreiche Gewinne von Ultracycling-Events bekannt wurde. So hat er mehrfach das Race Across Amerika gewonnen, ebenso das Race Around Austria. Aufmerksam wurde ich auf ihn, als er hier in Berlin war und auf dem Tempelhofer Feld einen Rekordversuch startete. Dabei ist er dann innerhalb von 24 Stunden fast 900 Kilometer mit dem Rad gefahren. Krass.

Nun ja, jetzt hat er wieder einen Rekord in Angriff genommen. Dabei ging es darum, den australischen Kontinent in weniger als 7 Tagen zu durchqueren. 3.950 Kilometer von Perth bis Sydney sind dabei zu bewältigen gewesen. Und wer Christoph Strasser kennt, der weiß auch, das er das locker zu schaffen in der Lage ist. Und was soll ich sagen, das Ergebnis spricht für sich. (mehr …)

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Ra(n)dnotizen #73

Ganz klar größter Aufreger der letzten Woche war der Berliner Innensenator Andreas Geisel. Denn nun wurde ganz offen thematisiert, was ich mir schon eine Weile dachte und was (leider) auch manch anderer befürchtete. Es geht um die Verschleppung des Radentscheides. So wurde ja schon vor kurzem durch die Initiative Volksentscheid Fahrrad eine Untätigkeitsklage eingereicht, da die Senatsverwaltung für Verkehr die rechtliche Prüfung des Radgesetzes über Gebühr verzögerte.

Ein schlauer Coup eigentlich, denn die Entscheidung wurde genau einen Tag vor dem Wechsel des Verkehrssenators ins Innenressort herausgegeben. Und nun prüft diese Entscheidung – tadaa! – der Innensenator. Möglich gewesen wäre die Entscheidung schon seit Oktober, denn das ihr zu Grunde liegende Gutachten stammt aus eben diesem Monat. In der Pressemeldung der Radinitiative heißt es dazu: (mehr …)

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Ra(n)dnotizen #72

Will man wirklich positive Dinge in Sachen Radverkehr berichten, muss man nach wie vor ins Ausland schauen. So zum Beispiel nach Norwegen, wo man jetzt in einigen Großstädten – ich meine, das auch schon gelegentlich erwähnt zu haben – richtig klotzen und Fahrradautobahnen bauen möchte. Um die ambitionierten Klimaschutzziele des Landes zu erfüllen, soll die Radverkehrsinfrastruktur ausgebaut werden, um auf diese Weise mehr Menschen auf das Fahrrad zu locken.

Wer sich nun gemütliche einspurige Fahrradwege auf der Straße oder dem Bürgersteig vorstellt, der liegt falsch. Die „Bicycle express routes“ laden zu hohen Geschwindigkeiten ein und sind damit besonders (aber nicht nur) für E-Bikes geeignet. Die Fahrrad-Autobahnen sollen in neun großen städtischen Gebieten gebaut werden, um schnelles sowie direktes Radfahren zu erleichtern. Innenstadt und Randgebiete werden somit verbunden und sind dann besser mit dem Fahrrad erreichbar.

Wobei mich das direkt wieder an die Radnotizen #70 erinnert, in denen ich von Wien berichtete, wo man ebenso Radschnellwege bauen möchte. (mehr …)

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Ra(n)dnotizen #71

Neues Jahr, neues Recht. Wie so oft, gibt es auch verkehrsrechtlich zum Januar neue Regelungen, von denen eine wirklich sinnvoll ist, die andere aber eher als Rohrkrepierer zu bezeichnen sein dürfte. Was ändert sich also? Zunächst dürfen ab sofort Eltern ihre Kleinkinder auf beim Gehwegradeln begleiten. Soll heißen, sie müssen nicht mehr auf der Straße bleiben, während Junior auf dem Gehweg fahren muss, sie dürfen jetzt ebenfalls auf den Gehweg. Fein. Völlig panne hingegen ist ein Zusatzschild, das es jetzt für (geeignete) benutzungspflichtige Radwege geben soll. Dieses soll die Benutzungs des Radweges für E-Bikes freigeben.

Ob diese „Freigabe“ auf einen Radweg zutrifft, wird an einem Schild mit der Aufschrift „E-Bike frei“ erkennbar sein. Auch hier die Einschränkung: Mit E-Bikes sind lediglich die gemeint, die nur bis 25 km/h unterstützen. Speed-Pedelecs mit Tretunterstützung bis 40 km/h werden in der StVo nicht mehr als Fährräder, sondern als Kraftfahrzeuge betrachtet.

Kurzum: es ändert sich kaum etwas, denn neu ist lediglich, das jetzt rein elektrisch angetriebene Räder auf den Radweg dürfen. Aber die sind in freier Wildbahn so gut wie nie anzutreffen. (mehr …)

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