Das (unerwartete) Ende von Google My Tracks und mögliche Alternativen

Es klingelte ja in den letzten Tagen durch allerlei Kanäle. Google hat sich plötzlich und unerwartet dazu entschieden, My Tracks einzustellen. Pünktlich zum 30. Aprils 2016 wird der Stecker gezogen und My Tracks ist Geschichte. Aber gut, so macht man es bei Google eben, wenn ein Produkt nicht wirklich rockt, dann wirft man es auch ganz schnell direkt in die Tonne.


Nun kann man sicher gar trefflich darüber philosophieren, ob My Tracks nun brauchbar oder eher nutzlose Spielerei war, Fakt ist, es existiert (derzeit noch) und es wird auch genutzt. Und die Nutzer stehen nun möglicherweise vor einem Problem. Allerdings vor einem Problem, das eigentlich gar keins ist, denn Alternativen gibt es zu Hauf.

Google My Tracks - Screenshot

Grundsätzlich wäre diese Problematik sowieso fast an mir vorbei gegangen. Nur nutzt bspw. mein Bruder diese App und auch über Google Plus resp. Hangouts kamen Anfragen herein, was ich denn nun als Lösung empfehlen könnte. Was mich jetzt allerdings genau qualifiziert, hier kompetenten(?) Rat zu geben, kann ich nur vermuten. Möglicherweise sind es meine Artikel zu diversen Fitnesstrackern und dem Datenexport bzw. -austausch zwischen den einzelnen Trackern, die hier im Blog zu den meistgelesenen Artikeln gehören.

Google My Tracks - Systemmeldung über die Einstellung der AppUm nun eine brauchbare Alternative zu finden, muss man zunächst wissen was My Tracks tut. Im Grunde ist es nichts anderes, als auch die üblichen Verdächtigen tun, es wird ein GPS-Track aufgezeichnet und dabei Daten wie Geschwindigkeit und Höhe erhoben. Daraus wird dann noch der Kalorienverbrauch berechnet und alles wird am Ende hübsch grafisch aufbereitet. Wie gesagt, das tun die üblichen Verdächtigen auch, einen „groben“ Unterschied gibt es jedoch, nämlich die Kaloriengeschichte, dazu später aber mehr.

Für den Otto-Normal-Trackaufzeichner, der mal mit dem Fahrrad einkaufen fährt, mal mit Pfiffi um den Block geht und mal eine kurze Runde joggt, dürfte wohl Runtastic das Mittel der Wahl sein, denn hier werden so ziemlich alle Sport- und Bewegungsarten abgedeckt. Dieser Umfang hat natürlich den Nachteil, das sich manch einer von den vielen Funktionen überrannt fühlt. Dazu kommt, das man eben nach wie vor auf der Webseite mit allerlei Offerten überschüttet wird, man solle doch die kostenpflichtige Mitgliedschaft kaufen.

Runtastic Laufen, Joggen und Fitness Tracker
Runtastic Laufen, Joggen und Fitness Tracker

Dennoch dürfte es tatsächlich die zunächst beste Wahl sein, schon allein weil man sich hier in aller Ruhe ausprobieren kann. Viele werden sicher Funktionen finden, die My Tracks nicht bietet und selbst wenn man sich später für eine andere Lösung entscheidet1, weiß man dann besser welche Fähigkeiten diese Lösung mitbringen muss.

Wer allerdings schon ein wenig „spezialisiert“ ist, also vornehmlich sportliche Aktivitäten aufzeichnet und dabei zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, der könnte sich auch Endomondo anschauen. Dieser Tracker ist im Vergleich zu Runtastic mit deutlich weniger Funktionen ausgestattet – Funktionen hier im Sinne von möglichen Aktivitäten – dadurch aber deutlich übersichtlicher.

Endomondo - Laufen & Gehen
Endomondo - Laufen & Gehen
Entwickler: Endomondo.com
Preis: Kostenlos+

Zu guter Letzt kann man auch noch Strava ins Rennen werfen, wobei das dann wohl nur für diejenigen geeignet sein dürfte, die vornehmlich mit dem Fahrrad unterwegs sind. Und wer hier schon länger (auch mit sportlichen Ambitionen) seine Tracks aufzeichnet, dürfte das, oder eine Lösung seines Hardwareanbieters, ja sowieso schon nutzen.

Strava GPS Laufen & Radfahren
Strava GPS Laufen & Radfahren
Entwickler: Strava Inc.
Preis: Kostenlos+

Andere Lösungen ohne eigene App

Neben diesen Lösungen gibt es sicher noch etliche weitere, diese drei sind jedoch die bekanntesten. Und, das sei hier noch kurz erwähnt, es geht dabei um Lösungen/Apps, die selbst aufzeichnen. Reine Datenerfassung und -auswertung können noch andere, aber die zeichnen dann nicht selbst auf. Mein klarer Favorit ist dabei bspw. Garmin Connect.

Garmin Connect™ Mobile
Garmin Connect™ Mobile
Entwickler: Garmin
Preis: Kostenlos

Garmin hat das – für meine Bedürfnisse – beste Portal am Start. Allerdings benötigt man hier zusätzliche Hardware. Entweder einen Garmin Fahrradcomputer mit Appanbindung, wie bspw. den Edge 510, oder eine Garmin Smartwatch, wie bspw. die Fenix 3. Letztere wiederum kann für alle nur erdenklichen Aktivitäten verwendet werden, ist aber auch nicht wirklich preiswert. Das günstigste Modell liegt bei Amazon derzeit so um die 380 Euro.

Soweit also zu (einigen) möglichen Alternativen. Grundsätzlich sehe ich also Runtastic durchaus ganz vorn, wer es jedoch richtig schick haben möchte, sollte über Garmin Connect nachdenken, muss sich dann aber auch darauf einlassen, hier den einen oder anderen Taler in Hardware zu investieren.

Die Sache mit den Kalorien

Und dann wäre da noch die Sache mit den Kalorien. Ich erwähnte ja oben schon, das die „Kaloriengeschichte“ einen Unterschied macht. Jede App berechnet den Kalorienverbrauch anders, so dass man nie zwei Tracker mit gleicher Verbrauchsberechnung haben wird. Allerdings ist der Kalorienverbrauch ja auch mehr oder weniger ein Schätzwert, denn da sielen noch wesentlich mehr Faktoren eine Rolle, also der Tracker erfasst.

Google My Tracks scheint hier recht „sparsam“ zu sein, berechnet aber die Kalorien lediglich aus Zeit und Strecke, während andere Tracker die Art der Aktivität mit einfließen lassen. Und während dann der eine Tracker die gesamte Aktivität betrachtet, nimmt der nächste Teilabschnitte zur Berechnung daher. Auch ist der Google My Tracks Nutzer nicht gewohnt, die Art der Aktivität vorher einzustellen, und sollte sich nun nicht wundern, wenn bspw. Runtastic da bis zu 100% mehr Verbrauch bei der Gassirunde mit dem Hund angibt. Das liegt dann möglicherweise daran, das da versehentlich „Laufen“ als (Standard-) Aktivität eingestellt ist.

Aber auch bei richtiger Aktivitätsauswahl gibt es keine Garantie dafür, das die Kalorienanzeige wirklich stimmt. Hier muss man sich wohl einfach auch ein wenig auf Erfahrunsgwerte zurückziehen oder, was wohl einfacher ist, an die „neue Berechnung mit anderen Ergebnissen“ gewöhnen. 😉

Übernahme vorhandener Daten

Abschließend soll eines noch erwähnt werden. Auch die bisher aufgezeichneten Daten von Google My Tracks sind nicht verloren. Man kann sie ganz einfach exportieren und dann, wenn man sich für eine neue Lösung entschieden hat, dort auch wieder importieren. Wie man seine Daten von Google My Tracks sichert, erklärt Google auf der entsprechenden Hilfeseite.

Update 02.02.2016

Bei Google Plus wurde Ghostracer als ganz brauchbare Alternative empfohlen. Ich selbst kenne das überhaupt nicht, aber vielleicht mag das ja jemand ausprobieren:

Ghostracer - GPS Run & Cycle
Ghostracer - GPS Run & Cycle
Entwickler: Brave the Skies
Preis: Kostenlos+

Ebenfalls bei Google Plus erwähnt wurde Google Fit. Diese App habe ich bisher eher als reinen Schrittzähler wahrgenommen, der allerdings enorm ungenau war. Nun wurde aber inzwischen mächtig daran geschraubt, so dass tatsächlich auch ganz gezielt Aktivitäten aufgezeichnet werden können. Kleiner Wermutstropfen dabei. Nur beim Laufen und beim Radfahren wird GPS genutzt, bei allen anderen Aktivitäten wird die Strecke geschätzt. Aber wer mit diesen Ungenauigkeiten leben kann, dürfte hier tatsächlich eine sehr interessante Alternative finden.

Screenshot: Google Fit Screenshot: Google Fit Screenshot: Google Fit Screenshot: Google Fit

Google Fit – Fitness-Tracking
Google Fit – Fitness-Tracking
Entwickler: Google LLC
Preis: Kostenlos

Ebenfalls aus den Kommentaren stammt der Hinweis auf GeoTracker. Auch diese App war mir bisher vollkommen neu, ich klann also nichts weiter zu ihren Funktionen und/oder ihrer Zuverlässigkeit und Genauigkeit sagen.

Geo Tracker - GPS tracker
Geo Tracker - GPS tracker
Entwickler: Ilya Bogdanovich
Preis: Kostenlos+

1 Der spätere Wechsel von Runtastic zu einem anderen Tracker ist kein wirkliches Problem, selbst die Daten kann man gemütlich „mitnehmen“. Dabei kann man sowohl alle Daten exportieren, um sie dann woanders zu verwenden, oder man synchronisiert direkt mit einem anderen Tracker.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

15 thoughts to “Das (unerwartete) Ende von Google My Tracks und mögliche Alternativen”

  1. Google MyTracks hatte ich vor 5 Jahren oder so auch mal ausprobiert, aber aus mir nicht mehr bekannten Gründen verworfen. Am Ende bin ich eben bei Runtastic hängengeblieben und das deckt ja auch heute alle meine ‚Sportarten‘ ab.
    Sync zu Garmin hab ich zwar an, aber die App nutze ich nicht.

    Die Kalorienabweichungen bemerkt man auch innerhalb der verschiedenen Apps, wenn man Pulsdaten hat oder nicht. Ebenso spielt natürlich Gewicht und Körperfett mit rein.
    Mehr Daten machen die Sache eben genauer.

    1. Klar, mehr Daten, mehr Berechnungsmöglichkeiten. Aber selbst mit identischen Daten geht es oft weit auseinander. Wobei das für mich persönlich unproblematisch ist, denn was stören einen Zwei-Zentner-Mann ein paar Kalorien? 😉

      Allerdings kam genau diese Problematik bereits mehrfach zur Sprache, als ich eben um Alternativen gefragt wurde. Da gab es 100% Abweichung auf der „Hunderunde“, obendrein bei jemandem der nicht nur Verbrauch, sondern darüber gesteuert auch die zufuhr überwacht. Und dann sind die Kalorien schon recht schnell recht wichtig.

      1. Ist natürlich problematisch, dass die Berechnungen der Plattformen nicht offen liegen.

        Für mich kann ich jedoch sagen, dass zwischen Fitbit und Runtastic nur vernachlässigbare Abweichung vorhanden ist. Und auch die per http://www.fitrechner.de berechneten Werte sind den Apps sehr nahe.

        Ich ‚arbeite‘ ja nun auch schon eine Weile damit, entsprechend zeichne ich natürlich auch die Aufnahme auf und merke ja am eigenen Leibe, dass das nicht so falsch sein kann, wenn die Kurve weiter nach unten geht. 😉

  2. Das mit dem Ende von MyTracks ist schade.
    Ich würde es aber nicht mit den ganzen Fitness Tools vergleichen.
    Es ist (ursprünglich) einfach nur ein GPS-Logger.
    Da sehe ich als Alternative z.B. den GPS Logger:
    https://play.google.com/store/apps/details?id=com.mendhak.gpslogger&hl=de

  3. Ich suche noch eine Alternative mit TCX Export. Da ist neben den GPS Koordinaten auch noch die Herzfrequenz vom Brustgurt drin. Sprich: die alternative muss Brustgurte unterstützen können. Runtastic könnte das zwar, aber ich möchte meine Daten nicht dem Springer Verlag zur Verfügung stellen.

    1. Auch in GPX-Dateien können Herzfrequenz und andere Daten zusätzlich zu den Koordinaten vorhanden sein. So macht es Garmin auch bei den Outdoor-Geräten.

      1. Richtig. GPX kann auch Daten zu Herzfrequenz, aber auch, sofern gesammelt, Daten zu Trittfrequenz (Kadenz) oder Ruderschlagzahlen enthalten. Im Grunde ist es das flexibelste, weil umfangreichste Format.

        1. Sorry, Max und Schrottie, dass ich da mal als Klugscheißer dazwischen gehen muss. 😉
          Im GPX Schema steht nix drin von wegen Herzfrequenz, Trittfrequenz oder sonst was. Das hat Garmin auf eigene Faust eingebaut. Weil die halt so verbreitet sind, verstehen die meisten anderen Tools dieses Garmin eigene GPX Format.
          Was richtiges ist das aber nicht.

          1. GPX erlaubt beliebige Erweiterungen (Extensions). Groundspeak Inc. nimmt die bspw. zur Definition von Geocaches (cache.xsd) und ist damit de facto Standard, Garmin hat das für Fitnessdaten gemacht (GpxExtensionsv3.xsd) und ist damit ebenfalls de facto Standard. Eben weil es (fast) überall unterstützt wird.

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