Die Hamburg Cyclassics 2017

Hach, da waren sie wieder, die Cyclassics. Für mich persönlich das absolute Highlight des Rennjahres. Und immer sehr schwer zu organisieren, denn Wechselschichtdienst sei Dank muss da am Wochenende Urlaub her, was wegen der Sommerferien gar nicht so einfach zu bekommen ist.Schließlich ist die Ferienzeit den Kollegen mit schulpflichtigen Kindern vorbehalten.

NUn denn, es hat aber geklappt und so konnte ich auch dieses Jahr in Hamburg antreten. Neu waren dabei die Strecken, denn während es für mich im letzten Jahr noch 100 Kilometer waren, mussten dieses Jahr nochmal 20 Kilometer mehr bewältigt werden. Im Vorfeld wirkte das aber durchaus gemütlich zu machen, denn noch vor ein paar Tagen versprach der Wetterbericht sonnige 20 Grad und sehr wenig Wind.

Nun, da hatte sich der Wetterbericht ganz satt geirrt. Aber später mehr dazu. Erstmal zum Wochenende selbst. Samstags machten wir uns gleich ganz früh auf den Weg Zum Einen, weil wir uns noch ein wenig in Hamburg umsehen wollten, zum Anderen, weil hier direkt bei uns an der Haustür die geplante Strecke des Spandauer Neonaziaufmarsches vorbeiführte. Und so waren wir dann schon vor neun Uhr im Hotel, das wir als erstes Ziel angesteuert hatten.

Dort konnten wir nämlich das Auto in der Tiefgarage abstellen und dann mit den Öffis weiter, die – wie auch hier in Berlin – in der Stadt einfach deutlich bequemer sind. Gleich als erstes ging es zur Akkreditierung. Die war in diesem Jahr auf dem Gänsemarkt. Oder irgendwo in dessen Nähe. Wir kamen nämlich direkt aus der U-Bahn auf ein paar Zelte des Veranstalters zu, aber es dauerte noch eine ganze Weile bis und endlich jemand sagte, das wir a) falsch sind und wo wir b) erstmal hinmüssen.

Startnummer

Aber auch dieses Problem war fix gelöst und ich konnte meine Startnummer in Empfang nehmen. Noch ein wenig shoppen im Merchandise-Zelt und weiter in die Hamburger City. Vor dem Rathaus haben wir dann noch die Messe in Augenschein genommen, aber nichts wirklich brauchbares für uns entdecken können. Lediglich bei den Messeständen an der Binnenalster gab es einen Stand, der echt leckere Gels vertickte. Und so etwas hatte ich gesucht, seitdem Taxofit keine mehr produziert.

Nun war auch dieser „Pflichtteil“ erledigt und wir machten noch etwas Sightseeing inklusive zweistündiger Hafenrundfahrt mit der Barkasse. Entgegen allen Ankündigungen gab es dabei keinen Regen, so dass wir auf dem Sonnendeck sitzen und reichlich fotografieren konnten. Hinterher ging es nicht allzu spät ins Hotel, um dann Sonntag wenigstens halbwegs ausgeschlafen starten zu können.

Der Sonntag ging dann mit einer Beinahekatastrophe einher. Wir machten uns wieder auf den Weg zur U-Bahn, ein schneller Marsch von 15 Minuten. Kaum saßen wir in der U-Bahn, fiel mir auf das ich mein Handy im Hotelzimmer vergessen hatte. Dumm nur, das wir auch schon ausgecheckt hatten und nur noch das Auto in der Tiefgarage lassen durften.

Wir also ganz schnell wieder raus aus dem Zug und ich wie ein geölter Blitz mit dem Rad zurück ins Hotel. Dort fertigte man mir schnell eine neue Schlüsselkarte und ich konnte das wichtigste aller Geräte sicherstellen. Zum Glück hatte ich bei der Zugplanung eine Bahn früher avisiert als nötig – man will ja nicht zu spät kommen – und so konnten wir dann noch rechtzeitig im Startblock auftauchen.

Startaufstellung

Genaugenommen rechtzeitig genug, um noch ganz vorn zu stehen, was mir persönlich immer am liebsten ist. Es bringt nämlich den Vorteil mit, das der Rest des Startblockes, der ja in aller Regel aus ungefähr gleich starken Fahrern besteht, hinter einem ist und die besseren überholen. Und da kann man sich dann diejenigen der etwas schnelleren aussuchen, mit denen man mithalten zu können meint. Schließlich muss man sich als Alleinfahrer ja erstmal ein passendes Grüppchen suchen, was so eben am elegantesten funktioniert.

Nun, die Katastrophe des Tages war mit dem Handy erledigt und so konnte nichts mehr passieren. Irgendwann ging es los und erwartet flott machte sich die Meute auf den Weg. Am Anfang der Strecke wartet ja mit dem Hafen und der Köhlbrandbrücke quasi das große Highlight der Strecke und weil ich mal wieder mehr in der Gegend herumstaunte und darüber weder den Anstieg sonderlich ernst nahm, noch den Gegenwind der uns über die Köhlbrandbrücke entgegen blies, war ich am Scheitelpunkt der Brücke auch schon gleich auf maximaler Herzfrequenz.

Herzfrequenzdiagramm

Mist eigentlich, denn das kostet jede Menge Reserven nach hinten raus. Aber egal, jetzt musste ich da durch und es stand ja direkt die Bergwertung vor der Tür. Die zog sich mal wieder endlos dahin, der Berg nahm schier kein Ende und hatte nebenbei auch wieder einiges an Gegenwind in petto. A pro pos Wind. Der sollte ja ganz gemächlich sein. Also ein paar Tage vorher. Am Renntag selbst hingegen hat er dann Vollgas gegeben. Dummerweise zumeist von vorn. 😯

Aber es nutzte nichts, da mussten wir durch. Immerhin war wieder, typisch für die Cyclassics, der Straßenrand gesäumt von allerlei jubelnden Anwohnern, so dass wenigstens auf diese Weise jede Menge Motivation entstand, die man nun dem Wind entgegen stellen konnte. Und irgendwann ging es dann ja auch wieder auf den Rückweg Richtung Hamburg, wo der Wind dann von hinten kam und man etwas Zeit bekam, sich zu erholen.

Was dringend nötig war, denn das letzte Viertel der Überlandstrecke ging am Elbdeich entlang. Fahrtrichtung Nordwest, der Wind stürmte aus West bis Nordwest und verfing sich am Deich. Und kam damit selbstredend wieder von Vorn. Am Deich selbst standen wieder jede Menge Menschen und feuerten und an. Und wo keine Menschen standen, standen Schafe. Ohne Locken übrigens, damit man sich mal ein Bild vom Wind machen kann. Die Worte, die überall auf dem Feld zu hören waren, gebe ich hier mal lieber nicht wieder, da wurde nur selten jugendfrei geflucht.

Die neue Streckenführung entlang des Deiches hatte aber auch einen Vorteil. Damit wurde der Stadtteil Harburg ganz gut umfahren. Dort gibt es nämlich einerseits nur sehr wenig Publikum, der Harburger mag offenbar keinen Radsport, und andererseits jede Menge schlechte Straßen. Und da ist die glatte Bundesstraße am Deich deutlich besser zu befahren.

FinishermedailleNun denn, irgendwann waren wir wieder in Hamburg, es gab einen ordentlichen Endspurt durch den Hafen um noch einmal ein wenig Zeit aufzuholen, die am Deich liegen geblieben ist und zum Abschluss kam der Ritt durch die City. Jubelnde Massen auf beiden Seiten der Strecke peitschen dann die letzten 4 Kilometer so richtig nach vorn und ich selbst konnte nach 3 Stunden und 39 Minuten die Ziellinie überfahren.

UrkundeIn der Summe machte das dann den 2573. (von 6.874) Platz in der Gesamtwertung und den 875. (von 2.112) in der Altersklassenwertung. Die Durchschnittsgeschwindigkeit über alles lag bei 32,8 km/h, gegenüber 33,3 im Vorjahr. Auch das ist in Ordnung, hatte ich mir doch 28 km/h als Minimalziel gesetzt. Und erstaunlicherweise war ich am Ende weniger kaputt als zunächst angenommen. Auch gut. 🙂

Nach dem Rennen ist es immer ein wenig komisch. Irgendwie kommt – bis auf literweise Freibier – nichts weiter und so haben wir dann auch ganz fix die Kurve gekratzt. Umso schneller wir wieder auf dem Heimweg sind, umso weniger Stau gibt es. Also nur fix mit der U-Bahn zum Hotel, Auto geschnappt und los. Rennwochenende vorbei. Uff. 🙂

Habe fertig! :-)

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

2 thoughts to “Die Hamburg Cyclassics 2017”

  1. Hi Schrottie,
    Ich würde gerne erfahren, ob du auf die Eurobike nach Friedrichshafen kommst. Falls ja, würde ich mich super gerne über ein Projekt mit Dir austauschen.
    Ich bin übrigens Rennrad neuling.

    LG lena

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