Die Mecklenburger Seenrunde 2018

Ursprünglich wollte ich schon im letzten Jahr die Mecklenburger Seenrunde fahren, allerdings lag der Termin nur eine Woche hinter den Leipziger neuseen classics, weshalb ich dieses Vorhaben auf dieses Jahr verschob. Nur eine Woche nach einem 100km-Rennen eine 300km-Runde in der Mecklenburgischen Seenplatte mussten einfach nicht sein.

Dieses Jahr fielen beide Events auf den gleichen Termin und obendrein hatten auch die neuseen classics in diesem Jahr eine 300km-Runde dabei. Aber Mecklenburg erschien mir dennoch netter und so meldete ich mich dort an. Allein musste ich auch nicht fahren, denn eine Kollegin, die diese Runde schon einmal fuhr, war als Begleitung dabei. Als Startzeit nahmen wir 21.40 Uhr ins Visier, wurden dann aber auf 21.30 Uhr vorgezogen. Kein Problem, die paar Minuten passten schon und machten, das wussten wir dann aber erst am Ende, die Sache richtig rund.

Die Anreise legten wir direkt auf den Freitag und kamen etwa 2,5 Stunden vor dem Start in Neubrandenburg an. Somit war noch ausreichend Zeit für die Akkreditierung, ein wenig Futter und einen letzten Gang zum Klo. Auch die GoPro sollte dabei fit gemacht werden, jedoch zickte die Fernbedienung herum, weshalb das ursprüngliche Vorhaben, alle wesentlichen Teile der Runde zu filmen, ins Wasser fiel. Die Kamera laufend von Hand einzuschalten und dann zu filmen ist nicht nur nervig, das Gefummel während der Fahrt ist auch gefährlich. Also muss dieses Vorhaben wohl aufs kommende Jahr verschoben werden.

Pünktlich 21.30 Uhr ging es dann los. In einem überschaubaren Feld ging es los. Zunächst noch nicht sehr schnell, denn innerorts wurde die Strecke gesperrt und das Starterfeld von der Polizei eskortiert. Kurz vor Ortsausgang Neubrandenburg wurde uns dann auch fix noch gezeigt, wo der Hammer hängt. Beziehungsweise dass Mecklenburg keineswegs plattes Land ist und ein paar Höhenmeter zu erwarten sind. Denn es kamen gleich die ersten und das nicht zu knapp.

Allerdings sorgte das auch dafür, dass das Feld ein wenig auseinander gezogen wurde und so konnten wir uns direkt hinter einer recht flotten Gruppe einsortieren und damit bis zum ersten Depot, wie die Verpflegungsstellen bei der MSR heißen, schnelle Kilometer machen. Allerdings war schnell klar, dass wir die Gruppe nach dem ersten Depot verlassen, denn wechselnde Geschwindigkeiten nervten sehr und obendrein ist das Fahren in der Gruppe nachts deutlich anstrengender als tagsüber.

Erstes Depot der MSR 2018

Auf dem Weg nach Neustrelitz überholte uns die Gruppe dann wieder, allerdings hatten sich da schon einige Leute aus der Gruppe verabschiedet. Erstaunlich, war es doch ein Radsportverein und man sollte doch meinen, dass so ein Verein geschlossen fährt. Oder wenigstens zwei bis drei Leistungsgruppen aufstellt, die dann zusammen bleiben. Das klappte da aber nicht und kurz vor Neustrelitz sammelten wir den ersten wieder ein.

Inzwischen war es finstere Nacht und als nächstes Depot stand Schwarz auf dem Programm. Den Weg dorthin kenne ich ganz gut – die Gegend um Rheinsberg ist ja fast zweite Heimat und dort habe ich schon manchen Kilometer mit dem Rad gemacht, siehe bspw. hier ein Video von einer Tour die sogar durch Schwarz führt. Und weil ich ihn kenne, wusste ich auch, dass da jede Menge Kraft gebraucht wird, denn die Strecke ist eine Katastrophe. Bis Canow, ja eigentlich sogar bis zur Diemitzer Schleuse geht es noch, aber dann kommt kaputter Beton oder kaputter Asphalt. Oder beides in Kombination.

Solch schlechte Oberfläche kostet Kraft und Geschwindigkeit, insgesamt ließen wir hier deshalb auch gleich zwei km/h Durchschnittsgeschwindigkeit liegen. Dafür war das Depot in Schwarz ein Knaller. Die Freiwillige Feuerwehr hatte ein dickes Lagerfeuer entzündet und neben Obst und Broten gab es hier Schokolade bis zum Abwinken.

Lagerfeuer im Depot Schwarz

Etwas frisch war es inzwischen auch und so konnte man sich hier gut aufwärmen. Obendrein stand hier auch der Sammelbus für diejenigen, die nicht weiter können und den Marathon abbrechen. Allerdings waren erst zwei Räder im Bus, also hielten sich die Abbrecher in Grenzen.

Weiter ging es nach Röbel, wobei die Strecke nun deutlich angenehmer zu fahren war. Allerdings gab es hier eine Streckenänderung wegen einer Baustelle und so musste ein ganzes Stück Bundesstraße gefahren werden. In der Nacht war das kaum ein Problem, am Tag hingegen ist das sicher nicht wirklich angenehm gewesen. Aber ab Röbel, wo es im Depot leckere Nudeln mit Fleischsoße oder wahlweise als vegetarische Version mit Zucchini-Tomaten-Soße gab – letztere war trotz „vegetarisch“ enorm lecker – war die Strecke wieder ein wenig abseits großer Straßen.

Dafür gab es das für die Region typische auf und ab, das am Ende die Höhenmeter brachte und bis Nossenthiner Hütte jede Menge Kraft kostete. Allerdings gab es eine tolle Entschädigung für die Schmerzen, denn langsam ging die Sonne auf. Am Horizont dichte Nebelbänke und eine große Wolke und direkt neben der Wolke kam der Feuerball hoch. Herrlich!

Sonnenaufgang

In Nossenthiner Hütte sah man dann auch die ersten, die im Depot ein kurzes Schläfchen machten. Einfach den Kopf auf den Tisch und zu die Augen. Und das, wo es dort echt leckeren Kuchen gab. Wobei der Kuchen noch getoppt werden konnte. Denn bei Kilometer 229 kam dann das Depot Alt-Schönau und dort gab es einen oberleckeren Obstsalat. Dazu waren aus Strohballen bequeme Sitz- und Liegemöglichkeiten aufgebaut, so dass die Pause hier richtig angenehm war.

Allerdings dürfte hier, ebenso wie in den anderen Depots, der frühe Start ein echter Vorteil gewesen sein, denn in der Nacht fuhren nicht wirklich sehr viele, die meisten starteten früh am Morgen. Und dadurch waren die Depots nicht so sehr überlaufen. Und so war es dann am Depot in Möllenhagen, bei Kilometer 262 richtig ruhig und am letzten Depot, 22 Kilometer vor dem Ziel hielt kaum noch jemand an. Nun, da musste ich dann eben ein Stückchen Kuchen extra futtern, nicht das die Helfer dort umsonst stehen. 😉

Siegerfoto im Ziel ;)Die letzten 22 Kilometer liefen dann quasi von allein. Wir hatten ja ursprünglich einen Schnitt von 24 km/h angepeilt und, falls wir fit genug sind die 25 km/h als Sahnehäubchen geplant. Nun zeigte sich aber, dass wir durchaus bei 27 km/h und damit einer Nettozeit von
unter 11 Stunden landen können. Wenn wir nur das Tempo halten.

Und genau das taten wir dann, weshalb wir dann nach netto 10 Stunden, 53 Minuten und 33 Sekunden die Ziellinie überquerten. Brutto waren es dann 13:24:47, also 2,5 Stunden Pausen über die acht Depots verteilt. Ich finde, da kann man nicht meckern. Im Zweierteam, also ohne große Gruppe die guten Windschatten gibt, ist das durchaus eine brauchbare Leistung. Hier erklärt sich dann auch, weshalb der um 10 Minuten vorgezogene Start die Sache richtig rund machte. Er sorgte nämlich somit dafür, dass die Uhr auf der Ziellinie fast genau unsere Nettozeit anzeigte. 🙂

Auf jeden Fall geht es im kommenden Jahr wieder nach Mecklenburg. Erste Überlegungen, nächstes Jahr mal die 300km bei den neuseen classics zu probieren, wurden gleich wieder verworfen, als mir von dieser Strecke in diesem Jahr berichtet wurde. Schon das nur alle 60km eine Verpflegungsstelle ist, was nur 4 Futterpausen bedeutet, ist negativ zu werten, aber auch die Beschilderung soll nicht so wirklich der Bringer gewesen sein.

Und da hat Mecklenburg auf jeden Fall die Nase vorn. Die komplette Strecke war richtig gut ausgeschildert, vor jeder Gefahrenstelle wurde gut sichtbar gewarnt und regelmäßig gab es Warnschilder für Autofahrer, die auf die Radsportveranstaltung hinwiesen. Gerade die Warnhinweise für Autofahrer hatten auch beim Spreewaldmarathon gefehlt. Hier in Mecklenburg zeigte sich dann, dass diese Hinweise durchaus sinnvoll sind und tatsächlich helfen. Klar, ein paar Idioten gibt es immer, aber der Großteil der Autofahrer hat echt aufgepasst.

Nun denn, das war sie also, die Mecklenburger Seenrunde 2018. Hier nur noch fix der übliche Stravakrempel und ein Video zum virtuellen mitfahren bei Google Maps. 😉

Relive ‚Mecklenburger Seenrunde 2018‘

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

One thought to “Die Mecklenburger Seenrunde 2018”

  1. Hallo Schrottie,

    ich bin erst irgendwann im Februar auf deinen Blog gekommen. Ich weiß gar nicht mehr wie, aber egal. Es macht echt Spaß diesen zu lesen, er wirkt sehr motivierend. Ich selbst betreibe noch gar nicht so lange Radsport, ich bin letztes Jahr zum ersten Mal den Berliner Velothon 60 gefahren und dieses Jahr zum zweiten Mal. Die Mecklenburger Seenrunde und das Leipziger neuseen classics kenne ich noch gar nicht, aber klingen ganz gut die beiden Touren. Mal schauen ob ich das im nächsten Jahr anpeile, solche Events kannte ich noch gar nicht, aber dank dir bin ich drauf gestoßen und ohne es vorher zu wissen hab ich nach solchen gesucht um einen Trainingsansporn zu haben.

    Also dann weiter unfallfreie Fahrt.

    Mfg hawi

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