Eine Sache der Kommunikation

Ein aktuelles und ein etwas älteres Beispiel zum Thema unterschiedliche Heransgehensweise der  Vertreter der großen Listingplattformen in Sachen Kommunikation mit deutschen Behörden.

Aktuell gab es mal wieder eine Beschwerde von einer Kreisverwaltung, in der einige Geocaches angemahnt wurden, die sich in Naturschutzgebieten befinden. Dabei ging es um 6 Caches die bei opencaching.de und 21 Caches die bei geocaching.com gelistet sind (insgesamt 22 Caches, 5 davon Doppellistings, die auf beiden Plattformen zu finden sind bzw. waren). Dabei wurde die umgehende Entfernung verlangt und bei Nichteinhaltung ordnungsbehördliche Maßnahmen angedroht. Soweit also ein ganz normaler Vorgang. Was die GC-Caches betrifft, haben wir vom Team geocaching.de/opencaching.de nicht viele Möglichkeiten, jedoch ist es inzwischen von Groundspeak gewünscht, das solche Vorgänge direkt nach Seattle durchgereicht werden anstatt wie früher zunächst auf Userebene eine Lösung zu suchen. Die wollen das so, also bekamen sie es.

Was die OC-Caches betraf, wurde zunächst alles Betreffende deaktiviert und die Besitzer bekamen eine Info über die aktuellen Vorgänge mit der Bitte um eine kurze Wortmeldung/Erklärung. Einige der Cachebesitzer meldeten sich und drei davon machten recht glaubhaft klar, das die Caches ohne Verlassen der Wege erreichbar sind, einer hat seinen Cache umgehend selbst archiviert. Dies gab uns nun die Möglichkeit, mit der Kreisverwaltung zu reden. Leider war der zuständige Sachbearbeiter zeitnah nicht mehr erreichbar, so das ihm eine Telefonnummer und die Bitte um Rückruf hinterlassen wurde. Die GC-Caches wurden in der Zwischenzeit auch bearbeitet: Rigorose Archivierung! Für mich recht unverständlich, denn ich habe zwar von Groundspeak erwartet das umgehend gehandelt wird, jedoch hätte ich hier angenommen das zunächst der Dialog mit den Cachebesitzern gesucht wird. Denkbar wäre auch gewesen, das sich ein Reviewer mit der Kreisverwaltung in Verbindung setzt. Nicht umsonst heißt es doch im „Reviewer-Anforderungsprofil“:

„Geocaching.com asks geocachers to become volunteer cache reviewers based on an identified need in the local area. Qualifications include experience level (most volunteers have hidden dozens of caches and found hundreds or thousands), reputation within the local geocaching community, involvement with any local geocaching organizations, demonstrated ability to work with land managers, communications skills, and knowledge of the geocache listing guidelines.“

[Quelle: support.groundspeak.com]

Aber nein, es wurde kurzer Prozeß gemacht. Mag sein, das der Reviewer dies so machen sollte, also die Archivierungsanweisung direkt aus Seattle kam, was aber tatsächlich los war, bleibt wohl wie so vieles rund um das „System Reviewer“ ein ewiges Geheimnis. Transparenz ist ja nicht wirklich deren Stärke…

Wie dem auch sei: Heute, ich machte gerade ein Nickerchen nach der Nachtschicht, bimmelte das Telefon. Am anderen Ende die Kreisverwaltung, der Bitte um Rückruf nachkommend. Es entwickelte sich ein sehr nettes Gespräch, bei dem ich dem Herrn von Der Kreisverwaltung so einiges rund um das Geocaching und vor allem die unterschiedlichen Listingplattformen erklären konnte.

Heraus kam dabei auch der Grund für die Beschwerde: Ein Waldbesitzer hatte sich an die zuständige Unweltschutzbehörde gewandt, nachdem ihm im NSG fern abseits der Wege ein paar Gestalten auffielen, die allerlei Moose niedertrampelten. Auf ihr Tun angesprochen erwiderten sie, sie wären Geocacher und müssten dort entlang. Also reagierte die Behörde nur, schaute nach und sah, das auch andere NSG in Kreisgebiet betroffen sind. Also gab es etwas Fleißarbeit. Alle Geocaches heraussuchen, auflisten und um Entfernung bitten die umgehende Entfernung verlangen.

Nun hatte sich der größte Teil dieses Problems bereits durch das eilige Archivieren bei GC gelöst, verblieben einige wenige Caches bei OC, die ja nach Aussage der Besitzer vom Weg aus erreichbar waren.  Und wie so oft in solchen Fällen ist auch hier nichts so heiß gegessen worden wie man es einst kochte: Unter den gegebenen Umständen ist es absolut kein Problem wenn diese Caches verbleiben, man will ja auch auf Seiten der Kreisverwaltung das die Menschen hinaus in die Natur gehen, also will man sich keineswegs gegen das Geocaching stellen. Man ist sich durchaus bewusst, das man auch hier mit der Zeit gehen muss und auch moderne Formen der Naturnutzung nicht verbieten soll. Obendrein gibt es ja immer noch den naturerzieherischen und -bildenden Charakter in Bezug auf Geocaching mit Kindern.

Aber das seitens der Reviewer von geocaching.com zuweilen Defizite bei der Kommunikation mit Behörden und Organisationen bestehen, hat ein hier nicht namentlich genannter Reviewer ja schon einmal bewiesen. Aufmerksame Leser der grünen Hölle werden wissen worum es geht. Dabei kam zur Diskussion, das es bei GC generell verboten ist, einen Cache einzugraben. Also selbst das Versenken im Boden fällt darunter, sobald eben scharfkantige Werkzeuge bereits beim Verstecken nötig werden, unabhängig von der Größe des Behälters. Im speziellen Fall ging es um einen Cache im Berliner Grunewald, der zwangsarchiviert wurde, weil der Reviewer meinte er wäre verbuddelt. Und das, obwohl der Besitzer IMHO recht glaubhaft versichern konnte, das er zum Verstecken nicht graben musste. Um nun zu demonstrieren das Buddeln im Grunewald verboten wäre, schrieb er eine Mail an das zuständige Forstamt.

Dummerweise, und hier achte man auf die im Anforderungsprofil genannte(n) „ability to work with land managers, communications skills“, gab er sich nicht als offizieller Vertreter der Firma Groundspeak zu erkennen, sondern schrieb die Mail in der Art:

„Hallo hier ist Klein Fritzchen aus XYZ, ich will im Grunewald Geocaching machen und dazu einen Eimer (siehe angehängtes Foto) im Grunewald eingraben! Darf ich das?“

Nun muss man kein großer Seher sein um schon vorher zu wissen was da ganz zwangsläufig als Antwort kommt. Kurzum hat das FA Grunewald erklärt, das einem dort das Geocaching ein dicker Dorn im Auge ist, das der Eimer definitiv nicht verbuddelt werden darf und sowieso gehört Geocaching wohl besser verboten. Nunja, auch ich hatte diese Idee im Laufe der Diskussion und habe meinerseits ebenfalls das FA Grunewald angeschrieben. Allerdings nicht als „Klein Fritzchen“, ich habe mich klar als Vertreter der Plattform opencaching.de zu erkennen gegeben, habe die laufenden Diskussionen geschildert und um ein Statement zur Sache gebeten. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Man habe im Kollegenkreis bereits über das Geocaching gesprochen und ist sich einig, das man es wohl nicht mehr verhindern kann. Also arrangiert man sich damit un dhofft, das es nicht allzu sehr abseits der Wege getan wird, das Nachts die Suchenden gut beleuchtet und somit deutlich und von weitem erkennbar sind und wenn mal ein Eimer im Boden versenkt werden soll, dann ist das auch kein Problem*, solange „er nicht zur Stolperfalle für alternde Oberförster“ wird.

Wie man sieht, eine völlig gegenläufige Antwort. Allerdings sicher nicht die, die sich der Reviewer erhofft hatte, denn sie unterläuft die Guidelines von Groundspeak und deren Wirksamkeit wollte er ja beweisen. So gesehen hat er damit ja tatsächlich „communication skills“ bewiesen, denn er hat genau die Antwort provoziert, die er haben wollte. Blöd nur, das dies nicht im Interesse der Community ist, und die sollte der Reviewer ebenso vertreten wie die Guidelines eines us-amerikanischen Unternehmens. Es sei denn, ihm liegt viel daran seine „reputation within the local geocaching community“ zu demontieren und somit ein Stück mehr ungeeignet für den Job eines Reviewers zu sein. Na okay, ob der Reviewer wirklich einen guten Ruf in der lokalen Community besitzt ist in vielen fällen ja sowieso nicht klar, sie verstecken  sich ja gern hinter Sockenpuppen. Aber das spielt ja sowieso keine Rolle, die Anforderungen sind schließlich nur Makulatur, wer Reviewer wird, bestimmen die vorhandenen Reviewer schließlich selbst und Vetternwirtschaft kennt bekanntlich keine Anforderungen.

Insgesamt zeigen die beiden Beispiele aber eines in aller Deutlichkeit: Auch mit Behörden kann man reden (wenn man es denn will) und wenn man sich vernünftig mit denen auseinandersetzt, dann findet sich auch eine Lösung mit der alle Beteiligten durchaus zufrieden sein können.

Es ist eben alles eine Sache der Kommunikation! 🙂

* Dies soll jetzt allerdings kein Aufruf dazu sein, im Berliner Grunewald ganz eifrig Tupperdosen und Gurkeneimer en masse zu verbuddeln, denn a) geht das nicht mit den Guidelines von GC konform und b) sollte hier wie überall auch die nötige Portion Verstand und Augenmaß eingesetzt werden. Klar, oder?

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

8 thoughts to “Eine Sache der Kommunikation”

  1. Es ist doch schön zu hören, dass diese Kreisverwaltung ein offenes Ohr für diese neuen Spielarten in der Natur hat. Es wäre aber auch wünschenswert, wenn das überall so problemlos ginge.

    1. Das klappt eigentlich in vielen Fällen so gut, man muss es eben nur versuchen. Im Nationalpark Müritz hatten wir ja seinerzeit ähnliches, auch da hat man mit sich reden lassen und nach gemeinsamen Lösungen gesucht. Wie schrieb schon einer der diesmal Betroffenen Cacher, als ich ihm eröffnete das ich seinen Cache wieder aktiviert habe:

      Das alte Sprichwort „sprechenden Menschen kann geholfen werden“ bewahrheitet sich immer wieder. 🙂

      Recht hat er! 🙂

  2. Toll geschrieber Artikel, weiter so! (Ja, hört sich ein bisschen am wie eine Ebay-Bewertung :mrgreen:)

    Dieselbe Erfahrung mache ich auch immer wieder, man muss nur richtig mit den Leuten reden und man bekommt eine ganz andere Antwort. 🙂

  3. Immer ruff uf den, der sein eigner Herr ist. 😡
    Schrottie, dieser Beitrag ist gut gelungen. Auch wenn Du jetzt bei der „Konkurrenz“ bist.
    🙄
    Darf ich jetzt auch auf einen Beitrag über den Funkpfadi hoffen? :w00t:

  4. Hmm, wenn man es ganz genau nimmt, dann hat ja der „Funkpfadi“, auch wenn er sich gern ein wenig überspitzt und zu direkt ausdrückt, im Wesentlichen(!) Recht mit dem was er sagt. Also gibts da auch nicht allzuviel zu zerfleddern. :angel:

  5. Hach…mal wieder als allmonatliche (oder allwöchentliche) Reviewerbashing…

    Ich finde es sehr spannend, wie die wahrgenommenen Fälle als genereller Standard dargestellt werden und das die richtigen Helden natürlich fehlerlos und für OC arbeiten….

    Viel Spaß noch
    Christoph

    1. Ach Christoph, wenn Du jetzt schon die reine Gegenüberstellung von gleichen Vorgängen als Reviewerbashing bezeichnest, dann tust Du mir leid. Lies doch einfach nochmal nach: ZWei Fälle, exakt die gleiche Ausgangsposition, unterschiedliche Ergebnisse. Welche Ergebnisse eher im Sinne des Benutzers, aber auch – und das wiegt sogar noch schwerer – im Sinne des Hobby Geocaching sind, liegt in beiden Fällen recht deutlich auf der Hand. Es geht da nicht darum die Reviewer zu bashen, nicht umsonst habe ich keine Namen genannt, es geht darum, zum Nachdenken zu bewegen. Klar, in erster Linie meine ich da natürlich über die Reviewer nachzudenken, oder vielmehr über deren Handeln, deren Art und Weise und darüber, ob man wirklich Groundspeak und die Reviewer so dergestalt über den Klee loben sollte, wie es oft passiert. Sicher, auch wir bei OC sind nicht fehlerfrei, aber wer hier in diesen Fällen die bessere Arbeit abgegeben hat, liegt doch wohl auf der Hand. Oder?

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