Geocaching wie es früher einmal war

Vor nicht ganz einem Jahr, es war der 19. Juni 2013, traf ich eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereut habe. Ich entschied mich dafür, in Sachen Geocaching der Firma Groundspeak weitgehend den Rücken zuzukehren und fortan nur noch auf Opencaching.de zu setzen. Über die Gründe, oder zumindest einen großen Teil der Gründe habe ich hier im Blog ja letztes Jahr schon berichtet. Nun ist eben fast ein Jahr vorüber und es ist an der Zeit, ein wenig zurück zu blicken. Hat sich die Entscheidung gelohnt?

Zunächst muss ich noch sagen, das ich durch allerlei Krankenhausaufenthalte im „Testzeitraum“ nur knappe 7 Monate wirklich aktiv cachen gehen konnte. Das macht die zahlen aber letztlich umso beeindruckender. Ich habe nämlich in diesem Zeitraum insgesamt 402 Geocaches als gefunden (bzw. Events als besucht) geloggt. Darunter befanden sich 31 Geocaches die nur bei Geocaching.com gelistet waren. Bei denen wurde ich durch einen guten Kumpel „mitgeschleift“ und da ich Geocaching.com ja nun nicht komplett verteufel, habe ich natürlich mitgemacht. Alle anderen Caches waren bzw. sind bei Opencaching.de gelistet. Darunter wiederum befanden sich ganze 175 ausschließlich auf Opencaching.de gelistete Caches. Das macht eine OConly-Quote von 43.35%, wenn man die 31 GC-Caches herauslässt, sogar eine Quote von 47.17%. Und wo wir nun schon bei Zahlen sind, 34 FTF waren ebenfalls dabei, also 8.46% über alles.

Ein ziemlich erstaunliches Ergebnis, insbesondere dann, wenn man bedenkt das die geringe Cachedichte/-anzahl oft als Hauptkritikpunkt angeführt, als Hauptgrund für die Nichtnutzung der Plattform angegeben wird.

Aber nicht nur die Zahlen sprechen für sich, es fühlt sich auch alles ganz anders an. Derzeit hört und liest man ja immer mal wieder von allerlei Sinnkrisen, bundesweit bekannte Geocacher fahren das Hobby weitgehend zurück, beklagen sich über den immer heftiger ausartenden „Höher-Schneller-Weiter“ Zirkus, der nicht zuletzt forciert von Groundspeak, immer mehr um sich greift. Aus Events werden Megaevents und weil das nicht reicht werden es jetzt Gigaevents, Multis werden immer weniger, dafür ploppen beinahe täglich neue Powertrails auf und wenn man mal einen Geocacher in freier Wildbahn trifft, ist oft die Frage nach der Fundzahl das erste und einzige worüber geredet wird.

Viele möchten genau das ein wenig entschleunigen, wieder so cachen gehen wie man es früher, in der „guten alten Zeit“ tun konnte. Und genau das gibt es bei Opencaching. Wichtig ist nur eins, und nur dann funktioniert das auch wirklich, man darf einfach nicht mehr bei Geocaching.com reinschauen. Die Karte ist dort besonders tabu, aber auch die Umkreissuche um den Wohnort. Ich selbst hatte keine Probleme damit, aber wenn jemand anderes mal eine Zeit OConly ausprobieren will, dann sollte er sich daran halten. Für mich war es oft sogar nett anzuschauen. Im vergangenen herbst hatten wir im Urlaub eine Ferienwohnung inmitten eines riesigen Powertrails. Herrlich, all diese unsinnigen Dosen zu ignorieren und dafür nur vier OConly zu suchen, die in eben dieser Region lagen. Wieviel Zeit da für Natur und Erholung blieb, kaum zu beschreiben. 🙂

Aber die „Verknappung“ des Suchangebotes bringt noch etwas anderes mit sich. Man kann sich auch wieder an einfachen Geocaches erfreuen. Einfache Tradis werden da, eine gute Location vorausgesetzt, wieder eine ganz tolle Sache, selbst wenn mal die Dose nicht ganz dicht und das Logbuch klamm ist, man freut sich trotzdem darüber. Warum? Klar, weil eben nicht mehr an jeder Ecke, an jedem Baum und jedem Rastplatz ein PETling in die Erde gedrückt ist, weil man auch öfter mal reichlich Strecke zurücklegen muss um von einer Dose zur nächsten zu gelangen. Ebenso werden dann Dinge wie „Homezonebereinigung“ absolut uninteressant.

Derzeit fahre ich jeden Tag an vier Geocaches vorbei. Mit dem Rad, ich müsste also nur anhalten, zugreifen und mich eintragen. Aber warum? Die rennen doch nicht weg und irgendwann komme ich dort mal zu Fuß vorbei und dann kann ich immer noch loggen. Und bis dahin freut mich, das auf der Cachekarte noch der eine oder andere Cache in Wohnortnähe angezeigt wird.

Dafür ist es aber auch immer sehr erfreulich, wenn eine Mail eintrudelt, die von einem schönen Multi zu berichten weiß, auch wenn dieser mal eben 100 Kilometer weit weg veröffentlicht wurde. Dann fährt man eben dorthin und verbindet die weite Anfahrt mit einer schönen Wanderung in möglicherweise ganz unbekannter Umgebung. Zeit dafür bleibt ja, wenn man sich nicht alle 300 Meter nach einem PETling bücken muss. Und so lernt man tolle neue Orte kennen, die man ohne Geocaching nie kennen gelernt hätte. Also so, wie Geocaching früher immer beschrieben wurde. Früher, als alles noch viel besser war. Und nein, wer ehrlich zu sich selbst ist, der wird feststellen das dies mit Geocaching.com zwar theoretisch möglich ist, in der Praxis jedoch kaum gelebt werden wird, denn wenn da schon „Beifang“ am Wegesrand liegt, dann nimmt man den ja auch mit.

Kurzum: Ich bereue nichts! Nur noch auf Opencaching.de zu setzen, war die beste Entscheidung die ich für mich und den Spaß am Hobby Geocaching treffen konnte. 🙂

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)