GNOME auch unter Natty verwenden

Als alter Versionsjunkie konnte ich es mir heute nicht nehmen lassen, meine Maschine auf Natty zu hieven, sprich die aktuellste Ubuntu-Version zu installieren. Das Upgrade selbst lief wie gewohnt ohne weitere Probleme und mehr oder weniger im Hintergrund. Interaktion war nur dreimal gefragt, der Rest lief nach einem kurzen

sudo update-manager -d

wie von allein. Insgesamt verging eine knappe Stunde, während der ich wie gewohnt weiterarbeiten konnte, ohne paralleles Arbeiten am Rechner wäre es vermutlich noch ein Stück schneller gegangen. Fehler gab es keine zu verzeichnen und nach einem Neustart grinste mich… Unity an! Waaaah!

Unity mag ja für manch einen eine echt tolle Sache sein, gerade wenn man aus der Windowswelt umsteigt und nebenbei ein Apfeltelefon sein Eigen nennt, dann dürfte man an dieser Oberfläche seine wahre Freude haben. Ein symmetrisch aufgeteilter Desktop mit Anwendungsstartern der an die Ansicht auf dem Apfeltelefon erinnert und ähnliche „Schiebeeffekte“ obendrein. Anwendungsfenster sollte man, wie es wohl bei den meisten Windowsbenutzern Usus ist, maximiert verwenden da das komplette Dateimenü jeder Anwendung im oberen Panel(?) ist. Wer eben immer alles maximiert hat damit also kaum Probleme aber gänzlichst unbenutzbar wird das bspw. bei SDI-Anwendungen wie Gimp.

Glücklicherweise gibt es hier trotzdem Abhilfe, denn man kann ja bei der Anmeldung den Sitzungstyp wählen, und da hat man dann den wunderfeinen GNOME-Desktop wieder mit dabei. Man fummelt sich also durchs Anwendungsmenü bis man die Einstellungen für den Anmeldebildschirm ändern kann. Hier ändert man die Standardsitzung von „Ubuntu“ auf „Ubuntu Classic“.

Wer keine automatische Anmeldung aktiviert hat, der kann den Desktop schon während der Anemeldung auswählen und dann auf dem bekannten Wege „System -> Systemeinstellungen -> Anmeldebildschirm“ den Standarddesktop einstellen.

Ansonsten wartet Natty mit nur wenig Neuheiten auf. So ist ab sofort Firefox 4 der Standardbrowser, Rythmbox wurde durch Banshee als Standard-Mediaplayer abgelöst und anstelle von OpenOffice ist nun LibreOffice dabei. Letzteres wurde ja schon lange angekündigt und ist dem Verhalten von Oracle geschuldet. Und auch wenn Oracle nach eigenem Bekunden inzwischen jegliches kommerzielles Interesse an OpenOffice aufgegeben hat, inzwischen sind einfach zuviele Entwickler zu LibreOffice gewechselt, als das von OpenOffice noch große Innovationen zu erwarten wären. wer die Querelen rund um OpenOffice nicht mitbekommen hat, kann sich zu diesem Thema ja mal durch Golem lesen.

Aber klar, großartige Neuheiten wurden ja auch nicht versprochen, einzig den Anspruch gab es, Natty Narwhal zum bestaussehendsten der bisherigen Ubuntu-Releases zu machen, so zumindest Mark Shuttleworth. Naja, ob das mit Unity wirklich gelungen ist, mag durchaus bezweifelt werden, ich jedenfalls bleibe bei GNOME. Auch andere sind ja nicht wirklich überzeugt und wollen gar – Oh Graus!zu KDE wechseln. Jetzt heißt es erstmal abwarten, in den kommenden Tagen wird es ja sicher so manche Stimme bzw. Meinung zu Unity geben, und auch wenn ich nicht glaube das Canonical bei diesem Thema zurückrudern wird, so wird man dann hoffentlich auch weiterhin bei der Unterstützung für GNOME bleiben und irgendwann auch endlich mal GNOME 3 in die Distribution packen.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

10 thoughts to “GNOME auch unter Natty verwenden”

  1. Die neue Oberfläche werde ich mir zumindest mal kurz anschauen, vermtulich aber auch wieder auf Gnome umschwenken. Libreoffice ist jetzt nicht mein Favorit, zwischen 3 Systemen wechseln muss nicht sein. heute Abend werde ich es mal installieren, wenn er denn fertig geladen hat. 700mb über ein DSL1000 ist nicht wirklich der hit 😉

  2. 3 Systeme? LibreOffice ist im grunde nichts anderes als OpenOffice, nur das sich die Open Document Foundation von Oracle getrennt und mit LibreOffice einen eigenen Fork der Suite initiiert hat. Das ist der tatsache geschuldet, das Oracle zunächst weiterhin immer erst die kostenpflichtige Version veröffentlichen wollte und die kostnlose Communityversion hinterher. Dadurch kam es zum Split. Aber anders als beim Unterschied MS Office <-> OpenOffice gibt es hier ja keine wesentlichen Unetrschiede, beide sind in der Bedienung gleich und beide, also OO und LO, setzen auf den weltweiten Standard ODF (Open Document Format). Auch optisch sind keine Unetrschiede erkennbar, eines ist eben nur die logische Weiterentwicklung des anderen unter alter neuer Flagge. 😎

  3. Die Frage ist allerdings, wie lange OO und LO noch gleich bleiben, schon in der nächsten Version könnte es Unterschiede geben oder? Leider muss ich MS Office im Betrieb benutzen. Vermutlich stelle ich meine Rechner dann alle auf LO um

  4. Es läuft 🙂 Kann aber nur Gnome nutzen, meine Graka unterstützt das andere nicht. Fällt dir ein kleiner PDF-Reader ein, ähnlich Foxit Reader? Ich will nur Kommentare in PDFs schreiben können. Adobe Reader kanns angeblich, aber komischerweise sind alle PDFs schreibgeschützt, bringt mir also nichts 🙁 Das ist der einzige Punkt, der mich noch am vollständigen Umstieg hindert. Abgesehn von Miranda IM 😉

  5. Joar, Unify will viel Speicher und 3D-Gerödel.

    Der Schreibschutz beim Adobe Reader ist normal, ist ja nur ein reader. Man kann zwar Formularfelder ausfüllen und drucken, aber keine ausgefüllten PDF speichern. Für Kommentieren und Bekritzeln macht sich Xournal ganz gut, ist zwar nur in englisch erhältlich, aber weitgehend selbsterklärend. Grundsätzlich ginge das Kommentieren aber tatsächlich auch im Adobe Reader, dort jedoch immer nur dann, wenn es sich um ein zur Zusammenarbeit freigegebenes Dokument handelt. Dann hat man auch die entsprechende Werkzeugleiste aktiv.

    Und Miranda kriegt man doch mit Pidgin weitgehend ersetzt… 🙂

  6. Pigdin hat nur den nNachteil, dass es mindestens 3x so breit ist und ca 1/5 – 1/4 vom Bildschrim einnimmt, außer man möchte die Menüleiste oben nicht vollständig. Da ist mir definitiv zu viel grafisches Gedöns. Ich hab nur 1280pixel und wenn firefox oder vorallem eclipse offen ist, brauch ich dafür platz und nicht fürs Chatten.
    Unify ist ja schrecklich! Einstellungen, Porgramme wo soll das denn sein? Ich hab kein Smartphone ect, als das ich das kennen würde. Gnome und sonst nichts 🙂
    Pdfexchange viewer funktioniert unter wine, im gegensatz zu Foxit. Das einzige das jetzt noch falsch ist, ist das lila, ich hasse lila 🙁

    1. Übrigens: $BESTEEHEFRAUVONALLEN war ja zunächst ganz angetan von der Optik von Unity und auch die Verheißung, alles ganz aufgeräumt und einfach/logisch zu finden war sie ganz begeistert. Leider trat die Verheißung nicht ein und die Optik zeigte sich dann auch als eher hinderlich, so das sie nach zwei Tagen doch lieber ihren GNOME wieder zurückhaben wollte. 🙂

  7. Ich habe mich mittlerweile mit der Unityoberfläche angefreundet. Am Anfang dachte ich auch, dass ich das nicht benutzten werde, aber ich habe es einfach gelassen und es auf mich zu kommen lassen. Nach einiger Eingewöhnung finde ich die Oerfläche nun ziemlich angenehm zum Arbeiten. Ich bleibe vorerst dabei.

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