Google Fit – Aktivitäten tracken, messen, zählen und schätzen

Im Artikel zum Ende von Google My Tracks und den möglichen Alternativen, oder vielmehr in dessen Kommentaren, kam die Frage auf, weshalb ich Google Fit nicht erwähnt habe. Das lag vornehmlich daran, das ich Google Fit nur einmal kurz probiert habe, als es noch nicht viel mehr als ein Schrittzähler war.

Allerdings ein recht unzuverlässiger, weshalb ich diese App dann auch irgendwann nicht weiter nutzte. Und so blieb sie dann für mich weiterhin ein einfacher Schrittzähler. Nun lasse ich mich aber gern eines besseren belehren und so war es auch mit Google Fit. Ich habe es ein wenig genauer ausprobiert und sehe da nach wie vor viele Schwächen, jedoch auch Potenzial und je nach Verwendungszweck ist es ein ganz brauchbares Tool.

Screenshot: Google Fit für Android

Was macht also Google Fit. Im Grunde nutzt es vornehmlich die Sensoren des Smartphones und erkennt dann die Bewegung seines Trägers. Und genau hier hat man schon die erste Schwachstelle: Man muss das Handset stets „am Mann“ tragen, wenn man damit den kompletten Tag erfassen möchte. Bleibt es mal auf dem Schreibtisch liegen, bewegt man sich beim Gang zum Klo quasi an seiner eigenen Statistik vorbei. 😉

Erkennen oder Benennen

Google Fit erkennt dann, ob man normal geht, schneller läuft oder gar mit dem Fahrrad unterwegs ist. Und da ein Smartphone auch immer weiß wo es sich befindet, wird die Strecke auch gleich mit aufgezeichnet. Da hier kein GPS zum Einsatz kommt, erhebt die Aufzeichnung aber keinen Anspruch auf Genauigkeit und die Strecke wird lediglich geschätzt.

SportartenauswahlNeben der automatischen Erkennung und Erfassung von Bewegung und Aktivität kann man auch, und das war mir bisher bspw. neu, ganz gezielt Aktivitäten zur Aufzeichnung starten. Hier hat man eine wirklich reichhaltige Auswahl und es dürften so ziemlich alle Sportarten abgedeckt sein, die der geneigte Freizeitsportler machen kann.

Schätzen statt Messen

Leider kommt auch hier wieder die Schätzung zum Tragen. Genau, es wird reichlich geschätzt. Nur wenn man die Aktivitäten „Laufen“ oder „Radfahren“ gezielt startet, kommt GPS zum Einsatz. Die App begründet das mit dem erhöhten Energieverbrauch durch GPS. Bei der automatischen Erkennung mag das ja auch in Ordnung sein, wenn man jedoch gezielt eine Aktivität tracken will, dann ist einem aber auch klar, das damit GPS und Stromverbrauch verbunden ist. Schade also, das einem hier die Wahl genommen wird.

Aber wie überall kann man natürlich auch hier tricksen: Man startet dann eben einen Lauf oder eine Radtour, macht dann in Ruhe sein Ding und hinterher ändert man die mit nun exakt aufgezeichneter Strecke versehene Aktivität auf die korrekte Sportart. Das ist zwar nicht sonderlich elegant, denn Google könnte hier ja bspw. auch dem Nutzer überlassen, ob er seine Kanutour (oder was auch immer) mit oder ohne GPS tracken möchte, aber es funktioniert.

Genauigkeit

Die Genauigkeit ist so eine Sache, denn wo viel geschätzt wird, liegt man ja auch oft daneben. Also habe ich Google Fit mal direkt gegen meine Garmin Fenix 3 antreten lassen und quasi als Kontrollwert auch mit einem Garmin Oregon 550 gemessen. Das Ganze dann bei einer gemütlichen Paddeltour, also einer Aktivität, bei der Google Fit die strecke nur schätzt.

Google Fit kam dabei auf eine zurückgelegte Strecke von 7 Kilometern , die Garmin Fenix 3 auf exakt 6.017 Meter  und das Oregon 550 zeichnete 6,03 Kilometer  auf. Die beiden GPS-Messungen liegen also sehr dich beieinander, während ein kompletter Kilometer Abweichung bei einer so kurzen Strecke schon ziemlich heftig ist. Und, das muss auch erwähnt werden, trotz reiner Schätzung „um den Akku zu schonen“ wurde ganz mächtig am Akku gesaugt.

Nach meiner obligatorischen Fahrradtrainingsrunde meldete Google Fit übrigens eine Strecke von 48,6 Kilometern, während das Garmin Edge 510 ganze 51,29 Kilometer ermittelt hat. Auch hier hat Google Fit geschätzt, denn ich habe die Aktivität nicht extra gestartet. Sonst hätte Google Fit ja auch, eben weil es sich um Radfahren handelte, mit GPS gearbeitet. Diese 3 Kilometer Abweichung bei über 50 Kilometern tatsächlicher Strecke sind dann aber schon wieder vertretbar. Denn wenn man es ganz genau will, dann arbeitet man ja ohnehin mit GPS. Nur, das eben der Otto Normalverbraucher, der auf „Hausmittel“ wie Google Fit zurückgreift, eher kurze Strecken absolviert und da ist eben die Abweichung gravierend.

Zusätzliche Daten erfassen

Laut Einstellungsmenü kann man Google Fit inzwischen auch auf die Daten von Körpersensoren zurückgreifen lassen. Dies werden zum Einen Pulsdaten von Android Wearables, sollten aber auch via Bluetooth verbundene Pulsgurte und ähnliches sein. Also habe ich mal geschaut, ob sich meine Pulsgurte überhaupt direkt mit dem Smartphone koppeln lassen. Leider taten sie das nicht. Hier haben also „echte“ Fitnessapps die Nase vorn, denn die erkennen einen BT-Smart Pulsgurt selbst und nutzen ihn ohne direkt Koppelung mit dem Handset.

Kurzum, hier stand sich die Technik wohl selbst etwas im Wege und ich konnte diese Funktion nicht weiter testen.

Auswertung

Wie alle Fitnesstracker kann man sich am Ende auch von Google Fit alle erfassten Daten ganz hübsch grafisch aufbereitet anzeigen lassen. Der Fokus liegt bei Google Fit übrigens auf der Bewegungszeit. Während woanders Dinge wie Schrittzahlen oder Strecken als Ziel genutzt werden, will Google Fit eine bestimmte Gesamtbewegungsdauer sehen, bis das erreichte Tagesziel gemeldet wird.

Neben der Bewegungsdauer werden dann in der Grundansicht alle intensiveren Aktivitäten in einem Zeitstrahl angezeigt, kurze Aktivitäten können dabei auf Wunsch mit eingeblendet werden. Und wer es ganz genau wissen will, der kann sich die einzelnen Daten auch auf einem Tagesdiagramm anschauen.

Fazit

Google Fit ist wohl die erste App bzw. der erste Fitnesstracker, bei dem ich mir nicht wirklich sicher bin, was ich davon halten soll. Google Fit kann im Grunde schon jede Menge, davon aber kaum etwas wirklich überzeugend. Vieles gut, das mag sein, aber zumindest für meine Anforderungen nicht gut genug.

Geht man aber auf die eigentliche Aufgabenstellung zurück, die diese App ja erst in meinen Fokus rückte, nämlich die Suche nach Alternativen für Google My Tracks, dann würde ich das schon als durchaus brauchbare Alternative sehen. Vermutlich sieht das Google ebenso und stellt My Tracks deshalb ein.

Wer also lediglich ein Auge auf seine tägliche Bewegung werfen und sich dabei zu etwas mehr motivieren will, wer nur mal eben die Gassirunde mit Pfiffi tracken möchte, der wird mit Google Fit durchaus zufrieden sein. Allerdings muss er dann auch damit leben, das der Akku seines Handset nicht gerade geschont wird. Alle anderen sollten hingegen doch besser auf „professionellere“ Mittel zurückgreifen.

Google Fit – Fitness-Tracking
Entwickler: Google Inc.
Preis: Kostenlos
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Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet.

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