gut gefunden, vielen dank

Nein, er hat die Groß- und Kleinschreibung nicht verlernt, der Schrottie. Das da oben in der Überschrift ist ein Vollzitat, und Zitate soll man ja bekanntlich nicht fälschen. Das Zitat gibt ein Fundlog für einen Geocache wieder, den ich so rein interessehalber noch auf der Watchlist habe. Eben kam es per Mail hereingeflattert und prompt fiel mir ein, das ich mich dazu ja schon öfter mal äußern wollte.

Besagten Cache (GC25V53) habe ich allerdings nicht etwa auf der Watchliste weil er so toll ist. Ganz im Gegenteil, bei diesem Cache handelt es sich um einen sinnlosen Mikro, der an der Ecke einer Einfahrt unter einem Stein liegt. Dem aufmerksamen Beobachter ist es sicher schon aufgefallen:  Einfahrt + Ecke + Stein = Hundeklo! Und richtig beobachtet, dieser Cache liegt direkt unter einem Hundeklo. Als wir einst dort vorbeikamen wollte ich es erst gar nicht so richtig glauben. Aber die Koordinaten zeigten dorthin. Exakt. Der Stein hatte dankenswerterweise eine längliche Dreieckform und der spitze Winkel dieses „Dreieckes“ lag trocken. Also angepackt, und druntergeschaut. Tatsächlich, da lag eine (Kaugummi-)Dose.

Zu Hause beim loggen las ich dann folgendes:

Ich war lange Zeit täglich an diesem Ort und habe dort noch keinen vierbeinigen Kollegen erwischt. Desweiteren hab ich alles kontrolliert und nichts ekeliges festgestellt. Für die mit Putzfimmel unter euch empfehle ich für alle Fälle Sagrotan mitzunehmen, ist aber kein Muss

[vollständiges Log]

Das schlug dem Faß nun wirklich den Boden aus und das tat ich dann auch in meinem Log kund. Und da ich von Natur aus neugierig bin, nahm ich den Cache auf die Watchliste, mal sehen was die anderen so dazu meinen. Neben den bei vielen üblichen Danksagungen (Wofür eigentlich? Für eine ins Hundeklo gerotzte Kaugummidose?) kam immer mal wieder die Sprache auf die Hinterlassenschaften der Hunde, aber niemand schien sich daran zu stören. Irgendwann hatte der Stein die Dose dann zerdeppert. Logisch, niemand hebt den Stein ordentlich an, der ist ja vollgepisst, also „lupft“ man ihn nur an einer Ecke an und lässt ihn später angewidert wieder fallen. Das jedoch gefiel der Kaugummidose nicht und sie zerbrach. Es folgte ein „Needs Maintenance“, auf das der Owner auf prompt reagiert:

Habe registriert, dass der Behälter ziemlich kaputt ist. Hab momentan leider keine Zeit zu warten.

[vollständiges Log]

Ja merkt der noch was? Erst Hinweise auf den unglücklich gewählten Standort ignorieren und stattdessen das Mitführen von Händedesinfektionsmittel empfehlen und dann nichtmal Zeit haben den Dreck zu warten? Naja, logge ich eben SBA. Da bin ich sowieso recht schmerzfrei. Der Owner hielt sich nun für ziemlich schlau und löschte meinen SBA, rechnete jedoch nicht damit, das die Reviewer ihn trotzdem auf den Schirm bekommen. Und so wurdedas Ding erstmal deaktiviert. Der Owner bockte ein wenig herum und archivierte das Teil endlich. Fein, könnte man nun denken, aber weit gefehlt. Die Trümmerdose lag ja noch da und so folgten weitere „TFTC!“-Logs bis jemand die Dose austauschte. Ja nee, oder?

Tatsächlich, jetzt schlug des Owners große Stunde und er ließ den Cache wieder aus dem Archiv holen. Und gab eine bissige Bemerkung in meine Richtung gleich obendrauf:

Für mich unerklärlich ist, wieso auf unqualifizierte Wichtigtuerei und Forderung nach der Archivierung von einem überall auffallenden ewigen „Nörglers“ seitens der Reviewer gehandelt wird. Davon auszugehen, das kein Interesse am Cache besteht, obwohl ich eine Lösung zum Weiterbestehen gesucht habe ist etwas Überheblich und fördert nicht den Fortbestand der Caches.

[vollständiges Log]

Mich solls nicht jucken und wer mich persönlich kennt, der wird solcherlei Bemerkungen sowieso entsprechend einzuordnen wissen, auf was ich letztlich hinaus will ist aber was ganz anderes:

Wenn man sich die Logs zu diesem Cache anschaut, wenn man sich die Logs zu etlichen vergleichbaren Hundeklomikros in Berlin und anderswo anschaut, dann stellt man erhebliche Parallelen fest. Anstatt den Cache ganz ehrlich Müll zu nennen wenn er welcher ist, anstatt auch mal seinen Ekel zum Ausdruck zu bringen, also kurz gesagt ganz ehrlich zu loggen, wird immer nur ganz brav Danke gesagt.

„TFTC“, „Schnell und gut gefunden. Danke“, „Heute schnell geloggt.“, „Danke fürs Herführen“, „Danke fürs zeigen“

Nichtssagende Phrasen, leeres Gewäsch. Klar, im Grunde ist jedes Wort das man bei einem solchen Cache zuviel verliert reine Zeitverschwendung, aber wohin soll das noch führen? Diejenigen die solchen Geomüll in die Landschaft werfen fühlen sich doch durch das stete Dankesagen nur bestätigt, Neulinge sehen nichts anderes und wollen irgendwann auch ihr „Erstlingswerk mit vielen Danksagungen“ besitzen.  Also werfen auch sie die Film- oder eben schlimmer noch, Kaugummidose unter das nächste Hundeklo.

Schade ist da eigentlich, das neben dem zuweilen erzieherischen Wert eines ehrlichen Logs auch ganz andere, viel bessere Gelegenheiten ungenutzt liegen bleiben. Events. Gerade in Berlin ist zu beobachten, das auch immer mehr Neulinge zum monatlichen Stammtisch kommen. Aber anstatt ihnen dort mal auf die Füße zu treten und ihnen klarzumachen das eine Filmdose im Hundeklo eben nicht die Krone der Schöpfung ist, wird höchstens erwähnt: „Ach, Du bist der von dem Cache XYZ ist? Toll, habe ich vorgestern erst gemacht das Ding. War ja auch recht einfach“. Das Gespräch, ohnehin nur im Vorbeigehen geführt, versandet, der Neuling freut sich über das vermeintlich positive Feedback und plant in Gedanken schon eine ganze Serie. Hasso 1 bis Hasso 25. Wer schnelle Punkte sucht, nimmt eben auch Pipi in Kauf.

Sicher, man kann nun sagen: „Man muß ja nicht jeden Cache machen!“. Aber was passiert denn, wenn die Wenigen, die noch über solcherlei Dinge nachdenken, diese Caches eben nicht machen? Dann bleiben die wenigen kritischen, ehrlichen und manchmal auch direkten Logs aus, die vielleicht doch noch den Einen oder Anderen zum Nachdenken bewegen. Obendrein kann ja auch eine freudige Überraschung lauern, und das was auf den ersten Blick nach Geomüll aussieht entpuppt sich als urbanes Kleinod in der Cachelandschaft. Und wie so oft bei derartigen Schmuddeldosen vorgeschlagen gar nicht oder nur eine Note loggen wären letztlich auch unehrlich. Denn man war ja vor Ort, man hat gesucht und man hat gefunden. Hier jetzt inkonsequent einen falschen Logtyp wählen wäre IMHO auch nicht das sinnvollste Mittel. So bleibt eigentlich nur der schon oft gehörte Aufruf: Loggt ehrlich, auch wenn es (den Owner) schmerzt und auch dann, wenn man sich damit möglicherweise unbeliebt macht*.

Denn sonst ist alles was übrig bleibt: gut gefunden, vielen dank

* Auf dem nächsten Stammtisch werden schon keine faulen Eier auf Einen geworfen. Ganz sicher nicht, da spreche ich aus Erfahrung… *gg*

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

10 thoughts to “gut gefunden, vielen dank”

  1. Man bei solchen Caches oft auch eine dreiphasige Logevolution beobachten, als Beispiel http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?guid=546686f0-4c53-47f9-8fa7-eb97dd7df5ec&log=y&decrypt=y

    1. Phase: Kritischer Auseinandersetzung mit dem Werk.
    2. Phase: Dem Owner wird zur unfallfreien Platzierung einer Filmdose nebst Magneten an einem Schild einer Anwaltskanzlei in einer beliebigen Wohnstraße gratuliert (Es ist ein ERSTLINGSWERK!!!).
    3. Phase: Der Cache wird mit „Schnell gefunden“ bis in alle Ewigkeit totgefunden…

  2. Sehr schöner Artikel, du hast meine uneingeschränkte Zustimmung. Mit der gleichen Argumentation renne ich in unserem lokalen Forum regelmäßig gegen die Wand.

  3. Das mit dem kritischen Logs hab ich auch mal zu Anfang probiert. Bei dem Teil handelte es sich um einen sogenannten Lostplace, dessen Koordinaten mitten auf den neben vorbeiführenden Schienen einer ICE-Stecke lagen. Die Lokation selber wurde nachweislich der Hinterlassenschaften als Pennerklo und Rückzugsplatz zum fixen benutzt. Es existierte keine Dose, sondern nur ein verstecktes Schulheft zum loggen.
    Meine Enttäuschung zu meinem ersten Lostplace habe ich dann im Onlinelog ziemlich deutlich zm Ausdruck gebracht. Der Owner fühlte sich derart angegriffen, daß er den Cache kurzerhand archivierte, ihn aber nach Zuspruch aus der „Gemeinde“ wieder öffnete.
    Also, wie isses den recht? Beim ehrlichen loggen fühlen sich die alten Hasen angep***t, bei der Verteilung einer „+1“ auch (soll es ja schon Löschskripte für geben), für das Langloggen eines Mikros ist mein Rückrat nicht flexibel genug.
    Ich für meinen Teil halte es also so: Es werden nur noch Caches rausgesucht, die interessant erscheinen. Wenn mal wieder ein Mikro oder eine Dose drunter ist, die nicht so toll war – warum auch nicht – logge ich eine höfliche Worthülse wie „Am heutigen Tag mit Purzel123 und Ali25 schnell und gut gefunden“. Macht bei meinem Fieldnotegenerator keine Arbeit, da diese Phrasen als Textbaustein abgespeichert. Ist zwar nicht so ehrlich und schonungslos wie eine +1, hat aber denselben Aussagewert und keiner fühlt sich beleidigt (bzw. kann sich beleidigt fühlen).
    Wenn trotz sorgfältiger Durchsicht der Listings mal eine total vermüllte Location dabei ist – ja was dann? Entweder die Dose ignorieren oder wegen zu hohem Würgereiz die Suche abbrechen und einen DNF mit dieser Begründung loggen. Ist für die nächsten ja auch ein Hinweis. Wenn andere sich durch den Müll wühlen wollen, um einen Statistikpunkt abzugreifen, habe ich allerdings nicht dagegen.

    Einen SBA-Kreuzzug gegen die „schlechten“ Dosen dieser Welt zu führen ist in meinen Augen jedoch ziemlich überheblich und zeigt eine einseitige Sicht. Nicht jeder teilt den Qualitätsanspruch der Alteingesessenen. Bei nahezu 140.000 Dosen in Germany kann eben nicht jede durchdacht, handverlesen und den Anforderungen des grünen Forums entsprechend sein. Es sollten sich aber genügend für wirklich jeden Geschmack finden lassen.
    Unter der Annahme, daß nur hinter jeder 10ten Dose ein Dosenleger steht, gibt es 14.000 Leute, die die unterschiedlichsten Interessen haben und somit auch die unterschiedlichsten Dosen legen.
    Der eine kann seine Ignoreliste mit Pinkelsteinmikros füllen, ich fülle meine mit den modischen Kletter-T5ern, einfach weil ich keine Lust habe, mich über Gebühr zu verausgaben. Und aus anderen Gründen, die mit meiner Auffassung von Naturschutz zu tun haben. Wäre ich etwas überheblicher, könnte ich auch bei denen das ein oder andere SBA loggen.
    Den Artikel fand ich trotz abweichender Meinung allerdings so lesenswert, daß ich meinen Senf dazu geben mußte.
    Mögen die Satelliten mit dir sein!

  4. @RadlerAndi: Danke für die Warnung, das Ding liegt tatsächlich schon recht knapp am Rand der nächstgelegenen Dosen..

    @Team Sneakers: Keine Sorgem ganz so abweichend sind die Meinungen ja gar nicht. Okay, ich logge generell ausführlich, Copy&Paste oder Minilogs kommen für mich einfacgh nicht in Frage, aber ich führe (und/oder Beführworte) ja auch keinen SBA-Feldzug gegen Pisseckenmikros. Hier in diesem konkreten Fall war der SBA halt einfach nur angemessen, unschön war dabei die Reaktion des Owners und auch der Punktejäger, die erst wieder neuen Müll dorthin packen und dann umgehend in das alte/übliche Schema zurückfallen: „gut gefunden, vielen dank“… 😥

  5. Ganz besonders gefällt mir der Satz „Wer schnelle Punkte sucht, nimmt eben auch Pipi in Kauf“ :mrgreen: ! Ansonsten prinzipiell Zustimmung, wobei ich natürlich aus der Ferne nicht gerne über einen Cache urteile. Aber wenn dem so ist, wie du schreibst, dann ist das schon eine klasse Nummer 😡

  6. @ Team Sneakers: Danke für Deine Zeilen, die mir aus der Seele sprechen.
    Im Regelfall kann man anhand des Listings, eines kurzen Überblicks bei Google Maps oder aber spätestens beim Auftauchen vor Ort erkennen, um was für eine Art Cache es sich handelt.
    Wer den Ort/den Cache/den Owner… (Auflistung unvollständig) nicht mag, geht halt wieder.
    Aber diesen fürchterlichen (und, nebenbei, vollkommen sinnlosen) Kampf für hochqualitative Supercaches führen im Regelfall die Alteingesessenen mit x-tausend Founds – wo die vielen Punkte wohl herkommen…?
    Mehr Toleranz ist IMO in unserem Hobby eher angebracht als SBA-Kämpfe gegen Newbies.
    Für mich ist die Vielfalt das wirklich spannende und schöne – es gibt Tage, da liebe ich meditatives Abgrasen von Gotteshaus-Fallrohren, an anderen Tagen kämpfe ich mit einem 5 Sterne-Mystery und an wieder anderen gibt es einen herrlichen Spaziergangs-Multi.
    Aber beim Cachen ist es halt so wie im richtigen Leben – wer meckern und nörgeln will, wird immer etwas finden… 😉
    Gruß aus Dortmund
    Migido

  7. @Migido: Um es nochmal klarzustellen: Mir geht es hier nicht um endlose SBA-Kämpfe gegen Newbies. Es geht auch nicht um die Verteufelung von etlichen tausend Fallrohren oder Leitplanken. Es geht schlicht und ergreifend darum, das man eben auch mal gucken sollte *wo genau* man seinen Mikro legt, denn wenn er mitten ins Hundeklo gerotzt wird, dann ist das definitiv nicht fein. Und lässt sich auch nicht, wie Du so schön formulierst, meditativ abgrasen. Und hier sollte den „Nachwuchs“ dahingehend „erzogen“ werden, das er eben solchen Müll sein lässt oder zumindest auf Kritik entsprechend reagiert. Kritik als Nörgelei abtun ist nämlich nicht wirklich zielführend.
    Und als weiteren Punkt zu dieser Thematik muss man eben auch dieses ewige „TFTC“, „Danke fürs zeigen“, etc. ganz deutlich in die Kritik stellen, denn es mag zwar vielen höflich vorkommen, bringt aber den Cacheowner bei undifferenzierter Betrachtung schnell dazu, seinen Cache für wirklich toll zu halten, auch wenn er eben wie obiges Beispiel alles andere als eben das ist.

  8. Applaus. Uneingeschränkt. Und mehr ehrliche Logs. Bitte. Sonst legen Newbies wie ich noch mehr Traumakompensationsdosen wie http://coord.info/GC28WHX . Wobei die bei der Horde bisher recht gut ankam. Wenn sich größere Mengen Leute beschweren oder das Kunstwerk gemuggelt wird (das Ding ist schwierig bis nicht zu reproduzieren) werd ich das Teil sofort archivieren. Ist ein Experiment….

    chrysophylax.

  9. Sowas logge ich immer mit „Ein Cache, den die Welt nicht braucht“ und dann evtl noch einen Hinweis aufs Küchenfenster oder Hundeklo.

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