Die Hamburg Cyclassics 2016

Nachdem ich ja im Juni mehr oder weniger verfrüht am Velothon teilgenommen habe, stolperte ich auf Facebook über ein Video, das an die Velothon-Finisher gerichtet war. Dort wurde wärmstens empfohlen, doch auch in Hamburg bei den Cyclassics an den Start zu gehen. Und während ich das Video dann einfach schloss und nicht weiter darüber nachdachte, hatte die Gattin eine Idee.

Ihre Idee war, das es doch eine wirklich gute Sache wäre, auch in Hamburg zu fahren. Und so musste ich mich wohl oder übel damit befassen. Ein nettes Angebot im Paket mit Übernachtung für zwei Personen und Startplatz für eine davon stand auch zur Verfügung, es musste nur schnell entschieden werden. Die schnelle Entscheidung hing an einem freien Wochenende, was aber zum Glück machbar war und schwupp – ich hatte das nächste Rennen an der Backe. 😉

Hamburg Cyclassics 2016 - Schrotties Startnummer

Im Vorfeld zeigte sich dann, das da noch jemand an den Start gehen wollte, mit dem ich über drei Ecken und das Internet bekannt war. Zu einem gemeinsamen Start konnte ich ihn allerdings nicht überreden, weil er sich nicht sicher war, ob er fit genug ist. Was uns aber nicht davon abhielt, uns schon im Vorfeld zu treffen. Immerhin ist es ja immer wieder nett, wenn man Menschen, die man schon jahrelang – oft nur mit einem Nicknamen – über das Internet kennt, auch mal persönlich trifft.

Unsere gemeinsame Verbindung war übrigens das Geocaching. Und während ich in Hamburg an der Alster saß, Kuchen futterte, diesen standesgemäß über Instagram postete, meldete sich auf diesem Wege gleich der nächste Geocacher, der dann kurz darauf auch persönlich auftauchte. Soweit also abgeschweift, zurück zu den Cyclassics.

Icke so, mit StartnummerAnders als in Berlin, wo ich mich am Freitag schon für das Rennen akkreditierte, waren wir in Hamburg ja erst samstags vor Ort und ich rechnete mit enormen Wartezeiten. Aber das war falsch gerechnet, denn als wir vor Ort ankamen, waren die Zelte für Startnummer- und Starterbeutelausgabe beinahe wie ausgestorben.

Demzufolge ging alles ganz flott und wir konnten erstmal das Auto, das Fahrrad und das Gepäck in Ruhe zum Hotel schaffen. Denn den ganzen Tag in der Innenstadt parken, bedeutet ja das Parkhaus zu kaufen. Obendrein hatten wir neben Übernachtung und Startplatz auch zwei Hamburg-Cards bekommen, mit denen wir auch den ÖPNV nutzen konnten. Also raus aus der Stadt und hinterher mit der U-Bahn wieder rein.

So haben wir es dann auch am Renntag gemacht, denn das Hotel gestattete uns freundlicherweise, das Auto bis zum Nachmittag in dessen Garage zu belassen. Übrigens: In Hamburg kann man, von den Stoßzeiten unter der Woche mal abgesehen, sein Fahrrad kostenlos mitnehmen. Das ist etwas, wovon Berlin definitiv noch lernen kann.

Icke so, kurz vor dem Start

Durch meine Meldung auf den letzten Drücker und etwas Tiefstapelei bei der Selbsteinschätzung in Sachen zu erwartende Durchschinttsgeschwindigkeit landete ich im letzten Startblock. Da ich aber vom Velothon zu schätzen wusste, das es sinnvoll ist, im Startblock weit vorn zu stehen, waren wir gut eine Stunde früher vor Ort. Der Plan ging damit auf und ich musste mich nicht erst freifahren, sondern konnte direkt ein flottes Tempo einschlagen und ohne viel Gedränge durch den Start radeln.

Was dann folgte, lässt sich mit Worten kaum beschreiben, denn weiterhin recht flott fahrend ging es durch den Hamburger Hafen. Oder auch daran vorbei, das kann ich als Berliner der bisher nie in Hamburg war nicht wirklich einschätzen. Auf jeden Fall gab der Hafen eine grandiose Kulisse ab und die Köhlbrandbrücke, die erst nie aufzutauchen schien, war in der Tat ein wirkliches Highlight auf der Tour.

Startnummer 29023

Danach folgten dann gefühlte tausend, tatsächlich aber so um die 30 oder 40 Kilometer mit charakterformendem Gegenwind, die obendrein auch noch in den Abschnitt fielen, der bergauf ging. Da ich aber kurz vorher schon von einer Bekannten im Training ein wenig an „Bergen“ gequält wurde, kam ich hier erstaunlich gut durch und landete auf Platz 3376 von 8234 in der Bergwertung.

Übrigens was die Fahrt übers (angeblich platte *gg*) Land ebenfalls ein echtes Erlebnis, denn anders als ich es aus Berlin kannte, wo sich kaum jemand für den Velothon und dessen Fahrer interessierte, standen hier in jedem Dorf massenweise Leute am Fahrbahnrand und feuerten die Fahrer an. Da war teilweise echte Volksfeststimmung. Das machte die Fahrt, insbesondere während der Gegenwindpassagen, gleich deutlich einfacher.

Finisher-MedailleAber nach dem Gegenwind kommt der Rückenwind und der kam dann freundlicherweise zur zweiten Hälfte, als es wieder nach Hamburg zurück ging. Und nachdem ich die ersten 50 Kilometer in 01:33:05 geschafft hatte, war ich optimistisch, neben dem Minimalziel – lebend ins Ziel kommen – auch noch das Bonbonziel schaffen könnte, nämlich die 100 Kilometer in drei Stunden zu fahren.

Die Beine waren zwar schon ein wenig weich, aber da war ja nun der Rückenwind. Also reingehauen und los. Bis nach Harburg kam weiterhin die Volksfeststimmung hinzu, nur in Harburg interessierte sich dann wieder fast niemand für die Veranstaltung und man fühlte sich kurz wieder wie beim Velothon. Auch zog sich hier langsam das Feld auseinander. Bis kurz vor Harburg war es ja eine einzige, unendlich lange Radlerschlange, auf den letzten 20 Kilometern jedoch riss es auseinander, vermutlich weil ab hier jeder je nach verbliebener Kraft ein eigenes Tempo einschlug.

Aber kurz darauf kam ja wieder Hafen, der dann alle Schmerzen vergessen ließ und anschließend die Hamburger City. Hier waren wieder tausende begeisterte Menschen, die uns Fahrer nach vorn trieben. Als ich am Hauptbahnhof vorbei war, machte mir meine Zeit Hoffnung, tatsächlich die drei Stunden zu schaffen, aber nachdem ich um die Alster herum war und irgendjemand einen Berg in die Hamburger Innenstadt verlegt hatte, den es noch einmal hinaufging, bröckelte die Hoffnung.

Zurück kam sie, als ich das Rathaus sah und noch einmal Gas geben konnte. Was dann letztlich dazu führte, das ich bei 03:00:57 über die Ziellinie fuhr. Und da sich ohnehin niemand für Sekunden interessiert: Drei Stunden waren auch geschafft! 🙂

Geschafft!

Das offizielle Ergebnis stimmte diesmal sogar mit meiner eigenen Messung überein, nur das ich ein paar Meter weniger auf dem Garmin hatte. Also hatte ich wohl gutes Timing beim „Knöpfchen drücken“. 😉

Noch etwas Zahlengedöns: In der Gesamtwertung brachte mir meine Zeit den 4207. Platz von 8123, den 4001. von 7316 unter den Männern und den 1465. von 2705 in meiner Altersklasse. UrkundeDurchschnittsgeschwindigkeit über alles waren am Ende 33.23 km/h, was ich so bisher auch noch nie geschafft habe. Und wenn ich jetzt noch bedenke, das ich erst vor 1,5 Jahren mit dem Rennradfahren begonnen habe, finde ich das Ergebnis mehr als respektabel. Und wie es andere finden, ist mir ohnehin schnuppe. 😛

Ein paar Fotos vom Drumherum gibt es auch noch. Ich habe das als geteiltes Google-Fotos-Album gemacht, wer also noch eigene Fotos vom Event hat, darf sie gern mit dort einwerfen. Das Album findet ihr hier.

Kurzum: Die Cyclassics waren endgeil! Nachdem ich das hier erleben durfte, erscheint der Berliner Velothon wie ein belangloses Dorfevent. Und so habe ich dann auch beschlossen, im kommenden Jahr den Velothon ausfallen zu lassen. Dafür geht es dann lieber zu den neuseen classics, auf die ich sonst wegen der Zeitnähe hätte verzichten müssen. Und natürlich im August wieder nach Hamburg. Da bin ich jetzt angefixt… 😀

Und nach dem Rennen erstmal ein wenig Weizenbrause!

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

8 thoughts to “Die Hamburg Cyclassics 2016”

  1. Nochmal Glückwunsch zum guten Ergebnis.

    Wenn einen das Wettkampffieber gepackt hat, dann will man überall dabei sein.
    Ich habe mir für den nächsten Lauf auch ein Zeitziel gesetzt und hoffe, dass ich das halten kann, wäre es doch eine enorme Steigerung zum Vorjahr.

    1. Wahre Worte.

      Allerdings habe ich das Zeitziel eher als Bonbon gesehen, als „nice to accomplish“. Ich bin da grundsätzlich nicht traurig, wenn daraus nichts wird. Am Ende durchs Ziel kommen ist schon groß genug für mich. Dieses Gefühl kann einem nie wieder jemand nehmen. 🙂

  2. Glückwunsch zu deiner Fast-Wunschzeit 😉

    Hätte dich ja auch gern mal getroffen, lese ja dein Blog auch schon länger. Und gestern habe ich übrigens den „anderen“ Fahrer getroffen, er hat mir soviel von der tollen 100 km-Strecke berichtet. Für mich ist das aber dennoch nix, ich laufe lieber (früher jedenfalls).

  3. Hi Schrotti,
    ich bin heuer auch zum ersten Mal in Berlin und in Hamburg dabei gewesen. Ich kann deinen Eindruck nur bestätigen. Soviele Menschen, schöne Strecke und überraschend viele Höhenmeter. Ich habe auf den 100km ziemlich lange ein Tandem gesehen und zwar vor mir und ich im Windschatten 😉 Die waren schnell! Falls es dich interessiert, hier meine 2-3 Zeilen http://bikesisters.net/radfahren/events/hamburg-cyclassics-teilnahme-lohnt-sich/
    Gute Fahrt weiterhin!

    1. Hehe, Deine Teilnahme ist mir schon untergekommen, nämlich in Verbindung mit deinem Hinweis auf relive.cc und dem dazugehörigen Video von den Cyclassics. Schade eigentlich, das ich das nicht rechtzeitig kannte, so ein Video hätte mir wohl auch gefallen. 🙂

  4. Hallo Schrottie,

    Glück wünsch für deine Zeit und dein Tollen Block.
    Ich war jetzt zum zweiten mal in Hamburg am Start und sagen einmal gefahren immer ….. =;-)
    O-28639

    Die Neuseen Classic kann ich dir nur empfehlen die bin ich dieses Jahr auch gefahren sehr schön.

    Grüße
    Tony

Kommentare sind geschlossen.