[HowTo] Infraroteffekte mit Gimp erzeugen

In der letzten Zeit sind mit in sozialen Netzwerken immer wieder Projekte untergekommen, bei denen sich der Eine oder Andere mit Infrarotfotografie beschäftigte. manch einer hatte alte Kameras entsprechend umgebaut, andere verwenden irgendwelche Filter. Die „Infrarotfotos“, die doch deutlich mehr als nur ein Monochromes Etwas sind, gefallen mir sehr gut und so wollte ich auch mal in diese Richtung experimentieren.

Mein Plan war, auch ohne Hardware auszukommen, sprich, den Infraroteffekt mit Software zu realisieren. Ich verwende für die Bildbearbeitung Gimp, denn das ist quasi die eierlegende Wollmilchsau unter den Grafikprogrammen. Und so machte ich mich auf die Suche nach Lösungen für dieses Problem. Eine kurze Frage bei Google ergab etliche Seiten, auf denen das mehr oder weniger gut erklärt wurde. Ja selbst ein fertiges Script für Gimp war zu haben.

Foto mit Infraroteffekt: Der Grimnitzsee in der Spandauer Wilhelmstadt

Dieses Script probierte ich als erstes aus, war aber mit dem Ergebnis mehr als unzufrieden. Es machte feine Strukturen zu scharf und am Ende sah das Bild einfach nach einem Schwarz-Weiß-Foto aus. Also suchte ich weiter und die einzigen wirklich brauchbaren Erklärungen fand ich in allerlei Youtube-Videos.

Im Grunde bedienen sich alle diese Videos der gleichen Technik. ganz einfach gesprochen wird mit dem Kanalmixer gespielt, der ein monochromes Bild ausgibt und hinterher kommt ganz weich eine weitgehend transparente Version des Originals drüber. Ich werde dieses Vorgehen hier nun kurz etwas genauer erläutern.

Man öffnet das Bild in Gimp und kopiert zunächst die Ebene (Strg+Umschalt+D). Die kopierte Ebene blendet man mit einem Klick auf das „Auge“ im Ebenendock aus, damit man nur noch die zu bearbeitende Ebene sieht. Bei dieser wird als erstes der selektive gaußsche Weichzeichner (Filter -> Weichzeichnen -> Selektiver Gaußscher Weichzeichner ...) mit Radius 5 und max. Delta 50 angewandt. Diese Werte kann man variieren, oft findet man gerade beim max. Delta geringere Werte, ich jedoch bekomme mit diesen Werten ganz gute Ergebnisse.

Grafik in Gimp mit geöffnetem Kanalmixer

Als nächstes öffnet man den Kanalmixer (Farben -> Komponenten -> Kanalmixer ...). Hier setzt man fix die haken für „Monochrome“ und „Leuchtstärke erhalten“. Anschließend müssen noch die Werte für rot, grün und blau angepasst werden. Ich verwende hier 100, 100 und -100, wobei oft auch je 110 empfohlen wird. Nun ein kurzer Klick auf OK und das Bild bekommt schon gewisse Ähnlichkeit mit einem Infrarotbild.

Jetzt wird die zuvor kopierte Ebene wieder angezeigt. Einfach im Ebenendock auf das Auge davor klicken und schon ist sie da und überlagert das veränderte Original. Die Deckkraft dieser Ebene wird nun auf einen Wert um die 30 gestellt und der Modus auf „Fasern mischen“ gesetzt. Und schwupp hat man ein wunderschönes Bild mit einem Infraroteffekt.

Originalfoto Foto mit Infrarot-Effekt

Hier im Beispiel habe ich die „Farbebene“ mit einer Deckkraft von 25% versehen. Damit kommt noch ganz leicht das Rot des Gebäudes und das Grün des Baumes durch. Will man auch die blauen Blüten durchschimmern lassen, müsste die Deckkraft auf ungefähr 35% angehoben werden. Kurzum, der Wert für die Deckkraft steuert die Farbintensität des entstehenden Bildes.

Und da man Gimp so wunderschön automatisieren kann, habe ich das Ganze einfach mal in ein Script verpackt. Damit kann das komplette Prozedere mit nur einem Klick angewandt werden. Okay, es sind mindestens zwei Klicks, denn das Script fragt zunächst den gewünschten Wert für die Deckkraft ab, der dann auf das Bild angewandt wird. Voreingestellt ist 30 und das Script erlaubt Werte zwischen 15 und 40.

Download:

Das Script einfach in den Scriptordner packen und dann sollte es beim nächsten Start von Gimp automatisch zur Verfügung stehen. Zu finden ist es unter Filter -> Infrarot -> Infraroteffekt anwenden. Ich habe das übrigens bewusst deutsch gehalten, denn ich verwende Gimp in deutscher Sprache und da soll es sich nahtlos einfügen. Wer es unbedingt englisch haben möchte, muss dazu einfach nur die Zeilen 47, 48, 55 und 57 anpassen.

Das Berliner Olympiastadion

Update, 28.08.2015:

Ich habe das Script jetzt noch etwas umgebaut. Nun lassen sich auch die Werte für den selektiven Gaußschen Weichzeichner einstellen, denn das bietet noch die Möglichkeit, zuweilen einen netten Effekt zu erzielen. Beispielsweise lassen sich damit weiter entfernte Hintergründe so verwischen, das sie im Comicstil daherkommen. Hier im Beispiel links die Standardwerte des Scriptes, rechts mit „hochgezogenen Reglern“.

Standardwerte Hohe Weichzeichnerwerte

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe.

Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet.

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