Im Test: Das Huawei Talkband B1

Auf der letzten MWC in Barcelona hat Huawei das Talkband B2 vorgestellt, das mich durchaus interessiert. Immerhin hat es ein integriertes Headset am Start und so hat man quasi zwei Geräte in einem. Aber bevor die neue Generation getestet wird, ist zunächst die alte dran und so hat mir Huawei freundlicherweise ein Talkband B1 zum Test zur Verfügung gestellt.

Aber nicht nur der reine Test stand hier im Vordergrund, für mich war es auch ein direkter Wettstreit mit meinem Favoriten in Sachen Fitnessarmbändern, der Garmin vívosmart. Den hatte ich ja vor kurzem getestet und seither wird der nur noch vom Arm genommen, wenn der Akkustand mal wieder ein kurzes Auftanken erforderlich macht.

Das Huawei Talkband B1

Das Talkband B1 kommt zunächst recht sparsam daher, soll heißen, es ist kein weiteres Zubehör in der Verpackung außer einigen “Gummifrömseln” unterschiedlicher Größen für das Headset. Mehr muss da aber auch nicht drin sein, denn alles andere, selbst das Ladekabel, bringt das Talkband selbst mit. geladen wird nämlich mit dem Armband selbst, an dessen einem Ende einfach kurz aufgeklappt wird und schwupp kann man es in jede beliebige USB-Buchse stöpseln.

Geladen hat das Talkband B1 dabei eigentlich überall, egal ob es am Notebook, im Smartphoneladegerät oder im Zigarettenanzünder war. Ein wenig Strom reicht um es adäquat zu laden. Huawei gibt dabei dann eine Akkulaufzeit von bis zu 336 Stunden, also zwei Wochen an. Das ist, zumindest bei mäßiger Benutzung, auch realistisch. Nutzt man öfter auch die Headset-Funktion und ist wie ich ein Spielkind das immer mal wieder an den Knöpfen drücken muss, dann sollte man sich auf eine Woche einstellen.

Verdeckter Ladeanschluß Offener Ladeanschluß

Haptisch wirkt es zunächst sehr angenehm, die gummierte Oberfläche fühlt sich gut an. Allerdings merkt man schon auf den ersten Blick, das sich das Talkband zwar Mühe gibt schmal zu sein, jedoch durch den “Einbauschacht” für die Display/Headset-Kombination ein etwas größerer Armumfang durchaus von Vorteil sein kann.

Während sich der vívosmart als Vergleichsgerät klein um das Handgelenk legt, trägt das Talkband B1 hier schon ein wenig mehr auf und selbst an meinen nicht unbedingt kleinen Handgelenken wirkte es zuweilen etwas klobig. Dies war allerdings ein rein optische Makel, denn dank abgerundeter Unterseite fühlte es sich zu keinem Zeitpunkt wirklich unangenehm oder sperrig an.

Bedient wird das Talkband B1 durch einen Knopf oberhalb des Displays. Dabei kann über diesen Knopf die Bluetoothverbindung aktiviert und zwischen den einzelnen Anzeigeseiten gewechselt werden. Das Koppeln geht ruckzuck und kann, sofern das Handy da mitspielt, via NFC eingeleitet werden. Einmal gekoppelt stellt das Talkband später eine einmal verlorene Verbindung problemlos wieder her, so dass man diese Prozedur nur einmal machen muss.

Um das Talkband einzustellen, die Daten auszuwerten oder es zu aktualisieren ist eine App erforderlich, die man kostenlos aus Play- oder Appstore beziehen kann. Die App selbst habe ich mir allerdings weniger genau angesehen, denn mir ging es vornehmlich um die Headset-Funktion und dafür wird die App nicht benötigt. Ich habe sie lediglich genutzt um das Talkband damit zunächst auf eine aktuelle Softwareversion zu bringen und um alle wichtigen Eckdaten zu meiner Person zu übertragen, damit es korrekt arbeiten kann.

Huawei Wear
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Preis: Kostenlos
Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. 🙁

Aber auch wenn es mir vorrangig um die Headset-Funktion ging, ein Fitnessarmband dient vornehmlich dem Schrittezählen und auch diese Funktion habe ich mir genauer angesehen. Immerhin hatte ich ja den direkten Vergleich am Arm. Hier zeigte sich auch der erste ganz dicke Unterschied zum vívosmart. Während der vívosmart das Tagesziel dynamisch über die Gesamtschritte des Vortages festlegt, und auf diese Weise für kleinere und erreichbare Ziele sorgt, was letztlich sehr motivierend ist, hält sich das Talkband starr an den Spruch “10.000 Schritte sollst Du tun…”.

Und das kann schon recht frustrierend sein. Ich selbst bin sportlich sehr aktiv, fahre aber eben auch viel Fahrrad und mache entsprechend weniger Schritte. Meist liege ich um die 5 bis 6.000 am Tag. Entsprechend setzt der vívosmart auch die ziele. Die vom Talkband avisierten 10.000 Schritte hingegen schaffe ich maximal an Tagen, an denen es zum Wandern oder auf längere Spaziergänge geht. Da kann ich mir gut vorstellen, das hier so manch einer schnell das Handtuch wirft.

Was die Genauigkeit betrifft, habe ich geringe Abweichungen zum vívosmart festgestellt. Das Talkband zeichnete immer ein paar Schritte weniger auf. Die Ungenauigkeit kann aber durchaus vernachlässigt werden, denn es handelte sich hier eher um geringe Schrittmengen die unterschlagen wurde. Insbesondere kleine/kurze Schritte wurden nicht erkannt. Ebenso tat sich das Talkband mit der Erkennung schwer, wenn man einen schweren Gegenstand in der Hand hielt, an deren Arm es befestigt war und der Arm deshalb beim gehen recht wenig in Bewegung kam.

Kurzum, das Talkband konnte bei mir in Sachen Schritte zählen nicht wirklich punkten. Was aber sicher zu weiten Stücken an der starken Konkurrenz von Garmin lag. Wer bisher keinen Schrittzähler verwendet hat und sich auch von den recht hohen Zielen nicht abschrecken lässt, der dürfte vom Talkband durchaus gut bedient werden.

Aber das Talkband hat ja auch, deshalb der Name, eine Headset-Funktion. Neben dem Display ist dazu ein kleiner Knopf, den drückt man kurz und schon wird das Display aus dem Armband ausgeklinkt.

Armband und Headset getrennt Headset Rückseite Headset

Auf den ersten Blick sieht das Headset recht winzig und knubbelig aus und man denkt, das dieses kleine Ding nie ordentlich am Ohr halten wird. Aber weit gefehlt, einfach ins Ohr einhängen und das Leichtgewicht – es bringt gerade mal 9,4 Gramm auf die Waage – sitzt bombenfest ohne zu stören.

Anrufe werden, sofern das Headset noch im Armband ist, durch Vibration angezeigt und im Display erscheint der Anrufername. Hat man das Headset bereits im Ohr, so machen sich eingehende Anrufe durch ein unaufdringliches Klingeln bemerkbar und können durch einen kurzen Druck auf den seitlichen Knopf (der sonst für den Seitenwechsel genutzt wird) angenommen werden. Qualitativ gibt es nichts zu meckern, in allen Testgesprächen kam mein Gegenüber klar und deutlich rüber.

Allerdings vermag ich nicht zu sagen, ob das wesentlich durch das Audiosystem des verwendeten Smartphones beeinflusst wird. Und hier ist das Oneplus One, wie ich es verwende, mit CyanogenOS und AudioFX recht weit vorn dabei, was die Soundqualität betrifft. Selbst wird man übrigens auch ausgezeichnet verstanden. Lediglich bei starken Umgebungsgeräuschen ist das Headset so frei, diese vorrangig weiterzugeben. Aber dieses Problem sollte mit jedem Headset gegeben sein, kann hier also vernachlässigt werden.

Somit zeigte sich das Headset als eine durchaus runde Sache. Man kann das Telefon lautlos schalten und bekommt Anrufe direkt aufs Armband und kann dann entscheiden, ob man sie annimmt. Und annehmen kann man sie dann direkt mit dem kurzerhand ausgeklinkten Headset. Das ist eine durchaus dezente Sache und macht das Talkband für jeden wirklich interessant, der hin und wieder mal mit freien Händen telefonieren will und sich obendrein in einer Umgebung befindet, in der man das Telefon besser schweigen lässt.

Würde ich mir das Talkband kaufen?

Nein, vermutlich nicht. Und das aus zweierlei Gründen. Zum Einen hat es ein Display, das ich sicher sehr schnell zerkratzt bekomme, hier hat der vívosmart mit seinem “Untergummi-OLED” einfach die Nase vorn. Zum Anderen ist mir das Talkband einfach zu sperrig, was ja, wie eingangs beschrieben, dem Headset geschuldet ist. Darüber hinaus ist es mir ein wenig zu ungenau und es bringt zu wenig Informationen aufs Display. Denn anders als der vívosmart, der neben eingehenden Anrufen auch alle Benachrichtigungen signalisiert, bringt das Talkband lediglich Anrufe ins Zentrum der Aufmerksamkeit seines Trägers.

Allerdings würde ich es wohl, auch wenn ich selbst nicht so richtig mit ihm warm werden konnte, jedem ans Herz legen, der auf der Suche nach einem Fitnesstracker ist und obendrein oft und viel mit Headset telefoniert. Denn derjenige hat einen echten Mehrwert mit diesem Gerät. Allerdings mit der ebenfalls schon erwähnten Einschränkung, dass das Talkband starr auf 10.000 täglichen Schritten beharrt.

Auf jeden Fall hat es mein Interesse am Nachfolger, den Talkband B2 geweckt. Das ist zwar, so sieht es zumindest auf Fotos aus, noch einmal eine Nummer größer, aber durch sein Material wirkt es deutlich wertiger bzw. schmückender. Und auch wenn das B1 leider nicht zu meinen Favoriten zählt, werde ich mir das B2 mit Sicherheit genauer anschauen.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)