Installationsmarathon

Gemeinsam mit dem neuen Notebook kam auch der Gedanke, die ganze Technik hier zu Hause ein wenig umzufriemeln. Bisher liefen hier 3 Rechner: Ein Linuxnotebook für alles was wichtig war (und ist), ein Windowsnotebook das selten an war und $BESTEEHEFRAUVONALLEN in erster Linie auf Arbeit nützte und ein Desktop-PC im Dualbootverfahren mit Linux und Windows.

Das Windowsnotebook als solches wurde schon lange nicht mehr wirklich benötigt und sollte entsorgt werden. Soweit kein Problem. Aber jetzt sollte auch der Desktop-PC weichen. Das war insofern problematisch, als das sich dort ein altes Windows drauf befindet, das zwar elendig langsam ist, dafür aber eine nahezu unwiederbringliche Konfiguration für diverse Softwareentwicklungsprojekte inne hatte. Gerade letzteres hielt mich generell davon ab das Windows zu entfernen und ein neues in eine virtuelle Maschine unter Linux einzupflanzen.

Nun wird aber inzwischen ein ganzer Teil der Entwicklungsdateien nicht mehr benötigt, alles was bisher in VisualBasic programmiert war ist in Webanwendungen umgesetzt, also konnte das bisher unabkömmliche Windows in den wohlverdienten Ruhestand treten. Da aber nach wie vor Windows notwendig ist, $BESTEEHEFRAUVONALLEN benötigt es dienstlich und auch ich mache da recht viel für das DRK, habe ich mich für die einfachste nur denkbare Lösung entschieden: Ein Linuxrechner für alles was wichtig und alltäglich ist, das ältere Notebook kriegt ein Windows verpasst und kommt eben immer dann zum Einsatz wenn es unbedingt duchs Fenster sein muß.

Zur Installation von Ubuntu muß man nicht viel sagen:

  1. Grundsystem installieren (inkl. Partitionierung) – 1 Stunde
  2. eigenen Treiber für die int. Atheros WLAN Karte (madwifi) kompilieren und installieren – 5 Minuten
  3. Systemupdate fahren – 20 Minuten
  4. benötigte Software (Audio, Video, Grafik, Office, Kommunikation, Spielerchen, Netzwerk, Tools) installieren, bisherige Einstellungen aus Sicherunsdateien wieder einspielen – 35 Minuten

Zeitansatz gesamt um das System wieder in erstklassigem Zustand laufen zu haben, selbst der Verlauf von Firefox inkl. gespeicherter Passwörter war wieder am Start: 2 Stunden! 🙂

Dann aber kam Windows. Hier habe ich bewußt auf Windows XP gesetzt, denn Vista kann mich mal kreuzweise, diesen Müll kann und will ich nicht ertragen müssen. Also die CD rausgekramt, ab in den Rechner und losgelegt:

  1. Grundsystem installieren (Erster Versuch in die Hose, neu, wieder nichts, nochmal neu, wieder nichts, Bill Gates verflucht aber dafür mal genauer gelesen was der will – Update-CD, der will tatsächlich eine andere Windows-CD haben. *grml* -Nach langer Suche und vielen Flüchen eine Windows 98 CD ausgebuddelt, eingelegt, Setup rennt.) – 3 Stunden
  2. WLAN starten um Updates zu ziehen, Microsoft ist ja wohl schon bei ServicePack 3, da kommt ja dann wohl einiges durch die Leitung. Kein WLAN. *grml* Treiber-CD fürs Notebook rausgekramt, WLAN-Treiber erneuert, immer noch kein WLAN. Mit dem anderen Notebook SP3 heruntergeladen – 55 Minuten über DSL 16K(!) – gebrannt – 2 Minuten – und installiert – 30 Minuten.
  3. Nochmal nach Updates sehen: 35 mögliche Aktualisierungen. Okay, her damit, dann ist vielleicht eine Weile Ruhe im Karton – 1 Stunde
  4. MS Office installieren – inkl. Suche nach der CD – 15 Minuten – Das erschien mir beinahe zu schnell, nur ein Viertelstündchen für ein komplettes Office? Aber ja, das Notebook ist ja eigentlih eine ganz flotte Maschine…
  5. USB-Hardware: Webcam angestöpselt, CD rein, Treiber installieren, ein wenig Software installieren, Rechner neu starten, TV-Karte angestöpselt, Treiber installiert, Software installiert, Neustart, Treiber nochmal installiert, Neustart, Windows will wieder einen neuen Treiber, nimmt aber den originalen nicht an. Wat nu?! Der Gerätemanager sagt zwar das es ein TV Tuner ist, mag aber den Treiber nicht. Neu ist aber, das angeblich der USB Hostcontroller nicht installiert ist. *grml* – das Ding installiert, Windows erkennt Unmengen seltsamer Hardware nimmt jetzt aber den Treiber für die TV-Karte, Neustart, das Ding rennt endlich. Scanner angeschlossen, Treiber installiert, läuft. Läuft? Ja, tatsächlich, unglaublich aber wahr! Drucker ran, Treiber installiert, Neustart, Treiber nochmal installiert, diesmal nebst optionaler Software, Neustart, rennt. MD-Player angestöpselt, aktuelle Treiber und Software von Sony besorgt, installiert, Neustart, nochmal installiert, rennt, sogar ohne Neustart. Warum nicht gleich so? – 1Stunde, 45 Minuten
  6. Intermezzo: Windows ist aufgefallen, das doch noch 6 Updates möglich und sinnvoll wären. Erstmal müssen die drauf, sonst nervt das ständige aufgepoppe von blöden Meldungen – 15 Minuten
  7. Weiter USB-Hardware: 5.1-Soundkarte. Das war schon immer ein heikles Thema, das Teil unter Windows zum Laufen zu kriegen erfordert ein Studium. Unter Linux anstöpseln und lauschen, aber Windows? Also nach Anleitung vorgegangen. Treiber installiert. Dabei Auswahl „Movie“ getroffen, „Games“ ist unnötig, die sollen eh nicht gespielt werden. Karte angeschlossen, kein Ton. Also nochmal den Treiber installiert. Karte wieder ran, immer noch Ruhe. Ist da etwa der Ton auf Null? Nein, der ist aufgedreht. Bis Anschlag. Also das Windows-Allheilmittel versucht, noch ein Neustart. Wieder nichts. Nochmal das ganze Geraffel installiert, Neustart, aha, die Karte wird erkannt und als benutzbar deklariert. Aber kein Ton. Alles deinstalliert, Neustart, neu installiert, diesmal mit der Option „Games“, Neustart, Tadaaa! Auch der Sound läuft. Zeit wurde es auch. – 45 Minuten
  8. Windows macht eine erstaunliche Entdeckung! Welche? Tja, mal wieder sind Updates fällig. Halloooo? Merken die noch was? Naja, nette Kaffeepause, hat also was. – 25 Minuten
  9. Benötigte Software installieren – durch rigorosen Verzicht auf Neustarts, außer der Installer hat das ungefragt(!) selbst getan, ging das bemerkenswert fix: 1 Stunde
  10. Letzter Neustart, jetzt sollte erstmal alles soweit fertig sein.

Gerade mal 9 Stunden und 50 Minuten hat der Zauber gedauert. Hut ab, und da behaupten die scheubeklappten Windowsfreunde, das Linux frickelig und kompliziert wäre, Windows hingegen das Plug’n’Play-Betriebssystem schlechthin.

Naja, vielleicht sehe ich das ja auch alles viel zu negativ, immerhin hat mir Windows fünfmal so lange Installationsfreuden bereitet wie Ubuntu. 😉

Und ehe jetzt wieder einer meckert, die Linuxkiste rennt mit der gleichen Hardware, nur das da alles, selbst die Soundkarte, out-of-the-box tut, da muß kein Treiber wild installiert werden. Also gleiche Bedingungen…

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

9 thoughts to “Installationsmarathon”

  1. Ich hab ja auch n Ubuntu auf Platte, was ich aber ein wenig Stiefmütterlich behandle. Leider geht nicht alles unter Wine und auf einige Programme möchte ich nicht verzichten und mal abgesehen davon, das mit den Spielen hab ich irgendwie nie so hinbekommen, dass wirklich alles geht *blödbin*.
    Und dann kommen natürlich noch so Dinge wie Freehand, InDesign etc. sowas sollte besser nativ laufen und nicht in Wine, aber gibbet ja leider nicht für Linux.

    Aber zum Windows Laptop hab ich noch ne Fragen, wofür braucht man eigentlich MS Office?

  2. office: hat er doch geschrieben, für den dienstlichen kram von seiner frau.
    ausserdem ist ms office manchmal doch erträglicher als openoffice..

    allerdings muss ich zu deinem installationsmarathon noch sagen das ich es auch schon andersherum erlebt habe. vorallem was grafik / wlan treiber angeht… also man kann das ganze nich so pauschalisieren 😉

  3. Dienstlicher Kram ist doch aber kein Grund.
    Mal abgesehen davon, dass ich den Zusammenhang von dienstlicher Nutzung und MS Office aus dem obigen Text nicht herausgelesen habe 😉

  4. Doch, ist er. Da laufen etliche Makros, die in OOo eben leider nicht funktionieren, da sie auf Windows-API aufsetzen. Obendrein werden in Excel und Access viele Formulare verwendet, die Active-X Steuerelemente verwenden, mit denen OOo nicht wirklich spielen mag. Und somit ist MSO zwingend notwendig.

  5. Bei mir läuft das regelmäßig in umgekehrter Reihenfolge ab – nur Linux etwa 3 Tage. Windows mit allem in 2-5 Stunden (je nach Vorbereitung)

    Ist warscheinlich nur deine Übung 😉 Ich bin beim Treiber kompilieren regelmäßig verzweifelt und hab Ubuntu dann doch runtergeschmissen ^^

  6. @Tapedeck: 3 Tage? Das liegt dann aber schon Jahre zurück, oder? Heute ist doch jedes Linux schneller installiert als Windows, schon allein weil man sich die ständigen CD-Wechsel spart, Paketverwaltung sei Dank. Und Treiber kompilieren ist doch kein Thema:

    make
    make install

    Fertig ist die Suppe.

    BTW: So aufgeräumt wie derzeit sah mein Schreibtisch schon lange nicht mehr aus…:

    Schreibtisch

  7. Respket vor Deinem Sturkopf. Ich hätte es vermutlich nach der Hälfte schon n die Ecke gekickt und eher versucht eine VM zu bauen.

    Um ein versyfftes XP-Laptop im Büro neu zu installieren, braucht es totz Revocery-CD dennoch 4-5 Stunden, bis alle Updates usw. und das alte Profil wieder engebunden sind. Bei VISTA habe ich bis jetzt nur ein Laptop erneuert, dauerte auch nicht viel kürzer. Das Zeug aus Redmond macht in der Nutzung kaum noch Spass und in der Wartung erst Recht nicht. Wenn ich damit nicht noch spielen würde, wäre es bei mir schon komplettt verschwunden.

    Was aber richtig Spass macht ist XP und VISTA in einer VM unter Ubuntu zu nutzen. Man glaubt gar nicht wie sehr dieser ganze Kam einem am Arsch vorbeigeht, wenn mit einem Kopfdruck alles wieder auf Null geht. :w00t:

  8. Nein, die Windows 98 CD wollte Setup nur haben um zu prüfen ob ich zum Upgrade berechtigt bin, die CD hielt sich fälschlicherweise eben für eine Upgradeversion. Irren ist menschlich, das kommt schonmal vor. Installiert wurde dann aber eben doch XP.

    BTW: In der letzten Nacht hat Windows doch tatsächlich nochmal 9 neue Updates gefunden… 😮

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