Mit dem Bike von Berlin ins Werratal…

Manchmal hat man ja so Ideen, die hat man halt. So stand bei mir eine Reha an. Aber wo sollte man dafür hin? Es handelte sich dabei um eine orthopädische Sache, die mit viel Sport verbunden sein sollte. Und da bietet es sich ja an, gleich das Bike mitzunehmen, um neben den verordneten Anwendungen ein wenig der besten Fortbewegungsart von allen zu frönen.

Ich suchte also ein paar in Frage kommende Klinken heraus und schickte allen einen kleinen Fragenkatalog. WLAN sollte dabei vorhanden sein, am besten auch gleich eine Übernachtungsmöglichkeit für Besuch und – am wichtigsten – das Fahrrad sollte mit aufs Zimmer dürfen. Die meisten Häuser verboten letzteres und meinten dann, es gäbe aber ersatzweise einen Gemeinschaftsfahrradraum.

Ja nee, is klar! Ich stelle mein Bike in einen Gemeinschaftsfahrradraum. Soweit kommt es noch. Nachher habe ich dann entweder gleich zwei davon oder einen Haufen Carbonschrott. Eine Klinik jedoch vermeldete, das es absolut kein Problem wäre und so war die Entscheidung gefallen. Es geht nach Bad Sooden/Allendorf im Werratal in Nordhessen, direkt an der Grenze zu Thüringen.

Im Laufe der Planungen kam mir dann die Idee, den Heimweg mit dem Fahrrad zu bestreiten. Dabei dachte ich dann an eine Tour mit Übernachtung in Magdeburg, also quasi auf Halbzeit. Daraus entstand dann die Idee, auch den Hinweg zu radeln und am Ende stand fest: Es wird geradelt, aber in einem Stück durch.

Das klingt erstmal recht ambitioniert, erschien mir aber durchaus machbar. Zielzeit war „Montag bis 11 Uhr“. Das passte, denn so konnte ich Sonntag starten und dann nach dem ruhigen Nachmittag die Nacht durchfahren, was sehr wenig Verkehr bedeutete. Dabei standen dann mehrere Routen zur Verfügung, allesamt mit Naviki.org berechnet. Dabei musste jeweils auch der Harz überquert werden, was nach 200km Fahrt die größte Hürde darstellte.

Pause bei Tremmen

Eine Route führte dabei an Schierke vorbei. Also schaute ich kurz nach dem Sonnenaufgang auf dem Brocken am Tag der Fahrt. Das wäre nämlich noch ein echtes Highlight gewesen. Der Sonnenaufgang auf dem Brocken ist schon was Feines und hätte die zusätzliche Anstrengung durchaus gelohnt. Allerdings lag er Anfang Oktober so spät, das hinterher nicht mehr genug Zeit gewesen wäre, noch pünktlich am Ziel einzutreffen.

Also wählte ich eine etwas moderatere Route über den Ostharz, vorbei an Harzgerode. Vor dem Harz ging es dabei quer durchs Havelland, in Salzelmen über die Elbe und dann nach Meisdorf, dem letzten Ort im Flachland. Hinter dem Harz war Nordhausen das Ziel, von wo aus es durchs Eichsfeld bis Uder und dann „übern Berg“ direkt ins Werratal gehen sollte.

Nachdem auch die Medizinmänner meinen Plänen wohlgesonnen waren, konnte die Sache dann auch wirklich in Angriff genommen werden. Den Gepäcktransport übernahm Hermes, ich selbst hatte damit nur einen Rucksack zu schleppen. Darin waren ein paar Wechselklamotten, jede Menge Energieriegel und eine 3 Liter fassende Trinkblase. Darüber hinaus zur Sicherheit noch ein Litelok und fürs Klinikzimmer die Velosock(e). Alles in allem schwer genug… 😮

Das Rad habe ich dabei noch mit „Schutzblechen“ ausgestattet, damit der Poppes im Falle eines Regenschauers nicht allzu nass wird. Obendrein habe ich – Skandal! – Reflektoren an den Pedalen montiert. Immerhin ging es durch die Nacht und das vornehmlich auf Land- und Kreisstraßen, da sollte die Sicherheit eindeutig Vorrang bekommen.

Es wird Nacht…

Schlußendlich musste das Rad dann noch eine Oberrohrtasche tragen, in der sich drei Akkupacks befanden, die Reservestrom für Handy, Lampen und Garmin sowie notfalls auch für die Schaltung befanden. Und natürlich die entsprechenden Kabel. Als Lampe kam vorn eine Toptrek LED Lampe und hinten das Lupine Rotlicht zum Einsatz. Letzteres hat den Vorteil, das es neben Bremslicht auch einen Lichtsensor hat. Dank dieses Sensors kann die Lampe bei Lichteinfall, also wenn von hinten ein Auto kommt, die Lampe kurz auf volle Leistung stellen und damit auf sich aufmerksam machen.

Die Strecke selbst habe ich in gemütliche 30km-Happen geteilt und dann jeweils nach 30km eine kurze Pause eingeplant. Zwei Pausen, einmal in Salzelmen und einmal in Nordhausen habe ich etwas länger, mit jeweils 30 Minuten, veranschlagt. Für den Harz habe ich mir dann noch eine Stunde extra eingerechnet. Start sollte um 14 Uhr sein und grob als Zielzeit war 7 Uhr im Auge.

Die ersten 30km machten sich dabei schon recht schwer, denn es ging zunächst Richtung Westen und damit genau den letzten Zuckungen von Sturmtief Xavier entgegen. Nicht nett. Aber nach insgesamt 60km ging es dann deutlich mehr in Richtung Südwest und der heftige Wind kam damit eher seitlich von vorn, was sich noch halbwegs ertragen ließ.

Nacht wurde es dann langsam gegen 19 Uhr, just als ich in Möckern ankam und damit etwa 120km hinter mir hatte. Damit wurden dann aber auch die Straßen schlagartig leer, kaum noch Auto fuhren an mir vorbei und ich konnte in aller Ruhe in Richtung Elbe weiterradeln, wo ich dann gegen 20.30 Uhr ankam. Planmäßig gönnte ich mir ein etwas längeres Päuschen bevor es dann Richtung Cochstedt weiterging.

Es wird Nacht…

Dort gab es wieder ein kurzes Päuschen und das nächste Ziel war Meisdorf. Der Weg dorthin hielt dann auch den einzigen echten „Ausfall“ von Naviki.org bereit, denn geroutet hatte ich fürs Rennrad, zwischen Reinstedt und Radisleben wurde ich dann aber über einen enorm zerfahrenen und löchrigen Feldweg geführt. Und das dann über 3,5km. So etwas kostet Kraft ohne Ende.

In Meisdorf gab es dann die letzte Pause vor dem Harz. Auf dem Friedhof. 😉

Der Friedhof war deshalb Pausenplatz, weil ich Wasser aufnehmen wollte. Ich hatte im Vorfeld schon geschaut, wo man jeweils eine Tankstelle oder eine Kirche findet, wo man Wasser auffüllen kann. Beide haben nämlich in aller Regel einen Außenwasseranschluß. Im Fall der Kirche Meisdorf hatte ich dann das zuständige Pfarramt kontaktiert, wo man mir sagte, das die Kirche leider keinen Gartenwasseranschluß hat. Aber ein Stück abseits der Straße wäre der Friedhof und dort könne ich ja Wasser holen. Na dieses Angebot nahm ich doch gern an.

Es folgte der Harz. Für mich als Flachlandtiroler gab es dort schon echt heftige Anstiege. Also Kette komplett nach links, bloß nicht zu weit nach vorn schauen und schwitzend und schnaufend die Berge hochgenudelt. Fast ganz oben, am Treuen Nachbarteich, war dann wieder Pause angesagt um wieder zu Luft zu kommen. Dem folgten noch die letzten Höhenmeter bevor es dann mit 60 Sachen wieder hinab ging.

Kurz vor Nordhausen, so langsam graute der Morgen, rauschte ich dann in ein im Tal liegendes Nebelgebiet. Und bekam damit die einzige Nässe während der ganzen Fahrt ab, denn insgesamt war das Wetter, zwischen echt heftigen Regentagen liegend, ein totaler Glücksgriff. Hatte der Regen doch genau für das Zeitfenster aufgehört, das ich benötigte. In Nordhausen selbst habe ich die Pause dann um 10 Minuten verkürzt, was mich nach etwas Bummelei im Harz wieder sauber in die Zeitplanung brachte.

Nachts auf der Elbbrücke Schönbeck

Womit ich aber nicht gerechnet hatte, war das Eichsfeld. Von Nordhausen bis Uder wähnte ich die Strecke weitgehend eben. Nun, eine Ebene war es, allerdings eine schiefe. Und so verbrachte die Kette wieder jede Menge Zeit auf der linken Seite und ich verfluchte meine Idee, mir das Ganze anzutun. Aber dies war ab Heiligenstadt wieder vergessen, denn dort ging es endlich wieder ein Weilchen mit negativer Steigung weiter. Hurra! 🙂

Blieb nur noch ein Berg übrig. Von Uder aus musste ich nach Wüstheuterode hoch um dann ins Tal nach Bad Sooden zu kommen. Der Anstieg war auch, bis auf zwei recht knackige Abschnitte, relativ leicht erledigt. Im Zeitplan lag ich allerdings nicht mehr ganz, denn zwischen Nordhausen und Heiligenstadt waren einige Minuten liegen geblieben und eine etwas längere Pause beim Bäcker in Leinefelde – ich wollte mal zur Abwechslung was anderes essen als Energieriegel – machte dann den Rest.

Hinter Dietzenrode hieß es dann, nur noch einmal abbiegen und Du bist da. Dachte ich. Bis ich dann abbog und eine Wand vor mir hatte. Also wieder die Kette nach links, alles gegeben und … abgestiegen. Ich kapitulierte vor dem Anstieg. Schieben war da keine Schande und es ging zu Fuß den Berg hoch. Immerhin den letzten, denn danach ging es zackig bergab, direkt hinein nach Bad Sooden/Allendorf. Ich war am Ziel. 🙂

Insgesamt war ich am Ende 17,5 Stunden unterwegs, davon saß ich etwas über 15 Stunden im Sattel.

Und der Rückweg? Hier wollte ich mich in Nordhausen mit einem Kumpel treffen und dann sollte es gemeinsam nach Berlin weitergehen. Aber es kam alles ganz anders. Zunächst sagte der Kumpel ab und dann gab es das nächste Sturmtief. Während ich mich ja auf dem Hinweg mit den letzten Zuckungen von Xavier herumplagen durfte, nahm schon zu Beginn der Heimfahrt das Sturmtief Herwart so richtig Anlauf.

Immer wenn Böen von der Seite kamen, dann machte man mit dem Rad schon mal einen Satz von 1m. Und es ging gerade erst los. Die letzten 60km der Strecke wären direkt vor dem Sturm selbst gewesen. Dies und die Tatsache, das es Samstag war und damit die Straßen deutlich voller, waren dann Grund genug hier auf Nummer sicher zu gehen.

Was bedeutete, das ich in Nordhausen abgebrochen habe und lieber den Zug nahm. So eine Tour zu schaffen ist ja das Eine, aber Sicherheit eben das Andere und der Sicherheit habe ich hier lieber den Vorrang gegeben. Alles andere wäre wohl auch vollkommen bescheuert gewesen. 😉

Die Ausrüstung

Hier nochmal fix alles, was so an „Extras“ dabei war. Es handelt sich dabei um Affilidingsbumslinks zum Kaufhaus meines geringsten Mißtrauens, wenn ihr die nutzt und dann was kauft (egal ob den Artikel selbst oder was anderes), dann gehen ein paar Cent an mich, was dann immensen Reichtum und Weltherrschaft bedeutet. Oder so ähnlich. :mrgreen:

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe.

Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet.

Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

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