Mut zum SBA!

Nur Mut zum SBA*! Dir kann dabei nichts passieren! Dem Cache allerdings meistens auch nicht…

Okay, während die letzte Aussage zum SBA stimmt ist die erste nicht ganz so korrekt. Denn oftmals nehmen Cacheowner oder deren Freunde einen SBA als persönlichen Angriff und starten schlimmstenfalls eine wahre Hexenjagd auf denjenigen, der es wagt einen SBA zu loggen. Ein dickes Fell und eine gute Portion Gelassenheit sind also die Grundvoraussetzung für das Loggen eines SBA. Schade eigentlich, soll dieser Logtyp doch nur darauf hinweisen das ein Cache aus irgendwelchen Gründen – in den Augen desjenigen der den SBA loggt – archiviert werden sollte. Da ein SBA vorzugsweise mit einer Begründung abgesetzt werden sollte, wird für gewöhnlich auch schnell klar warum der SBA geloggt wurde.

Aber warum steht da oben, das dem Cache meistens auch nichts passiert? Ganz einfach, in einigen Fallen reagiert kein Reviewer oder wenn es einer tut, dann nur sehr halbherzig. Nehmen wir als Beispiel mal einen Cache ganz hier um die Ecke. Nachdem mir nun schon eine Filmdose fast auf ein Multifinale geworfen und dennoch durchgewunken wurde – der Reviewer meinte auf meine entsprechende Anfrage, er hätte eben einfach einen guten Tag gehabt – kam hier um die Ecke wieder ein Cache (GC2DANM) durch, der nicht nur die Abstandsregel ganz massiv verletzte, sondern aus einem anderen Grund schwer bedenklich war. Ich loggte also SBA:

Dieser Cache sollte aus zweierlei Gründen umgehend archiviert werden:

1. Wie bereits im Fundlog erwähnt unterschreitet er die in den Cache Listing Guidelines vorgegebenen 161 Meter Abstand zu anderen Caches. Zu einem Traditional Cache beträgt der Abstand 148 Meter, was wohl letztlich eher undramatisch wäre, zu einer Stage eines anderen Mysterycaches hingegen beträgt der Abstand gerade mal 41 Meter.

2. Schlimmer wiegt hier jedoch die Lage des Caches. Das Cacheversteck befindet sich auf dem Grundstück einer Berliner Exekutivbehörde. Hier kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, das a) keine Genehmigung für den Cache vorliegt und b) eine solche Genehmigung niemals erteilt wird. Ein unbekannter Gegenstand am Grundstück einer Behörde stellt grundsätzlich ein Problem dar, denn er hat das Potenzial zu teuren und vor allem unnötigen Polizeieinsätzen zu führen (Stichwort: USBV)!

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Als dritten Grund hätte man nun noch ins Feld führen können, das die Dose direkt an einem alarmgesicherten Zaun befestigt war, das hätte dann aber wirklich gespoilert. Obendrein hielt ich die genannten gründe schon für ausreichend hier einzugreifen.

Wer sich nun an die Vorgänge um die Lichtenberger Brücke erinnert und sich dabei vor Augen hält, das aktuell ob nun zu recht oder zu Unrecht massive Terrorängste in der Bevölkerung geschürt werden, der wird sich sicherlich meiner Meinung anschließen das dieser cache dort nicht hingehört. Abgesehen davon sind natürlich die 41 Meter Abstand zu einem anderen Mystery schon wegen der enormen Spoilergefahr untragbar. Vor Ort gibt es nämlich ungefähr drei Möglichkeiten etwas zu verstecken: Besagten (und genutzten) Zaun, einen Meter daneben einen Poller und ungefähr 41 Meter weiter das andere Versteck. Man merkt worauf ich hinauswill? *gg*

Wie dem auch sei, der Reviewer der sich der Sache annahm machte sich die Sache enorm einfach:

Bitte mal prüfen, ob dieser Cache legal findbar ist, danke!

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Gehts noch? 😮

Wird jetzt auf einmal bewertet ob man mit langem Arm trotzdem an einen illegal versteckten Cache kommt? Ist es egal, das hier schon des Abstands wegen das „give some latitude“ zu „give much and more (and most) latitude“ verbogen wurde? Spielt es keine Rolle, das der Cache das Potenzial hat in die Schlagzeilen zu kommen und dem Owner massive Probleme bereiten könnte? Oder dem Finder, der ggf. beim Heben beobachtet wird? Reagiert hat dann glücklicherweise der Owner indem er die Dose dann kurzerhand verlegt hat. Die Antwort/Reaktion des Reviewers jedoch empfand ich als einen Schlag ins Gesicht, schon allein weil er mich inzwischen weit genug kennen sollte um zu wissen, das ich durchaus weiß wovon ich spreche.

Ganz anders kam es dann bei einem Dreckeckencache (GC2B7CM). Klar, der SBA sollte in erster Linie dazu dienen dem Owner mal einen Klaps auf den Hinterkopf zu geben, vielleicht denkt er ja mal über seine Dose oder vielmehr die Wahl der Location nach, aber auch eine umgehende Archivierung wäre angemessen gewesen.

Die Vorlogs sprechen Bände: Hier liegt eine Dose inmitten von Fäkalien. Trotz eindeutiger Logs erfolgt vom Owner keine Reaktion, er hat also kein Interesse daran, diese Mißstände zu ändern. Somit gibt es nur eine logische Konsequenz – ab ins Archiv damit!

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Die weiteren Logs sind nach wie vor recht eindeutig. Und wenn nicht von Dreck, Krabbeltieren und Fäkalien die Rede ist, dann langt es gerade mal dazu sich einen einzigen Satz als Log abzuringen. Aber gut, um Kurzlogs geht es hier nicht. Viel schlimmer ist eigentlich, das sich bisher, und der SBA liegt inzwischen ganze 4 Monate zurück, noch kein Reviewer zur Sache geäußert hat. Nichtmal ein kurzes „SBA abgelehnt, massive Ansteckungsgefahr ist kein Archivierungsgrund da Fäkalien als Cacheversteck in den Guidelines nicht verboten sind!“ kam rüber. Eine ähnlich gelagerte Sache hatte ich auch schon bei einem anderen cache, da hatte der Owner dann sogar geraten das sich „empfindliche Naturen“ besser Deinsfektionsmittel mitnehmen sollten“ und er im Übrigen „keine Zeit hat die kaputte Dose zu warten“. Leider ist der SBA inzwischen gelöscht, ebenso die darauf folgenden wüsten Beschimpfungen, sonst hätte ich das hier mit reinkopiert. Aber auch da hatte kein Reviewer reagiert.

Wozu gibts die denn jetzt nun eigentlich? 😮

Relativ aktuell ist ein weiterer Fall von ignoriertem SBA. Anfang November besuchten wir ja in der Oberpfalz einen Earthcache (GC23PT9) der keiner war. Nicht nur das es dort keine geologische Besonderheit mit lehrreichem Charakter gab, auch die Information die man einsammeln sollte bezog sich auf den örtlichen Trimm-Dich-Pfad. Und so wurde hier zunächst ein recht kurz gefasster SBA geloggt:

Komischer Earthcache, vor Ort gibt es keine Hinweistafel, wo man etwas über den Felsenkeller und seine Geschichte erfahren kann. Das widerspricht den Regeln.

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Und um die Sache rund zu machen, schob ich selbst noch einen SBA hinterher, der dann ein wenig genauer begründete:

Noch eine kleine Anmerkung, ergänzend zum SBA von DL3BZZ: Wie ich inzwischen erfahren habe, handelt es sich bei der zu suchenden Hinweistafel um einen Hinweis auf den örtlichen Trimm-Dich-Pfad. Und das hat ja nun wirklich ganz und gar nichts mit einem Earthcache bzw. einer geologischen Besonderheit zu tun. Die bloße Erwähnung von geologischen Besonderheiten im Listing ist nicht ausreichend, der Earthcache muss vor Ort einen bildenden Charakter haben. Die Guidelines sprechen hier eine eindeutige Sprache:

1. EarthCache sites must provide Earth science lessons.
2. EarthCache sites must be educational.

Vor Ort finden sich einige recht nette Felsen, die man aber auch überall woanders in der Oberpfalz findet. Zumindest ist es das, was sich dem Besucher vor Ort auftut. Und solange hier keine genaueren Erklärungen in Form von Hinweistafeln zu finden sind, bleiben es eben Felsen. Damit geht dieser Earthcache am Sinn und Zweck eines Earthcaches komplett vorbei und ist zu archivieren.

[direkt zum Log]

Als dann vor einer Woche noch immer keine Reaktion erfolgt war, schrieb ich mal eine freundliche Mail an den Reviewer der diesen Earthcache einst veröffentlichte. Muß ich jetzt eigentlich noch erwähnen, das bis heute keine Antwort kam?

Nachtrag: Manchmal ist es schon wie verhext. Da hat man einen Artikel zu lange als Entwurf herumliegen – in diesem Fall hatte ich letzten Mittwoch angefangen als die Server bei GC noch exorbitant lahm waren und ihn dann beiseite gelegt da die Logs kaum erreichbar waren und hier ja mit reinkopiert werden sollten – und dann passiert etwas. In diesem Fall hatte Clownfisch nochmal einen SBA nachgelegt und jetzt endlich hat auch mal ein Reviewer reagiert.

Wenn man sich diese Beispiele ansieht, dann sollte doch kaum noch jemand verwundert sein, das die Mehrheit der Cacher entweder auf SBA verzichtet, da er sich die Arbeit ja vermutlich sowieso umsonst macht, oder gleich ein paar Eskalationsstufen überspringt und die Sache direkt bei Groundspeak vorträgt. Denn da hat man für gewöhnlich Erfolg.

Würde ich bei opencaching.de dergestalt ignorant mit Cachemeldungen umgehen, dann hätte man mir schon lange die Admin-Berechtigungen entzogen, und zwar zu Recht. Komisch nur, das man das bei Groundspeak offenbar anders sieht.

Aber nichtsdestotrotz: Niemand sollte sich von diesem Beispielen hier abschrecken lassen – Nur Mut zum SBA! 🙂 – natürlich immer nur dann, wenn es auch Gründe dafür gibt. Und wenn niemand reagiert, dann hilft eine nett formulierte Mail an appeals@geocaching.com in den meisten Fällen weiter.

* SBA = Should be archived – Ein Logtyp der zum Ausdruck bringt, das ein Cache aus den verschiedensten Gründen archiviert werden sollte. Und ja, ich weiß das es inzwischen NA, also Needs archived heißt. Das Kürzel SBA ist jedoch geläufiger und wer ihn benutzt weiß auch so um was es geht. *eg*

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

11 thoughts to “Mut zum SBA!”

  1. Im Fall des Felsenkellers in Deining lag es wohl eher daran, dass ich derzeit Mailkontakt mit einem Reviewer wegen „der Liste“ habe und ihm dann unter anderem heute Vormittag diese Dose als Beispiel genannt hatte.

  2. Ich selbst hatte zwar noch keinen Cache, bei dem ich einen SBA hätte loggen müssen, aber dass es zuweilen länger dauert, bis was passiert, habe ich schon hin und wieder in dem einen oder anderen Listing gesehen.

    Aber wenn man mal nicht innerhalb von 3 Monaten dazu kommt, den eigenen Cache nach dem Deaktivieren wieder zu aktivieren, da gibts gleich nen Dudu-Hinweis.

  3. Dein SBA-Log bei „Spreeufer Ade“ empfinde ich schlichtweg als größtmögliche Unverschämtheit. Warst Du überhaupt vor Ort? Gut, es ist ein mieser Pi**ecken-Mikro, wie so viele in Berlin, aber er ist legal findbar und enthält ein trockenes Logbuch. Die Fäkaliendichte am GZ ist nicht höher als auf jedem x-beliebigen berliner Bürgersteig; der Cache selbst liegt in ca. 1m Höhe, da kommen Hunde nur selten mit ihrem Gesäß hin und ich konnte ihn auch ohne Gummihandschuhe oder Sagrotan heben. Fangen wir jetzt alle an, SBA zu loggen, weil uns ein Cache nicht gefällt?

    1. @Rupa: Du hast den Text gelesen? Und verstanden? Ofefnbar nicht. Und ja, ich war vor Ort. Hab es aber gelassen…

      @Carsten: Klar, es gibt ja nicht nur negative Fälle. Genausowenig wie jeder Cache tagelang in der Pipe liegt sondern zuweilen schon nach wenigen Minuten veröffentlicht ist, gibt es auch beim SBA prompte Reaktionen. Wäre es anders, hätten die Reviewer ja auch überhaupt keine Freunde mehr. 😉

  4. Das wundert mich nicht. Die Reviewer haben doch alle Hände voll zu tun, Caches zu archivieren, die zwar momentan nicht gesucht werden können ( z.B. wegen Bauarbeiten), aber bei denen sich der Owner mehrfach per Note zu Wort gemeldet hat und seine Absicht, den Cache zu erhalten deutlich kund getan hat.
    Solche Caches gehen postwendend ohne weitere Erklärungen oder Rücksprache mit dem Owner ins Archiv. Wen wunderte, dass mancher langjähriger Cacher den Spaß am Cachen verliert…

  5. Was lernen wir daraus? Egal, was ein Reviewer macht, es ist immer falsch.
    Besteht er auf mindestens 161 Meter, ist er zu streng. Macht er Ausnahmen, wird das z.B. als verspoilern des Caches empfunden.

    1. @Tobias: So sehr eng würde ich das gar nicht sehen. Es gibt viele Situationen wo die 161 Meter durchaus zu Recht unterschritten werden dürfen. Solange aber auf der einen Seite auf 161 Metern beharrt wird und auf der anderen sogar nur 41 Meter kein Problem darstellen, solange gibt es eine gewaltige Schieflage. Die Diskussionen um wegen ein paar Metern abgelehnte Caches kommen doch immer nur dann auf, wenn direkt um die Ecke einer liegt bei dem es kein Problem war. Dann besser generell auf die 161 Meter pochen, das wäre gleiches Recht für alle.

      Übrigens: Ich habe mir mal die Mühe gemacht und die neuen Koordinaten für den Mystery am Behördengelände ermittelt: Der hängt jetzt an einem anderen Zaun. Ist aber auch Behördengelände! Dafür sind aus den 41 Metern Abstand zum anderen Mystery jetzt immerhin 55 Meter geworden. Was soll man dazu noch sagen? 🙁

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