neuseen classics 2017 – Rund um die Braunkohle

Nachdem im April die Saison ganz gemächlich beim Spreewaldmarathon eröffnet wurde, bei dem noch keine Uhr im Hintergrund drängelte, ging es letztes Wochenende das erste Mal in diesem Jahr mit Zeitmessung los. Ich bin erstmalig bei den Leipziger neuseen classics an den Start gegangen. Dabei war das eher so eine Idee am Rande, denn eigentlich war für den Mai die Mecklenburger Seenrunde angedacht, die aber durch terminliche Nähe entfallen musste. Auf Leipzig kam ich durch eine Bekannte, die dieses Rennen als feine ALternative zum Berliner Velothon angepriesen hatte. Also habe ich mich mal direkt dort angemeldet.

Leipzig selbst ist ja eine richtig schöne Stadt, also wurde gleich noch ein längeres Wochenende daraus gemacht, sprich, wir sind von Samstag bis Montag geblieben und haben neben dem Rennen auch gleich noch solch wichtige Dinge wie Völkerschlachtdenkmal, Altstadt und Zoo mitgenommen. Aber hier soll das Rennen im Vordergrund stehen. Und das hatte es mehr in sich, als zunächst erwartet…

Leipzig neuseen classics 2017 - Der Start zum 100km Jedermannrennen

Die Akkreditierung lief dabei noch deutlich entspannter ab, als man es sonst von solchen Rennen kennt. Im „Vortagesmeldebüro“ im Hotel Atlanta waren ausreichend Helfer für nur wenige Teilnehmer, so dass wir das quasi in zwei Minuten komplett erledigt hatten. Besonders positiv fiel mir hier die Startnummer auf.

Während man es von anderen Rennen gewohnt ist, auch für das Fahrrad ein „labberiges Stück Papier“ zu bekommen, waren hier die Fahrradnummern ordentlich laminiert und somit weitgehend formstabil, weshalb sie sich wirklich gut und lesbar anbringen ließen. Auch der Starterbeutel war gut gefüllt, selbst eine aktuelle Ausgabe der RoadBIKE lag dabei.

Deutlich weniger als erwartet war dann am Renntag auf dem Veranstaltungsgelände los. Wo man allerlei Messestände erwartete, war im Grunde überhaupt nichts los, die üblichen Verdächtigen, bei denen man sonst an solchen Veranstaltungen die heimischen Vorräte Gels und Klamotten auffüllt, glänzten durch Abwesenheit. Schade eigentlich.

Vor dem Rennen hörte ich dann erstmals von einem ominösen Berg. Der sollte angeblich, irgendwann kurz vor Rennende, ganz plötzlich wie eine Wand vor den Fahrern auftauchen und mit 16% Steigung echt heftig sein. Ja klar, ein Berg, im flachen Braunkohlegebiet…

Nun, das Rennen selbst ging ganz gemütlich los, Minimalziel war lebend ins Ziel zu kommen und schlimmstenfalls vorletzter zu werden. Gemeinsam mit zwei Leuten aus der Facebookgruppe „Radsportfreunde Berlin & Brandenburg“ radelte es sich ganz locker durch eine wirklich tolle Gegend. Das Wetter war mit 20°C und Sonnenschein nahezu perfekt und die Landschaft im renaturierten Braunkohletagebau wunderschön. Zwischendurch gaben wir etwas mehr Gas und versuchten auf eine etwa 200 Meter vor uns fahrende Gruppe aufzuschließen. Das kostete jede Menge Kraft, die dann plötzlich fehlte, als er vor uns war.

Der Berg.

Und tatsächlich, da war ein richtig fieser Anstieg zu bewältigen, der nicht nur wie eine Wand wirkte, sondern tatsächlich eine war. Irgendwie haben wir das Ding aber geschafft und uns noch gewundert, das er gar nicht erst zum Rennende kam, wie es bei den Gerüchten am Start noch hieß. Nun, einige hundert Meter später kam dann der Hammer. Ein Schild wies darauf hin, das wir an dieser Stelle ein zweite Runde beginnen. Und somit noch einmal den Berg rauf sollten. 😯

Medaille

Das Schlug natürlich auch im Kopf ein, weshalb die Durchschnittsgeschwindigkeit schlagartig zwei bis drei km/h nach unten ging. Aber auch den zweiten Anlauf am Berg schafften wir dann, gefühlt sogar etwas besser als beim ersten Mal und so konnte es dann zu einem Endspurt in Richtung Leipzig gehen. In der Stadt wurde es dann noch einmal richtig zügig und nach 3 Stunden und 19 Minuten konnten wir zu dritt über die Ziellinie fahren. Insgesamt war ich damit deutlich langsamer unterwegs, als noch letztes Jahr in Hamburg.

UrkundeAllerdings war dies dem Berg und vor allem der Tatsache geschuldet, das ich an weiten Teilen der ersten Runde an der Führungsarbeit der Gruppe beteiligt war, weshalb nach hinten raus jede Menge Kraft fehlte. Interessant ist auch die unterschiedliche Streckenbetrachtung. Ich selbst habe etwas über 105km gemessen, die anderen beiden etwas über 103 und der Veranstalter geht von glatten 100 aus. Daraus resultiert eine offiziell erreichte Durchschnittsgeschwindigkeit von 31,02 km/h, während die von mir gemessene Strecke zu 31,7 km/h führt. Also Kleinigkeiten, auch wenn es schon etwas wundert, das der Veranstalter mit 3 bis 5 Kilometern Streckenlängenabweichung arbeitet.

Nun denn, somit war es für mich ein 557. Platz (von 632) in der Gesamtwertung, den ich mir mit einem meiner Mitfahrer teile. Der dritte Mann im Bunde hat den 556. Platz ergattert, da er beim Start erst nach uns über den Zeitmesspunkt gefahren ist. In der Altersklassenwertung ist es der 164. Platz (von 180) geworden. Somit wurde das Minimalziel „mindestens Vorletzter“ in beiden Wertungen ganz locker erreicht. 😀

Ein wenig komisch war es dann übrigens noch nach dem Ziel. Von anderen Rennen dieser Art ist man gewohnt, das es nach dem Ziel eine klar gekennzeichnete Auslaufstrecke gibt, an deren Ende dann Medaillen und Verpflegung warten. In Leipzig war das irgendwie nicht so, hundert Meter nach dem Ziel wirkte die Strecke einfach nur zu Ende. Deshalb standen dort auch schon etliche Fahrer, die vor uns reingekommen waren und alle rätselten, wo und wie es nun weitergeht. Wir stiefelten also quer über das Gelände bis wir die Medaillenausgabe fanden und dann auch erst klar wurde, wie die weitere Strecke angedacht war.

Insgesamt war es also eine durchaus feine Veranstaltung die richtig viel Spaß gemacht hat. Etwas unrund fand ich nur die spärliche Messe auf dem Veranstaltungsgelände und die Streckenauszeichnung im Zielgebiet. Aber hey, dafür gab es eine echt schöne Medaille, die reißt das alles wieder raus. Und der Berg gibt ja auch reichlich „Stoff für Geschichten von früher“, also passt es! Nur im kommenden Jahr werde ich nicht dabei sein, denn da ist dann endlich die Mecklenburger Seenrunde dran.

🚲 🚲 🚲

Neben all den tollen Erlebnissen gab es aber auch eine richtig fiese Sache im Zusammenhang mit diesem Rennen. Unterwegs kamen wir zweimal an einer Stelle vorbei, an der auf eine Ölspur hingewiesen wurde. Und tatsächlich, man konnte noch gut erkennen, das da jede Menge Öl gewesen sein musste. Letztlich stellte sich heraus, das es hier um einen gezielten Angriff auf die Teilnehmer ging, da konnte wohl jemand nicht ertragen, das er dort mal einen Tag nicht mit dem Auto entlangfahren durfte.

Nicht auszudenken, was da alles hätte passieren können. Also an dieser Stelle auch noch einmal ein dickes Dankeschön an die beteiligten Feuerwehren, denn die Strecke war an dieser Stelle nach ihrem Einsatz wieder richtig gut und vor allem sicher befahrbar. Da wurde ein echt guter Job gemacht!

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

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