Niederländisches Kreuzungsdesign – Wie man Kraftfahrzeug- und Fahrradverkehr unter einen Hut bekommt

Klar, das die Niederlande Deutschland in Sachen Fahrradverkehr so einiges voraus haben, ist sicherlich keine wirklich bahnbrechend neue Information. Aber es gibt Details, die sind eben nicht ganz so bekannt, dafür aber nicht minder interessant. So stolperte ich demletzt bei radfahrerzone.de über ein Video, in dem das niederländische Kreuzungsdesign ein wenig genauer erläutert wird.

Wie plant man in den Niederlanden eine Kreuzung, wie bekommt man alle Verkehrsteilnehmer unter einen Hut und macht die Sache obendrein noch sicher, während man allen ein flottes Vorankommen ermöglicht. Dies geschieht vornehmlich, und hier wird es wirklich interessant, durch die Trennung der Verkehrsströme.

Auf dem Radweg über die Kreuzung - einer der seltenen übersichtlichen Fälle in DE

Nun ist es in Deutschland so, das die Verkehrsströme auch weitgehend getrennt verlaufen, sprich, der Fahrradverkehr befindet sich zumeist in den Seitenbereichen auf Radwegen. Das jedoch bringt ein riesiges Problem und damit ein Sicherheitsdefizit mit: Der Fahrradverkehr wird kaum mehr wahrgenommen und so kommt es zu vielen Abbiegeunfällen. Klar, wenn man geradeaus fahrenden Verkehr ausgerechnet rechts an Rechtsabbiegern vorbei führt, die obendrein durch die räumliche Trennung den Radverkehr oft übersehen, dann sind Unfälle quasi vorprogrammiert.

Um nun aber trotzdem die Vorteile getrennter Verkehrsstromführung zu haben, an Kreuzungen jedoch Konfliktsituationen und Unfälle zu vermeiden, haben sich die Niederländer so ihre Gedanken gemacht und dabei einfache, jedoch wirkungsvolle Lösungen gefunden. Wie das funktioniert, zeigt folgendes Video.

Allerdings fehlt mir der Glaube, das es in Deutschland in absehbarer Zeit zu einem Umdenken kommt, und auch hierzulande echte Lösungen herbeigeführt werden, die dem Fahrradfahrer Sicherheit und schnelles Vorankommen gleichzeitig ermöglichen. Zu groß ist die Lobby der Autofahrer und niemand will Raum aufgeben. Der Fahrradfahrer ist eben nach wie vor ein Feindbild vieler und so werden Zugeständnisse an gewandelte Verhältnisse im Straßenverkehr noch lange auf sich warten lassen.

Aber zumindest für Berlin bleibt ja aktuell noch die Hoffnung, dass es zu einem Volksentscheid kommt, der möglicherweise ein einmaliges Gesetz auf den Weg bringen kann. Und das die Politik in Berlin trotz vorhandener Radverkehrsstrategie mit einem entsprechenden Gesetz zum Umdenken gezwungen werden muss, zeigt ganz eindrucksvoll dieses Video.

Ganz interessant sind in Bezug auf die Stadt Berlin ist auch der Flächengerechtigkeitsreport aus dem Jahr 2014. Darin wird festgestellt, das für Radfahrer gerade mal 3% aller Straßen mit eigenen Verkehrswegen ausgestattet sind. Bei einem Radverkehrsanteil von 15%. Soll heißen, 15% aller Wege in Berlin werden mit dem Fahrrad zurückgelegt. Bundesweit liegt dieser Wert übrigens nach Aussage des BMVI bei 10%.

Mit dem Kraftfahrzeug werden hingegen 33% aller Wege in Berlin erledigt, das sind gerade mal etwas mehr als doppelt soviele. Dafür stehen ihm dann ganze 58% der Verkehrsfläche (39% für rollenden, 19% für ruhenden Verkehr) zu Verfügung, also 19x soviel! Auch die Feststellung, das 95% aller Straßen ausreichend Platz für Radverkehrsanlagen bieten und letztlich das eine Senkung der Regelgeschwindigkeit auf 20 km/h den Verkehrsflächenbedarf für den rollenden Verkehr halbieren würde sind hochinteressant.

Abschließend, nachdem ich hier ohnehin schon vom eigentlichen Thema abgeschweift bin, noch ein Tipp für Zahlenfreunde. Beim BMVI findet man den Fahrrad-Monitor-Deutschland 2015, der das Ergebnis einer repräsentativen Onlineumfrage ist und ganz gut zeigt, dass das Fahrrad inzwischen ein ernstzunehmendes Verkehrsmittel in Deutschland geworden ist.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)