Panoramaproduktion mit hugin

Dem aufmerksamen Leser ist mit Sicherheit nicht entgangen, das ich nebenbei immer mal wieder mit Panoramabildern experimentiere. Früher[tm], als noch Windows meine Rechner dominierte, nahm ich immer Canon Photostitch, das mit jeder (Canon-)Kamera mitgeliefert wird.

Allerdings waren die Ergebnisse meist ziemlich fehlerbehaftet, so waren bspw. Unterschiede in der Helligkeit der einzelnen Bilder im Endergebnis deutlich zu sehen. Zudem wurde von der Software auch bei den Übergängen zwischen den einzelnen Bildern gern „geschummelt„, bei genauerem Hinsehen fiel der Fehler aber sofort auf. Das größte Manko war jedoch,das bei größerer Bildanzahl das Panoramabild sehr flach wurde, da einfach zuviel abgeschnitten werden musste.

Nun habe ich die für mich beste Lösung gefunden: Hugin. Zwar macht hugin das Panorama nicht „mit zwei Klicks„, dafür sind die Ergebnisse aber um Längen besser. Und es ist für Linux verfügbar. Eines gleich vorab, auch für Mac und Windows gibt es hugin. Um hugin zu installieren verwendet man unter Ubuntu am einfachsten eine Shell:

sudo apt-get install hugin

Schon wird hugin aus den Paketquellen installiert und kann über

Anwendungen -> Grafik -> Hugin panorama creator

gestartet werden. Alle anderen nehmen halt den Download bei Sourceforge. Mit Hilfe des Assisten lädt man nun die Bildfolge, die zu einem Panorama zusammengesetzt werden soll. Dabei versucht hugin mit Hilfe von autopano-sift die Bilder gleich richtig auszurichten, was aber nur selten klappt. Und dann ist Handarbeit angesagt. Für die einzelnen Übergänge müssen Kontrollpunkte definiert werden, damit hugin später richtig zusammensetzen kann.

Dabei kann man die automatische Justierung nutzen. Nachdem der erste Kontrollpunkt auf beiden Bildern gesetzt ist, wird bei einem neuen Kontrollpunkt im ersten Bild der im zweiten vom Programm ermittelt und vorgeschlagen. fär adäquate Ergebnisse braucht hugin mindestens drei Kontrollpunkte pro Übergang, am besten über die komplette Bildhöhe verteilt. Jedoch gilt: Umso mehr, umso besser. Gerade wenn die Ausgangsbilder ohne Stativ aufgenommen wurden, sollten es mindestens 10, besser noch 20 Kontrollpunkte pro Naht sein.

Sind alle Kontrollpunkte gesetzt, muss nochmal alles ausgerichtet werden. Das geht am einfachsten im Startassistenten: Ein Klick und es wird ausgerichtet. Ist das erledigt, kann das Panorama erzeugt werden. In der Standardeinstellung erzeugt hgin TIFF-Dateien, die den kompletten Stitch beinhalten, also noch „von Hand“ zugeschnitten werden müssen. Man kann aber auch JPG als Ausgabeformat vorgeben.

Und wem die einfache Variante, so wie hier beschrieben, nicht ausreicht, der hat mit hugin noch tausende anderer Möglichkeiten. Ob es nun Korrekturen in Belichtung oder Bildwinkel, die Ausgabe als HDRi  oder etliche verschiedene Projektionen sind, hugin macht alles möglich.

Und hier jetzt zwei Beispiele. Zunächst das Panorama von gestern, aufgenommen auf dem Dach der ehemaligen NSA Abhöranlage im Berliner Grunewald:

Dieses Panorama ist aus zwölf Einzelbildern zusammengesetzt. Ein Klick in die Miniatur zeigt es mit 11.000 Pixeln Breite, also ggf. muß etwas Ladezeit in Kauf genommen werden. Das nächste Bild habe ich ohne Stativ mit der alten Canon Powershot S50 „aus der Hüfte geschossen„. Es zeigt die Aussicht von Muhs-Panoramaweg oberhalb von Prägraten am Großvenediger. Hier hatte hugin schon ordentlich zu tun, mussten doch die Bilder ziemlich heftig ausgerichtet werden. Obendrein waren alle Bilder wegen des starken Sonnenscheins unterschiedlich hell.

Auch hier genügt ein Klick ins Vorschaubild um die große Variante zu laden, diesmal mit 5.000 Pixeln Breite. Einziger Fehler dabei, in der Bildmitte ist der Übergang im Wiesenbereich zu erkennen, da hier das Originalbild unscharf war. Aber dafür das die Bilder eben ohne Stativ geknipst wurden, passt das schon.

Wie man sieht, die Ergebnisse sprechen für sich oder vielmehr für hugin. Und diese beiden Bilder sind mit der Automatik gemacht, also lässt sich da noch deutlich mehr herausholen.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

12 thoughts to “Panoramaproduktion mit hugin”

  1. Da bist du mir jetzt ein paar Tage zuvor gekommen. Habe das Programm auch für mich entdeckt und bin sehr beeindruckt vom gelieferten Ergebnis.
    Allerdings nutze ich Windows XP als Plattform.
    Die vielfältigen Möglichkeiten muß ich mir aber erst noch erarbeiten. Kennst du eine Art Anleitung?

  2. Ich bin schon sehr lange von Photostitch auf die Photomerge-Funktion von Photoshop umgestiegen und bin von den Ergebnissen immer wieder beeindruckt.

  3. @Phil: Es mag schon sein das Photoshop auch auf diesem Gebiet viel drauf hat, aber kostet Photoshop eben auch einen Haufen Geld. Geld, das nicht jeder auszugeben bereit ist, wenn es kostenfreie Alternativen gibt. Wie für diesen Zweck eben hugin.

  4. was is das auf dem ersten panorama eigentlich für ein „dreckhaufen“, wo die leute drauf stehen(fahren die da schlittschuh?)
    Chris 😛

  5. Hey, bin über Marco´s Link hierher gekommen und werde das Programm auch mal ausprobieren, nun werde ich aber erstmal weiter hier im Blog rumschnüffeln.

    Schönen Gruß,

    Jens

  6. Danke für die Anleitung und den Link zum Download!
    Habs heute auch ausprobiert:
    http://img.geocaching.com/cache/log/1c790898-1993-44bb-aa53-23b6abc92b7b.jpg 🙂

Kommentare sind geschlossen.