Powercaching – Ein Selbstversuch

Manch ein Geocacher mit astronomischen Zahlen in der Statistik bezeichnet sich ja gern selbst als Powercacher. Diese Powercacher machen dann zuweilen  über 100 Dosen an einem Tag. Logisch, das so etwas nur in ziemlich dicht besiedeltem Raum geht. Beispielsweise in der Großstadt. Hier in Berlin ist sowas also absolut kein Problem, es gibt Stadtteile mit einer exorbitant hohen Dosendichte, die meisten davon zwar nur primitive Filmdöschen, aber die liegen eben und können gesucht werden.

Insbesondere sticht dabei immer wieder eine Serie ins Auge, die sich vom Anspruch her eben offensichtlich exakt an diese Powercacher richtet: Ranfahren, ohne nachdenken zugreifen, loggen, wegpacken und weiterfahren zum nächsten. Solche Runden haben dann meistens zur Folge, das sich der Powercacher am Abend schon gar nicht mehr an die einzelnen Dosen erinnern kann. Also wird dann ein lächerliches „TFTC!“ oder gar „+1“ im Internet geloggt.

Bei Filmdosen vielleicht gar nicht so schlimm, aber es sind ja auch immer mal ordentliche, mit viel Liebe und Arbeit gelegte Dosen dabei, die durchaus mehr verdient haben als so ein Minilog. Im grünen Forum gibt es derzeit auch eine diesbezügliche Diskussion. Aber darum geht es ja heute nicht, es geht um das Powercachen im Speziellen. Was ist so toll daran? Worin liegt der Reiz, von einer Filmdose zur nächsten zu düsen? Das herauszufinden war gestern meine Absicht. Ich musste eh nach Wilmersdorf um dort geliehene Nachtcachingausrüstung zurückzubringen und gerade in Wilmersdorf findet sich reichlich „Touri-Filmdosen-Schnellcachegeraffel“.

Angefangen habe ich direkt hinter der Autobahnausfahrt mit „Touri – 21 ‚Die Telefonzelle 17‘ – GC1GAAA). Das Listing sagt alles, es handelt sich um einen typischen Powercacherstatistikpunkt. Das Listing, bei der kompletten Serie abgesehen von den jeweiligen Fotos, ist immer gleich:

Hallo Geocacher
Das ist eine Serie, für Powercacher die nach Berlin kommen.
Viel Spaß.

Das reicht ja im Grunde genommen auch aus, es ist eine Serie für Sammler und keine für Genießer. Also fuhr ich diesen Cache an. Standesgemäß versuchte ich so nah heranzukommen, das ich theoretisch nicht mal aussteigen muss. Beim Versuch blieb es auch. Was folgte waren drei Runden um den Block um einen Parkplatz zu finden. Typisch Großstadt eben.

Als ein Parkplatz gefunden war mussten noch 218 Meter Fußmarsch bewältigt werden. Was für eine Zeitverschwendung. Also zumindest im Angesicht meines Vorhabens ganz viele Dosen „einzusammeln„. Die Dose selbst war keine Herausforderung, jeder kennt diese Dinger in Berlin, ein Griff und man hat die Dose, wenn man sich clever genug anstellt macht man das sogar inmitten hunderter Leute ohne das die etwas davon mitkriegen. Punkt Eins war im Sack!

Weiter ging es zur naheliegensten Dose. Diese stammt nicht aus der Touri-Reihe, versprach jedoch auch ein schneller Punkt zu werden. Ganz genau das was man als frisch gebackener Powercacher sucht. „Jamaika (GC19173)“ versprach sogar richtig fette Beute, deutete doch das Listing an das die Dose prall gefüllt mit TravelBugs und Geocoins wäre. Klar, bei einem Mikro geht das für gewöhnlich nicht, aber die Dose kann ja inzwischen ausgetauscht sein ohne das die Größenangabe im Listing geändert wurde.

Es war ein PETling.

Kein Problem für mich, in meiner Funktion als frisch gebackener Powercacher macht mir das nichts, was zählt ist der Punkt und der war im Sack. Direkt neben dem Cache stand dann noch das Auto des Owners. Das ganze Ding ist selbst ein Travelbug (TB1RNTR) und kann somit auch ganz regulär geloggt werden.

Zwar fand ich in Jamaika mehr oder minder zügig einen Parkplatz, aber schon jetzt fing es an zu nerven. Das ständige rein und raus mag ja anderweitig nett sein, nicht jedoch wenn man auf der Jagd nach der Dose ist. Aber so ist das eben, als Powercacher muß man leidensfähig sein und so blieb ich tapfer. Weiter ging es zum nächsten Punkt.

Diesmal war es wieder eine Telefonzelle, nämlich „Touri – 20 ‚Die Telefonzelle 16‘ – GC1FKNB) und wieder das alte Spiel: Dreimal um den Pudding um eine adäquate Parkmöglichkeit zu finden. Aber keine Chance, also musste eine andere Lösung her. Direkt in zweiter Reihe anhalten, rausspringen, Dose greifen, loggen und wieder weiter. So tat ich es dann auch und Punkt 3 war im Sack.

Ich hatte die Nase inzwischen gehörig voll.

Sollte das jetzt wirklich so weitergehen? Ewiges Parkplatzsuchen, Dose greifen ohne Herausforderung bei der Suche, weiter zur nächsten „Nummer“? Ich nahm das zum Anlaß mein Experiment abzubrechen. Ja, ich weiß, ich bin da ein Weichei, aber meine Leidensfähigkeit ist in dieser Beziehung arg begrenzt. Geocaching geht anders, ganz anders. Ich bin halt nicht dafür geboren wie verrückt von Dose zu Dose zu düsen, ich gehe lieber in den Wald eine schöne Runde wandern. Mit dem Fahrrad in einem netten Stadtteil, der wenig Verkehr und viel Grün zu bieten hat geht das ja noch, aber so richtig in der City? Ja, nee…

Nur was den Reiz des Powercachens ausmacht, und den muß es ja geben sonst täte es keiner, habe ich nicht herausgefunden. Aber ich habe es zumindest versucht… 😉

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

8 thoughts to “Powercaching – Ein Selbstversuch”

  1. Innenstädte sind zum Powercachen nicht unbedingt ideal. Fehlende Parkmöglichkeiten, Einbahnstraßen, viele Muggels erschweren das Geschäft schon ordentlich.

  2. Oder man bewegt sich einer der Großstadt angemessen mit dem Fahrrad. Schon hat man keine Parkplatzprobleme, Verkehrsregeln gelten auch nur eingeschränkt 👿 und man hat immer einen Grund mal eben anzuhalten, am Fahrrad herumzufummeln und Dosen zu suchen. Alles ganz unauffällig.
    In Berlin kommt außerdem noch die Möglichkeit hinzu Dosen mit T>2 zu suchen. Denn in der Regel heißt das hier ja schon „Leiter mitnehmen“…

    Ich bin bisher immer gut mit meinem Fahrrad gefahren. (http://coord.info/TB2VVTQ)

  3. ach ja. auch mit einem fahrrad werden diese dosen und powercachen nicht wirklich besser. Nur einfacher.

    1. @ultralist: Mit dem Fahrrad bin ich sonst auch lieber in Berlin unterwegs, schon allein weil man da deutlich schneller durch die Stadt ist als mit dem Auto.

      Aber trotzdem, nehmt mir jetzt mal nicht meinen frisch erbeuteten Ruhm! Immerhin bin ich ja jetzt ein waschechter Powercacher, so richtig klassisch mit dem Auto von Dose zu Dose. Na okay, ich hab zwar nach drei Dosen aufgegeben und konnte dem ganzen auch nichts weiter abgewinnen, aber immerhin. 🙄

      Selbstversuch rockt! :w00t:

  4. ich umgehe diese Art des Powercaching einfach indem ich erst gar kein Auto habe, ich würd das ja nicht mal mit dem Cachemopped machen. zu Fuß nehm ich aber auch gern mal ne Touri-Telefonzelle mit, die liegen ja meist sehr gut an den ÖPNV angebunden 😉

  5. Naja, „mal mitnehmen“ tue ich die auch. Aber gezielt dorthin? Ich fand es schrecklich, so gezielt auf diesen Mikromüll loszugehen, deswegen habe ich ja letztlich auch nach nur 3 Dosen abgebrochen. Auf dem Plan hatte ich deutlich mehr, aber es macht halt einfach keinen Spaß. Einfach nur diese primitiven Dosen einzusammeln um die Statistik zu pushen bringt es nicht. Da gehe ich lieber 15 Kilometer durch die Pampa für nur einen einzigen Fund, hauptsache die ganze Sache ist schön gemacht.

  6. Bei mir vor der Haustüre (Oberbayern, Alpenrand, ländlich) läuft die [Ironie] qualitativ hochwertige [/Ironie] Blaumilchkanal Serie, ich glaub inzwischen über 400 sinnfreie Döschen am Straßenrand.
    Es gbit anscheinend sogar Leute die extra dafür von Köln ins eigentlich tolle Oberbayern fahren um hier 400 Punkte in 25 Stunden zu sammeln…
    Die Ersten in meiner Homezone habe ich mal mit dem Fahrrad gemacht, aber relativ lustlos und das wars dann auch schon. Wenn dann nochmal welche im Weg waren habe ich die eben mitgeloggt. Aber inzwischen verweigere ich die Dinger.
    Da halte ich es wie Schrottie, lieber Qualität als Quantität.
    Aber es gibt auch schöne Serien wo jeder Cache eine Überraschung ist und man sich über jeden Micro freut.
    „Der Weg ist das Ziel“ kann ich nur empfehlen, falls ihr einmal in die Rosenheimer Gegend kommt! 😉

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