Ra(n)dnotizen #100

Dreistellig, soso. Eigentlich eine Zahl, zu der man auch mal etwas ändern kann. Inzwischen ist es zeitlich nämlich gar nicht mehr so einfach, hier Woche für Woche ein wenig Leben in die Bude zu bringen. Und so trage ich mich mit dem Gedanken, die Frequenz ein wenig zu lockern und nicht mehr fest am Wochenrhythmus festzuhalten. Also die Sache eher so zu drehen, das es mit meiner freien oder vielmehr verfügbaren Zeit korreliert. Und heute fange ich gleich mal damit an, denn das Cyclassics-Wochenende hat irgendwie erfolgreich verhindert, das ich die Nummer 100 rechtzeitig fertig bekommen habe. Na mal schauen, was das demnächst so wird.

Gleiches gilt übrigens auch für die inhaltliche Gestaltung. So langsam drehen sich ja die Fahnen und während es zu Beginn der Ra(n)dnotizen noch Woche für Woche viele Aufreger gab, die Politik eine Steilvorlage zu geäußertem Entsetzen nach der anderen lieferte, stehen die Zeichen inzwischen sehr gut für den Radverkehr. Aufreger sind inzwischen eher kleinteiliger Natur, lokale Gemetzel und regionale Probleme. Und da lohnt es nicht immer, die Sache auch zu kommentieren. Aber auch hier werden wir mal schauen.

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In Köln gab es dieser Tage eine Aktion der Polizei, bei der neben diversen Autofahrern auch etliche Radfahrer angehalten und kontrolliert wurden. Soweit also alles ziemlich normal, immerhin ist der Radfahrer recht flott und vor allem gefahrlos angehalten, Autofahrer die das sehen applaudieren und am Ende stimmt die Quote.

Nun hat sich allerdings der Verein Radkomm zu Wort gemeldet und diese Aktion kritisiert. Zu Recht wie ich finde, denn wie schon geschrieben: Wenn es schon eine gezielte „Aktion“ gibt, dann sollte die sich doch besser ausschließlich gegen die richten, die mit gefährlichen Fahrzeugen tun und lassen was sie wollen und im Alltag ohnehin so gut wie nie für Vergehen bestraft werden. Das Ganze ging dann mittels offenem Brief an Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Polizeipräsident Uwe Jacob:

Anstatt Radfahrer als die schwächeren Verkehrsteilnehmer zu schützen, so der Vorwurf, würden Polizei und Stadtverwaltung diese vielmehr ständig „willkürlich und fern von Gefahrenpunkten“ kontrollieren, „oft an Punkten, an denen die Regeln uneindeutig oder besonders unsinnig sind“. Radarkontrollen für Autofahrer würden dagegen angekündigt, Überholabstände oder Schulterblick beim Rechtsabbiegen gar nicht überprüft, Falschparken viel zu häufig nicht geahndet. […] „Damit wird die Straße zum rechtsfreien Raum.“

Klar, auch Radfahrer müssen zuweilen kontrolliert und bei Verstößen bestraft werden. Aber trotzdem bin ich hier ganz bei Radkomm, denn man erlebt es ja jeden Tag in der Großstadt. Autofahrer schneiden Radfahrer, überholen ohne Sicherheitsabstand, parken Radwege zu und gefährden somit täglich tausende Radfahrer. Und ein Radfahrer, der mal eben fix die leere Kreuzung bei rot überquert, wen gefährdet der? Genau.

In Berlin kauft man sich dann aber eben lieber den Radler, während 50 Meter weiter, unter den wachsamen Augen der Polizei, ein anderer Radfahrer wegen eines Radwegparkers in den fließenden Verkehr gezwungen und fast tot gefahren wird. Und so sieht es eben – leider – in allen deutschen Großstädten aus.

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Ein ziemlich interessantes Ding ist Bikesharing. In China geht das gerade richtig ab, aber auch aus meiner kalten Heimat, aus Potsdam, hört man da durchaus positive Zahlen. Aktuell berichtet die PNN von einer ordentlichen Steigerung der Verleihzahlen von Nextbike:

19 176 Mal wurden die Fahrräder des Verleihsystems Nextbike bis Juni dieses Jahres bereits ausgeliehen. Im ersten Halbjahr 2016 lag die Zahl noch bei 16 873 – das entspricht einer Steigerung von 14 Prozent. Damit erreicht Nextbike einen Ausleihrekord. Das teilte die Stadt jetzt mit.

Interessant ist auch, das Abokunden der Potsdamer Verkehrsbetriebe täglich bis zu zwei Stunden so ein Nextbike nutzen dürfen. Wenn da jetzt wirklich noch ein paar Verleihstationen hinzukommen, dann wird der Weg vom Bahnhof zum Büro eine echt bequeme Sache. Denn die Verleihstationen sind der Knackpunkt: Man muss das Bike immer an festen Punkten zurückgeben. Mal eben einfach so irgendwo abstellen ist nicht. Und auch der Wechsel in benachbarte Berlin ist ungünstig gelöst. Zwar ist er machbar, kostet aber gleich 20,– € Servicegebühr. Ein ziemlich satter Tarif. 😕

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Dann mal etwas richtig witziges. Letzte Woche hatte ich ja auf das Interview beim Helmholtz-Zentrum verwiesen, in dem die Behauptung aufgestellt wurde, ein Fahrrad würde mehr Feinstaub emittieren als ein Diesel-PKW. Das ganze mit Verweis auf Felgenabrieb beim bremsen, wobei dann unterschlagen wurde, das auch ein Auto bremsen muss. Man muss da ja nicht sonderlich schlau sein, um das zu erkennen.

Nun gibt es aber den Bund der Onsabrücker Bürger. Der wiederum findet es falsch, das die Grünen gegen die von ihm geforderte Abschaffung der Umweltzone sind. Denn nicht nur, das die Grünen ohnehin „ihren Zenit als ernstzunehmende Partei überschritten“ hätten, PKW sind so dermaßen sauber, das sogar Fahrräder deutlich mehr Schmutz machen. Und beruft sich dabei, so liest man in der Osnabrücker Zeitung, auf das Interview des Helmholtzzentrum.

So habe das Helmholtz-Institut errechnet, schreibt BOB, dass ein Fahrrad einen Felgenverschleiß von 0,1 Millimeter auf 1000 Kilometer habe. Beim Bremsen würden Metalloxide in die Umgebung entweichen. Das seien auf einen Kilometer umgerechnet drei bis vier Milligramm. Der Partikelausstoß aus dem Auspuff eines Diesels liege bei 0,2 bis 0,5 Milligramm, heißt es in der Mitteilung. „Sollte Herr Bajus nicht dann lieber eine Feinstaubplakette für Fahrräder fordern?“ Und weiter: „Fakt ist: Beim modernen Diesel gibt es kein Feinstaubproblem mehr“, schreibt BOB.

Muss man eben auch erstmal drauf kommen. Wenn ich doch nur früher gewusst hätte, was ich da für Dreckschleudern fahre… 😯

Bei SpOn findet sich derweil ein ganz netter Kommentar, der angesichts der aktuellen Dieselkrise darauf hinweist, das es doch ohnehin sinnvoller bzw. vernünftiger wäre, mit dem Fahrrad zu fahren. Und dabei hätte man dem Spiegel doch sogar noch eher zugetraut, sich der kruden Theorie aus dem Helmholtz-Interview zu bedienen.

Aber dass die deutschen Hersteller jahrelang miteinander kungelten, Absprachen trafen, Einfluss auf die Politik nahmen und bei den Abgaswerten mogelten, kurz: ihre Kunden systematisch betrogen, sollte nicht dazu führen, sie für ihr Tun auch noch zu belohnen, indem man jetzt neue Autos kauft. Und das Streben danach, die Umwelt zu schonen, sollte Anlass sein, einmal grundsätzlich darüber nachzudenken, wie wir uns eigentlich fortbewegen wollen.

Tweet der Woche: #buschfreude

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

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Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe.

Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet.

Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

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