Ra(n)dnotizen #103

Nach langer Zeit soll es hier mal wieder ein Lebenszeichen geben. Ich selbst bin nach dreiwöchiger Abwesenheit wieder zu Hause und so ist mal wieder ein wenig Zeit, die aktuellen Meldungen rund um den Radverkehr unter die Lupe zu nehmen. Nicht ganz in gewohnt epischer Breite, aber immerhin. Er lebt noch. Als erstes gibt es da aber mal einen eher technischen Hinweis.

Mir selbst wäre es ja so überhaupt nicht in den Sinn gekommen, aber auch ein E-Bike hat eine Uhr und seit heute früh gilt wieder die richtige Zeit. Es muss also umgestellt werden. Bei eMTB-News gab es diesbezüglich dann auch einen Artikel, wie dies bei Bosch- und Shimanoantrieben funktioniert. Ich selbst habe an meinem Pedelec einen Yamaha-Antrieb, muss da also entweder suchen oder – weil ich die Uhr sowieso nie angezeigt lasse – auf eine Einstellung verzichten. 😉

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In Marburg gibt es wohl schon etwas längere Zeit ein Denkmal gegen den Automobilverkehr. Und zu diesem hat sich nun ein weiteres Denkmal gesellt, nämlich eines gegen des Radverkehr. Okay, so ganz gegen den Radverkehr ist es angeblich nicht, es soll lediglich dagegen protestieren, dass Fußgängern zu Gunsten des Radverkehrs Raum genommen wird.

Es handelt sich um eine Figurengruppe, bestehend aus Fußgänger und Radfahrer. Es ist eine Protestaktion, wie Götz erklärt. „Dieser Protest richtet sich nicht gegen den Radverkehr an sich, sondern gegen die Konzepte von Fahrradlobby und bestimmten Parteien, immer mehr Radverkehr in Fußgängerbereiche zu verlegen.“

Soweit erstmal stimmig, obwohl es der Fahrradlobby – Wer ist das eigentlich? Nur der ADFC? Oder wer, oder was? – eher darum geht, dem Automobilverkehr Raum zu nehmen und ihn dem Radverkehr zukommen zu lassen. Und nicht nur dem, nein, auch Fußwege sollen durchaus verbreitert werden, denn Fußgängern fehlt es ebenso an Raum.

Witzigerweise meint der Initiator dieses Denkmals auch, das die Wegnahme von Anwohnerparkplätzen zu Gunsten des Radverkehrs diejenigen benachteilige, die bewusst in der Innenstadt leben, angeblich um Verkehr zu vermeiden. Häh? Wozu haben die dann überhaupt ein Auto? Aber auch mit den üblichen Klischees wird nicht gespart:

Trotz Radwegen und Radfahrschutzstreifen seien Radfahrer mit hoher Geschwindigkeit auf Gehwegen unterwegs, rote Ampeln ignorierten sie häufig und das Fahren ohne Licht auf Gehwegen und Brücken gefährde in hohem Maß die Fußgänger. „An der Kreuzung Wilhelmstraße/Gutenbergstraße steigt kein Radfahrer ab, kaum einer fährt langsamer und im Minutentakt wird der Fußverkehr gefährdet“, nennt Götz einen konkreten Kritikpunkt als Beispiel.

Fehlt eigentlich nur noch „dunkle Kleidung“… 😉

Andere haben hingegen begriffen, das die Förderung des Radverkehrs auch immer mit Verbesserungen für Fußgänger einhergeht und das eine lebenswerte Stadt nicht nur mit mehr Radwegen erreicht wird, sondern mit deutlich weniger Fahrzeugen und mehr Flächen für Fußgänger und Erholungssuchende. Bestes Beispiel ist ja immer wieder Kopenhagen, wo man inzwischen 50% aller Pendler aufs Fahrrad gehievt bekommen hat.

Deutschland bringt es bundesweit gerade mal auf lächerliche 9%. Sobald man aber Städte wie Amsterdam oder Kopenhagen ins Spiel bringt, kommt das Argument, deutsche Großstädte wären ja so komplett anders, da ginge das nicht. In Kopenhagen sieht man das jedoch ein wenig anders:

Zu Besuch bei den Stadtplanern in Kopenhagen. Ihr Statement: In nur fünf Jahren könnten auch Städte wie Berlin und Hamburg genau so eine Fahrradstadt sein wie heute Kopenhagen. „Es braucht aber den Mut und die Entschlossenheit der zuständigen Verantwortlichen“, sagt Marie Kastrup, Leiterin des kommunalen Radfahrprogramms Kopenhagen. Das Wichtigste sei, konsequent Prioritäten für den Radverkehr zu setzen – was Platz, Investitionen und Regularien angeht, erklärt sie. Ziel sei, dem Radfahrer sowohl Sicherheit als auch Komfort zu bieten. „Für eine Mainstream-Fahrradkultur brauchen Sie breite Spuren, auf denen sich jeder sicher fühlt, aber nicht zu sicher, denn dann fehlt die nötige Aufmerksamkeit“, so Kastrup.

Mein Reden, einfach mal mutig sein. Klar fließen jede Menge Tränen, wenn es dem MIV an den Kragen geht, aber wenn man da einfach mal eine Legislaturperiode lang so richtig das Brecheisen ansetzt, dann geht die Entwicklung auch später in die richtige Richtung. Der Deutsche will eben zu seinem Glück gezwungen werden. Und saubere Luft will letztlich jeder atmen.

Video: Funke Mediengruppe

Aber was tut man in Deutschland stattdessen? Richtig, man bekundet guten Willen, man bastelt lustige Radverkehrskonzepte und schreibt diese regelmäßig fort, aber niemand nimmt mal ein ordentliches Stück Geld an die Hand und tut einfach mal was. Es bleibt eher bei lokalen Projekten, die dann mehr oder weniger enthusiastisch durchgezogen, oder aber auch oft nie vollendet werden.

Okay, vereinzelt gibt es mal etwas Geld, so wohl derzeit in Stuttgart, aber es ist trotzdem fraglich, ob es auch wirklich ankommt. Denn „zwei Millionen Euro mehr als bisher“ sagt noch nicht viel aus.

Die Ausgangslage ist kompliziert. Das liegt daran, dass das Geld für den Radverkehr sich in unterschiedlichen Teilhaushalten versteckt: bei den klassischen Ausgaben des laufenden Betriebs und bei den Investitionsmitteln für bauliche Projekte, zudem in Budgets wie dem für das Fahrradleihsystem. Personalkosten für die Planung und die Umsetzung gehen im Posten der allgemeinen Personalausgaben der Stadt unter.

Und so kompliziert wird es in allen Kommunen aussehen. Was dann also am Ende bleibt, ist ein Eimer weiße Farbe mit dem dann mal wieder ein neuer Schutzstreifen auf den Asphalt gepinselt wird. Und die Stadtväter klopfen sich dann gegenseitig auf die Schulter, weil sie doch so viel für den Radverkehr getan haben. 😕

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Ein Ding in eigener Sache: Ein Vögelchen hat mir geflüstert, dass die Radnotizen unter den Kandidaten zur Wahl des Fahrrad-Blogs 2017 von Fahrrad.de aufgetaucht sind. Das freut mich natürlich, bringt aber auch nur dann etwas, wenn ordentlich abgestimmt wird. Also nix wie hin, „blog.dafb-o.de auswählen, den URL eures Favoriten (oder einfach eines beliebigen Radnotizen-Artikels) mit reinkopieren und ab dafür. Okay, die Auswahl fällt da sicher schwer, aber irgendwas ist ja immer. Aktuell sind die Radnotizen übrigens auf Platz 11, da muss also noch ganz viel abgestimmt werden, damit ich die Weltherrschaft übernehmen kann. 😉

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Und gleich noch was in eigener Sache. Ich hatte hier im Blog ja schon einmal das Buch „Felgenkiller“ von Thomas Maria Claßen vorgestellt. Nun hat mir der Verlag angeboten, 5 Exemplare dieses Buches für ein Gewinnspiel oder ähnliches zur Verfügung zu stellen. Das Angebot ist nett und so werde ich es wohl annehmen. Das heißt, das es hier zu Weihnachten ein kleines Gewinnspiel mit 5 Siegern geben wird. Was genau ich da mache, darüber muss ich noch ein wenig mit mir selbst konferieren. 😉

Tweet der Woche: #nobodykehrs

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

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Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe.

Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet.

Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

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