Ra(n)dnotizen #106

Was viele Radfahrer schon immer wussten, aber nie mit echten Zahlen untermauern konnten, wurde nun von der Hamburger Polizei nicht nur festgestellt, sondern auch frei heraus veröffentlicht. Auch Autofahrer fahren bei rot über die Ampel. Ja ja, nichts wirklich neues, folgt man jedoch den Diskussionen in sozialen Netzwerken oder den Kommentarspalten der Nachrichten/Zeitungen/Magazine, dann wird dort ein ganz anderes Bild gezeichnet.

Denn immer dann, wenn über einen toten Radfahrer berichtet wird, ist selten von der Schuld des Autofahrers die Rede, sondern von Kampfradlern, die immer nur bei rot fahren, die ohne Licht auf der falschen Straßen Seite unterwegs sind und die junge Enten rückwärts in den Teich schubsen. Umso interessanter sind also die Ergebnisse der Schwerpunktkontrollen der Hamburger Polizei:

Die Hamburger Polizei wollte es genauer wissen. Einen Tag lang wurde am 21. November von sechs Uhr morgens bis zehn Uhr abends von 148 Polizisten der Verkehr im Stadtgebiet kontrolliert. Besonderes Augenmerk galt den Rotlichtverstößen. Das Ergebnis ist eindeutig: Die notorischen Rotlichtsünder sitzen hinter dem Steuer. 226 Autofahrer und 22 Radfahrer missachteten das Rotlicht. Auf zehn Kraftfahrzeuge, die bei Rot über eine Ampel fuhren, kam ein Radfahrer. Das soll die 22 Radler nicht entschuldigen, doch damit wurde eine weitere Stammtischweisheit der Auto-Lobby entkräftet.

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Dann gibt es mal wieder was neues von der Crowdfundingfront. Diemal geht es dabei um ein Gadget, das trockenes Raden im Regen ermöglichen soll. Drachenhaut heißt das Ding, das gerade bei Startnext finanziert werden soll. Der Name Drachenhaut lies mich ja irgendwie zunächst an feuerfestes Material denken, was ich nicht so recht mit Regen in Verbindung bringen konnte. Bis ich dann das Video sah. Da hat also die Form den Namen bestimmt.

Irgendwie ja recht witzig, zumindest für den urbanen Gemütlichradler.Denn mir würde das mal eben gar nicht helfen. Fährt man nämlich schneller, kommt der Regen bekanntlich nicht mehr von oben, sondern von vorn. Aber hey, wer schnell fährt, dem ist Regen in aller Regel sowieso egal. 😉

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In der ARD-Mediathek findet man derweil ein ganz interessantes Video. Dabei geht es um Amsterdam, eine Stadt in der es mehr Fahrräder als Einwohner gibt und um die Frage, wie das am besten gemanaged werden kann. Klar, in dreieinhalb Minuten wird diese Frage wohl kaum beantwortet werden, aber ansehenswert ist es dennoch.

Hier im Video ist es übrigens die mittlere Qualität, wer hohe haben will, schaut am besten direkt in der Mediathek nach. Und das sollte alsbald geschehen, denn ich weiß nicht, wie lange das Video noch verfügbar sein wird.

Und die Masse an Fahrrädern wird wohl auch ein Grund dafür sein, das man sich in den Niederlanden Gedanken machen muss, wie man die ganzen Räder vernünftig abgestellt bekommt. Aber das nun ausgerechnet aus einem Land, in dem man reichlich Erfahrung mit Fahrrädern hat, ein neuer „Felgenkiller“ kommt, wundert mich dann doch ein wenig. Die Designerin Milou Bergs hat nämlich genau das entwickelt. Einen Felgenkiller.

In eine Aussparung im Boden wird das Vorderrad gedrückt. Eine Art Wippe schiebt daraufhin ein Gestänge nach oben, in die man Hinterrad einsetzt und abschließt. Nach Gebrauch des Fahrradständers verschwindet er komplett im Boden.

Im Artikel bei rad-spannerei.de gibt es dann noch ein Foto dazu. Also ich würde meine Bikes da nicht reinstellen, da reicht ein Schubs von der Seite und ein Satz Laufräder ist Geschichte. 😯

Deutlich spannender finde ich da eine ganz andere „Erfindung“. Das der Markt für E-Bikes stetig wächst, ist kein Geheimnis und das da in Sachen Technik noch vieles geht, ebenfalls. Und aus Frankreich kommt da jetzt etwas, das ein ganz großes Problem der E-Mobilität angeht. Die Ladezeit. Denn neben –zumindest für Autos – mangelnden Lademöglichkeiten, ist oft die Dauer der Ladung ein ernsthaftes Problem. Mit dem E-Bike geht das ja noch, einfach das Ladegerät einpacken und wenn wenn der Akku leer ist, ins nächste Restaurant gehen. Selbst essen und Akku laden.

Und während beim Automobil Wasserstoff kaum eine Rolle spielt, wird er nun bei E-Bikes ins Spiel gebracht. Die französische Firma Pragma industries hat nun ein E-Bike vorgestellt, das mit einer Brennstoffzelle herkommt und in nur zwei Minuten komplett aufgeladen sein soll. Und es soll mit 100km die doppelte Reichweite eines herkömmlichen E-Bikes haben.

Einer der Gründe für die erhöhte Reichweite ist laut Hersteller die Unabhängigkeit des Wasserstoff-Antriebes gegenüber niedrigen Temperaturen. Die Leistung bleibt, ebenso wie die Ladedauer, auch im Winter immer gleich. Das alpha 2.0 ist ausgestattet mit einem 250 Watt 36 V Brose Antrieb, der eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h ermöglicht. Die 150 Watt PEM Brennstoffzelle enthält einen zwei Liter fassenden Gaszylinder, welcher den Wasserstoff enthält. Die 150 Wattstunden große Lithium Ionen Batterie ist vor den Brose Antrieb geschaltet und dient der Zwischenspeicherung.

Die Ladezeit ist also kein Problem mehr, jedoch bringt diese Technik ein weiteres Problem: Die fehlende Ladeinfrastruktur, weshalb das Bike wohl, so zumindest der Hersteller, eher für Bikesharing-Systeme, Verwaltungen und ähnliches gedacht ist, die die entsprechende Ladeinfrastruktur lokal vorhalten können.

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Tweet der Woche: Ist das ein Hobby, oder kann das weg?

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Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

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