Ra(n)dnotizen #107

In Potsdam will man den Worten nun tatsächlich Taten folgen lassen. Das Radverkehrskonzept wurde ja bereits fortgeschrieben, es fehlte jedoch eines: Ein Zeitplan und die Finanzierung. Daran scheitern dann ja in den meisten Fällen derartige Vorhaben und das „wollen“ bleibt auf dem Papier stehen.

Nun hat man in der brandenburgischen Landeshauptstadt aber offenbar wirklich den Willen, zur echten Fahrradstadt zu werden und macht Gelder locker. 4,4 Millionen sollen es 2018/19 ein. Sicher nicht die Welt, aber Potsdam ist im Vergleich zu manch anderer Stadt ja eher ein Dorf und da sind solche Beträge schon jede Menge. Mit dabei ein Radschnellweg, für den es sogar eine eigene Brücke geben soll.

Zu den größten Brocken in den kommenden Jahren gehört die seit Längerem geplante Brücke zwischen Potsdam und Werder, die einen Fuß- und einen Radweg aufnehmen wird. 2018 wird wohl vor allem noch für Planungen gebraucht, aber spätestens 2019 soll dann auch real gebaut werden. Mit 2,3 Millionen Euro werde das Projekt „groß gefördert“, so von Einem*. Ebenfalls 2019 wird der kleine Lückenschluss des Uferwegs in der südlichen Speicherstadt am Wasserwerk vorbei Richtung Hermannswerder vollendet, versprach von Einem.

* Torsten von Einem, Radverkehrsbeauftragter der Stadt Potsdam

Hamburg macht es sich da deutlich einfacher. Anstatt durch eine sichere und gut benutzbare Infrastruktur zu glänzen, macht man einfach ein wenig Werbung und meint, damit die Menschen aufs Fahrrad zu bekommen. Die Ausschreibung sagt dazu:

Der Hauptfokus der Kampagne liegt auf dem Radfahren in der lebenswerten Metropole Hamburg: Die Kampagne soll positiv auf das Mobilitätsverhalten als Teil der Lebenskultur der Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt ausstrahlen ohne zu belehren oder zu moralisieren. Bereits heute ist das Radfahren in Hamburg ein bei vielen Bürgerinnen und Bürgern angenommenes und umgesetztes Verhalten. Es prägt das Stadtbild und zahlt auf die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit ein. Durch die Kampagne soll die Bereitschaft zur Radnutzung in der Hamburger Bevölkerung erhöht werden. Ziel ist es, die Bürger durch zeitgemäße, aktive Vermittlung zu motivieren und zu begeistern, innerhalb der Stadt für kurze bis mittlere Strecken das Rad zu nutzen. Des Weiteren soll durch die Kampagne das Gemeinschaftsgefühl aller Verkehrsteilnehmer auf den Straßen verbessert werden.

Und wenn man jetzt noch sieht, wieviel Geld da investiert werden soll, nämlich insgesamt 5,3 Millionen Euro bis 2021, dann bleibt eigentlich nur noch Kopfschütteln. Denn in eine ordentliche Radverkehrsinfrastruktur wäre das Geld wesentlich besser investiert.

Schauen wir mal rüber nach Karlsruhe, dort ist man sich durchaus bewusst, dass ein großer Teil der täglichen Wege mit dem Fahrrad erledigt werden kann. Und hat dies nebst konkreten Förderungsmöglichkeiten dem Verwaltungsausschuss des Kreistages auf dessen letzter Sitzung erläutert.

Das Potenzial als echte Alternative zum motorisierten Individualverkehr hat das Fahrrad insbesondere bei der Fahrt zur Arbeit und Schule allemal: Studien belegen, dass Kurzfahrten bis sechs Kilometer die Hälfte am Gesamtverkehr ausmachen. Solche Entfernungen sind prädestiniert für den Radverkehr. Unterstellt man bei Pedelecs einen Aktionskreis von zehn Kilometerm, steigt der Anteil gar auf 75%.

Alles Zahlen die auf so ziemlich jede deutsche Großstadt passen. Ebenso wie die Lösungsansätze um dies auch wirklich zu erreichen. Es wird sich wohl niemand wundern, das eine millionenschwere Werbekampagne nicht zu den probaten Mitteln gehört.

Um den Radverkehr zu fördern braucht es ein fahrradfreundliches Radverkehrssystem. Dazu gehören nicht nur gut ausgebaute Wege, sondern auch allgemeine radverkehrsfreundliche Rahmenbedingungen und insbesondere ein Bewusstsein, das das Fahrradfahren als selbstständiger Teil der Mobilität in die Wahrnehmung der Menschen rückt.

Dann noch ein nettes Video, passend zum wichtigsten Lösungsansatz, dem Ausbau sicherer Radwege. Man bedient sich darin zwar des angelsächsischen Zungenschlages, aber es ist dennoch sehr interessant. Es geht darin um den Aufstieg geschützter Radwege in Autoland USA und wie sie dazu beitrugen, den Radverkehrsanteil seit 2005 um 53% zu steigern. Und nicht nur das, auch die Unfallzahlen sind signifikant zurückgegangen.

Leider wird Autoland Deutschland noch ein paar Jahrzehnte brauchen, um das auch zu begreifen. Moderner Verkehr ist hierzugegend eben weder bekannt noch gewollt. 😕

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Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein unregelmäßig erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

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