Ra(n)dnotizen #41

Themen: (1) Radfahrstreifen I (2) Radfahrstreifen II (3) Digitales Doping? (4) Fang den Dieb! (5) Geoorbitaler Nachrüstantrieb (6) Fast schon wie Krieg II (7) Über 60% Fahrradverkehr! (8) Mehr als zwei Milliarden € … (9) … oder nachher doch nur eine Milliarde?

Radfahrstreifen I

Beim WDR, hier wie üblich leider nicht einzubetten, also bitte dem Link folgen, gibt es ein ganz nettes Video, das die Problematik „Radfahrstreifen“ kurz und knapp auf den Punkt bringt. Unter dem Titel „Wie kommen Radfahrer sicher durch die Stadt?“ wird in einem Comic-Clip erklärt, warum Radfahren in der Stadt eher einem Hindernisrennen gleicht und wie es auch anders funktionieren kann. Wenn man will und mit alten Tabus bricht.

Radfahrstreifen II

Das Blog „Radfahren in Stuttgart“ hat das Comic-Video des WDR aufgegriffen, um die Problematik Radfahrstreifen ein wenig genauer zu beleuchten. Dabei gibt es dann allerlei Beispiele zum Thema Fahrbahnradeln – was man dabei falsch und/oder richtig machen kann – und am Ende kommt auch hier der Schluß auf, dass Radfahren nur dann sicherer gemacht werden kann, wenn man Autofahrern Raum wegnimmt, also mit alten Tabus bricht. Insgesamt also auch ein ganz interessanter Beitrag, wenngleich mir dort zu sehr gefordert wird, das man als Radler doch eher mal auf seine Rechte verzichten soll, anstatt von Autofahrern mehr Paragraf 1 StVO einzufordern.

Digitales Doping?

Radsport und Doping, das sind wohl zwei Dinge, die auf ewig zu gemeinsamen Schlagzeilen verdammt sind. Aber jetzt wird es ganz verrückt, denn neben dem klassisch medizinischen und dem technischen Doping ist nun ein Dritter Player auf dem Markt erschienen: Das digitale Doping.

Kann man sich kaum ausdenken, aber ja: Derzeit ist bei Strava, einem der größten Anbieter auf dem Segment Fitneß- und Sportportale, ein solcher Fall bekannt geworden. Und mal ehrlich, gerade bei solchen Portalen, die von Profis wie Hobbysportlern gleichermaßen genutzt werden, ist das doch mehr als albern. Hier geht es ja nicht um Geld, es geht darum, einen Vergleich zu haben. Ich selbst nutze ja lieber Garmin Connect und schiebe die Daten nur per App zu anderen Diensten wie eben auch Strava. Mal schauen, wann dort das digitale Doping ankommt. Oder entdeckt wird, das dürfte ja inzwischen wahrscheinlicher sein.

Fang den Dieb!

Bei der taz hat man einen ganz interessanten Versuch gestartet. Man hat sich in Berlin ein Fahrrad klauen lassen, das mit einem GPS-Sender ausgestattet war. Dabei sollte getestet werden, ob das Rad mit Hilfe des Senders und der zugehörigen App wiedergefunden werden kann. Neben der ganz nett zu lesenden Geschichte rund um das gestohlene und dann wiedergefundene Fahrrad findet sich in diesem Artikel auch ein kurzer Exkurs zu Diebstahlzahlen:

Fahrraddiebstahl ist eines der Delikte mit der geringsten Aufklärungsquote. Nur 4 Prozent der Fahrraddiebstähle werden in Berlin aufgeklärt, bundesweit sind es 10. Da nicht jeder eine Anzeige aufgibt, dessen Fahrrad geklaut wurde, ist der Wert noch schlechter. 2014 lag der Schaden durch geklaute Fahrräder bei 100 Millionen Euro, schätzen Versicherungen. 4,3 Millionen Fahrräder wurden in Deutschland 2014 verkauft, 340.000 Fahrräder geklaut. Wäre die Quote bei Autos so hoch, gäbe es eine Staatskrise und Neuwahlen.

Der letzte Satz spricht dabei Bände. Aber gut, dass Deutschland Autoland ist, ist ja irgendwie bekannt. Der GPS-Sender ist übrigens nicht wirklich preiswert. Das Modell „Rücklicht für Dynamo oder E-Bike“ schlägt mit 199,– € zu Buche, das im Steuersatz versenkbare Modell immer noch mit 169,– €. Aber je nach Kaufpreis des Fahrrades kann das durchaus eine sinnvolle Investition sein.

„Geoorbitaler“ Nachrüstantrieb

Wer sein altes Bike liebt, der schiebt nicht nur, sondern muss sich zuweilen auch ordentlich abrackern. besonders dann, wenn man selbst mit seinem Bike gealtert ist und den damit einhergehenden Kraftverlust nicht durch nagelneue Technik am Radel kompensieren. kann. Also quasi die Zeit, in der man über ein E-Bike nachzudenken beginnt.

Will man sich dann aber dennoch nicht von seinem geliebten Drahtesel trennen, so könnte diese Geschichte hier ganz interessant werden: Ein „Schnellumbausatz von alt auf Tempo“. Sozusagen. Ein amerikanisches Startup entwickelt kickstarterfinanziert ein, ähh, Vorderrad, das aus dem alten Veloziped ein bis zu 35 km/h schnelles E-Bike macht. Sieht jetzt nicht unbedingt elegant aus und erfordert in Deutschland – so es überhaupt bis hierher kommen wird – Mofaführerschein und Versicherungskennzeichen, aber wenn denn der Preis passt, wäre es eine echte Option.

Fast schon wie Krieg II

Da dachte ich, die Geschehnisse rund um den Berliner Politiker Steffen Burger – ich berichtete – bin ich über einen ähnlichen Bericht gestolpert, den ich hier ebenfalls nicht unerwähnt lassen möchte. Er stammt vom Anfang März dieses Jahres, ist also auch noch nicht allzu lang her. Dabei wurde dann ein Rentner mit dem SUV durch München gejagt. Inklusive versuchter Elektroschockangriffe. 😯

Über 60% Fahrradverkehr!

Es wird Zeit für etwas positivere Dinge. In Sachen Radverkehr ist dazu, wie üblich, der Blick über die grenze nötig. Diesmal wieder in die Niederlande, wo man in Groningen einfach mal so richtig viel Mut bewiesen hat. Mut insofern, als das man tatsächlich durch entsprechende Streckensperrungen das Autofahren absolut unattraktiv gemacht hat.

Kaum nötig zu erwähnen, das es bestens funktioniert und lediglich die Deutschen so ihre Probleme damit haben. Man will dann nicht glauben, das die Verbindung zwischen zwei Stadtteilen einfach gekappt wurde und fahren stur nach Navi, das dann eben oft nicht auf dem neuesten Stand ist. Ansonsten klappt das jedoch prima und selbst für die etwas weiter gelegenen Außenbezirke hat man bereits Maßnahmen auf Lager, die das Fahrrad attraktiver machen:

Zum einen haben wir die Vorschrift, jede Straße in einem Neubaugebiet mit einem Fahrradweg auszustatten. Zudem sind unsere Ampeln mit Nässesensoren ausgestattet, damit sie bei Regen schneller auf Grün springen – wohlgemerkt nur für Radler, damit die flott weiterkommen. Die Autofahrer sitzen ja im Trockenen und können warten.

Soviel Mut würde auch deutschen Verkehrspolitikern gut zu Gesicht stehen. Das wird jedoch Wunschdenken bleiben. Leider.

Mehr als zwei Milliarden € …

Aktuell macht ja der Volksentscheid Fahrrad jede Menge Presse in Berlin, denn nachdem nun auch die Kostenschätzung des Senats vorliegt, konnte das große Sammeln der Unterschriften für das Volksbegehren, das dem Volksentscheid vorausgeht, beginnen. Dabei liegen die Schätzungen des Senats mit ungefähr 2,2 Milliarden Euro deutlich über der Schätzung des Trägers des Volksentscheids. Dazu kommen dann noch „erhebliche Kostenrisiken für den Landeshaushalt“. Nun ja, in einer Stadt, die Milliarden in einem Flughafen versenkt, von dem weder klar ist wann und ob er überhaupt jemand in Betrieb geht, wäre das doch mal eine vernünftige Investition. Selbst wenn es doppelt so teuer wird.

… oder nachher doch nur eine Milliarde?

Aber was liest man dann plötzlich aus der grünen Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus? Der Senat hat ganz offensichtlich getrickst und die Kosten bewusst deutlich zu hoch angesetzt. Stefan Gelbhaar, Sprecher für Verkehrspolitik der Grünen sagte dazu in einer Pressemitteilung:

Der Senat betreibt gezielte Desinformation der Bürgerinnen und Bürger – und zwar in großem Umfang. Der Senat sollte die Diskussion sachlich führen, stattdessen startet Rot-Schwarz mit seiner Kostenschätzung erneut eine vermeintliche Gegenkampagne. Senator Geisels Kostenschätzung ist eine bewusste Fehlschätzung und belegt: SPD und CDU haben nichts aus früheren Volksentscheiden gelernt. Es ist davon auszugehen, dass der Senat die Kosten deutlich mehr als eine Milliarde Euro zu hoch angesetzt hat.

Nun ja, damit war ja auch zu rechnen, denn das der Senat – trotz vorhandener Radverkehrsstrategie – kein Interesse daran hat, den Radverkehr, aber auch den ÖPNV in der Stadt nachhaltig zu stärken, sondern lieber die Interessen der Automobillobby durchsetzt, das ist ja nun wahrlich nichts Neues.

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)