Ra(n)dnotizen #43

Themen: (1) Konsequentes Abschleppen (2) Holzkopf? (3) Doping, die Dritte: Mechanisch schummeln (4) Luftverschmutzung (5) Sachsen, infrastrukturlos (6) „Ring frei“ in Köln (7) Summ, summ, summ (8) fahr.RAD! erfurt (9) Zahlendiskrepanz (10) Hamburger CDU vs. Radverkehrsförderung

Konsequentes Abschleppen

Die Politik will sich in Berlin mal wieder bei Radlern beliebt machen. Klar, stehen doch Wahlen ins Haus und obendrein hat man so langsam aber sicher reichlich Angst vor dem Volksentscheid Fahrrad. Diesmal wird etwas getan, was nicht nur auf ausgewählten Straßen und vor allem rund ums Jahr an der Tagesordnung sein sollte. Radweg- und Busspurparker sollen konsequent abgeschleppt werden.

Leider ist das aber eben nur kurzzeitiger Aktionismus im Wahlkampf und keineswegs ein klares Statement mit echtem Willen dahinter. 40 ausgewählte Straßen sind bei 5400 Straßenkilometern (ohne Autobahnen) in der Stadt nun wahrlich nicht viel und die meisten Radler können aus dem Zeh locker mehr Straßen benennen, an denen Radwegparken eher Tagesgeschäft ist. Autofahrer verlangen eben nur immer wieder, das der Radler vorhandene Radwege nutzt. Das sie sie ihm dann aber auch freihalten müssen, interessiert die meisten weniger.

Sehr krass finde ich übrigens die Begründung von Polizei und Ordnungsamt, weshalb sonst eher nicht abgeschleppt wird. Kann man sich nicht ausdenken!

Holzkopf?

Wenn man das Wort „Fahrradhelm“ hört, denkt man ja in aller Regel an das so genannte Styroporkäppchen. Durch und durch aus Kunststoff, ist so ein Helm zwar oft schick anzusehen – zuweilen auch alles andere als das – aber nur eines ist er definitiv nicht: nachhaltig und ökologisch. Der schwedische Designer Rasmus Malbert hat nun etwas ganz anderes gemacht: Einen Helm, komplett aus Holz.

Dabei besteht die Außenschale tatsächlich aus Holzfurnier, der obligatorische Styroporanteil wird durch einen Holzschaumstoff ersetzt, der dem Styropor recht ähnlich ist und die Kinnriemen bestehen aus Papierband. Letzteres, das „Kamihimo“ stammt aus Japan und soll nicht nur reiß- sondern auch wasserfest sein. Selbst Tornetze der Bundesliga sollen aus diesem Material bestehen, also wird es wohl tatsächlich stabil genug sein. 😉

Doping, die Dritte: Mechanisch schummeln

Nach dem digitalen Doping bei Strava und der Feststellung, das es inzwischen auch im Jedermannsport zum klassischen Doping mit medikamenten kommt, bleibt noch die dritte Schummelvariante. Das „Doping“ mit Motoren. Als ich so um den Februar herum im Rahmen der Cyclocross-WM zum ersten mal von einem solchen Verdacht hörte, dachte ich ja noch, das es sich nur um einen Irrtum handeln könne.

Konkret ging es dabei um eines der Räder der belgischen Crossfahrerin Femke Van den Driessche. Darin wurde nämlich tatsächlich ein Motor gefunden. Im Spiegel gab es dazu nun vor kurzem einen Artikel, in dem auch von anderen Verdachtsfällen die Rede ist, wie das Ganze dann funktioniert und letztlich wo man sogar – entsprechendes Kleingeld vorausgesetzt – die nötige Technik kaufen kann.

Luftvermutzung

Gerade in Großstädten wie Berlin bekommt man oft zu hören, das Radfahren ja eine sehr gesunde Sache sei, aber doch besser auf dem lande stattfinden soll, in der Stadt gäbe es doch viel zu viel Luftverschmutzung. Das wäre ungesund. Nun kommt diese Argumentation zumeist von denen, die damit begründen wollen, weshalb sie selbst lieber das auto nehmen. Ganz ohne zu bedenken, das sie selbst ja an dieser Luftverschmutzung schuld sind.

Aber wie dem auch sei, wie heise.de berichtet, haben sich nun britische Wissenschaftler eingehend mit dieser Theorie beschäftigt. Dabei haben sie überprüft, ob die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Radelns dem Schaden durch Feinstaubbelastung und dergleichen überwiegen. Long story short: Auch wenn die Luftverschmutzung nicht unbedingt förderlich ist, die gesundheitlichen Vorteile des Radelns werden dadurch ganz sicher nicht aufgehoben. 🙂

Sachsen, infrastrukturlos

Nun denn, jetzt wissen wir, das Radeln auch in luftverschmutzten Großstädten gesund ist, das jedoch ist nicht immer ganz einfach. Insbesondere, so liest man dieser Tage, in Sachsen. Denn in Sachsen fehlen brauchbare Radverkehrsanlagen.

Machen wir uns nichts vor, nicht jeder ist der geborene Fahrbahnradler, viele wünschen sich die Geborgenheit eines eigenen Weges und trauen sich anders nicht ins Verkehrsgetümmel. Und hier hat Sachsen das gleiche Problem, wie viele andere Regionen Deutschlands. Es ist jede Menge Geld dafür vorhanden, aber niemand nimmt es an die Hand und gibt es auch aus. Das wiederum führte dazu, das Sachsens Städte im Fahrradklima-Index des ADFC allesamt im letzten Drittel zu finden sind.

„Ring frei“ in Köln

In Köln ist man derzeit „not amused“, dass die Stadt die Planungen um ein Jahr verschoben hat, den Radverkehr auf den Ringstraßen von den engen Wegen hinunter auf die Straße zu bekommen. In gleich zwei Artikeln berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger über dieses Thema, nämlich hier und hier. Doch worum geht es konkret?

Die Inititative „Ring frei!“ fordert, die Benutzungspflicht der Radwege auf den Kölner Ringen umgehend aufzuheben, da es dort immer wieder zu schweren Unfällen kommt. Der Radverkehr soll auf die Fahrbahn gebracht werden. Dazu wurde auch eine Petition auf den Weg gebracht, die bisher von etwas über 2000 Leuten gezeichnet wurde. Durch die Stadt zugesagt war nun, diese Sache noch im Jahr 2016 zu prüfen, was jetzt auf 2017 verschoben wurde. Und das sorgt, völlig zu Recht, für jede Menge Unmut …

Summ, summ, summ…

…Bienchen summ herum!

Bei der Arbeit in der Berliner Feuerwehrleitstelle höre ich ja des Öfteren von herrenlos durch die Stadt irrenden Bienenvölkern, meist ist es dann aber so, dass sie sich in irgendwelchen Gärten niederlassen und die betroffenen Laubenpieper dann ganz aufgeregt um Hilfe rufen. Ganz neu ist, das Bienen zuweilen auch mal das Fahrrad als Verkehrsmittel nutzen.

So geschehen in Prenzlauer Berg, wo ein Bienenvolk ein Damenfahrrad herumstehen sah und sich dann darauf niederließ. Die herbeigerufene Polizei konnte die Situation dann mit Hilfe eines Imkers in den Griff bekommen. 🙂

fahr.RAD! erfurt

Elf Master-Studenten der Stadt- und Raumplanung an der Fachhochschule Erfurt wollen die Situation der Radfahrer in Erfurt nachhaltig verbessern. So zumindest der Plan, der mit dem Projekt „fahr.RAD! erfurt“ ausgerufen wurde. Dabei wird im Rahmen einer Projektarbeit ein Konzept ausgearbeitet, wie die Stadt fahrradgerecht ausgebaut werden kann. Die Arbeit soll im Anschluss an das Semester an den Stadtplanungsladen übergeben werden, damit sie auch tatsächlich umgesetzt werden kann.

Mal schauen, ob es tatsächlich so funktioniert und die von den Studenten angekündigte Radrevolution in Erfurt von Erfolg gekrönt ist. Und da es zunächst alles nur theoretisch ist, wurde auch ein durchaus praktischer Teil gestartet: Die Studenten bauen alte Zweit- und Dritträder wieder auf, lackieren sie in fetzigem Orange und stellen sie für einige Tage, quasi in temporärem Verleih, den Erfurtern zur Verfügung.

Zahlendiskrepanz

Ich hatte es ja schon vor zwei Wochen erwähnt, in Berlin liegen die Zahlen himmelweit auseinander. Und zwar die Zahlen in Sachen Kostenschätzung für den Volksentscheid Fahrrad. Während der Träger des Volksentscheids mit gerade mal 320 Millionen Euro rechnet, legt der Senat eine Schätzung von satten 2,1 Milliarden Euro vor.

Nun fragte sich auch der Tagesspiegel, wer denn nun Recht haben mag und wer da vielleicht ein wenig schummelt. Lange Rede, gar kein Sinn: Auch der Tagesspiegel stellt fest, das der Senat ganz klar falsch rechnet und mal eben locker das Doppelte dessen ins Spiel bringt, was tatsächlich ansetzbar wäre. Und selbst das wäre noch enorm großzügig gerechnet.

Hamburger CDU vs. Radverkehrsförderung

Da freute man sich, das in letzter Zeit aus Hamburg doch recht nette Töne in Sachen Radverkehr kommen, da gibt es selbstrednd wieder einen Dämpfer. Und der kommt von der Hamburger CDU, die damit erklärt hat, das sie von Radfahrern so gar nicht mehr gewählt werden will. Oder so ähnlich. Sie hat nämlich in eigenes „Konzept zur Förderung des Radverkehrs“ vorgelegt. Nun denn, immer wenn im Zusammenhang mit dem Radverkehr von „Zwangsbeglückung“ die Rede ist, dann weiß man schon, wes Geistes Kind da die Formulierung begleitete:

Wir wollen attraktive Rahmenbedingungen für den Radverkehr, damit mehr Menschen mit dem Fahrrad schnell und sicher ans Ziel kommen, aber keine staatliche Zwangsbeglückung zu Lasten anderer Verkehrsteilnehmer.

So zumindest sprach CDU-Fraktionschef André Trepoll bei der Vorstellung des Konzeptes am Montag im Hamburger Rathaus. Weiter sagte er:

Entscheidend für moderne Mobilität in der Metropolregion Hamburg ist ein zeitgemäßer Verkehrsmix. Dazu gehören Fußgänger, Autofahrer, Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs und in besonderer Weise auch Radfahrer. Die ideologische Verkehrspolitik, mit der SPD und Grüne Hamburg zur Fahrradstadt umkrempeln wollen, lehnen wir entschieden ab. Sie ist zum Nachteil aller anderen Verkehrsteilnehmer, verschwendet Steuergelder und verringert die Verkehrssicherheit.

Ich schätze, ich kann diese Aussagen einfach mal für sich sprechen lassen. 🙁

Quellen gibt es diesmal reichlich: hamburger-abendblatt.de, bundesverkehrsportal.de, welt.de, nahverkehrhamburg.de, mopo.de

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)