Ra(n)dnotizen #45

Themen: (1) Zahlendiskrepanz II (2) Fast schon Realsatire (3) Durchdrehende Autofahrer (4) Open Bike (5) Bluetooth-Diebstahlschutz (6) „Minenleger“ (7) Elektromobile Junioren (8) Topfhelme (9) Fahrrad-Fahrstuhl (10) Fahrrad unter Dampf

Zahlendiskrepanz II

Ein schier endloses Thema sind wohl Mondzahlen des Senats in Sachen Berliner Radgesetz: Nachdem schon der Tagesspiegel die Berechnungen des Berliner Senats zum Volksentscheid Fahrrad etwas genauer nachgerechnet hat, kommt nun auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg auf ein solches Ergebnis. Also jetzt nicht selbst, auch er hat einen Experten befragt. Aber das sind unwichtige Details, wichtig ist, das umfassend darüber berichtet wird. Und der RBB ist ja nun nicht gerade die unglaubwürdigste Quelle.

Fast schon Realsatire

Was macht man als großer deutscher Club, wenn man seinen Mitgliedern helfen will, aber wegen eben dieser Mitglieder nicht zu ihnen hinkommt? Richtig, man macht das, was der „Feind“ tut. 😉

Ähh? Okay, nochmal verständlich. Da gibt es also den ADAC, größter Club und Interessenvertreter deutscher Autofahrer und wenn die mal eine Panne, dann schickt der Club Hilfe. Nun haben Autofahrer aber die Angewohnheit, sich gern zu großen Happenings vulgo Staus zusammen zu finden. Und dann kommt die Hilfe nicht hin. Was macht man jetzt also?

Richtig, man hat bemerkt, das der schlimmste Feind des Autofahrers, nämlich der stets und ständig fordernde, rüpelnde und rasende Radler auch bei Stau vorankommt. Und schickt jetzt auch die Pannenhelfer mit dem Fahrrad los. Warum man nicht gleich den Mitgliedern das Fahrrad empfiehlt? Das wäre wohl zu einfach…

Durchdrehende Autofahrer

Ein Rant. Also jetzt nicht von mir, auch wenn mir mein Fahrradalltag jeden Tag unzähligen Stoff für so etwas liefert. Beim Sport-Spinner stolperte ich neulich über einen Artikel, wie ich ihn selbst auch schon oft auf der Tastatur hatte, dann aber in aller Regel wieder verwarf. Zuviel meckern passt hier irgendwie nicht, wenngleich es manchmal wohl trotzdem sinnvoll gewesen wäre.

Long story short: Zwei Radler machen eine Ausfahrt, ein Autofahrer – prolliger SUV, also Klischee, weshalb ich das vermutlich eher nicht erwähnt hätte, denn mit Klischees spielen ist das Eine, darauf herumreiten was ganz Anderes – wird zu Wildsau. Das Ganze endet noch einmal glimpflich und es finden sich sogar Zeugen, so dass eine Anzeige auch erfolgreich sein wird. Letzteres sind sogar richtig gute Nachrichten.

Soviel dazu, worauf im Artikel aber ein wenig zu unscharf eingegangen wird, ist die Sache mit dem nebeneinander radeln. Ganz richtig wird erwähnt, das dies durchaus erlaubt ist, solange man niemanden behindert. Was nicht erwähnt wird, genau das passiert so gut wie nie und wenn es so wäre, dann würde auch ein einzelner Radler „behindern“.

Allein der notwendige Überholabstand von 1,5m macht nämlich einen kompletten(!) Spurwechsel nötig. Solange das nicht geht, darf nicht überholt werden. Und solange das nicht geht, stellen somit auch zwei nebeneinander fahrende Radler keine Behinderung dar. Streng genommen ist es also generell, wenn nicht nach dem Wortlaut, dann aber eben nach den Möglichkeiten erlaubt.

Es gibt übrigens, auch das muss erwähnt werden, auch das genaue Gegenteil. Nicht nur hier in diesem Fall, bei dem sich gleich nette zeugen meldeten, auch an anderer Stelle liest man, das es nette Autofahrer gibt. 🙂

Open Bike

Eine richtig spannende Sache hat Open Bike da am Start: Kommendes Jahr will man ein Fahrrad auf den Markt bringen, das für so ziemlich jeden Spaß vorbereitet ist, den man in Verbindung mit einem Smartphone ans Fahrrad bringen kann. Laut Heise.de soll jedoch nichts vorab montiert, sondern lediglich die notwendigen Halterungen und Anschlüsse vorhanden sein.

Alle Anbauteile sollen von anderen Herstellern kommen, wohl aber gut zusammen arbeiten. Denkbar sind da ja wirklich jede menge lustiger Dinge, die über die reine Geschwindigkeitsmessung und Navigation via GPS hinaus gehen. Obendrein sollen alle Gadgets eine gemeinsame Stromversorgung bekommen, die dann über einen Nabendynamo aufgeladen wird. Klingt interessant.

Bluetooth-Diebstahlschutz

Mir ist mal wieder eine Kickstarter-Kampagne über den Weg gelaufen, die durchaus interessant ist. Die Finanzierung ist inzwischen durch und wurde bisher sogar um 50% übertroffen. Die Rede ist von I LOCK IT. Dabei handelt es sich um eine Smartphoneapp/Fahrradschloss-Kombination. Die App verbindet sich dabei via Bluetooth mit dem Schloss und sobald man in dessen Nähe ist, wird das Schloss, das am Hinterrad montiert ist, entriegelt.

Ebenfalls dabei ist ein Diebstahlalarm und ein Kabelschloss, das man bei längerer oder weiterer Abwesenheit verwenden kann, um das Fahrrad irgendwo anzuketten. In der App kann man einstellen, bei welcher Entfernung zum Fahrrad ver- bzw. entriegelt wird. Zusätzlich kann man das Schloss auch mit einem persönlichen Code öffnen. Insgesamt ist das ganz interessant, einzig unklar ist mir dabei, was bei Verbindungsverlust geschieht. Nimmt das Schloss dann an, man wäre weg und es verriegelt? Das wäre bei Fahrt ziemlich blöd. 😯

„Minenleger“

Einen ganz anderen Ansatz des Diebstahlschutzes verfolgt hingegen der Erfinder Yannick Read. Nachdem er seinerzeit die lauteste Fahrradhupe der Welt konstruiert hatte – sie hat den bis dato geltenden Lautstärkerekord durch ein Manowarkonzert locker überboten – wird es auch diesmal recht laut. Das Fahrrad soll mit einer Mine gesichert werden, die bei Diebstahl mit jeder Menge Krach und Rauch aufwartet.

Auch hier läuft eine Kickstarterfinanzierung, die allerdings noch nicht ganz geschafft ist. Irgendwie kein Wunder, ist doch diese „Innovation“ nicht wirklich ganz ernstzunehmen. 🙂

Elektromobile Junioren

Letzte Woche waren die elektromobilen Senioren ein Thema, ganz andere Töne hingegen, zumindest was die hauptsächliche Zielgruppe elektrisch unterstützten Radelns betrifft, kommen aus Baden-Württemberg. In Oberkirch wurden einige Fahrradhändler befragt und allgemeiner Tenor ist, das zunehmend auch jüngere Menschen aus der Gruppe der „um die 40jährigen“ ein E-Bike erwerben.

Aber klar, gerade für den Alltag, insbesondere für den Weg zur Arbeit, ist das E-Bike eine echt geniale Option. Wer auf Arbeit keine Gelegenheit zum Duschen hat, der will nicht verschwitzt dort ankommen. Und genau das ist mit dem E-Bike möglich, selbst bei etwas hügeligerer oder gar bergiger Topografie.

Topfhelme

Eine recht spannende Geschichte habe ich bei SpOn gefunden. Dort wird von einem jungen Mann aus Sansibar berichtet, der als kleiner Junge in Tansania lebte und sich dann zu Fuß bis nach Sansibar durchschlug, um dort Akrobat zu werden. Das beginnt er dann auch, sieht aber irgendwann einen Fernsehbericht zur Tour de France und wird sofort vom Fahrradfieber gepackt.

Mit einem alten Drahtesel fährt er die Etappen nach und begeistert sich immer mehr fürs Radeln. Long story short: Inzwischen gilt er als einziger Radprofi Sansibars und arbeitet derzeit daran, ein Trainingslager für Radler zu eröffnen. Aktuell fehlt es dafür aber noch an Ausrüstung:

Es mangelt aber an Ausrüstung. Trikots, Radlerhosen und vor allem Helme fehlen Lukondya. „Das Sprinttraining ist gefährlich“, sagt Lukondya. Die Sportler tragen keine Helme. „Wir nehmen Töpfe und Schüsseln.“ Das sei praktisch, weil die Jungs die Ersatzhelme nach langen Ausdauerübungen direkt zum Kochen nutzen, erzählt Lukondya. Optimal ist es nicht – doch Improvisieren gehört zum Alltag auf Sansibar.

Fahrrad-Fahrstuhl

Einen Aufzug der ganz besonderen Art hat Ethan Schlussler aus Idaho konstruiert. Der Aufzug zu einem Baumhaus wird durch ein Fahrrad angetrieben. Zum Einsatz kommen ein altes Fahrrad, Drahtseile, ein paar Umlenkrollen und ein Gegengewicht. Zuweilen sieht das zwar recht wackelig aus, aber die 9m Höhe werden locker erreicht.

Fahrrad unter Dampf

Zum Abschluß gibt es noch eine weitere Erfindung der besonderen Art. Norbert Messmer aus Friedrichshafen hat sich ein Fahrrad gebastelt, das mit Dampf angetrieben wird. Dazu steht auf dem Gepäckträger eine kleine Dampfmaschine.

Der in dem Kessel erzeugte Dampfdruck wird über eine Bohrung in den Ölverdrängungsbehälter geleitet. Dort kondensiert der Dampf zu Wasser und drückt dabei das Öl nach oben, um damit den Zylinderkolben zu bewegen. Über eine Pleuelstange wird dann die Kurbelwelle angetrieben über deren Zahnräder eine Fahrradkette läuft, die mit einem zweiten Zahnkranz auf dem Hinterrad verbunden ist.

Das alles reicht dann für 15 Minuten Fahrt mit etwa 20km/h aus. Sicher ist das nicht wirklich viel, aber hey, es ist eine Dampfmaschine und damit ist diese Konstruktion sozusagen der Urgroßvater des modernen E-Bikes. 🙂

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

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