Ra(n)dnotizen #46

Themen: (1) Gefährliche Radwege in Berlin melden (2) Grüne Welle via App (3) Radfahren und Alkohol (4) Teurer Fahrradspaß (5) Monnembike Projektwettbewerb (6) Zuständigkeitsgerangel in München (7) Zähes Zählen (8) Radschnellwege in Göttingen… (9) …und im Ruhrgebiet (10) Fahrradhäuschen für die Großstadt

Gefährliche Radwege in Berlin melden

Neulich berichtete ich ja über das Problem in Berlin, das Radwege oft irgendwo in Baustellen enden und der Radfahrer dann quasi strandet. Dieses Problem ist nun auch in der Politik angekommen und im Rahmen der aktuellen Bestrebungen des Senats, sich selbst und die Stadt als äußerst fahrradfreundlich darzustellen, hat man sich dieses Problems angenommen.

Seit einiger Zeit kann der geneigte Radler nun solche Problemfälle melden und man verspricht, dann umgehend Abhilfe zu schaffen. Dazu soll man entweder die Adresse oder mit dem Smartphone ermittelte Standortdaten an Rad+Baustelle@senstadtum.berlin.de senden und quasi über Nacht soll sich dann das Problem in Luft auflösen.

Grüne Welle via App

Ich hatte das vor einiger Zeit schon mal bei Google+/FB erwähnt, aber da ich gerade wieder mal darüber stolperte, sei dieses Thema auch hier noch einmal aufgegriffen. Siemens ist damit beschäftigt, ein System zu entwickeln, bei dem Radler via App in den Genuß einer mehr oder weniger durchgängigen grünen Welle zu gelangen.

Wie das funktioniert? Eine auf dem Smartphone aktive App kommuniziert mit den umliegenden Ampeln, die dann ihre Schaltphasen an sich nähernde Radler anpassen. Ob und wie das nun wirklich funktioniert, vermag ich nicht zu sagen. Immerhin muss hier recht deutlich erkannt werden, ob es sich tatsächlich um Radler handelt. Ebenso muss gewürfelt werden, wer im Falle mehrerer, aus verschiedenen Richtungen kommender Radler den Vorzug bekommt.

Insgesamt sehe ich das also eher skeptisch, aber wie üblich gilt, ich lasse mich da gern eines Besseren belehren. Warten wir also einfach mal ab, ob das zu Marktreife kommt und tatsächlich auch eingesetzt wird. Für Berlin wäre es ja eine gute Möglichkeit eine der Forderungen des Volksentscheid Fahrrad umzusetzen …

Radfahren und Alkohol

Ein wirklich enorm kontrovers diskutiertes Thema ist und bleibt die Promillegrenze für Radler. Die Fronten scheinen da recht verhärtet und gerade die SPD will aktuell wieder einmal an die Promillegrenze ran. Ich selbst fahre Fahrrad nur mit Null Promille, gebe aber zu, das es früher auch anders war und bin da eher auf der Linie, das die aktuelle Regelung schon ganz gut passt.

Im Tagesspiegel findet sich nun ein recht interessanter Kommentar zu diesem Thema, der eigentlich ganz gut aufzeigt, weshalb die aktuelle Promillegrenze tatsächlich ganz gut gezogen ist und weshalb sie auch genau so bleiben kann. Und er zeigt auch auf, wo die eigentliche Gefahr für Radler liegt:

Wenn sich aus Verkehrsstatistiken ergibt, dass fünf Prozent der Radler-Unfälle auf deren Trunkenheit zurückzuführen sind (dann übrigens nicht selten weit jenseits von 1,6 Promille), dann heißt das vor allem, dass 95 Prozent der Unfälle damit nichts zu tun haben. Das Hauptsicherheitsrisiko für Radfahrer sind Autofahrer. Autofahrer sind auch das Hauptsicherheitsrisiko für andere Autofahrer und Fußgänger. Da gibt es eine Menge Regelbedarf.

Teurer Fahrradspaß

Da hätte ich aber auch gestaunt: Ein Berliner der regelmäßig das Leihfahrradsystem der Deutschen Bahn, Call-a-bike, benutzt, bekam plötzlich eine saftige Rechnung ins Haus. Ganze 2.385€ sollte er mal eben überweisen. 😯

Zum Glück für ihn stellte sich das als Fehler heraus und die Rechnung wurde storniert. Er hatte wohl im August 2015 ein defektes rad ausgeliehen, den Defekt dann bemerkt und die Ausleihe umgehend storniert. Und diese Stornierung lief wohl schief, so dass ihm das Rad nun bis zum Februar 2016 in Rechnung gestellt wurde.

Monnembike Projektwettbewerb

Mannheim reklamiert ja, zu recht, für sich, das Fahrrad erfunden zu haben. oder vielmehr, das eben das Fahrrad dort erfunden wurde. Seinerzeit, von Karl Drais, der mit der Draisine das Zweiradprinzip für Fahrrad und Motorrad erfand. Zum 200jährigen Jubiläum dieser Erfindung gibt es nun unter der Dachmarke „Monnem Bike“ viele Aktivitäten und Aktionen.

Unter anderem läuft dabei ein Projektwettbewerb, bei dem allerlei Projekte zum Thema Fahrrad antreten. Bis zum 03. Juni lief die Bewerbung der Projekte, jetzt ist noch bis zum 10. Juli für die verschiedenen Projekte abgestimmt werden. Am Ende gewinnen die 10 Projekte mit den meisten Stimmen und erhalten eine Förderung bis zu 4000,– €.

Zuständigkeitsgerangel in München

Tja, ist es nun reines Wahlkampfgetöse oder ist man in München tatsächlich Willens, mal einen wirklich mutigen Schritt zu gehen? Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, soll dort ganz plötzlich Bewegung in ein Radwegeprojekt kommen, das bisher aus Eis lag. Dabei geht es auch darum, das Fahrstreifen die bisher für den Kraftfahrzeugverkehr genutzt werden, in Radstreifen umgewandelt werden sollen.

Blockiert wurde dieses Vorhaben bisher durch die CSU, die vorgeblich zunächst die Zuständigkeiten geklärt wissen wollte. Diese sind zwar ganz klar gewesen, aber wenn man genauer hinschaut, dann bedeutet die „Klärung“ nur, das man selbst ein Wörtchen mitreden will. Allerdings nur bei so „komplizierten“ Dingen wie dem Wegfall von Fahrspuren auf Hauptstraßen. Alles andere darf das Amt natürlich weiterhin selbst regeln. Jede Wette, das sich die CSU das Ganze dann als „politischen Erfolg“ auf die Fahne schreibt.

RadlerZähes Zählen

Nachdem die vielen Helferlein des Volksentscheid Fahrrad in Berlin die Leistung brachten, in weniger als vier Wochen über 100.000 Unterschriften zu bringen, steht die Berliner Verwaltung nun vor einem Problem. Bis zum 29.06.16 müssen diese Unterschriften nun auf ihre Gültigkeit geprüft werden.

Dabei zeigt sich die Berliner Verwaltung von ihrer besten Seite: Da es kein ständiges Wahlamt gibt, obliegt diese Aufgabe den Bürgerämtern, da diese Zugriff auf das Melderegister haben. Nur sind die Bürgerämter nach Jahren des Totsparens mit dieser Aufgabe restlos überfordert. Und für andere Lösungen, etwa die Prüfung mittels gesicherten Stichproben oder einem Abbruch bei Erreichen des Quorums, hat der Senat keine Ohren. Aber klar, der würde ja Volksentscheide am liebsten ganz verbieten.

Radschnellwege in Göttingen…

Göttingen habe ich ja bisher eher wenig als echte Fahrradstadt wahrgenommen. Klar, es ist eine Universitätsstadt, was irgendwie auch immer jede Menge Fahrradverkehr bedeutet. Aber einen echten namen auf diesem Gebiet hat Göttingen ja bisher nicht wirklich weg. Das könnte sich jetzt ändern, denn jetzt wurde mit Fördermitteln des Bundes ein vier Kilometer langer Radschnellweg in der Stadt angelegt.

Allerdings, und das muss man ebenfalls erwähnen, ist das wohl eher schlecht als recht geschehen, denn nicht nur, das es in weiten Strecken einfach nur ein Zweirichtungsradweg mit unzureichender Breite ist, auch die angepriesene grüne Welle funktioniert wohl so überhaupt gar nicht. Aber wer weiß, für den Anfang sollte man ja auch den Versuch allein positiv bewerten und der Artikel in der FAZ liest sich auch recht amüsant. Also wenigstens etwas. 😉

…und im Ruhrgebiet

Im Ruhrpott ist ja schon seit langem der RS1 in aller Munde. Der erste echte Radschnellweg der Republik, der zwar noch nicht ganz vollendet, aber schon in weiten teilen nutzbar ist. Eine echte Radautobahn soll es ja sein, auf 10,4 Kilometer muss nur an einer Ampel gehalten werden.

Eine feine Sache also. Der Regionalverband Ruhr hat nun im letzten halben Jahr Zählungen durchgeführt, um die Ausnutzung des Radschnellweges zu überprüfen. Und – oh Wunder – er ist hauptsächlich Pendelstrecke. Aber gut, das wurde ja auch so erwartet. Insgesamt wäre das also jetzt kaum eine Meldung wert, jedoch haben die Kommentare in einem Artikel von zeit.de zu eben diesem Thema echten Unterhaltungswert, weshalb an dieser Stelle darauf verwiesen sei.

Fahrradhäuschen für die Großstadt

Wer in der Großstadt zur Miete wohnt, der kennt das Problem: Man will sein teures Bike nicht einfach so auf der Straße oder auf dem Hof stehen lassen, schließlich will man es ja noch eine Weile besitzen. Aber Keller sind oft schwer erreichbar, hinter engen Treppen versteckt.

Genau so ging es auch Matías Steinigk aus Düsseldorf, der solange bei Politik und Verwaltung Klinken putzte, bis endlich eine abschließbare Fahrradgarage vor der Tür stand. Darin ist Platz für 12 Fahrräder und nach einem einmaligen Beitrag von 240 Euro sind nur noch 40 Euro Jahresgebühr fällig. In der Nachbarstadt Dortmund soll es schon 14 dieser Fahrradhäuschen geben. Platz dafür ist ja in vielen Städten, stellt sich nur die Frage, warum diese Dinger nicht schon weiter verbreitet sind.

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

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