Ra(n)dnotizen #47

Themen: (1) Paris als Vorbild (2) Unfälle mit dem E-Bike (3) Miserable Aufklärungsquote (4) Das ewige Thema Fahrradhelm (5) „Hilfspolizist“ (6) Regeln für Radfahrer (7) Berlin Kamikaze (8) Kölner Thesen (9) Fahrrad-Auto-Mobil (10) Hearing zum Münchner Radverkehr

Paris als Vorbild

Die Firma Nextbike aus Leipzig will demnächst, so berichtet die Berliner Morgenpost, ganze 5000 Leihfahrräder, verteilt auf 700 Ausleihstationen in Berlin bereitstellen. Für eine Stadt, die bisher lediglich etwas mehr als eine Handvoll Ausleihstationen hat, ist das jede Menge Holz. Finde ich. Ganz anders jedoch sieht das Stefan Evers, stadtentwicklungspolitischer Sprecher, der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus.

Und erklärt auch gleich warum. Im Vergleich zu Paris wäre das nur ein erster Schritt, denn dort stünden ganze 23.000 Leihfahrräder zur Verfügung, 1750 Leihstationen wären so dicht über die Stadt verteilt, das quasi alle paar hundert Meter eine wäre. Erstaundlich, wie ich finde, denn das war mir so in diesem Umfang gar nicht bewusst.

Die Dichte der Ausleihstationen, gepaart mit einem durchaus günstigen Jahrespreis von 30 Euro bewirkt dann auch, das niemand das Bike in öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen muss, was reichlich Konflikte erspart. Konflikte, die es ja in Berlin durchaus gibt. Und so könnte sich Berlin tatsächlich ein Beispiel an Paris nehmen…

Unfälle mit dem E-Bike

Erst kürzlich erwähnte ich ja einen Beitrag der Welt, in dem darauf verwiesen wurde, das Senioren als (angeblich?) größte Käufergruppe von E-Bikes unter anderem auch zu den häufigsten Todesopfern bei Unfällen zählen. Ähnlich fand auch die FAZ einen Zusammenhang zwischen Alter und Geschwindigkeit bzw. der Möglichkeit zur Geschwindigkeit.

Allerdings bezieht sie sich direkt auf den Verkehrssicherheitsreport 2016 der Dekra. Darin wird unter anderem festgestellt, das der Anteil der Pedelecs am Fahrradbestand derweil 3,5% beträgt, der Anteil der E-Biker an den Verletzten bei etwa 3,5% und der Anteil bei den tödlichen Unfällen gar bei knapp 10%. Aber auch diese Zahlen sind verfälscht:

Das muss ein wenig gewichtet werden: Viele Fahrradunfälle, auch solche mit leichten Blessuren, werden als solche gar nicht erfasst. Die Tendenz, einen Fahrradunfall zu melden, zum Beispiel wegen einer versicherungstechnischen Regulierung, steigt aber mit dem Wert des Fahrrads. Da Pedelecs – vergleichsweise – teuer sind, werden Unfälle mit ihnen sicher häufiger gemeldet und damit statistisch erfasst.

Und was das Alter der Elektroradler betrifft, stellt der Artikel in der FAZ zwar mit der Headline mit der Frage, ob Senioren vom Elektromotor überfordert wären, eine gewagte These auf. So richtig geht er dann allerdings nicht darauf ein, stellt aber bezugnehmend auf den Dekra-Report durchaus fest, das der Anteil jüngerer Fahrer steigt und sich damit auch die Statistiken entsprechend verschieben werden.

Miserable Aufklärungsquote

Wem in Berlin das Fahrrad gestohlen wird, der kann so so ziemlich immer auf Dauer davon verabschieden. Denn mit gerade mal 3,9% Aufklärungsquote ist nur Passau noch schlechter. Dort sind es gerade mal 2,9% aller Fahrraddiebstähle, die zur Aufklärung kommen. Ermittelt hat diese Zahlen das Internetportal billiger.de auf Grundlage der jeweiligen Polizeistatistiken.

Aber nicht nur, das die Aufklärungsrate enorm niedrig ist, in Berlin kommen auch die meisten Fahrräder weg. Die Berliner Zeitung schreibt dazu:

Berlin kommt wegen der Größe der Stadt auf die höchste absolute Zahl an registrierten Fahrrad-Diebstählen: 32.245. Tatsächlich dürften noch viel mehr Räder gestohlen werden, weil nicht alle Taten bei der Polizei gemeldet werden. In Relation liegt Berlin mit 929 Diebstählen pro 100.000 Einwohner auf Platz 23. In Münster, der heimlichen deutschen Radhauptstadt, kommen die meisten Räder weg – 1719 pro 100 000 Einwohner.

Allerdings geht es anderen deutschen Großstädten nicht viel besser. Die mittelgroßen Städte, wie Jena oder Fürth sind es, die mit 27,9 bzw. 24,5% Aufklärungsquote ganz vorn liegen.

Das ewige Thema Fahrradhelm

In einer Kolumne in der Zeit wird es mal wieder aufgewärmt, das ewige Thema Fahrradhelm. Ganz polemisch wird in der Headline gefragt, ob Fahrradhelme schützen oder nicht. Grundsätzlich kommt erstmal eine Aussage, der ich mich durchaus anschließend kann:

Zum Glück wird bei den meisten Unfällen der Kopf nicht in Mitleidenschaft gezogen. Doch wenn der Kopf ernsthaft betroffen ist, dann kann der Helm Leben retten. Das ergab eine große Studie von Forschern der University of Arizona, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde. Die Auswertung der Akten von über 6.200 Radfahrern mit Hirnverletzungen ergab: Bei Helmträgern waren die Verletzungen geringer, und es traten weniger Todesfälle auf.

Ich selbst hatte kurz vor dem Velothon einen Unfall, bei dem ich mit ca. 45km/h direkt mit dem Kopf auf Asphalt geknallt bin. Der Helm war hinüber – jede Menge Haut übrigens auch 😉 – aber der Kopf war heile. Na ja, bis auf eine kleine Beule durch die Bruchstelle im Helm. Und das war nicht das erste Mal, das mir ein Helm den Kopf gerettet hat, weshalb ich durchaus von seiner Schutzwirkung überzeugt bin.

Das immer wieder lustige Gegenargumente kommen, meist wird hier mit netten Formeln kinetische Energie berechnet, ist auch nichts Neues, ebenso wenig die immer mal wieder aufpoppende Forderung nach einer Helmpflicht für Radler.

Letztere halte ich übrigens auch für falsch, denn a) würde es dann sicher weniger Radler geben und b) setzen viele ihren Helm dermaßen falsch auf, das er dann wieder zur Gefahr wird. Obendrein ist die Gefahr, sich am Kopf zu verletzen, für „Normalradler“ doch eher gering.

https://twitter.com/cmwpt/status/744217252501852160

Aber jetzt zum Kern, das Thema werde ich hier ohnehin nicht endgültig lösen, was aber auf jeden fall ein guter Tipp ist, sind die Kommentare zum Artikel in der Zeit. Popcorn holen, zurücklehnen und genießen! 😀

„Hilfspolizist“

Hilfspolizisten sind ja derzeit ohnehin in aller Munde, schon allein weil der Bundesinnenminister Thomas de Maizière mit denen den akuten Personalmangel bei der Polizei beseitigen will. Ein Bürger scheint diesen Vorstoß ein wenig zu ernst genommen zu haben und wollte einen Radfahrer disziplinieren, der auf der Straße und nicht auf dem Radweg fuhr.

Das Ganze begab sich in Woltersdorf, südöstlich von Berlin und die Berliner Zeitung berichtet, das sich der Autofahrer mal eben mit ausgestreckten Armen auf die Fahrbahn gestellt hat, um den Radler auf diese Weise zu stoppen. Der Radler kam zu Fall und musste dann ins Krankenhaus gebracht werden. Gegen den „Hilfspolizisten“ wird nun wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

Regeln für Radfahrer

Ich gebe ja zu, einmal musste ich raten, und zwar bei der Frage, wie weit der Sicherheitsabstand zwischen zwei Radlern sein muss. Also wenn sie hintereinander fahren. Ansonsten kam ich ganz locker durch und richtigem Raten zum Dank, hatte ich dann volle Punktzahl. Wovon ich spreche? Vom Radlerregelquiz bei zeit.de.

Bei diesem netten Quiz kann man sich als Radler selbst mal ein wenig prüfen und sehen, ob man tatsächlich so sattelfest in Sachen Verkehrsregeln ist, wie man selbst denkt. Und wenn man mal etwas nicht weiß, lernt man dadurch ja vielleicht ein wenig. Schaden kann es jedenfalls nicht, wer also gerade ein paar Minuten Zeitvertreib sucht, einfach mal das Quiz machen. 🙂

Berlin Kamikaze

Unter diesem doch recht rabiat anmutenden Titel befasst sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit dem Fahrradalltag in Berlin. Beispielhaft das Vorkommnis mit dem Piratenpolitiker Steffen Burger heranziehend schreibt die FAZ zu den derzeitigen Berliner Verhältnissen:

Zwischen Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern hat sich in den letzten Jahren eine Empfindlichkeit angestaut, die nur auf einen Anlass zu lauern scheint, in offene Beschimpfung und Gewaltanwendung auszubrechen. Es wird gebrüllt, gespuckt, geschnitten, geschlagen und natürlich, als gemeinsame Basis der Verständigung, der Mittelfinger gezeigt. Man wertet dies meist als Zeichen, dass die Zeiten härter werden, oder wenigstens das Klima.

Nun bin ich selbst glücklicherweise recht selten in der City unterwegs, hier am Spandauer Stadtrand ist der Ton noch recht human. Und auch wenn es mal nach Charlottenburg-Wilmersdorf geht, kann ich eher – die berühmten Ausnahmen von der Regel jetzt mal ignorierend – ein freundliches Miteinander feststellen.

Aber wie dem auch sei, der Artikel ist insgesamt recht nett geschrieben und schildert, beiläufig versuchend, die Gründe dafür zu finden, den alltäglichen Umgang der Berliner miteinander. Autofahrer mit Radlern, Radler mit Fußgängern, jeder gegen jeden. Den sollte man sich durchaus mal in Ruhe durchlesen.

Kölner Thesen

Die Boulevardpresse versuche ich ja stets zu meiden und als Quelle mag ich sie schon ganz und gar nicht heranziehen, aber manchmal ist es wenigstens mittelmäßig belustigend, was man dort findet. So wurde ich auf einen Artikel(?) im Kölner Express hingewiesen, bei dem unter der Headline „Vorfahrt für Radfahrer: Gaga oder genial?“ darüber geschrieben wird, das in Köln etliche Parkplätze zugunsten von Radverkehrsflächen wegfallen sollen.

Dazu stellt der Express nun 5 vermeintlich provokante Thesen auf – „Köln wird umweltfreundlicher“ erscheint mir dabei irgendwie so überhaupt nicht provokant, aber egal – und lässt dann jeweils Verkehrsexperten von der Uni Wuppertal, vom ADAC und von ADFC zu Wort kommen. Und jetzt ratet mal, ob die jeweiligen Antworten überraschen, oder doch ganz klar vorherzusehen sind? 😉

Fahrrad-Auto-Mobil

Aus Osnabrück kommt mal eine richtig innovative Sache: Ein Fahrradauto. Zwei Tüftler haben dort eine Art Elektromobil gebaut, das quasi eine Mischung aus Fahrrad und Auto ist und durch einen Elektromotor angetrieben wird:

Das neue Gefährt soll für diejenigen sein, die gerne Fahrrad fahren, aber auch bei Regen und Sturm trocken bleiben möchten. Im zulassungsfreien Elektromobil können zwei Personen nebeneinander Platz nehmen, jeder hat seine eigenen Pedalen. Der Onyx MiO hat Flügeltüren, ein Dach und einen Kofferraum, in den zwei Getränkekisten reinpassen.

Ganz offiziell vorgestellt wurde der Onyx MiO, das MiO steht übrigens für „Made in Osnabrück“ im Rahmen der Woche der Umwelt vor dem Schloss Bellevue in Berlin. Die maximale Geschwindigkeit liegt bei 50km/h, was bei einem für den innerstädtischen Gebrauch konzipierten Gefährt auch vollkommen ausreicht.

Allein es wird schwer sein, solche Fahrzeuge umfassend in Nutzung zu bekommen. Außer natürlich durch konsequentes Sperren von Innenstädten für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Aber bis es dazu kommt, wird noch jede Menge Wasser die Havel hinunter fließen…

Hearing zum Münchner Radverkehr

Die gleiche Thematik wie in Köln, also die Umwandlung von Parkplätzen zu Radverkehrsflächen, ist auch in München ganz aktuell. Und so gab es dann Anfang Juni ein Hearing zu diesem Thema. Im rahmen dieser dreistündigen Veranstaltung befassten sich allerlei Stadträte, aber auch Verkehrsplaner über diverse Radverkehrsthemen, unter anderem eben auch über besagte Umwandlungsproblematik.

Die Süddeutsche Zeitung fasst in ihrem Artikel zu diesem Hearing unter anderem auch die Aussagen der Politiker verschiedener Parteien zusammen. Im Grunde dürften die jeweiligen Aussagen niemanden wirklich überraschen, aber so komprimiert geben sie vielleicht auch eine gute Hilfe bei der Entscheidungsfindung, wenn es das nächste Mal an die Wahlurnen geht.

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

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