Ra(n)dnotizen #48

Themen: (1) „Ring frei“ in Köln (II) (2) Mängelmelder Thüringer Radnetz (3) Gefährliche Radwege in Mecklenburg-Vorpommern (4) Energiefresser: Mappen und verbannen (5) Auffahrunfälle unter Radlern (6) Berufung im „Critical-Mass-Prozess“ (7) Grüne Fahrradrowdies (8) Woran liegt es wirklich? (9) Summ, summ, summ (II) (10) Oma Rosi hat eine Idee

„Ring frei“ in Köln (II)

Ich hatte dieses Thema ja schon Anfang Juni kurz gestreift, zwischenzeitlich kam es mir aber noch einmal unter. Genaugenommen fragte Kristian Köhntopp bei Google+ nach Einzelheiten zu dieser Geschichte, weshalb ich das auch noch einmal aufgreife. Denn in den Kommentaren dazu findet sich tatsächlich (von Gerd Riesselmann) eine sehr gute Erklärung dafür, weshalb es eben wirklich sinnvoll ist, die Kölner Ringe für Radler zu öffnen.

Wobei ja Köln insgesamt recht ambitioniert vorgeht und bei allen zwei- oder mehrspurigen eine Spur zur Radspur umbauen will. Dazu dann Tempo 30 für den motorisierten Verkehr und fertig ist die laube. Im Grunde also genau der richtige Weg zu einer zukunftsfähigen Verkehrsgestaltung. Und der Zeitplan, hier 1 bis 3 Jahre, ist auch in Ordnung. Da sollte sich der Berliner Senat mal ein wenig abschauen… 😉

Mängelmelder Thüringer Radnetz

In Berlin wurde ja unter anderem – im Rahmen des plötzlichen Aktionismus angesichts der enorm guten Umfragewerte für den Volksentscheid Fahrrad – eine Meldeadresse eingerichtet, bei der man Probleme mit Radwegen melden kann, wenn dort durch Baustellen falsche oder ungünstige Verkehrsführungen oder Gefahrenstellen entstehen.

Ich selbst habe das übrigens schon probiert und einen „blauen Lolli“ gemeldet, der einen Baustellenradweg an einer Stelle benutzungspflichtig machte, wo es sonst keine Benutzungspflicht gibt. Und der wurde umgehend entfernt.

Nun gibt es ein solches Meldesystem jetzt auch in Thüringen. Und dort geht man sogar noch ein Stück weiter, denn während in Berlin nur Probleme mit Baustellen gemeldet werden sollen (oder dürfen), kann beim Thüringer Mängelmelder quasi alles gemeldet werden, was einen Radweg unangenehm macht:

Sollte Ihnen bei einem Radweg z. B. ein Hindernis, eine falsche oder fehlende Wegweisung, ein schlechter Wegebelag oder Schäden an wegbegleitender Infrastruktur auffallen, melden Sie dies bitte!

Gefährliche Radwege in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sieht es auf den Radwegen wohl so richtig katastrophal aus, meint zumindest der BUND. Das meint dann übrigens auch der ADFC und hat das Land vom dritten Platz im Jahr 2014 auf den siebten Platz der beliebtesten Radreiseregionen Deutschlands verbannt.

Der Hauptgrund liegt hier übrigens genau dort, wo er auch in Berlin liegt. Es ist zwar durchaus Geld dafür vorhanden, es wird nur nicht abgerufen. So waren zwischen 2007 und 2014 wohl 50 Millionen Euro geplant, abgerufen wurden jedoch lediglich 25,4 Millionen. Der Radverkehr hat eben keine Priorität und man ruht sich auf den Radwegen aus, die irgendwann vor 20 mal gebaut wurden.

Der BUND hat dazu passend übrigens eine ganz interessante Aktion am Start:

Energiefresser: Mappen und verbannen

Mit dieser Aktion will der BUND Energiefresser aufspüren und sich dann um deren Beseitigung kümmern. Auf der Webseite der Aktion heißt es dazu:

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist höher denn je, der Pariser Klimavertrag schwach. Es gibt viel zu tun: Runter mit den Emmissionen! Voran mit der Energiewende! Auch für uns. Wir warten nicht auf die Politik, sondern werden selbst aktiv. Vor Ort, in unserem Alltag. Dort finden wir Energiefresser, die unnötig sind. Und unnötige Hindernisse für den Klimaschutz. Wir haben vier Typen identifiziert, die ganz unscheinbar daherkommen, aber unmittelbaren Einfluss auf den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoß haben: Heizpilze, marode Radwege, offene Kühlschränke und ineffiziente Straßenbeleuchtung.

Mit den Ergebnissen dieser Aktion will der BUND dann den Verantwortlichen vor Ort auf die Füße treten. Ob das nun wirklich etwas bringt, hängt vermutlich auch davon ab, wie umfangreich die Meldungen sind, denn je mehr davon abgeliefert werden, desto mehr Druck kann dann auch gemacht werden. Und mal eben fix die desolaten Radwege in der näheren Umgebung dort eintragen, dürfte ja nun kaum ein Problem sein. Also los!

Auffahrunfälle unter Radlern

Gerichtsurteile sind ja oftmals recht interessant, insbesondere dann, wenn man sich selbst ein Stück weit darin wiederfindet. Und so musste ich direkt an den Velothon zurückdenken, als mir dieses hier unterkam. Unfall im Fahrrad-Pulk: Kein Anspruch auf Schadenersatz.

Dabei ging es darum, das beim Training im Sportverein im Windschatten gefahren wurde, was unter Radlern im Grunde ganz normal ist. Dabei kam es zu einem Sturz mit mehreren Beteiligten und einer davon forderte nun Schadenersatz. Diese Forderung wurde nun abgewiesen:

Wer im Windschatten fährt und dabei den üblichen Mindestabstand zu den anderen Fahrern bewusst nicht einhält, handele auf eigene Gefahr. Der sportliche Charakter und Ehrgeiz steht dabei im Vordergrund. Die Fahrer gingen beim Training im Pulk bewusst ein Risiko ein. Somit kann der Kläger keinen Schadenersatz von dem anderen Fahrer fordern.

Ich vermute(!) mal, das dies jetzt nicht 1:1 auf Großveranstaltungen wie den Velothon umgemünzt werden kann und vermute mal, das hier durchaus andere Maßstäbe und möglicherweise auch Versicherungen greifen. Allerdings bin ich für sachdienliche Hinweise und Erfahrungsberichte dankbar, denn das interessiert mich schon sehr!

Berufung im „Critical-Mass-Prozess“

Das war schon eine heftige Nummer. Der Fahrer eines Porsche Cayenne fühlte sich durch eine Critical Mass in Hamburg arg gestört und ist aus Trotz mal eben mitten rein. Dabei touchierte er dann einen Radler, der dadurch zu Sturz kam. Die Sache kam vor Gericht und der Porschefahrer wurde, vermutlich nicht zuletzt auch deshalb, weil er sich vor Gericht absolut uneinsichtig zeigte, zu 13 Monaten auf Bewährung und 18 Monaten Fahrverbot verurteilt.

Nun, er ist weiterhin uneinsichtig und geht jetzt in die Berufung. Erstaundlich, das bei so etwas berufung zugelassen wird. Immerhin reden wir hier davon, das jemand einen SUV als Waffe eingesetzt und billigend in kauf genommen hat, das Menschen zu schwerem Schaden kommen. Da sehe ich eine Bewährungsstrafe durchaus gering an und selbst das Fahrverbot ist für meine Begriffe viel zu niedrig angesetzt. 😕

RadlerGrüne Fahrradrowdies

Erst demletzt berichtete ich von der Hamburger CDU und deren interessanter Wortwahl in Sachen Radverkehr. Dem Ganzen hat nun Dennis Thering, der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, noch ein kleines Krönchen aufzusetzen gewusst.

Im Streit um den Radverkehr in der Hansestadt – kurz zur Erinnerung, die CDU lehnt die in der Sache sehr guten Vorschläge von rot-grün rundweg ab und meint, das Rad selbst neu erfinden zu müssen – ließ er in einer Pressemeldung verlauten, die SPD radele „den Fahrradrowdys von den Grünen blind hinterher“. Das Bündnis für den Radverkehr nannte er dabei eine „Selbstfindungsgruppe für Verwaltungsmitarbeiter“.

Raue Töne in der Politik sind ja nun keineswegs selten, aber auf der Sachebene sollte man schon bleiben. Ganz besonders dann, wenn es um ein Thema geht, das man sich selbst auf die Fahnen geschrieben hat. 😕

Woran liegt es wirklich?

Okay, das Thema hatten wir schon zweimal, einmal hier und dann noch einmal hier, aber ich bin dann noch über einen ganz interessanten Artikel gestolpert, der die sache mal abseits von offiziellen Statistiken und Untersuchungen beleuchtet. Und zwar die Frage, warum Senioren denn nun wirklich (vermeintlich?) häufiger mit dem E-Bike verunglücken.

Dabei wird dann ganz gut dargelegt, wo die wirklichen Probleme liegen, die letztlich zu Unfällen führen, es wird erklärt, das es auch falsch ist, bestimmte Gruppen resp. Altersklassen einzeln zu betrachten und dass das Problem „Unfall mit dem Fahrrad“ in erster Linie ein infrastrukturelles Problem ist:

Auf den Radwegen stehen Hindernisse, Gullideckel liegen im Sicherheitsstreifen, die an geparkten Autos entlang führen, Radwege oder Brücken auf Radrouten sind vereist, die Streckenführung ist schlecht, geht durch enge Fußgängerbereiche, zwischen Pfosten, Masten und Baken hindurch, Kurven sind rechtwinklig angelegt, auch, wo sich Radler begegnen. Niemals würde man dem Autoverkehr so was zumuten.

Dieser Artikel schließt ganz gekonnt den Kreis zwischen Ursache und Wirkung, denn während die Politik einerseits jedes Unfallopfer bedauert, tut sie doch nichts gegen die wirklichen Ursachen dafür. Ganz im Gegenteil. Also: Lesebefehl!

Summ, summ, summ (II)

Als neulich im Berliner Stadttteil Prenzlauer Berg ein Schwarm Bienen meinte, ein Fahrrad für sich beanspruchen zu müssen, hielt ich das ja noch für einen ganz witzigen Einzelfall. Aber offenbbbar finden Bienen Fahrräder öfter mal ganz toll. Bienen sind eben kluge Tiere. 🙂

Der neueste Fall dieser Art „Fahrraddiebstahl“ wurde nun aus Krefeld gemeldet. Dort geriet ein Bienenschwarm in einen Regenschauer und hat sich dann kurzerhand unter einen Fahrradsattel gerettet. Ein herbeigerufener Imker hat sich dann der Bienen angenommen und das Fahrrad wieder befreit.

Oma Rosi hat eine Idee

Ein Gesetzesvorschlag der ganz besonderen Art kommt von Oma Rosi. Oma Rosi? Zugegeben, ich kannte sie bisher auch nicht, aber nach einem Hinweis via Facebook wurde ich auf eine Sendung des NDR aufmerksam, bei der Oma Rosi eine wichtige Rolle spielt. Auf NDR 2 läuft regelmäßig eine Sendung, bei der „Familie Freese“ aktuelle Themen aufs Korn nimmt.

Neulich waren es dann die Radwegparker, die dem Junior der Familie jede Menge Pobleme bereiten. Und Oma Rosi hatte eine ganz tolle Idee, wie man hier per Gesetz für jede Menge Gerechigkeit sorgen könnte. Welche Idee das ist? Na hört einfach mal selbst!

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

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