Ra(n)dnotizen #49

Themen: (1) Idaho-Stop (2) Radelnde Politiker? (3) Bündnis für Radverkehr (4) Fahrradkrieg (5) Straßenkampf (6) Geniale Ampeln (7) Soester Schutzstreifen gestoppt (8) 7 Gründe für E-Mountainbikes (9) Durchsichtiges Wahlkampfmanöver(10) Eine Rennstrecke und fehlende Werbung

Idaho-Stop

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion Dieter Janecek hat es erkannt: Viele Verkehrsregelungen sind vornehmlich auf das Auto zugeschnitten und müssen somit, angesichts sich verändernder Verhältnisse der verschiedenen Verkehre neu überdacht werden. Und aus diesem Grund fordert er, Radlern das Fahren bei Rotlicht zu erlauben.

„Bislang haben wir den Verkehr in den Städten vorrangig nach den Bedürfnissen des Automobils ausgerichtet. Künftig sollen Auto, Fahrrad und Fußgänger gleichberechtigt sein“, begründete Janecek seine Initiative.

Das Ganze ist auch nicht wirklich neu, sondern als Idaho-Stop bekannt. Der Name lässt die Herkunft erkennen, Idaho. Dort gilt, das Radler eine rote Ampel wie ein Stopschild betrachten dürfen und ein Stopschild wie ein einfaches Vorfahrt gewähren. Das alles gibt es übrigens seit 1982, Zeit also, das es langsam auch nach Deutschland kommt. Immerhin wird ja sonst jeder Kram aus Amerika übernommen, weshalb also nicht zur Abwechslung mal was sinnvolles?!

Radelnde Politiker?

Zugegeben, wünschenswert wäre es. Und es hätte sowohl Signal- als auch Vorbildwirkung. Politiker, die anstelle dicker Limousinen das Fahrrad benutzen, um damit von Termin zu Termin zu gelangen. Casdorffs Agenda, jeden Morgen im Tagesspiegel zu finden, empfiehlt dann auch genau das. Politiker sollten auf das Fahrrad umsteigen.

Der Grüne Ströbele ist ja ohnehin als Radler bekannt, erstaunlich auch, das sogar Kanzleramtsminister Altmaier regelmäßig das Fahrrad nutzt. Und Recht haben beide, immerhin ist man mit dem Zweirad deutlich schneller durch Berlin, als mit dem Auto. Und ggf. kann ja auch auf das Taxi oder besser den ÖPNV ausgewichen werden. Das spart Nerven und Geld, es schont die Umwelt und es wird wohl leider bei dieser Empfehlung bleiben… 🙁

Bündnis für Radverkehr

In Hamburg läuft es ähnlich wie in Berlin. Es ist zwar Geld für den Ausbau der Fahrradinfrastruktur vorhanden – wenngleich auch nicht wirklich viel – aber es wird nicht abgerufen. Das soll sich jetzt jedoch ändern. Die Hamburger Radverkehrskoordinatorin Kirsten Pfaue, ja, Hamburg hat so etwas, hat nun gemeinsam mit dem NDR das „Bündnis für den Radverkehr“ vorgestellt.

Konkret soll es neben dem Geld nun auch mehr Personal geben, das sich für die Planung verantwortlich zeichnet. Das Bündnis will und soll dann die Projekte koordinieren und Zielmarken festlegen, die jeder Bezirk erreichen muss. Ganz sportlich sagte sie zu, das schon binnen Jahresfrist mehr und bessere Radwege vorhanden sein sollen. Abzuwarten bleibt, ob es auch wirklich dazu kommt.

Fahrradkrieg

Nein, zu einem Krieg ist es nicht gekommen, wie üblich wird hier mal wieder ein wenig heftiger auf den Teppich geklopft. Aber dennoch habe ich mal wieder eine kleine Videoempfehlung. Der SWR hat am 13.07.2016 unter dem Titel „Der Fahrradkrieg – Wem gehört die Stadt?“ eine Doku gebracht, in der alle Seiten zu Wort kommen und die aktuelle Situation beleuchtet wird.

Wer stört wen? Warum mögen Autofahrer oft keine Radler und umgekehrt? Wie gehen die Autofahrer damit um, das durch den Vormarsch der Pedelecs immer mehr Fahrräder auf den Straßen sind, die sie sonst nur selbst verstopfen? Die ganze Sache läuft 44 Minuten, ist also ein wenig mehr als nur für die Mittagspause, aber es lohnt sich durchaus, diese Zeit zu „opfern“. Ein Fehlerchen ist übrigens dabei, die Stuttgarter Polizei behauptet nämlich bei ca. 25:30, das es verboten wäre, mit Kopfhörern zu radeln.

Straßenkampf

Gleich noch ein heftiger Titel und ebenfalls eine Videoempfehlung. Dabei zeigt dieses Video allerdings nur die Sicht des Radlers. Die Spiegel-Journalistin Sandra Sperber hat dabei einfach mal ihren alltäglichen weg zur Arbeit gefilmt und die Sache dann hinterher mit dem Chef der Berliner Verkehrspolizei ausgewertet.

Knöllchen zählen beim Videoschauen, sozusagen. In Ermangelung an brauchbaren Radwegen kam dann auch das Eine oder Andere Vergehen zustande. Was dann den Titel des Videos, „Radfahren im Berufsverkehr: Der tägliche Straßenkampf“ wiederum durchaus passend erscheinen lässt, wenngleich Autofahrer das jetzt sicher als Beweis heranziehen werden, das Radler allesamt kriminell sind… 😆

Geniale Ampeln

Na los, ein Video geht noch. Diesmal gleich hier im Artikel. Das Video zeigt Ampelanlagen in ’s-Hertogenbosch in den Niederlanden. Dort ist man, was kein Geheimnis ist, deutlich weiter als in Deutschland und die Ampeln geben hier dem Radler Vorrang. Zum Video gibt es dann noch einen Blogartikel, allerdings auf angelsächsisch.

Soester Schutzstreifen gestoppt

In Soest wurde vor einiger Zeit eine komplett neue Idee umgesetzt. In der Jakobistraße, einer kleinen Straße in der Altstadt von Soest wurde ein Radweg einfach genau auf die Mitte gemalt. Der Vorteil des Soester Schutzstreifen: Der Radler ist stets weitab der so genannten Dooring-Zone, er bestimmt das Tempo das auf der Straße gefahren wird und jeder Autofahrer kann ihn sehen.

Nun, dieses Experiment wurde nun zum Thema in Berlin und im Bundesverkehrsministerium fand man diese Lösung – ganz bürokratisch und Gesetze nach dem Buchstaben lesend – ganz und gar nicht gut. So schreibt der Soester Anzeiger dazu:

Das „Soester Modell“ war sogar mit einem Preis ausgezeichnet worden. Beeindruckt hat das die Beamten in Berlin aber offensichtlich nicht. Sie wiesen die Kollegen im Düsseldorfer Verkehrsministerium an, den dort entwickelten zweijährigen Verkehrsversuch umgehend zu stoppen. In dieser Zeit sollten die Auswirkungen der Regelung in Soest wissenschaftlich untersucht werden, möglicherweise hätten die Ergebnisse sogar zu einer Änderung der Straßenverkehrsordnung führen können.

Aber nicht mit Berlin, dort kann offensichtlich nicht sein, was nicht sein darf. Auch für Verkehrsversuche gelte, so heißt es in der Anweisung aus der Hauptstadt, dass sie auf der Grundlage geltender Gesetze, in diesem Fall der Straßenverkehrsordnung, stattfinden müssten. In der Straßenmitte fahrende Radler verstoßen aber gegen das Rechtsfahrgebot – Ausnahmen können da wohl auch nicht aus Sicherheitsgründen heraus gemacht werden.

Flexibilität, neue Ideen und Innovationen sind eben so ganz und gar nicht des deutschen Politikers Ding.

7 Gründe für E-Mountainbikes

Unter Mountainbikern sind die elektrisch unterstützten Modell der Bergmaschinen oft recht verpönt, schließlich ist das ja sozusagen die dauerhaft links liegende Kette. Also etwas für Pussys. Bei Netzwelt.de bin ich allerdings über einen ganz witzigen Artikel gestolpert, der gleich 7 Gründe dafür liefert, das ein E-Mountainbike durchaus etwas für die ganz Harten unter den Mountainbikern ist.

Während sich der normale Mountainbiker noch atemlos und im Schneckentempo am ersten Anstieg abarbeitet, fliegt der E-Mountainbiker drei Hügel weiter schon wieder grinsend vom Rad.

Und tatsächlich, im Grunde ist es doch egal, mit was für einem Rad man auf die Fresse fliegt, die Schmerzen bleiben die gleichen. 😉

Durchsichtiges Wahlkampfmanöver

Es war auch mein erster Gedanke und vermutlich ging es fast jedem so. Als der Berliner Verkehrssenator Geisel, der demletzt noch der meinung war, in Berlin wäre in Sachen Radverkehr alles im Lot, sieht ganz plötzlich Handlungsbedarf. Dringenden sogar und man müsse die finanziellen Mittel dafür unbedingt deutlich erhöhen.

Ach nee? Geht da plötzlich jemandem die Muffe, so ein paar Monate vor der nächsten Wahl? Waren die knapp 100.000 Unterschriften für den Volksentscheid Fahrrad etwa ein Augenöffner? Aber, so berichtet der Rundfunk Berlin-Brandenburg, auch die Initiatoren des Volksentscheides sehen hier ganz klar Wahlkampf:

Die Berliner Bürger-Initiative Fahrrad-Volksentscheid betrachtet die Bereitschaft des Senats, plötzlich mehr Geld zur Verfügung stellen zu wollen, allerdings als „ziemlich durchsichtiges Wahlkampf-Manöver“ – das sagte der Initiator der Initiative, Heinrich Strößenreuther, am Dienstag der rbb-Abendschau. Aus seiner Sicht hätte der Senat schon seit fünf Jahren mehr Geld für die Radfahrer ausgeben können.

Und wenn die Wahl vorbei ist, wird das alles wieder vergessen. Was nicht zuletzt bedeutet, dass der Volksentscheid eben doch dis zum Ende durchgezogen werden muss.

Eine Rennstrecke und fehlende Werbung

Ganz hier bei mir um die Ecke führt er entlang, der Havelradweg. Und genau hier, also in Spandau, ist er aktuell aus gleich zwei Gründen im Gespräch. Da wäre zum einen der Mangel an Aufmerksamkeit. Wie der Tagesspiegel berichtet, hat man in Spandau nun festgestellt, das da zwar reichlich Geld in das Radwegprojekt geflossen ist, man aber bei der touristischen Vermarktung direkt übergangen wurde. Aber nicht nur Spandau, gleich ganz Berlin wurde vergessen:

Und der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) wirbt auf seiner Website zwar für „majestätisches Radwandern“ auf dem Havelland-Radweg, behauptet dort aber unter kompletter Auslassung Berlins, dass die Havel nur durch drei Bundesländer fließt.

Na ja, ärgerlich, aber weniger meine Baustelle. Mich freut der Radweg eher, denn am Wasser entlang radeln ist stets ein Vergnügen. Besonders dann, wenn es dabei etwas flotter zugeht, was dann auch gleich den nächste Punkt wäre.

Angeblich haben sich Anwohner beklagt, das der neue, toll befahrbare Radweg, eine wahre Rad-„Rennstrecke“ wäre, auf der Kinder und Senioren ihres Lebens nicht mehr sicher wären. Klingt nach kleinkarierten Lokalproblemchen. Und genau das sind es wohl auch. Sich einfach mal freuen, wenn etwas fertig gebaut wurde, ist des Spandauers Ding irgendwie nicht. 😉

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

3 thoughts to “Ra(n)dnotizen #49”

  1. Hi Maik,

    freut mich jede Woche was neues zu diesem Thema zu lesen. Obwohl ich einigen Mobilitäts- und Radverkehrs-Accounts auf twitter folge, sind diese Infos hier meist neu für mich. Schön, dass du dabei nicht nur Neuigkeiten aus Berlin zusammensammelst sondern auch national/international interessante Projekte vorstellt. Somit an dieser Stelle einfach mal dickes DANKE für deine wöchentlichen Updates zum Thema Radverkehr 🙂 !

    Viele Grüße,
    Nils (Slini11)

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