Ra(n)dnotizen #50

Themen: (1) Fahrradcockpit (2) Lange Wartezeiten (3) Lastenräder fördern (4) Vom Rad zum Lastenrad (5) 1000 Fahrradstellplätze (6) Breite Radspuren (7) Velocarrier Stuttgart (8) Erheiterte Holländer (9) Fahrradjäger (10) „Ring frei“ in Köln (III)

Fahrradcockpit

Ein 1,5 Jahre hat es gedauert, bis nach erfolgreichem, weil vierfach überzeichnetem, Croudfunding geliefert wurde: Das Cobi-System. Dabei handelt es sich um ein „Cockpit fürs Fahrrad“, bei dem das Smartphone zur Schaltzentrale für das Fahrrad wird. Es besteht aus einer Smartphonehalterung mit Frontlicht, sowie einem Rücklicht mit Blinkerfunktion.

Das Ganze lässt sich mit einem Daumencontroller bedienen – bspw. um zu blinken – und verbindet sich via ANT+ auch mit Puls- oder Trittfrequenzsensoren. Mit 260 € ist das Ding zwar nicht unbedingt preiswert, aber interessant ist es allenthalben. Zeigt es doch, wohin es künftig gehen wird. Denn das solche Lösungen irgendwann Standard sein werden, daran darf kaum gezweifelt werden.

Lange Wartezeiten

Mit den langen Zeiten zwischen erfolgreichem Crowdfunding und Lieferung der Ware befasst sich auch ein Artikel, der demletzt in der Zeit erschien. Der Artikel, der auch das Fahrrad-Cockpit Cobi behandelt, dessen Auslieferung zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt war, befasst sich eben mit der Problematik, das viele Startups zwar tolle Ideen haben, dann aber schnell an ganz realen Problemen scheitern.

Beleuchtet werden dabei die Projekte Noa f.k.a. Lock8, Cobi, Yerka und Haize. Diese langen Wartezeiten sind es übrigens auch, die mich persönlich von solchen Projekten abhalten. Ich bin viel zu ungeduldig und werde schon nervös, wenn das Amazon-Paket mal nicht sofort am Folgetag geliefert wird. Wie wäre es da erst, über ein jahr warten zu müssen?

Lastenräder fördern

Im Mai 2016 hatte die Bundesregierung die Idee, man könne ja Elektroautos fördern. Aber warum wollte man unbedingt Elektroautos fördern, wenn es noch keine wirkliche Infrastruktur dafür gibt, aber bereits jetzt nutzbare Lösungen ignorieren? Denn eins ist klar, wenn man saubere Luft – gerade in den Städten – will, dann müssen saubere Verkehrsmittel her.

Nur ist kaum eine Stadt für einen massiven Ausbau von Elektroautos gerüstet. Nicht nur, das ohnehin viel mehr Ladestationen gebraucht würden, oftmals sind die vorhandenen Stromnetze kaum dafür geeignet, eben diese Ladestationen zu beliefern. Was dagegen funktionieren kann und vor allem innerstädtisch durchaus umsetzbar ist, ist eine Verlagerung kleinerer Transporte auf das Fahrrad.

Und nicht zuletzt deswegen fordert die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW) e.V. in einem offenen Brief an Bundesverkehrsminister Dobrindt, dass der Beschluss des Bundeskabinetts um das Thema „Elektrolastenfahrrad“ erweitert wird und auch der Kauf von E-Lastenrädern und Pedelecs entsprechend gefördert wird.

Vom Rad zum Lastenrad

Okay, Crowdfunding hier, Lastenräder dort. Weiter geht es mit einer Kombination aus beidem. Aktuell befindet sich ein Projekt in der Crowdfundingphase via Kickstarter, bei dem ein System an den Start kommen soll, mit dem sich (fast) jedes herkömmliche Fahrrad mit starrem Rahmen zu einem Lastenfahrrad umbauen lässt.

1000 Fahrradstellplätze

Das in Berlin derzeit die heiße Phase des Wahlkampfes eingeläutet wird, merkt man nicht zuletzt daran, das Verkehrssenator Geisel plötzlich erkannte, das entgegen seiner vorherigen Behauptung doch reichlich Nachholbedarf in Sachen Radverkehrsinfrastruktur vorhanden ist.

Und so greift man aktuell auch das Projekt „EBike-Pendeln“ auf, bei dem im Südwesten der Stadt und in den angrenzenden Umlandkommunen Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf Pendler vom Auto aufs Fahrrad gebracht werden sollen. Entlang der Hauptstrecke von Steglitz über Zehlendorf bis ins Umland sollen nun, so zumindest die Vorplanung, bis zu 1000 moderne Fahrradabstellplätze entstehen.

Nun ja, dann sollte man sich mit dem Baubeginn aber beeilen, denn Ende September ist der Wahlkampf vorbei… 😉

Breite Radspuren

Ebenfalls zum Projekt „E-Bike-Pendeln“ gehört der angedachte Umbau der Argentinischen Allee in Berlin-Zehlendorf. Dort gab es wohl hitzige Debatten in der Bezirksverordnetenversammlung. Plan ist, mindestens zwei Meter breite Fahrradspuren auf der Argentinischen Alle zu schaffen, was dann automatisch zu Lasten des Automobilverkehrs geht. Der muss nämlich eine von derzeit zwei Fahrspuren abgeben.

Völlig richtig auch, denn Verkehrsraum muss gerecht verteilt sein, was er derzeit nicht ist, aber – wie üblich – die CDU-Fraktion sieht das alles ganz anders und hält dagegen:

„Wir brauchen eine vernünftige Verkehrsführung. Dieser Plan ist es nicht.“ Und der Vorsitzende der Piraten Eric Lüders gab zu bedenken: „Radfahrer sollen überholen können, Autofahrer nicht? Das ist ungerecht.“

Nun denn, aktuell können Autofahrer überholen, Radfahrer jedoch nicht. Ist das etwa gerecht?

Aber der Artikel gibt auch einen guten Hinweis darauf, ob es wirklich dazu kommen wird. Denn letztlich ging es nur darum, die Verkehrslenkung Berlin aufzufordern, eine solche Planung umzusetzen. Und die wollte das bisher nicht. Und was die VLB nicht will, so zeigt es die Erfahrung mit der vermutlich langsamsten Behörde Berlins, das wird es auch nicht geben.

Velocarrier Stuttgart

Nun denn, heute wird es wohl ziemlich „Lastenfahrradlastig“. Wie oben schon angesprochen, können Lastenräder durchaus innerstädtischen Lieferverkehr übernehmen und das dies recht einfach möglich ist, zeigt die Firma Velocarrier, die nach Tübingen, Esslingen, Giessen und Bochum jetzt auch in Stuttgart ihre Dienste anbietet.

Bei Velocarrier kommen Lastenpedelecs zum Einsatz und Transporte innerhalb der Stadt zu übernehmen. Aktuell sind es wohl vornehmlich Pakettransporte, aber die Geschäftsführung hat so manche Idee, welche Dienstleistungen darüber hinaus anzubieten sind. Insbesondere will man hier im Same-Day-Delivery-Geschäft einsteigen, wobei man seine Einkäufe direkt durch einen Fahrradkurier nach hause schaffen lassen kann, während man selbst gemütlich weiter shoppen geht. Ob und wie das tatsächlich umgesetzt werden kann, bleibt abzuwarten. Ich drücke jedenfalls die Daumen, das sich die Sache gut entwickelt!

Erheiterte Holländer

Da haben die Werbeleute von Emirates-Airlines wohl nicht ganz aufgepasst: Auf einem Plakat, mit dem Australier dazu gebracht werden sollten, ihren Urlaub in Europa zu verbringen, wurde eine Radlerin in den Niederlanden gezeigt. Nun gab es da ein Problem, auf dem originalen Foto trug die Radlerin keinen Helm, in Australien jedoch gibt es eine Helmpflicht für Fahrradfahrer.

Also wurde kurzum Photoshop bemüht und der Radlerin ein Helm aufgesetzt. Das wiederum erheiterte die Holländer enorm, denn dort wird so gut wie nie ein Fahrradhelm getragen. Aufgefallen ist das einem Twitteruser in Sydney und so nahm die Sache ihren lauf

https://twitter.com/BicycleAdagio/status/743012061702017025

Wie üblich, wenn solche Dinge durch Twitter laufen, war auch im Handumdrehen das Originalfoto gefunden.

https://twitter.com/MartinWolley/status/743226786222215168

Aber auch wenn die Holländer lachen, die Sache hat durchaus einen ernsten Hintergrund. Denn wie die WAZ schreibt, kann es in Australien durchaus Ärger geben, wenn man auf Werbeplakaten unbehelmte Radler zeigt.

Werbeplakate, auf denen Radfahrer ohne Helm zu sehen sind, haben in Australien bereits Beschwerden beim zuständigen „Advertising Standards Board (ASB)“ ausgelöst. 2008 war davon sogar Emirates betroffen. Damals zeigte die Airline zwei Personen auf einem Rad ohne Helme. Ein Grund also, diesmal lieber mit Photoshop nachzubessern.

Fahrradjäger

Ende Juni hatte ich ja kurz über den Diebstahlschutz I-lock-it berichtet. Ein ganz anderes Konzept verfolgt Fahrradjäger. Auch hier wird auf ein Gadget gesetzt, das am Fahrrad montiert wird. Sobald es einen Diebstahlversuch gibt, schlägt das Gerät Alarm und informiert seinen besitzer darüber.

Aber es geht noch weiter. Jeder Besitzer eines solchen Gerätes wird zum Teil der Fahrradjäger-Community und bei einem Diebstahlversuch werden alle Fahrradjäger in der Nähe informiert. So können sie dann helfen den Diebstahl zu verhindern und den Bösewicht zu fassen. Grundsätzlich eine ganz nette Idee also und wenn ausreichend Leute dabei sind, dann könnte das sogar funktionieren. Einzig die Gefahr steht im Raum, das sich dann der eine oder andere dazu berufen fühlt, sich unnötig in Gefahr zu begeben. Ach und noch ein Haken ist dabei, das hatten wir ja oben schon: Es handelt sich um eine Crowdfundinggeschichte…

„Ring frei“ in Köln (III)

Gerd Riesselmann hatte noch einen Hinweis zum Thema Kölner Ringe, das unter anderem in den Radnotizen #48 aufgegriffen wurde. So war es bisher Planung, eine so genannte „Shared Bike Lane“ zu schaffen, also eine Spur mit Mischverkehr, die tagsüber auch für den Lieferverkehr freigegeben wird.

Die Chancen stehen jetzt aber wohl nicht schlecht, das es echte „Protected Bike Lanes“ werden, also reine Fahrradspuren. Eine Entwicklung also, die dafür spricht, das man in Köln so langsam in diesem Jahrhundert angekommen und zeitgemäße Verkehrskonzepte umzusetzen bereit ist.

Die „Protected Bike Lane“ ist im Übrigen auch Bestandteil des 10-Punkte-Plans für den Radverkehr an den Kölner Ringen, den sowohl der ADFC Köln als auch der VCD Köln unterstützen.

Und vielen Dank an Gerd für den sachdienlichen Hinweis!

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)