Ra(n)dnotizen #51

Themen: (1) Bilanz der Berliner Kontrollaktion (2) Falträder für Pendler (3) Schienen vs. Fahrradfahrer (4) Ungenutzte Haushaltsmittel (5) Kampf um die Vorfahrt (6) Zweiradparadies Kopenhagen (7) The benefits of cycling (8) Ein Drittel mehr Radfahrer (8) Führerscheinverlust wegen Pedelec-Tuning (9) Fahrraddiebstahlkarte für Berlin (10) Vorher-Nachher-Fotos

Bilanz der Berliner Kontrollaktion

Die Berliner Polizei hatte ja demletzt wieder eine Aktion gestartet, bei der es darum ging, verstärkt PKW- und LKW-Fahrer zu kontrollieren, während diese abbiegen. Wird auf Radler geachtet, wird der Schulterblick gemacht? Sind möglicherweise Wimpel und ähnliches im Sichtbereich angebracht und vergrößern somit den toten Winkel?

Nun zog die Berliner Polizei Bilanz und erstaunlicherweise waren es diesmal wirklich vornehmlich die motorisierten Verkehrsteilnehmer, die man aufs Korn genommen hat. „Erwischt“ wurden insgesamt 801 Kraftfahrer, von denen 359 eine Verkehrsordnungswidrigkeitsanzeige bekamen.

Falträder für Pendler

Wo es früher[tm] das Klapprad gab, gibt es heutzutage ja echt wunderbare Falträder, die zusammengeklappt, ähh, -faltet wirklich kaum Raum beanspruchen. Richtig bewundern durfte ich die ja beim Velothon Berlin 2016, wo es auch den Brompton Faltradcup gab, bei dem die kleinen Flitzer um die Wette fuhren.

Bei bikecitizens.net stieß ich nun auf einen sehr lesenswerten Artikel über Falträder. Darin geht es vornehmlich darum, das die Falträder durchaus das Potenzial haben, gerade Pendler vom Auto auf das Rad zu bringen. Denn Strecken bis 8km sind absolut problemlos machbar und dank des kompakten Packmaßes kann man die Dinger auch bestens in den Öffis mitnehmen. Den Artikel sollte man also durchaus mal gelesen haben.

Ra(n)dnotizen

Schienen vs. Fahrradfahrer

In Berlin gibt es reichlich Schienen im Straßenland und wenn man den aktuellen Vorhaben bzw. Ideen Glauben schenken darf, dann werden es wohl auf lange Sicht noch deutlich mehr. Im Park am Gleisdreieck gibt es eine besonders fiese Stelle, denn dort treffen Schienen und Radweg in sehr spitzem Winkel aufeinander.

Nun hat man dort versucht, mit einem kreativen Warnschild darauf hinzuweisen, das durch die Schienen Gefahr droht und auch den Weg so auf die Fahrbahn gemalt, das man mit einem kleinen Schlenker in etwas stumpferem Winkel die Schienen kreuzt. Leider nicht wirklich erfolgreich, denn noch immer fallen regelmäßig Leute auf die Nase. Die Frage bleibt, weshalb man lieber Fahrspuren malt und Schilder erfindet, anstatt einfach ein Leitgeländer aufzustellen? Muss es erst einen tödlichen Schienenunfall geben, wie demletzt in Mitte? 😯

Ungenutzte Haushaltsmittel

Aus Berlin kennt man es ja schon, es gibt zwar Haushaltsmittel, die für ausbau und Entwicklung der Radverkehrsinfrastruktur vorgesehen sind, aber sie werden einfach nicht abgerufen. Und somit gibt es noch mehr Stillstand als es die geringen Mittel ohnehin schon bewirken. Das Berlin damit nicht allein steht, zeigte sich nun auf eine Kleine Anfrage der Grünen im sächsischen Landtag.

„Die Bilanz des Radwegbaus ist erschreckend: Das zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV) hat im Jahr 2014 für nur 393.000 Euro Radwege an Staatsstraßen gebaut, obwohl eine Million Euro dafür eingestellt waren. 61 Prozent der Mittel blieben ungenutzt.“
„2015 und 2016 waren jeweils vier Millionen Euro für Radwege an Staatsstraßen eingestellt. 2015 gelang es dem LASuV, davon 1,26 Millionen Euro zu verbauen. 69 Prozent der Mittel wurden nicht abgerufen.“

Insgesamt wird ein recht erschreckendes Bild über die Zustände in Sachsen gezeichnet, da wird es wohl Zeit, das sich die Radfahrer dort ebenso wie in Berlin in Notwehr zusammenschließen und einen Volksentscheid auf den Weg bringen. 🙄

Kampf um die Vorfahrt

Ganz anders sieht es hingegen in München aus, auch wenn es zunächst ganz anders aussah. Zumindest die zuständige Stadtbaurätin, Elisabeth Merk, hat hier den Ausbau des Radverkehrs nicht nur im Blick, sondern auch im Griff und so langsam denken auch die Entscheidungsträger auf kommunalpolitischer Ebene etwas moderner und probieren mal Neues aus.

Das zeigt sich in besserer Finanzausstattung, aber auch darin, das man eher mal bereit ist, auch einen Fahrradstreifen einzurichten und dafür dem Automobilverkehr Raum zu nehmen. In einem ganz interessanten Interview bei zeit.de spricht sie recht offen über aktuelle Vorhaben, darüber das man durchaus schaut was andere Städte machen und warum man das nicht immer direkt übernehmen kann. Aber auch darüber, dass die Autfahrerlobby dagegen hält und intensiv um die Vorfahrt kämpft. Was es nicht immer leicht macht.

Zweiradparadies Kopenhagen

Das es in Kopenhagen recht hochgesteckte Ziele in Sachen Radverkehr gibt, habe ich ja schon einmal erwähnt. Nun fand ich passend dazu einen Artikel in der Wirtschaftswoche, der neben Kopenhagens Zielsetzung, bis zum Jahr 2025 CO2-neutral zu sein, auch genau aufzählt wie man das schafft und warum Kopenhagen durchaus das Paradies auf Erden sein kann. Zumindest für Radler.

Das beginnt natürlich mit dem Umfang finazieller Investitionen und geht bis hin zu Einschränkungen für den Automobilverkehr. Also grundsätzlich alles Dinge, die in Deutschland auf massiven Widerstand stoßen. Und ja, wie schon oben im Fall München erwähnt, man kann natürlich nicht alles in jeder Stadt machen, jede Stadt, besonders jede Großstadt hat ihre ganz besonderen Eigenheiten. Und die verbieten es, einfach mal eben ein Konzept eins zu eins zu kopieren. Aber als grobe Orientierung, als grundsätzliches Vorbil kann Kopenhagen durchaus herhalten. Und sollte es bestenfalls auch.

The benefits of cycling

Das Thema Sicherheit im Straßenverkehr und Unfälle von und mit Farradfahrern ist auch in Deutschland aktuell wie nie. Oft argumentieren Autofahrer damit, das Radler ja als ungeschützte und schwächere Verkehrsteilnehmer besser das Rad stehen lassen, weil sie sonst nur Unfälle mit üblen Folgen hätten. Oder sich, wenn sie denn schon fahren müssen, ganz weit vom Automobilverkehr entfernt halten sollen.

Nun bin ich über eine recht interessante Infografik gestolpert, in der diverse Statistiken zu sehen sind. Kernaussage. Je mehr Radfahrer es gibt, desto weniger gefährliche Unfälle geschehen. Das Ganze ist zwar auf angelsächsisch, aber durchaus verständlich. Da lohnt sich ein Blick durchaus, schon allein weil diese Grafik auch ganz gute Argumente pro Radverkehr gibt.

Ein Drittel mehr Radfahrer

Und hier habe ich gleich noch ein angelsächsisches Fundstück. Wie cyclingindustry.news berichtet, hat der Ausbau der Fahrradinfrastruktur in Lodon dafür gesorgt, das es ein Drittel mehr Radfahrer gibt. Das sind durchaus gute Nachrichten, denn sie stützen die Thesen des Radentscheides, das eine gut ausgebaute Fahrradinfrstruktur die Menschen durchaus dazu bewegen kann, vom Auto aufs Fahrrad zu wechseln.

Nach ihrer Motivation das Fahrrad für die täglichen Wege zu nehmen, gab die Hälfte der Befragten an, das sie sich durch die gut ausgebaute Radinfrastruktur sicherer fühlen und deshalb eben gern das Auto stehen lassen. Weiterhin wurde allein die Verfügbarkeit von guten Radwegen als Grund angegeben.

Führerscheinverlust durch Pedelectuning

Ich muss ja zugeben, soweit hätte ich wohl nie um die Ecke gedacht, aber es gibt wohl tatsächlich Umrüstkits zu kaufen, mit denen man sein Pedelec zu einem S-Pedelec machen, also ganz einfacht die 25km/h-Beschränkung umgehen kann. Pedelecs&E-Bikes berichtet nun von solchen Kits und gibt auch gleich zu bedenken, das nach Aussage des ACE-Rechtsexperten Hannes Krämer damit auch der Führerschein in Gefahr gerät.

Okay, Rechtsexperte eines Automobilclubs und Aussagen zu Fahrradfahrern. Grundsätzlich immer sehr differenziert zu betrachten. Allerdings erscheint es mir durchaus logisch, denn für das S-Pedelec gibt es Helm-, Versicherungs- und Führerscheinpflicht. Ich persönlich frage mich nur, weshalb man Geld für ein Umrüstkit ausgeben sollte, das vermutlich teurer als die Versicherung ist, die man durch die Schummelei spart. Und so sehr gehen die Preise zwischen Pedelec und S-Pedelec ja auch nicht auseinander. Die Antwort ist dann vermutlich irgendwo bei „Weil es eben geht!“ angesiedelt… 😕

Fahrraddiebstahlkarte für Berlin

In Berlin ist, so meldete die Berliner Polizei in der Kriminalstatistik 2015, die Zahl der Fahrraddiebstähle um 4,8% gestiegen. So gab es dann im Jahr 2015 ganze 32.244 (gemeldete) Fälle von Fahrraddiebstahl. Die Berliner Morgenpost zeigte nun eine grafische Aufbereitung der polizeilichen Date, in der man auf einen Blick erkennen kann, wo das Veloziped am ehesten gestohlen wird.

Somit ist also – was aber irgendwie auch naheliegt – in den zentralen Bezirken die Gefahr am höchsten, während in den Stadtrandbezirken deutlich weniger Fahrraddiebstähle zu verzeichnen sind. Berlin liegt damit dann wohl auf Platz 3 der bundesweiten Fahrraddiebstahlstatistik, direkt hinter Bremen und Hamburg. Insgesamt entstehen dadurch jährlich Schäden in Höhe von 18 Millionen Euro, was auch zeigt, das nicht nur alte Drahtesel den Besitzer wechseln, sondern vornehmlich hochwertiges Gerät.

Vorher-Nachher-Fotos

Oben hatte ich ja schon auf den Artikel zur Steigerung der Fahrradfahrerzahlen in London geschrieben, der eben erklärte das allein der Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur für eben diese Steigerung verantwortlich war. Nun bin ich noch über einen weiteren Artikel zu London gestolpert, der ganz eindrucksvoll zeigt, warum es eben tatsächlich so ist. Mit netten Vorher-Nachher-Fotos zeigt er am Beispiel des Londoner Ost-West-Radweges, was genau gemacht wurde.

Dieser Artikel ist übrigens auch im angelsächsischen Original zu haben.

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)