Ra(n)dnotizen #52

Themen: (1) Heilsversprechen für den Radverkehr (2) Radverkehr in Neukölln (3) Das schwerste Fahrrad der Welt (4) Verlangsamung statt Förderung (5) Den Radweg „erhören“ (6) Sit-in: Radfahrhölle Oranienstraße (7) The Cyclotron (8) #Fahrradalltag (9) Schienen vs. Fahrradfahrer (II) (10) Abenteuertrip für Radfahrer

Heilsversprechen für den Radverkehr

Zugegeben, die MAZ hat da schon eine tolle Headline gewählt, denn es geht um den Geschäftsstellenleiter der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen (AGFK) des Landes Brandenburg und der heißt Martin Heiland. Und ebendieser hat besagte Arbeitsgemeinschaft nun ganz offiziell vorgestellt.

Dabei geht es darum, als Ansprechpartner für alle angeschlossenen Kommunen in Sachen Radverkehr zu fungieren, den Ausbau des Radverkehr zu koordinieren und so dafür zu sorgen, dass das Fahrrad ein gleichberechtigtes Verkehrsmittel wird. Die Akquise von Fördergeldern soll ebenfalls Aufgabe der Arbeitsgemeinschaft sein. Ob das tatsächlich funktioniert und den Radverkehrsausbau beschleunigt, darf allerdings abgewartet werden. Pläne gibt es ja oft, nur scheitert meist die Umsetzung.

Aber okay, der Anfang ist ja gemacht. Und vielleicht fällt dann im Laufe der Zeit auf, das man auch die Anbindung an Berlin nicht ganz vergessen darf. Die ist nämlich bisher nicht als Aufgabe angedacht, jedoch dringend nötig, wenn man Pendler aufs Rad bekommen will.

Ra(n)dnotizen

Radverkehr in Neukölln

Anfang Juli gab es in Rathaus Berlin-Neukölln einen Gesprächsabend über die bezirkliche Radverkehrspolitik. Zu diesem gesprächsabend kam es nach der Bilanz von Thomas Blesing (SPD) über seine neunjährige Tätigkeit als Baustadtrat. Er hat dabei herausgestellt, was der Bezirk doch alles für den Radverkehr geleistet hat.

Das wiederum konnten die fast 70 Teilnehmer so ganz und gar nicht nachvollziehen. Während sich der Bezirk einerseits darin sonnt, Radfahrstreifen auf der Karl-Marx-Straße angelegt zu haben, weigert er sich, eben dies auch auf Sonnenallee und Hermannstraße zu tun. Man könne dort ja auch auf Nebenstraßen ausweichen. 😯

Ganz interessant fand ich, das im Artikel dazu auch eine Messstelle am Maybachufer erwähnt wird. Die war mir bisher nicht wirklich bekannt. Nach Angaben des Tagesspiegel kommen dort täglich etwa 5230 Fahrradfahrer vorbei. Ein ganz ordentlicher Wert eigentlich.

Das schwerste Fahrrad der Welt

Manchmal fragt man sich, was die Menschen antreibt, weshalb sie die Dinge tun, die sie tun. Insbesondere dann, wenn jemand auf die Idee kommt, das schwerste Fahrrad der Welt zu bauen. Schwer? Ja, richtig! Wo andere immer mehr auf Leichtbau gehen, der Carbonrenner mit Teilen bestückt wird, die ein Vermögen kosten, dafür aber enorme 5 Gramm leichter sind als ihr preiswerteres Pendant, hat Frank Dose aus Schleswig-Holstein ein anderes Ziel.

Er möchte das schwerste fahrbare Fahrrad der Welt bauen. Bisher hält diesen Titel ein 860kg schweres Veloziped, dank Rädern einer Güllepumpe und einem Rahmen aus Stahl – alles in entsprechend großem Umfang – soll das getoppt werden. Ich vermute mal, sein Alltagsfahrrad zum Brötchen holen wird es nicht unbedingt. Muss es auch nicht, Anfang September ist die Jungfernfahrt, bei der 200m ausreichen, um die Anerkennung als Fahrrad und somit auch den Eintrag ins Guinessbuch zu bekommen. Und die Frage nach dem Warum? Vermutlich, weil er es kann… 😉

Verlangsamung statt Förderung

Während so langsam jede deutsche Stadt, abgesehen von Berlin vielleicht, mitbekommt, das es zeitgemäß und wichtig ist, den Radverkehr zu fördern, geht Darmstadt einen ganz eigenen Weg. Nicht generell, das will ich nicht unterstellen, aber zumindest auf der Frankfurter Straße. Dort ist, so zumindest der ADFC Darmstadt, derzeit ein „Fuß- und Radweg auf einer gemeinsamen Fläche mit gleichzeitiger Anordnung von Linksverkehr“ angedacht.

Jetzt muss man wahrlich kein Verkehrsspezialist sein, um zu sehen das dies nur schief gehen kann. Interessant ist ja in diesem Zusammenhang, das der Fahrzeugverkehr auf dem betreffenden Abschnitt auf 30km/h begrenzt wird. Auf die Geschwindigkeit also, die heutzutage sehr viele Radler ohnehin schon fahren, nicht zuletzt durch den stetig steigenden Pedelecanteil. Und wenn man dann, nahezu gleich schnelle Verkehre trennt und einen Teil davon auf dem Gehweg abkippt, dann kann das nur schiefgehen. Schönen Gruß also aus Schilda!

Den Radweg „erhören“

Eine ziemlich tolle Idee hatte man ent­lang des Rad­we­ges »Lieb­li­ches Tau­ber­tal – Der Klas­si­ker« von Rothenburg ob der Tauber bis Freudenberg am Main. Dort wurden 20 Hörstationen eingerichtet, die allerlei wissenswertes und interessantes zum jeweiligen Ort liefern. Dabei findet man dann neben der Stationsnummer einen QR-Code vor, mit dessen Hilfe man sich das Audiomaterial aus dem Internet laden kann.

Wer nicht über mobiles Internet verfügt oder den Datenplan schonen möchte, kann sich das Ganze dann auch vorab herunterladen. Mehr dazu weiß das Main-Echo zu berichten. Allerdings muss man temporär einen evtl. vorhandenen Adblocker deaktivieren, sonst bekommt man keinen Zugriff auf den Artikel. Alternativ geht man gleich auf die Webseite des Taubertals, auf welcher gleich noch einige andere Tourenvorschläge für radler (und Wanderer) zu finden sind.

Sit-in: Radfahrhölle Oranienstraße

Neukölln wurde ja weiter oben schon erwähnt, weiter geht es mit dem Nachbarbezirk Kreuzberg. Dort befindet sich die, so zumindest die Ergebnisse des Onlinedialog der Verkehrsverwaltung, drittgefährlichste Stelle für Fahrradfahrer in ganz Berlin. Genau das sollte eigentlich Grund genug sein, hier umgehend korrigierend einzugreifen, genau das interessierte aber bisher niemanden und genau gar nichts ist deshalb bisher geschehen.

Und so nutzte man den letzten Critical-Mass-Termin um vorab, organisiert von der Initiative „Volksentscheid Fahrrad„, mit einem Sit-in genau dort zu demonstrieren, wo sich eben nichts weiter tut. Dieses Sit-in sollte nebenbei auch eine Bürgerinitiative unterstützen, die dort eine Begrenzung auf 30km/h und eben auch ordentliche Radverkehrsanlagen fordert.

The Cyclotron

Das Thema Crowdfunding war ja in den letzten Radnotizen gleich mehrfach dran und auch diesmal komme ich einfach nicht daran vorbei. In diesem Fall geht es um ein echt futuristisch daherkommendes und nicht zuletzt genau deswegen absolut tolles Projekt handelt. Das Cyclotron.

Das Ding ist schon ein echter Hingucker und neben dem futuristischen Design bringt es auch gleich alles mit, was man vom Fahrrad der Zukunft erwartet. Das dachten sich auch viele andere, weshalb die Kickstarterkampagne deutlich überzeichnet wurde.

#Fahrradalltag

Demletzt geisterten ja allerlei Tweets und ähnliches mit dem Hashtag #Fahrradalltag durchs Netz, seinerzeit quasi hervorgerufen durch den Berliner Politiker Steffen Burger, der damit seinem Unmut über einen Unfall etwas Luft machte. Nun stolperte ich über ein ganz nettes Video in der Tube, das ich selbst so in ähnlicher Form eigentlich auch schon einmal drehen wollte.

Ein Dresdener Radler hat dabei ganz alltägliche Momente in den Monaten Mai und Juni 2016 aufgezeichnet und dabei Situationen gefilmt, die jeder, der regelmäßig innerstädtisch unterwegs ist, schon oft so erlebt haben dürfte. Insbesondere das zu dichte Überholen (hier gut zu sehen bei 00:32) sollte jedem bekannt sein. Lohnend ist auch ein Blick in den YT-Channel dieses Radlers, wo noch weitere Videos rund um den Radverkehr in Dresden zu finden sind.

Schienen vs. Fahrradfahrer (II)

In Nachgang zur Thematik der Radwege, die in spitzem Winkel Schienen kreuzen und deshalb eine recht hohe Unfallgefahr darstellen, hat mich Matthias N. auf eine ganz tolle Lösung aufmerksam gemacht, die es für genau dieses Problem gibt. Er selbst konnte es im Urlaub am praktischen Beispiel erleben, wusste aber auch einen passenden Link zu liefern.

Er selbst hat es an der Ostsee gesehen, im ADFC-Blog wird vom Ruhrtalradweg geschrieben, somit sollte es das also schon an mehreren Stellen geben: Gummiprofile, die in die Schienen eingelassen sind. Eigentlich eine ganz einfache Sache. Der Radler kann somit über eine ebene Fläche fahren, während ein Zug das Gummiprofil durch sein hohes Gewicht wegdrückt und davon vermutlich nicht einmal etwas bemerkt.

Der Artikel des ADFC stammt übrigens aus dem Jahr 2013 und es wird erwähnt, das man bis dahin kein wirklich haltbares Material gefunden hätte. Leider konnte ich auf die Rasche nichts ausgraben, das auf die Ergebnisse der darin erwähnten Tests eingeht. Kann hier evtl. jemand mit sachdienlichen Hinweisen helfen? Vielen Dank!

Abenteuertrip für Radfahrer

Diesmal ist es Wiesbaden. Einige Politiker, wie so oft Grüne, machen sich auf um die Radwege in ihrer Stadt zu überprüfen. Und stellen dabei voll Entsetzen fest, das die Radwege in katastrophalem Zustand sind. Dabei kann man sich derartige Aktionen durchaus sparen, denn einfach mal ein Ohr an die lokale Radfahrercommunity zu halten bringt ganz schnell die gleichen Erkenntnisse.

Nun denn, auch wenn es spät kommt, immerhin hat man sich dieser Sache angenommen. Denn einhelliges Fazit war, das eine radtour durch Wiesbaden durchaus einem Abenteuertrip gleichkommt. Fragt sich nur, ob und wie schnell nun in Wiesbaden etwas dagegen getan wird. Ich würde ja fast Wetten abschließen… 🙁

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)