Ra(n)dnotizen #53

Themen: (1) 377.000 Euro Bußgelder (2) Und noch eine Bilanz (3) „Kreative“ Radwege (4) Schlaglochsuche (5) „Streifenfahrrad“ (6) Kamikaze auf zwei Rädern (7) Von den Profis lernen… (8) Leichter und flexibler Diebstahlschutz (9) Ein ernstes Thema (10) 25 Jahre Radverkehrsengagement

377.000 Euro Bußgelder

Die Berliner Polizei hat seit zwei Jahren im Rahmen eines Pilotprojektes eine Fahrradstaffel und die ist nach eigenem Bekunden sehr erfolgreich. So hat sie in den letzten 12 Monaten ganze 377.000€ Bußgelder kassiert. Soweit gut, aber wenn man sich mal anschaut, auf welche Weise das geschah, dann stellt man schnell fest, das hier gern der einfachere Weg gegangen wird.

Denn 246.000€ davon wurden gegen Radfahrer verhängt, lediglich der schmale Rest gegen Autofahrer. Und das, obwohl die vornehmlich Aufgabe der Fahrradstaffel ist, den Radverkehr sicherer zu machen. Klar, Rotlichtverstöße von Radlern müssen geahndet werden, das steht außer Frage, aber gerade im Mitte, wo die Staffel hauptsächlich aktiv ist, ist Parken auf den Radwegen und Abbiegen ohne Schulterblick quasi Tagesgeschäft.

Und genau hier müsste eigentlich der größte Anteil der „erwirtschafteten“ Bußgelder verhängt sein. Aber hey, einen Radler anhalten ist leichter, als sich mit einem Autofahrer zu streiten und nachher noch jede Menge Schreibkram zu haben. Weißte Bescheid!

BTW: Wer ganz genaue Zahlen haben möchte, der kann sich mal die Antwort auf die Anfrage des Abgeordneten Andreas Baum anschauen, da ist alles ganz genau aufgedröselt.

Ra(n)dnotizen

Und noch eine Bilanz

Vor zwei Wochen erwähnte ich ja schon, dass die Berliner Polizei Bilanz ihrer Kontrollaktion zog. Und das was die Berliner Polizei „in groß“ durchführte, gab es in Gauting Ende Juni „in klein“, wobei man sich in gauting dann lieber darauf beschränkte, nur die Radfahrer zu kontrollieren. Ist ja auch, ganz oben hier im Beitrag schrieb ich es ja schon, deutlich einfacher und kostet wesentlich weniger Nerven.

Die Aktion fand in Gauting auf dem Bahnhofsberg statt und es wurden dabei 108 Gehwegradler dingfest gemacht. Obendrein wurden 129 Verwarnungen ausgesprochen. Grund für diese Aktion waren, so die Gautinger Bürgermeisterin in der Süddeutschen Zeitung, „Radl-Rowdys“:

Allerdings fühlen sich ältere Fußgänger zunehmend durch rowdyhaftes Benehmen etlicher Radfahrer oft gefährdet. „Wir bekommen immer wieder Klagen ins Rathaus, viele Fußgänger fühlen sich einfach nicht mehr sicher“, sagte Bürgermeisterin Brigitte Kössinger. Die Aktion habe gezeigt, dass die Angst oft begründet ist, doch für Radlstreifen fehle Platz. „Dann steigen uns die Geschäftsleute auf die Barrikaden“ sagte Wiedemann (der Polizeichef, anm.d.Red.). Er selbst ist kein Freund von Radlstreifen.

Tja, wie es aussieht, wird man auch im fernen und kleinen Gauting Lösungen finden und sich auf gewandelte Verhältnisse im Straßenverkehr einstellen müssen.

„Kreative“ Radwege

Twitter ist ja stets ein ergiebiger Quell der Freude, so also auch in Sachen Radwege. Oder vielmehr deren kreative Auslegung. Bei Monumentummag.com steiß ich auf eine nette Sammlung solcher Tweets. Unter dem Titel „10 Bike Lanes So Depressingly Crappy They’re Almost Funny“ findet man dort einige dieser Tweets. Unter anderem dieser hier, der ja irgendwie schon wieder echt witzig ist. Wäre es nicht so traurig…

https://twitter.com/MarloStimpson/status/712949288855207937/

Schlaglochsuche

Das es oftmals klug ist, auf der Mitte der Fahrbahn unterwegs zu sein, hatte ich ja schon einmal aufgegriffen. Nun stieß ich auf eine ganz andere Betrachtungsweise. Nämlich eine positive Sicht für Autofahrer. So behandelte nämlich die Webseite Motoring.co.uk genau dieses Thema und stellte dabei folgendes fest:

See those potholes? Not good for your suspension, are they? To cyclists, they’re not just inconvenient; they’re lethal. The cyclist up ahead might be in the middle of the road for a few seconds in order to avoid a big gash in the ground. Cyclists are expert pothole – spotters. Use this inside knowledge to prevent costly damage to your car’s suspension.

Also liebe Autofahrer, nutzt euer „Insiderwissen“ zur Fahrwerksschonung. Oder so!

„Streifenfahrrad“

Streifenwagen kann jeder, der Polizist von Welt hingegen nimmt das Bike. So zumindest im Altkreis Leonberg. Dort nämlich dürfen jetzt zwei Uniformierte mit dem Pedelec ihren Streifendienst versehen. Insgesamt sind wohl 210 Pedelecs im Südwesten der Republik unterwegs, weitere 50 sollen beschafft werden.

Witziges Detail: Die Heimsheimer Polizei hatte gerade zwei dieser Räder leihweise in Erprobung. Und da haben die sich besonders gut, weil enorm unauffällig, zur Jagd auf einen Exhibitionisten gemacht. Na sowas aber auch… 🙂

Kamikaze auf zwei Rädern

Mal wieder Berlin und mal wieder Kampfradler. Beim ZDF lief ein demletzt ein Beitrag, der sich mit den aktuellen Zuständen in Berlin befasst. Allerdings ist der Beitrag bei weitem nicht so negativ wie es der Titel vermuten lässt. Es wird tatsächlich recht brauchbar zum Thema berichtet und vor allem wird auch klargemacht, wo die tatsächlichen Probleme liegen. Nämlich in der katastrophalen Infrastruktur.

Und nicht nur darin, sondern eben auch im klaren Senatsversagen, denn auch nach 12 Jahren Radverkehrsstrategie ist ganz genau gar nichts geschehen. Aber wie dem auch sei, den Beitrag aus dem ZDF findet man in der ZDF Mediathek: Kamikaze auf zwei Rädern.

Von den Profis lernen…

…heißt siegen lernen! Oder so. Zumindest kann man von den Profis profitieren, oder vielmehr von deren Tricks. Wie die Wirtschaftswoche schreibt, steigerte das mechanische Doping die Nachfrage an Elektromotoren für das Fahrrad. In diesem Falle die Nachfrage nach kleinen, fast unsichtbaren Antrieben.

Klar, viele verzichten auf die Anschaffung eines E-Bike, weil die Dinger oft recht unansehliche Akkupacks und fette Motoren tragen. Und wer will sich schon als „Hilfsmotorpilot“ outen? 😉

„Wir suchen ständig nach noch kleineren Antrieben und Akkus“, sagt auch David Horsch, Gründer der Heidelberger Edelfahrradschmiede coboc. Vor allem jüngere Kunden wollten schöne E-Bikes – ohne hässlichen Akkublock und dicken Motorknubbel. Ihnen reichen laut Horsch auch Reichweiten von 80 Kilometern, wenn nur ja niemand erkennt, dass da ein Motor mitradelt.

Aber mal im Ernst, ich finde das durchaus begrüßenswert, denn das Auge isst bekanntlich mit und ein schönes Fahrrad sieht man ja deutlich lieber als ein verbasteltes Gefährt. Und so profitieren dann alle davon. Ein wenig zumindest. 🙂

Leichter und flexibler Diebstahlschutz

Mir ist da mal wieder ein Kickstarterprojekt über den Weg gelaufen, von man durchaus berichten kann. Es handelt sich dabei um ein Fahrradschloss, das besonders leicht und flexibel sein soll. Klar, um sein geliebtes Veloziped zu sichern schleppt man ja gern mal etliche Kilo Sicherungsmaterial durch die Gegend und egalisiert damit den sündhaft teuren Leichtbau seines Gefährts.

Das Litelock soll nun besonders sicher und dabei trotzdem sehr leicht und vor allem flexibel/biegsam sein. Das macht es ja in der Tat sehr interessant, sind doch die besonders sicheren Schlösser nicht nur schwer, sondern auch oft sehr sperrig. Das es trotz aller Flexibilität und geringen Gewichtes sehr schwer zu knacken ist, soll das folgende Video zeigen.

Kaufen kann man es noch nicht, zuerst sind die Backer dran, aber man kann es schon über die Webseite des Herstellers vorbestellen. Mit um die 100€ für eins und unter 200€ für das Doppelpack ist der Preis auch durchaus im Rahmen.

Ein ernstes Thema

Irgendwo in der Fratzenfibel stieß ich auf einen wirklich netten Artikel, in dem es um Berliner Rechtsabbieger geht. Nein, im Grunde um Autofahrer im Allgemeinen und deren Unvermögen die Verkehrsregeln zu kennen und/oder beachten im Speziellen. Auszug gefällig? Büddeschön:

Auch kennt der Berliner schlicht die Verkehrsregeln nicht. Geschätzte achtzig Prozent der Rechtsabbieger rauben dem geradeaus fahrenden Radler die Vorfahrt, von den restlichen zwanzig Prozent bremst die Hälfte soeben noch im letzten Moment, um ihn anschließend ebenso wüst zu beschimpfen wie es zuvor bereits die achtzig Prozent getan haben. Enttäuschung über das Misslingen des Tötungsversuchs, Unterficktheit, Schulden, Zahnschmerzen oder sonstiger Frust – wer möchte den Grund überhaupt wissen? Ich jedenfalls nicht.

Im Artikel selbst stehen etliche Buchstaben mehr, aber es lohnt sich wirklich, den kompletten Text zu lesen. Er zeigt recht eindrucksvoll den Berliner Fahrradalltag und ist dabei trotz aller Ernsthaftigkeit sehr amüsant zu lesen.

25 Jahre Radverkehrsengagement

Zum Abschluß noch ein paar positive Nachrichten. Die ADFC-Ortsgruppe Grevenbroich feierte demletzt ihr 25jähriges Bestehen. Das ist erstmal noch nichts wirklich besonderes, jedoch finde ich es Klasse, das man es in Grevenbroich geschafft hat, bei der lokalen Radverkehrsplanung eine Stimme zu haben.

So wurden auf Betreiben der Ortsgruppe etliche Einbahnstraßen für Radler in beide Richtungen freigegeben und auf einigen Strecken die Radwegebenutzungspflicht aufgehoben. Darüber hinaus pflegt der Ortsverein eine Datenbank mit Mängeln an Radwegen (nebst Verbesserungsvorschlägen), die dem Arbeitskreis Radverkehr der Stadt als Arbeitsgrundlage dient. Schön, wenn tatsächlich auch mal die Betroffenen mit ins Boot geholt werden. 🙂

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

8 thoughts to “Ra(n)dnotizen #53”

  1. Woher kommt eigentlich die Annahme, Polizisten auf dem Fahrrad wären dazu da, die Radfahrer*innen gegen die Autofahrer*innen zu verteidigen?

    Bei dem Schloss wundere ich mich, dass keine Aufbruchversuche des Schlosses gezeigt werden.

    1. Nicht verteidigen. Aber vornehmliche Aufgabe ist, für eine nutzbare und freie Infrastruktur zu sorgen. Also Radwegparker und dergleichen abzustrafen. Und erst an zweiter Stelle kommt natürlich auch die Überwachung der Einhaltung der StVO durch Radler, dass steht außer Frage.

        1. @Norbert: Warum? Das sich Fahrradpolizisten um die fahrradinfrastruktur kümmern, hat einen ganz einfachen Grund. Sie können bspw. Radwegparker aufschreiben, ohne dabei selbst auf dem Radweg parken zu müssen, was motorisierten Polizisten eben oft nicht möglich ist. Die sind in anderen Verkehrsräumen unterwegs und dort trifft man eben in erster Linie Autofahrer an, um die sich dann auch „gekümmert“ wird.

  2. Oh ja… von schlechten Radwegen kann ich ein Lied singen… Es ist wirklich traurig, dass in vielen Städten Fahrradfahrer eher „geduldet“ werden als alles andere… dabei ist es doch meistens viel besser als Auto…

Kommentare sind geschlossen.