Ra(n)dnotizen #54

Themen: (1) Es ist Wahlkampf in Berlin (2) Fahrradboxen am Hauptbahnhof (3) Wutradler (4) ADFC Ideenwettbewerb „Deine Radschnellroute“ (5) Radschnellrouten im Bundesverkehrswegeplan (6) Volata Smart-Bike (7) Fahrraddieb verprügelt (8) Rot-Gelb-Grünes Verwirrspiel (9) Umbau zum E-Bike unter 100$

Es ist Wahlkampf in Berlin

Anders jedenfalls lässt sich kaum erklären, warum der Senat, dem neulich die bestehende Radverkehrsinfrastruktur in der hauptstadt völlig ausreichend erschien, Radschnellwege bauen lassen will. Nicht sehr eilig zwar, aber ab 2019 meint man, 12 Routen durch die große Stadt in Angriff nehmen zu können.

Aber klar, die mehr als erfolgreiche erste Unterschriftensammlung im Rahmen des Volksentscheid Fahrrad hat den Senat in Zugzwang gebracht, hat ihm gezeigt, das da sehr viele Wähler die Veränderung wollen. Leider glaube ich aber auch deshalb, dass es am 19.09.2016 schon wider ganz anders aussehen wird und die Pläne plötzlich überhaupt keine Eile mehr haben werden. Aber hey, ich lasse mich da wie üblich auch gern eines Besseren belehren… 🙂

Ra(n)dnotizen

Fahrradboxen am Hauptbahnhof

Letzten Dienstag wurden am Berliner Hauptbahnhof die ersten Fahrradboxen eingeweiht. Am Westausgang des Bahnhofes wurden, wie die Berliner Morgenpost berichtet, 12 Boxen installiert, in denen das Veloziped relativ diebstahlsicher und vor allem trocken abgestellt werden kann.

Die doppelstöckig angeordnete Abstellanlage besteht aus zwölf Boxen, vier davon sind für Tages- und Wochenbuchungen vorgesehen, die übrigen können gleich für ein ganzes Jahr gemietet werden. Sechs Boxen sind technisch so ausgestattet, dass darin Pedelecs und E-Bikes aufgeladen werden können. Die Buchung erfolgt ausschließlich online unter www.bikeandridebox.de. Die Mieten liegen zwischen acht Euro (für einen Tag) und 195 Euro (für ein Jahr). Die Türöffnung ist 116 Zentimeter hoch und 80 Zentimeter breit ist. Die Tiefe der Box beträgt 198 Zentimeter.

Preislich ist das also auch alles im Rahmen, leider sind es eben nur besagte 12 Boxen. Es bleibt zu hoffen, das da noch mehr Boxen hinzukommen und dieses (oder ein ähnliches) System auch an anderen Bahnhöfen installiert wird.

Wutradler

Erst letztes Mal hatte ich ja auf einen ganz netten Artikel verwiesen, der sich um die rechtsabbiegenden Berliner Autofahrer drehte. Nun erschien bei Zeit.de ein ähnlicher, der sich allerdings nicht mit Abbiegern befasst, sondern mit all jenen „Schönwetterradlern“, die zum Pendeln für gewöhnlich das Auto benutzen, dann aber bei besonders schönem Wetter das Fahrrad hervorholen. Aber sonst eher auf Radler schimpfen.

Ich bin Wutradler, und Sie haben mich dazu gemacht. An jedem Morgen, an dem Sie sich dachten: Ach, mit dem Fahrrad zur Arbeit, das wäre doch nett. Aber der Straßenverkehr ist nicht nett. Schon gar nicht auf dem Rad.
Das habe ich gelernt, und zwar von Ihnen. An all den verregneten und kalten Tagen, an denen Sie das Rad stehen lassen, sich ins Auto setzen und mich anschnauzen, ich solle gefälligst den Fahrradweg benutzen. Weil Sie nicht wissen, dass ich das nur muss, wenn er beschildert ist.

Insgesamt wirkt dieser Artikel zwar etwas weniger unterhaltsam und deutlich herablassender als der „Rechtsabbiegerartikel“, aber es lohnt dennoch, hier mal ein paar Leseminuten zu investieren. Immerhin enthält er auch jede Menge Wahrheit. Na ja, außer vielleicht die Sache mit der „Musik im Ohr“, denn die ist ja nun wirklich nicht verboten… 😉

ADFC Ideenwettbewerb „Deine Radschnellroute“

Nicht das jemand denkt, der oben erwähnte Vorstoß des Berliner Senats käme von ungefähr. Nein, dem Senat ist nur klar, das „irgendetwas“ geschehen muss, um irgendwie noch die Stimmen der wählenden Radfahrer zu erhalten, was genau das ist, das müssen ihm andere vorlegen. So geschehen durch den ADFC, der demletzt die Ergebnissse des Ideenwettbewerb „Deine Radschnellroute“ vorstellte.

Dabei gab es dann auch tatsächlich sehr interessante Ideen für schnelle Routen durch die Hauptstadt, von denen sich nicht wenige an ohnehin vorhandenen Strecken orientierten, diese jedoch zu optimieren wissen. So bspw. einer der Gewinner des Sonderpreises für interessante Typologie, der gleich drei Routen in zentraler Lage vorschlägt. Diese Routen sind bereits im weitesten Sinne vorhanden, nur eben alles andere als schnell. Das soll sich dann durch die Nutzung des Raumes zwischen den Richtungsfahrbahnen ändern.

Aber auch die Nutzung des Landwehrkanals als Radschnellweg ist ein interessanter Vorschlag. Interessant deshalb, weil hier nicht einfach nur am Ufer entlang geradelt werden soll, sondern auf einem Steg, der direkt über dem Wasser verlaufen soll. Ob das tatsächlich umsetzbar ist, sei zunächst dahingestellt, eine kreative Lösung ist es allenthalben.

Radschnellrouten im Bundesverkehrswegeplan

Und dann haben wir gleich noch einmal den ADFC und Radschnellwege. Fast schon verspätet, denn die entsprechende Pressemitteilung des ADFC stammt vom Monatsanfang. Da hatte nämlich Bundesverkehrsminister Dobrindt den Bundesverkehrswegeplan vorgestellt, der mir persönlich eher Kopfschütteln brachte, ist doch darin der Plan enthalten, die Stadtautobahn A115 dreispurig auszubauen. Als würde Berlin eine innerstädtische Autobahn brauchen.

Aber egal, zurück zur Pressemitteilung des ADFC. Dieser stellte nämlich ganz erfreut fest, das im BUndesverkehrswegeplan ein klitzekleiner Passus enthalten ist, der darauf hindeutet, das sich der Bund künftig auch am Bau von Radschnellwegen beteiligen will. Ob dieser Passus nun tatsächlich als kleiner Sieg gefeiert werden kann und vor allem als Unterstützungszusage zu werten ist, die solchen Projekten Vorschub leisten wird, sei aber mal noch dahingestellt. Ich selbst kann diesem Optimismus jedenfalls nicht teilen.

Volata Smart-Bike

Smart-Bikes sind das nächste große Ding, das steht wohl außer Frage, und so wird vermutlich im Sommer kommenden Jahres ein ganz nettes Exemplar dieser Gattung auf dem Markt erscheinen. Bei Golem.de wurde vor einiger Zeit das Volata Bike vorgestellt. Optisch ein nettes citytaugliches Rennrad mit Scheibenbremsen und Riemenantrieb ist es technisch ziemlich gut ausgestattet. Sehr nett ist die Integration des Radcomputers in den Vorbau, denn auf eben diesem wird das Ding ohnehin meistens montiert.

Neben den obligatorischen Fahrdaten liefert der Computer dann auch, eine Anbindung ans Smartphone vorausgesetzt, Navigationshinweise, Wetterdaten oder Benachrichtigungen zu eingehenden Mails und ähnlichem. Obendrein ist ein GPS-Empfänger verbaut, der in Verbindung mit Bewegungssensoren das Anti-Diebstahlsystem darstellt und den Fahrer informiert, wenn sein Velo unberechtigt bewegt wird.

Über einen Nabendynamo wird das System mit Strom versorgt, so dass die Ortung auch über einen längeren Zeitraum möglich ist. Abgerundet wird das Ganze durch im Rahmen integrierte Beleuchtung und elektrische Schaltung. Also alles in Allem eine runde Sache, die mit ca. 4000€ allerdings nicht unbedingt preiswert ist.

Fahrraddieb verprügelt

Klingt lustig, ist aber nicht zur Nachahmung empfohlen, denn letztlich ist es Selbstjustiz: Anfang des Monats waren ein paar Siegerländer Mountainbiker mit ihren Rädern unterwegs und haben zwischendurch ein kleines Päuschen eingelegt. Derweil sie es sich in einer Gaststätte gemütlich machten um sich zu stärken, schaffte es ein Bösewicht, eines der Räder zu klauen.

Nun war dieses Rad jedoch mit einem GPS-Empfänger nebst Sender versehen und der Besitzer konnte auf dem Handy sehen, wie sein Rad ohne ihn davon fuhr. Eine umgehende Kontrolle ergab: Das Rad ist weg. Die drei anderen schwangen sich dann auf ihre Räder und verfolgten den Dieb, den sie 40 Minuten später stellen konnten. Als dieser dann zu Spucken begann, gab es ein paar handfeste Argumente zu spüren, in deren Folge der Bösewicht einen Schneidezahn liegen lassen musste. Mein Mitleid mit ihm hält sich da irgendwie in Grenzen. 😉

Rot-Gelb-Grünes Verwirrspiel

Ich hatte in Regines Radsalon schon einmal ein paar Worte dazu verloren und auch in der aktuellen Ausgabe kam es wieder zur Sprache: Verwirrende Verkehrsregeln, die den Radler oft im Unklaren darüber lassen, auf welche Ampel er denn nun zu achten hat. Auch bei Zeit.de wurde das demletzt thematisiert und dort gibt es ein wenig Erhellung.

Grundsätzlich gilt ja, sobald eine Fahrradampel vorhanden ist, muss sich der Radler daran halten. Das gilt lustigerweise auch dann, wenn der Radweg schon lange kein solcher mehr ist und von der Fahrbahn aus irgendwo in weiter Ferne die Fahrradampel zu sehen ist. In Berlin gibt es so ein Beispiel an der Jaffé-/Harbigstraße in Fahrtrichtung Messedamm. Dort gab es lange nur einen Radweg an dessen rechtem Rand die Fahrradampel montiert wurde, der ist jetzt ein Gehweg. Aber die Fahrradampel hängt noch immer.

Gibt es keine Fahrradampel, gilt zumeist die Autoampel, es sei denn, Radweg und Fußweg werden mittels gemeinsamer Furt über die Fahrbahn geleitet, dann gilt wieder die Fußgängerampel. Tja, und dann gibt es da wie so oft noch jede menge Grauzonen, von denen im Artikel auf Zeit.de einige angesprochen werden.

Umbau zum E-Bike unter 100$

Okay, ein richtiges E-Bike wird man mit einem Umbau, der weniger als 100 Dollar kostet, wohl nicht bekommen, aber immerhin kann man sein altes Velo auf diese Weise mit etwas mehr Vortrieb ausstatten. Die Rede ist dabei vom Semcon Smart Engine. Dieser Antrieb kann an so gut wie jedes Rad montiert werden. Ein Arduino übernimmt die Motorsteuerung und der Antrieb erfolgt dann mittels Walze direkt über die Lauffläche des Hinterrades.

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)