Ra(n)dnotizen #55

Themen: (1) Schlechte Noten für Berliner Parteien (2) Mehr Kopenhagen wagen (3) Ist das Kunst oder kann das weg? (4) Einmal um die ganze Welt (5) Amazon nutzt Cargobikes (6) Parkplätze statt Fahrradbügel? (7) Ausbleibender Finanzmittelabruf (8) Sicherheit durch Fahrradschleuse (9) Mit dem Fahrrad durch L.A. (10) Tweet der Woche: Sandberge auf dem Radweg

Schlechte Noten für Berliner Parteien

In Berlin stehen Wahlen an und das im Wahlkampf plötzlich allen einfällt, das die Fahrradfahrer einen nicht unerheblichen Wählerkreis stellen, hatte ich ja schon demletzt erwähnt. Nun hatte kürzlich der ADFC seine Forderungen zur Abgeordnetenhauswahl vorgelegt und bei dieser Gelegenheit gleich mal ein wenig Schulnoten verteilt. Sollen die Parteien ruhig wissen, wo sie stehen.

Das es gerade für die derzeitige Regierungskoalition schlechte Noten waren, muss vermutlich kaum mehr erwähnt werden. Die Berliner Radverkehrspolitik ist eine Katastrophe. Die SPD kam mit 3,1 noch verhältnismäßig gut weg, die CDU erhielt eine 4,3. Gute Noten erhielten lediglich die Linke und die Grünen, die Piraten blieben im Mittelfeld weil sie das Thema kaum beachten. Das die SPD noch ein wenig reißen konnte lag, so der ADFC, an dessen plötzlicher Aktivität nach dem guten Abschneiden der ersten Unterschriftensammlung für den Radentscheid. Naja, manchmal zahlt sich (blinder) Aktionismus ja auch aus.

Ra(n)dnotizen

Mehr Kopenhagen wagen

Aber nicht nur Schulnoten hat der ADFC verteilt, wie erwähnt kamen die eher als Nebenprodukt herum, als der ADFC seine Forderungen für die Zeit nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus vorstellte. Und die sind eigentlich auch ganz interessant. Grundsätzlich decken sich diese Forderungenmit denen, die man auch vom Volksentscheid Fahrrad kennt.

Es geht um mehr Polizisten auf Rädern, um mehr Ordnungsamtsmitarbeiter, die endlich die Freihaltung von Radverkehrsanlagen durchsetzen, aber auch um einen intensiveren Ausbau der Fahrradinfrastruktur und die Entschärfung gefährlicher Kreuzungen. Insgesamt soll eben mehr Geld für den Radverkehr ausgegeben werden, wobei man, so die Berliner Morgenpost, als Beispiel Kopenhagen ins Spiel bringt.

Damit das klappt, und Berlin tatsächlich noch zur „Fahrradstadt“ wird, muss auch mehr Geld fließen, heißt es beim ADFC. Zurzeit investiert Berlin 3,80 Euro pro Jahr und Einwohner in den Radverkehr – zum Vergleich: Kopenhagen 21,40 Euro. Gefordert werden 11,40 Euro, das sind 40 Millionen Euro jährlich. Verkehrssenator Geisel (SPD) hat diese Summe bereits zur Diskussion gestellt.

Warum eigentlich nicht gleich auch die 21,40€ fordern? Berlin leistet sich einen sündhaft teuren Flughafen, da wären die 21,40€ pro Kopf doch quasi Peanuts. Wir werden es nie erfahren. Witzig am Rande war dann noch die Forderung, dass es auch die Regierenden den Dänen gleichtun sollten. So wie auch das Dänische Prinzenpaar regelmäßig mit dem Fahrrad gesehen wird, sollten doch auch Senatoren und Bürgermeister regelmäßig mit dem Fahrrad fahren. 😉

Ist das Kunst oder kann das weg?

Ganz Berlin rätselt derzeit, wer auf diese skurrile Idee kam und sie dann tatsächlich umsetzte. In der Treptower Spree steht unübersehbar eine 30 Meter hohe Aluminiumskulptur, die drei einander zugewandte Gestalten zeigt. Der Molecule-Man. Und an eben dieser Skulptur wurde nun über Nacht ein Fahrrad aufgehängt.

Warum das Fahrrad dort befestigt wurde ist weiterhin unklar. Die Polizei wusste aber zu berichten, das auch an anderen ungewöhnlichen Stellen in berlin, bspw. an einer Kreuzberger Hausfassade und an einem Ampelmast am Schlesischen Tor Fahrräder gesichtet wurden. Aber ob es nun nur eine Kunstaktion oder ein echtes politisches Statement – was mich in Berlin ehr nicht wundern würde – ist, vermag niemand zu sagen.

Einmal um die ganze Welt

Von einer Weltreise träumen ja recht viele, einige davon sogar von einer Weltreise mit dem Fahrrad. Einige setzen diese Träume dann auch in die Tat um und umrunden auf dem Veloziped den Planeten. Mit dabei immer das Problem, das man irgendwie sein Gepäck transportieren muss, was dann zu einer recht minimalistischen Ausstattung führt oder einen gesonderten gepäcktransport erfordert.

Ganz anders machen es da jetzt zwei Kölner, denn die beiden nehmen ganz einfach Lastenräder um sich den großen Traum von der Fahrt um die Welt zu erfüllen. Start war Ende Juli in Köln, bis November soll es jetzt nach Griechenland gehen und anschließend weiter nach Asien. Da drücke ich mal die Daumen und wünsche alles Gute für das Abenteuer.

Amazon nutzt Cargobikes

Und gleich noch eine Lastenradgeschichte. Berliner können ja schon seit Anfang des Jahres die Vorteile von Amazon Prime Now nutzen: Direkt nach der Bestellung beginnt der Versand, so dass ein oder zwei Stunden später der Bote vor der Tür steht. Nun ist es auch in München soweit und dabei gibt es dann auch gleich eine wirklich erwähnenswerte Neuheit. Es wird nicht nur auf den üblichen Kurier im PKW zurückgegriffen, sondern auch auf Fahrradkuriere.

Klar, der Fahrradbote kommt viel schneller durch den Verkehr, was es Amazon somit auch erleichtert, hier die Lieferzeiten von maximal 2 Stunden, oder bei ein paar Euro Aufschlag sogar maximal 1 Stunde zu halten. Denn während der PKW-Kurier im Stau steht, hat der Fahrradbote den Kunden schon lange erreicht.

Parkplätze statt Fahrradbügel?

DAs man nicht nur in Berlin rückwärtsgewandte Politik betreiben kann, die sich vornehmlich auf die Interessen der Autofahrer bezieht, zeigt ganz eindrucksvoll die Leipziger CDU. Diese hat im Stadtrat nun, nach einem Bericht der Leipziger Volkszeitung, den Rückbau von Fahrradbügeln gefordert. Der frei werdende Platz soll dann den Autofahrern als Parkraum zur Verfügung gestellt werden.

Erfreulicherweise sehen das die Leipziger Verwaltung und die anderen Stadtratsfraktionen deutlich anders, diese haben erkannt dass sich der Fahrradverkehr in Leipzig in den nächsten Jahren verdoppeln wird und somit auch Abstellmöglichkeiten für Fahrräder dringend erforderlich sind. Im Übrigens seien in den vergangenen Jahren gerade mal 28 Parkplätze für den Bau von Fahrradbügeln entfallen.

Ausbleibender Finanzmittelabruf

Bleiben wir gleich in Sachsen. Ähnlich wie auch in anderen Ländern steht man dort vor einem Problem. Es gibt zwar einige finanzielle Mittel für den Ausbau der vorhandenen sowie Neubau fehlender Radinfrastruktur, allerdings werden diese Mittel nicht oder nur wenig abgerufen. Schuld sind hier wie so oft personelle Engpässe, denn man hat es schlicht versäumt, ausreichend Radverkehrsplaner einzustellen.

Einziger Lichtblick: Ein Teil der in Sachsen zur Verfügung stehenden Gelder sind Fördermittel der Europäischen Union. Und diese stehen vorerst noch bis zum Jahr 2020 zur Verfügung. Es wäre vermutlich gewagt, hier die Vermutung anzustellen, das bis dahin ausreichend Personal vorhanden ist, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Sicherheit durch Fahrradschleuse

Eine recht interessante Sache beschreibt die Lahrer Zeitung in einem Artikel von Anfang August. So wurde die Lahrer Friedrichstraße in den vergangenen Monaten saniert und dabei eine Fahrradschleuse gebaut worden. Diese Fahrradschleuse soll die Einbiegesituation deutlich verbessern und somit wesentlich sicherer machen.

Leider bleibt die Lahrer Zeitung ein Foto dieser Anlage schuldig, denn irgendwie fehlt mir da ein wenig eine passende Idee, wie so etwas aussehen könnte. Also mal kurz der Aufruf: Wohnt einer meiner Leser dort oder dort in der Nähe und kann mir mit einem Foto aushelfen? Vielen Dank schon mal im voraus!

Mit dem Fahrrad durch L.A.

In der Frankfurter Rundschau fand in kürzlich einen ganz interessanten Bericht über die (fehlende) Fahrradkultur in der US-amerikanischen Großstadt Los Angeles. In dieser Stadt, die voll und ganz auf den Autoverkehr ausgerichtet ist und es selbst bei Straßen mit bis zu 15 Spuren schafft, täglich in Chaos und Stau zu ersticken, ist das Fahrrad das so ziemlich am seltensten genutzte Verkehrsmittel. Der typische Einwohner macht eben alles mit dem Auto.

Umso erstaunlicher ist dabei, das es wohl trotz anders lautender Headline („Sie müssen verrückt sein“) ganz entspannt sei, mit dem Fahrrad durch diese Stadt zu fahren. Und dabei ist es egal ob man auf Gehweg oder Fahrbahn unterwegs ist, man wird kaum angepöbelt, alle machen freiwillig Platz und so eine Fahrt mit dem Fahrrad wirkt richtiggehend entspannend. Zumindest dann, wenn man der Autorin des Artikels Glauben schenken darf. 🙂

Tweet der Woche: Sandberge auf dem Radweg

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe.

Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet.

Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)