Ra(n)dnotizen #56

Themen: (1) Beitrag zum Klimaschutz (2) Keine Radfahrer auf der Fahrbahn! (3) NudelRadfahren (4) Im Verkehrsbereich ein Failed State (5) Verkehrsflußsimulation (6) Ankündigungsweltmeister (7) Radwegedokumentation (8) Üble Schlägerei (9) Tweet der Woche: Umleitung vergessen

Beitrag zum Klimaschutz

In Nordrhein-Westfalen gibt es ein Förderprogramm „Klimaschutz im Radverkehr“, an dem sich 21 Kommunen beteiligen möchten. Darunter auch die Stadt Heiligenhaus, die so das Rad in Verbindung mit dem ÖPNV als klimaschützende Alternative fördern will. RP Online schreibt dazu:

Hinter dem allgemein gehaltenen Titel „Klimaschutz im Radverkehr“ verbirgt sich eine ganz praktische Einrichtung für denjenigen, der mit Fahrrad und ÖPNV sein Ziel erreichen möchte, nämlich diebstahlsichere und witterungsgeschützte Fahrrad-Abstellanlagen. […] Das Projekt soll in erster Linie zu einer Reduzierung von CO2-Emissionen führen, in dem Radverkehr und ÖPNV besser miteinander verknüpft werden.

Nun sollte klar sein, das man allein mit der Beschaffung von Abstellanlagen noch keinen wirklichen Umschwung schafft, jedoch ist es ein guter Schritt, denn manch einer verzichtet auf die Nutzung des ÖPNV, weil er seinen Drahtesel nicht sicher abgestellt bekommt.

Ra(n)dnotizen

Keine Radfahrer auf der Fahrbahn!

Wie sieht es aus, wenn eine Partei ganz klar sagt, das man sie doch bitte nicht wählen soll? Richtig, sie betreibt ganz offen Lobbypolitik gegen Radfahrer. So zumindest die CDU Oldenburg, die mit diesem Wahlplakat an den Start geht:

NudelRadfahren

Ich selbst habe ja zuweilen auch schon über so eine Lösung nachgedacht. Eine Lösung, die mir im Straßenverkehr die Autofahrer vom leib hält und denen mal aufzeigt, wie weit eigentlich 1,50m sind. Nun, diese Lösung hier funktioniert ganz offenbar. 🙂

Im Verkehrsbereich ein Failed State

Harald Walsberg vom Verkehrsclub Deutschland hat dem Tagesspiegel ein Interview gegeben, in dem er sich zur aktuellen Situation im Berliner Straßenverkehr äußert. Ganz offen spricht er dabei aus, was viele denken: Das viele Dinge komplett aus dem Ruder laufen, weil es der Staat nicht schafft, bestehende Regeln durchzusetzen.

Was im Übrigen so ziemlich alle Verkehrsteilnehmer betrifft, denn hier kann man in der Tat nicht nur auf die Autofahrer schimpfen, sind doch oft auch die Radler sehr kreativ, was die Auslegung der StVO betrifft. Und ja, ich kenne die Argumente, das die StVO zunächst auf den Autoverkehr zugeschnitten ist. Aber sie existiert. Lösungsvorschläge? Kontrollieren und konsequent abstrafen.

Der Mensch ist nun mal so gestrickt, dass man ihm mit Strafen drohen muss, damit er sich an Regeln hält. Freundliche Nachsicht nützt jedenfalls nichts. Dann könnte man genauso gut Räucherstäbchen an die Straße stellen.

Insgesamt also ein ganz nettes Interview, das ziemlich genau analysiert wo die Probleme liegen und wie man sie ganz pragmatisch gelöst bekäme.

Verkehrsflußsimulation

Und hier gleich noch ein Video. In diesem feinen Film werden 5 Transportmöglichkeiten miteinander verglichen. Dabei geht es darum, jeweils 200 Menschen auf verschiedenem Wege zu transportieren. Einmal sind es je 1,5 Menschen in 133 PKWs, also üblicher Stadtdurchschnitt, jeweils 20 in 10 Bussen, 40 in 5 Straßenbahnen und je 200 Biker und Fußgänger.

Dem Ganzen liegen gleich breite Verkehrswege zu Grunde, was die Reihe PKWs mit 1030m Länge einen Kilometer länger werden lässt als bspw. die Fußgänger. Simuliert wird nun die Dauer, bis die jeweils 200 Menschen eine Startlinie passiert haben.

Ein ähnliches Video zeigt dann, wie breit die jeweiligen Verkehrswege sein müssten, damit alle zeitgleich über die Linie fahren.

Ankündigungsweltmeister

Ein Artikel in der Zeit fasst mal wieder ganz nett zusammen, was sich in der Berliner Radverkehrspolitik so alles tut. Nämlich – anders als die vielen vorherigen Ankündigungen – so ziemlich gar nichts. Immerhin wurde ja vor zwei Jahren die Radverkehrsstrategie beschlossen, die Berlin in Sachen Fahrradstadt ganz weit nach vor bringen sollte. Ja okay, nicht ganz weit, aber erstmal ein Stückchen.

Daraus ist dann eben nur nichts geworden, denn es wurde davon so gut wie nichts umgesetzt. In den Berliner Bezirken fehlen die Planer, die sich mit dem Radverkehr befassen und insgesamt hat der Radverkehr eben nicht den Stellenwert, den man ihm versprochen hat. So schreibt die Zeit unter anderem völlig richtig:

Neben Verkehrssicherheitsproblemen, fehlender Infrastruktur und Koordination ärgern sich Berlins Radfahrer vor allem über eins: die fehlende Anerkennung als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer. Dass sie nicht ernst genommen und bei Verkehrsplanung und Stadtentwicklung kaum berücksichtigt werden, empfinden viele als Diskriminierung, die zeige, dass die Regierung von Berlin an einer Förderung des Radverkehrs nicht ernsthaft interessiert ist.

Der im Artikel verwendete Begriff „Ankündigungsweltmeister“ trifft es somit auf dem Punkt. Kaum eine Stadt hat so oft so viel versprochen und dennoch so wenig getan.

Radwegedokumentation

In der Morgenpost bin ich über einen ganz interessanten Artikel gestolpert, der von einem Messprojekt auf Brandenburgs Fahrradwegen zu berichten wusste. Im Auftrag des Landesbetriebs Straßenwesen ist dort Stefan Oertelt mit einem Fahrrad unterwegs und beradelt in 2 Monaten gute 1000 Kilometer Radwege.

Dies tut er aber nicht mit irgendeinem Fahrrad, er benutzt ein Messfahrrad. Das Bike mit Elektroantrieb – der nötig ist, um für die Messungen konstante 25 km/h fahren zu können, ist mit GPS, Kamera und allerlei Sensorik ausgestattet und misst die Qualität der Radwege. Alle Erschütterungen werden aufgezeichnet, ebenso optisch die Qualität des Fahrbahnbelages.

Und es ist keine erstmalige Sache, bereits 2014/14 war er unterwegs und stellte bereits damals fest, das die brandenburgischen Radwege durchaus gut in Schuss sind. Jetzt gibt es Vergleichswerte, die unter anderem auch helfen können, dringenden Reparaturbedarf zu klären. Er muss nur aufpassen, das er nicht versehentlich nach Berlin hinein fährt, denn allein der Radweg an der B5 in Staaken hat das Potenzial, sein Messrad nach nur wenigen Metern komplett unbrauchbar zu machen. 😉

Üble Schlägerei

Das sind so die Nachrichten, die den Ruf vieler nachhaltig zu beschädigen in der Lage sind. „Radfahrer schlägt Fußgänger bewusstlos„. Aber was ist passiert?

In Brandenburg an der Havel stieß ein Radfahrer (versehentlich?) gegen einen Fußgänger, worauf zwischen beiden ein Streit entbrannte. In dessen Verlauf kam es dann zu Handgreiflichkeiten, bei denen der Radfahrer den Fußgänger mit mehreren Faustschlägen traf und damit zu Boden schickte.

So weit, so unnötig und leider auch so alltäglich. Aber wie so oft steckt auch hier der Fehler im Detail. Denn allein der Umstand, das einer der Beteiligten hier ein Fahrrad dabei hatte, machte ihn nun zum Radfahrer. Und somit landete er als solcher auch in der Headline. Und der deutsche Michel sitzt nun daheim am Frühstückstisch, liest diese Meldung und nickt nur wissend. Die Radfahrer sind ja ohnehin alles Rambos, da war sowas ja zu erwarten.

Schade eigentlich, das die Presse in solchen Momenten irgendwie nie Feinfühligkeit an den Tag legen kann. In anderen Situationen geht es doch auch.

Tweet der Woche: Umleitung vergessen

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

One thought to “Ra(n)dnotizen #56”

  1. Hallo, tolle Seite.
    Ich bin selber begeisterter Radfahrer und muss sagen die Autofahrer nehmen sehr wenig Rücksicht auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer.
    Hatte zum Glück noch nie einen Unfall oder dergleichen. Dafür bin ich auch Dankbar.
    Gruß Rene Siewert aus Chemnitz

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