Ra(n)dnotizen #57

Themen: (1) Gegen die grüne Welle (2) Steuerbonus für E-Bikes gefordert (3) Fahrrad statt Auto in Vorarlberg (4) Zukunftsgerechter Radverkehr (5) Und noch ein Radverkehrskonzept (6) Mitten in der Spur (7) Stadt ohne Autos (8) Tweet der Woche: Betriebliches Mobilitätsmanagement

Gegen die grüne Welle

Auch wenn die Berliner Morgenpost meint, das Votum würde überraschen – mich überrascht es keineswegs. Eine repräsentative Befragung von 500 ADAC-Mitgliedern ergab nämlich, das sich die Autofahrer durchaus deutlich mehr Radwege, mehr Platz für Radfahrer allgemein wünschen. Ist ja auch klar, denn Radfahrer auf dem Radweg sind nicht mehr im Wege. Und was nicht im Weg ist, fordert keine Aufmerksamkeit. Freie Fahrt für freie Automobilisten. Sozusagen.

Und tatsächlich, schaut man sich die Befragung genauer an, so zeigt sich schnell, was die Autofahrer wirklich meinten. Denn 2m breite Radspuren unter Beibehaltung vorhandener Busspuren werden abgelehnt. Und genau das ist ja das Problem. gern würde man Radlern mehr Fläche geben, eben um sie damit loszuwerden. Aber bitte nicht, wenn man dafür selbst Fläche opfern muss.

Und so wundert es dann auch nicht, das sich gleich 90% gegen den Wegfall von innerstädtischen Parkplätzen äußern und gleich 73% gegen eine grüne Welle für Radfahrer votieren.

Ra(n)dnotizen

Steuerbonus für E-Bikes gefordert

Das die Bundesregierung einen Bonus für die Beschaffung von Elektrofahrzeugen ausgelobt hat, ist ja derweil nichts neues mehr. Ebenso wie die Erkenntnis, das dieser Bonus wohl nur von recht wohlhabenden Menschen genutzt werden kann, die sich überhaupt ein Elektroauto, meist sogar als Zweit- oder gar Drittwagen, leisten können. Also nichts als Augenwischerei.

Allerdings werden inzwischen immer mehr Stimmen laut, die eine solche Förderung auch für E-Bikes fordern. Interessanterweise, und das macht den Artikel bei heise.de ziemlich spannend, gehen die entsprechenden Forderungen zumeist mit einer weiteren Forderung einher. Nämlich dem Ruf nach einer differenzierteren Besteuerung der Straßennutzung. Dies könne nun über verschiedene Steuermodelle oder ein anderes „Road-Pricing-System“ geschehen. Zeitgemäß wäre es allenthalben…

Fahrrad statt Auto in Vorarlberg

Nicht nur in Deutschland, auch in Österreich gibt es Gemeinden und Bundesländer, die in Sachen Radverkehr recht ambitionierte Pläne haben. Darunter zum Beispiel Vorarlberg. Und das, wo de Radverkehr mit 15% Anteil am gesamtverkehr schon recht verbreitet ist. Hier will man nun eine Steigerung auf 20% erreichen.

Schaffen soll dies Anna Schwerzler, die demletzt zur Radverkehrskoordinatorin berufen wurde. Für zunächst 10 Jahre wird es ihre Aufgabe sein, eine Radverkehrsstrategie zu erarbeiten und dann auch deren Umsetzung zu begleiten. Nun denn, da drücke ich mal die Daumen, das die künftige Vorarlberger Radverkehrsstrategie nicht so eine Totgeburt wird, wie die aus Berlin. 😉

Zukunftsgerechter Radverkehr

Vorarlberg bekommt jetzt also eine neue Radverkehrsstrategie, in Münster hingegen ist es schon soweit. Münster? da wo ohnehin schon alle Fahrrad fahren? Genau! Schon jetzt werden in Münster 40% aller Wege mit dem Fahrrad bestritten, weshalb nun die „Radverkehrsstrategie 2025“ entwickelt wurde. Damit das so bleibt und sich bestenfalls noch steigert.

Münsters Radverkehrsstrategie umfasst dabei wie sie derzeit allenorten gefordert werden. Der Ausbau bestehender Radverkehrsanlagen, Radschnellwege – hier „Stadtregionale Velorouten“ genannt, aber eben auch den Ausbau von Fahrradabstellanlagen in ÖPNV-Nähe. Obendrein soll dann mittels durchgängiger Rotfärbung ein einheitliches Bild aller Radverkehrsanlagen geschaffen werden.

Und noch ein Radverkehrskonzept

Und dann wäre da noch Niebüll in Ostfriesland. Weniger ambitioniert als Münster, aber eben auch mit ganz anderen Startvoraussetzungen, will man auch dort den Radverkehr fördern und arbeitet nun an einem zukunftsgerechten Konzept für eben diesen. Und dabei geht es auch direkt los, denn der entsprechende Antrag wurde erst im Mai verabschiedet und schon gab es wohl erste Arbeiten wie bspw. Radwegeausbesserungen oder die Schaffung von Beleuchtung für Rad- und Fußwege.

Dabei soll es aber eben nicht bleiben und so werden jetzt die Bürger beteiligt. Sie sollen ihre Ideen einbringen, sollen Schwerpunkte festlegen und so dabei helfen, ein langfristiges Konzept auf die Beine zu bringen. Drücken wir also die Daumen, das es hier nicht nur beim Vorhaben bleibt, sondern die Sache tatsächlich auch Umsetzung findet. Ein wichtiger Schritt ist ja schon getan: Die CDU ist mit im Boot. Damit wäre also der erste (übliche) Hemmschuh aus dem Weg… 😉

Mitten in der Spur

Ich hatte hier im Blog ja schon einmal darüber geschrieben, das Radfahren auf der Mitte der Fahrbahn. Nun ist der Tagesspiegelkolumnist Ralf Schönball auf ein Facebookposting eines Berliner Piraten gestoßen, bei dem eben dieser ankündigt, fortan eben auf der Mitte der Fahrbahn zu radeln. Und sieht gleich neue „Kampfzonen“ aufkommen. Blödsinn eigentlich, zumal Fabio Reinhardt ja auch ganz gut begründet, weshalb er das so tun will.

Stadt ohne Autos

Die Berlinerin Cordelia Polinna ist derzeit in Bern damit befasst, die Stadt deutlich fahrradfreundlicher zu gestalten. Erklärtes Ziel in Bern ist es, in den kommenden Jahren den Anteil Fahrradfahrer zu verdoppeln. Das ist ein sportliche Vorhaben, aber mit Kopenhagen als Vorbild durchaus zu schaffen.

Größte Kritiker sind derzeit Gewerbetreibende, die durch die Verdrängung des Automobilverkehrs Nachteile befürchten. Diese sind, so Cordelia Polinna, aber eher nicht zu erwarten:

Die Verdrängung des Autos aus der Stadt ist eine grosse Chance, mehr Lebensqualität zu gewinnen. Man gewinnt öffentlichen Raum, der genutzt werden kann durch Cafés, spielende Kinder und Langsamverkehr. Kopenhagen zum Beispiel hat mit der Ausrichtung auf Fussgänger und Velofahrer nur gewonnen.

Tweet der Woche: Betriebliches Mobilitätsmanagement

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

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