Ra(n)dnotizen #58

Themen: (1) Überblick in Sachen Radinfrastruktur (2) Die perfekte Kreuzung (3) Münster, die Zweite (4) Osnabrück sattelt (wieder) auf (5) Radverkehr, den es nicht gibt? (6) Führungsformen im Radverkehr (7) Tweet der Woche: „Gepflegter“ Radweg (8) Allerlei liegengebliebene Links

Überblick in Sachen Radinfrastruktur

Und wieder merkt man, das in Berlin Wahlkampf ist und der großen Koalition die Düse geht. Nicht nur, das die AfD reichlich Zuwachs bekommt, auch merkt man jetzt, das da eine Rechnung droht, die es für jahrelange rückwärtsgewandte Verkehrspolitik geben könnte. Und nachdem Verkehrssenator Geisel am Anfang dieses Jahres noch alles für fein hielt und später dann, angesichts überwältigender Ergebnisse bei der ersten Unterschriftensammlung für den Volksentscheid Fahrrad zurück ruderte und Bedarf einräumte, soll jetzt ganz schnell etwas geschehen.

Er hatte es ja bereits grob angekündigt, jetzt soll es sogar noch im September losgehen. Eine landeseigene Gesellschaft soll die Entwicklung und den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur berlinweit planen und koordinieren. Angesiedelt ist die Gesellschaft bei „Grün Berlin“ und nicht bei der VLB. Konflikte sind hier also schon vorprogrammiert, denn die VLB hat immer das letzte Wort und ist a) nicht gerade für schnelle Bearbeitungszeiten bekannt und b) nicht wirklich fahrradfreundlich gesinnt. Kurzum: Wir sehen hier lediglich reinen Aktionismus im Wahlkampf. Schade eigentlich.

Ra(n)dnotizen

Die perfekte Kreuzung

Auch wenn die Redaktion von Biorama.eu fragt, ob es sich hier um den perfekten Radweg handelt, gemeint ist natürlich die Kreuzung und die macht auf den ersten Eindruck richtig was her. Die Rede ist von so genannten „Protected Interceptions“, also geschützten Kreuzungen, die dem Radverkehr und Fußǵängern ein zügiges und sicheres Queren ermöglichen sollen.

Das hier vorgestellte Konzept gefällt mir dabei sehr gut. Allerdings birgt es auch eine Schwachstelle. Insbesondere die fahrradfreundlichen Ampelschaltungen, hier allen voran das Modell mit der „simultanen Grünphase“, fordern deutlich mehr Disziplin von allen beteiligten, als es bisher der Fall ist. Das kann nämlich in der tat nur dann wirklich funktionieren, wenn sich alle an rot und grün halten.

Münster, die Zweite

Schade, manchmal wird man schon recht heftig in die Realität zurückgeholt. Insbesondere dann, wenn es sich um die deutsche Fahrradstadt schlechthin handelt, bei der man auf den unbequemen Boden der Tatsachen geworfen wird. So freute mich demletzt noch die Tatsache, das selbst eine Fahrradstadt wie Münster noch ein Radverkehrskonzept herausbringt, um den ohnehin schon hohen Radleranteil noch einmal zu steigern, da wird mir ein Hinweis gegeben, der ganz andere Töne anschlägt.

Und tatsächlich, wenn man sich die Bemerkungen zum Verkehrskonzept Münsters so anschaut, dann verschwindet schnell die rosarote Brille der offiziellen Pressemeldungen. Und als Schwarzmalerei lässt sich das leider auch nicht abtun, denn abschließend wird das Radverkehrskonzept 2025 direkt vorgelegt bzw. als LeakDownload angeboten und darin lässt sich klar nachlesen, das in den Pressemeldungen tatsächlich jede Menge Augenwischerei betrieben wird. Schade eigentlich. 🙁

Osnabrück sattelt (wieder) auf

Die Kampagne „Osnabrück sattelt auf“ geht 2016 in die vierte Runde. Bei dieser Kamagne geht es um ein gutes Miteinander im Straßenverkehr. Und aktuell richtet sie sich dabei besonders an Auto- und Radfahrer:

Der Grund liegt vor allem darin, dass wir häufig nicht nur Radfahrer, sondern gleichzeitig auch Autofahrer sind. Beide Perspektiven kennen wir gut, vergessen sie aber ebenso schnell wieder, wenn wir in dem jeweils anderen Vehikel unterwegs sind.

Dabei trägt ein sorgsames und gutes Miteinander auf den Straßen automatisch zu mehr Sicherheit bei – für beide Seiten.

Neben einer Postkartenaktion und einem „Straßenknigge für den charmanten Umgang miteinander“ gibt es einen Kinospot für den Schulterblick. Die Kampagne ist durchweg ganz nett angelegt und vor allem sehr unaufdringlich, was dem Ziel sicherlich sehr dienlich ist.

Radverkehr, den es nicht gibt?

Na sowas aber auch, da lebe ich über 40 Jahre in der festen Überzeugung, dass es Bielefeld nicht gibt, das SIE uns nur vorgaukeln, es gäbe diese Stadt, und jetzt lese ich davon, dass man dort den Anteil des Radverkehrs erhöhen möchte? Man will neue Radschnellwege bauen, für bessere Beschilderung sorgen und auch die Anzahl der Abstellanlagen aufstocken. Behauptet Radio Bielefeld.

Ähh, Moment! Radio Bielefeld? Nein, das ist doch auch wieder nur so ein fieser Trick von IHNEN… 😉

Führungsformen im Radverkehr

Schulung ist auch in Sachen verkehr der halbe Nahkampf und in einem Land, das sich seit Jahrzehnten vornehmlich auf dem motorisierten Individualverkehr konzentriert hat, geht das Wissen um den Fahrradverkehr oft unter. Insbesondere die verschiedenen Radverkehrsanlagen und ihre verschiedenen benutzerkreis sind nicht jedem wirklich geläufig. Gerade Autofahrer haben da ja oft eine ganz eigene meinung, wann jemand wo fahren darf.

Die Stadt Villingen-Schwenningen hat nun einen ganz netten Übersichtsplan veröffentlicht, der die Rechte und Pflichten der Benutzer verschiedener Führungsformen für den Radverkehr aufzeigt, die in Abhängigkeit von der KFZ-Verkehrsstärke, der erlaubten Höchstgeschwindigkeit und der allgemeinen Verkehrssicherheit zum Einsatz kommen. Das Ding gibt es als dickes, fast 38MB großes PDF zum Selbstausdrucken bis DIN A3, wird aber wohl auf Anfrage auch für schulische Zwecke in größerem Format bereitgestellt.

Führungsformen im Radverkehr

Tweet der Woche: „Gepflegter“ Radweg

Allerlei liegengebliebene Links

In den letzten Wochen gab es jede Menge zu tun, so dass ich es nicht geschafft habe, alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen zu „verwursten“. Damit sie nicht ganz untergehen, hier ein Teil davon zum selbst durchklicken.

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

One thought to “Ra(n)dnotizen #58”

  1. Die Überschrift „Ra(n)dnotizen“ trifft es eigtl. am besten. “ (…) angesichts überwältigender Ergebnisse bei der ersten Unterschriftensammlung für den Volksentscheid Fahrrad zurück ruderte und Bedarf einräumte, soll jetzt ganz schnell etwas geschehen (…) “ – mir bleibt es dennoch schleierhaft warum erst jetzt etwas geschen soll. Gerade in solch einer Großstadt hätte doch viel früher etwas passieren müssen. Wo bleibt denn die ökologische Verantwortung? Da werden in Berlin Themen über den Klimawandel diskutiert und vor Ort schafft man es nicht mal innerhalb kurzer Zeit einen wichtigen Beitrag hierzu zu leisten. So etwas geht mir nicht in den Kopf. Gerade in solch einer Großstadt, in der man fast ganz aufs Auto verzichten kann. Ubahn und Fahhrrad reicht in Berlin völlig aus – ich habe es selbst 2 Jahre lang erlebt. Es sollte einfach jeder einen Beitrag dazu leisten. Selbst Unternehmen könnten einfach mal ihre Mitarbeiter darauf hinweisen, dass mittlerweile sogar ein Dienstfahrrad Leasing möglich ist, seitdem es das Dienstwagenprivileg (1-Prozent-Regel) auch für Fahrräder gibt https://www.mein-dienstrad.de/ (steuerlichen Gleichbehandlung mit dem Auto) !! Dies Möglichkeit von Fahrrad Leasing wird erst gar nicht in den Unternehmen besprochen – bzw. wer hier weiß davon?? Das ist doch einfach traurig! Es ist hinsichtlich des Themas Fahhrad durchaus noch viel zu tun – insbesondere unsere deutschen Großstädte sollten schleunigst anziehen, um der Bevölkerung das Fahrrad fahren schmackhaft zu gestalten. Tut nicht nur der Umwelt gut – sondern auch der eigenen Gesundheit.
    Danke für den Artikel und beste Grüße von Jan-Mark!

Kommentare sind geschlossen.