Ra(n)dnotizen #59

Themen: (1) Weltweite Radfahrhöllen (2) Wie Holland zu Radwegen kam (3) Glaube versetzt Berge (4) Radverkehrskonzept mitgestalten (5) Mit dem Radverkehr Wahlen gewinnen (6) Radparkplätze für Potsdam (7) Tweet der Woche: Da ist doch noch Platz (8) Allerlei liegengebliebene Links

Weltweite Radfahrhöllen

Radfahren in der Großstadt ist kein Zuckerschlecken, zumindest dann nicht, wenn man nicht gerade in Kopenhagen oder Amsterdam unterwegs ist. Es ist kein Geheimnis, das dies eben vornehmlich darin seine Ursache findet, das die Verkehrsinfrastruktur großer Städte auf das Automobil ausgerichtet und in vielen Fällen auch keine Besserung in Sicht ist.

Einige Städte geben sich da durchaus Mühe, als Beispiel sei hier London genannt, wo ja durchaus erste Erfolge erzielt werden konnten. In der Zeit stieß ich nun auf einen Artikel, der das Radfahren in den Metropolen Paris, Sydney, Moskau, Bangkok, London, Beirut und Rio de Janeiro beschreibt. Und wenn man das so liest, dann ist Berlin plötzlich fast schon ein Radlerparadies.

Ra(n)dnotizen

Wie Holland zu Radwegen kam

Kürzlich bin ich über ein sehr interessantes Video gestolpert. Dieses Video ist schon etwas älter, es stammt aus dem Jahre 2011, aber deshalb trotzdem empfehlenswert. Es beschreibt die verkehrsentwicklung in Holland nach dem zweiten Weltkrieg. Quasi wie zunächst nach dem Wiederaufbau der Wohlstand und damit die Autos kamen, die dann aber in den 70er Jahren zu immer mehr Verkehrstoten führten, allein 3300 im Jahr 1975 und darunter ein sehr hoher Anteil Kinder unter 14, was zu enormen Protesten führte.

Dann nutzte man die Ölkrise um die Verkehrswende herbeizuführen. Beginnend mit autofreien Tagen ging man mehr und mehr dazu über, die Stadtzentren autofrei zu bekommen. Dies und weitere Proteste gegen die Massenautomobilisierung sorgten für ein generelles Umdenken und so begann man, sich Gedanken über eine sinnvolle und sichere Radverkehrsführung zu machen. Immer mehr Radwege sorgten dann für eine starke Erhöhung des Radverkehrsanteils. Aber seht selbst…

BTW: Das Video ist wie so oft auf angelsächsisch und hat obendrein auch solche Untertitel. Mit einem Klick auf das Zahnrad kann man aber die automatische Übersetzung einstellen.

Glaube versetzt Berge

Ein altes Sprichwort meint, das Glaube berge versetzen kann. Wenn das tatsächlich so ist, dann wollen wir das mal sprichwörtlich glauben. Der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Michael Groschek tut es ja auch. Demletzt war er gemeinsam mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks auf dem Radschnellweg Ruhr von Mühlheim nach Essen unterwegs. Dabei gab es dann die obligatorischen Loblieder.

Unter anderem wurde der Punkt im Bundesverkehrswegeplan 2030 gepriesen, der unter anderem die Förderung von Radschnellwegen in Aussicht stellt. In Aussicht, das scheint man da irgendwie übersehen zu haben. Denn wirklich klare Vorhaben wurden nicht formuliert, ganz anders als bei Autobahnen. Da soll ja unter anderem die A115 in Berlin dreispurig ausgebaut werden – nachdem sie vor kurzen erst zweispurig saniert wurde.

Aber das ist Automobilverkehr und da sind Vorhaben schnell in sack und Tüten. Wer nun glaubt, das die Randerwähnung im Bundesverkehrswegeplan tatsächlich für mehr Radschnellwege sorgt, der kann sich dann schon mal einen Berg suchen. Und den versetzen. wenn es denn klappt…

Radverkehrskonzept mitgestalten

Partizipation, Bürgerbeteiligung, so etwas wird ja aktuell groß geschrieben. So nun auch in Gladbeck, wo sich ein Aachener Ingenieursbüro mit einem neuen Radverkehrskonzept befasst hat. Und nun sollen auch die Betroffenen, also die Bürger selbst beteiligt werden.

Grundsätzlich ist das ja eine gute Idee, nur finde ich das jetzt reichlich spät. Denn die Bürgerbeteiligung sollte durchweg, also von Anfang an gewährleistet sein. Hier klingt es ganz so, als würde das Konzept im Groben schon stehen und die Bürger dürfen nur ein wenig Feinschliff einbringen. Aber okay, besser als gar nichts. 😕

Mit dem Radverkehr Wahlen gewinnen

Die Wahlen in Berlin sind ja nun schon ein paar Tage vorbei und wir kennen ihre Ergebnisse. Noch drei Tage vor der Wahl gab Heinrich Stößenreuther, Initiator des Volksentscheid Fahrrad dem Magazin Klimaretter.info ein Interview, in dem es um die anstehenden Wahlen ging. Dabei stellte er ganz richtig fest, dass die Initiative zum Volksentscheid Fahrrad durchaus einen wichtigen Erfolg verbuchen konnte: Radverkehr ist ein wichtiges Wahlkampfthema geworden.

Und wer hier im Blog regelmäßig mitliest, konnte die Entwicklung auch ganz gut verfolgen. Von Berliner Politikern, die der Meinung waren, der Radverkehr in Berlin wäre bestens aufgestellt, über die gleichen Berliner Politiker, die den Radverkehr durchaus in verbesserungswürdigem Zustand sahen, bis hin zu immer noch den selben Berliner Politikern, die plötzlich ganz dringenden Handlungsbedarf sahen.

Ein durchaus lesenswertes Interview also, denn es beinhaltet ein wenig Kaffeeesatzleserei zur Wahl, schließt aber mit einer Weisheit, über die auch die Damen und Herren Politiker nachdenken sollten:

Die Bevölkerung will andere Dinge als die gewählten Politiker. Insofern ist direkte Demokratie die beste Kontrolle und Methode, um politische Impulse zu setzen. Wir gehen jedenfalls davon aus, dass wir spätestens im September 2017 das Radverkehrs-Gesetz in Kraft gesetzt haben werden.

Radparkplätze für Potsdam

Auch wenn ich in Spandau wohne, das quasi „hier ums Eck“ befindliche Potsdam habe ich immer besonders auf dem Schirm. Klar, ich habe 20 Jahre lang in dieser tollen Stadt gelebt und da lässt man nicht so einfach los. Und da ich auch oft mit dem Fahrrad nach und durch Potsdam komme, kenne ich das nun aufs Tapet gebrachte Problem durchaus: Fehlende Abstellmöglichkeiten für Fahrräder.

Potsdam ist ja nun in der tollen Situation, neben einem Radverkehrskonzept auch einen Fahrradbeauftragten zu haben, der erst vergangene Woche die Fortschreibung eben dieses Konzeptes vorstellte. Die Fortschreibung liegt jetzt übrigens 4 Wochen lang in der Hegelallee zum Einblick aus, kann aber auch heruntergeladen werden. Aber wie dem auch sei, der Potsdamer ADFC hat nun die fehlenden Abstellplätze bemängelt und auf die besonderen Brennpunkte hingewiesen.

In der Folge sollen nun, zumindest an einigen Orten, neue bzw. zusätzliche Lehnbügel aufgestellt werden, um auf diese Weise allzu wildes Parken von Fahrrädern zu verhindern. Aber, und eine Einschränkung sehe ich da, dieses Vorhaben soll, anders als es die Einleitung zum Artikel in der PNN vermuten lässt, nicht Ende dieses Jahres in die Tat umgesetzt, sondern lediglich in der Stadtverordnetenversammlung besprochen werden. Mal schauen, wie schnell dann Taten folgen.

Tweet der Woche: Da ist doch noch Platz

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)