Ra(n)dnotizen #60

Themen: (1) Mangelnder Radfahrtrend in Großstädten (2) The Dutch Reach (3) Konsequente Verbotsmißachtung (4) Mindestens 260 Millionen Euro für Radverkehr (5) Verkehrscheck in 7 Videos (6) Radverkehrszählung in Berlin (7) Tweet der Woche: Kommunikation auf dem Baustellenzaun (8) Allerlei liegengebliebene Links (9) In eigener Sache

Mangelnder Radfahrtrend in Großstädten

Wie unterschiedlich es in Hessen doch ist: In Wiesbaden würde man liebend gern darüber diskutieren, wie man dem zunehmenden Radverkehr und den damit verbundenen Schwierigkeiten Herr werden könnte. Nur anders als in anderen Großstädten scheint der gewöhnliche Wiesbadener dem Fahrrad nicht sonderlich zugeneigt zu sein. Der Radverkehrsanteil in der hessischen Landeshauptstdat liegt wohl bei gerade 6%.

Anders auf der anderen Seite des Rhein, in Mainz. Dort steigt für kurze Besorgungen mittlerweile jeder Fünfte auf das Fahrrad, weshalb es zu Spitzenzeiten auch entsprechend voll wird. Voll und somit auch konfliktträchtig, insbesondere dann, wenn Verkehrsregeln mißachtet werden. Also die üblichen Spannungen, die dann aber in Darmstadt zur Aggression werden.

Bei 15% Radverkehrsanteil, ähnlich wie in Frankfurt, verhalten sich wohl Autofahrer recht aggressiv gegenüber Radlern, während es in Frankfurt dann eher die Radler sind, die sich gegenüber Fußgängern kaum zu benehmen wissen. Ruhig wird es dann wieder in Offnbach, wo man das Wiesbadener Problem teilt, man hat schlicht zu wenig Radler und wünscht sich deutlich mehr.

Ra(n)dnotizen

The Dutch Reach

Schon einmal vom „Dutch Reach“ gehört? Nein? Okay, ich bisher auch nicht. Wenngleich ich das sogar recht oft tue. Dabei handelt es sich um nichts weiter, als das Öffnen der Autotür mit der rechten Hand. Das bringt den Vorteil, das man dabei den Oberkörper nach auen dreht und quasi automatisch den Schulterblick macht. Und damit das so genannte Dooring vermeidet.

Konsequente Verbotsmißachtung

In Durlach gibt es ein Problem. Die Fußgängerzone ist – normal bei Fußgängerzonen – für den Radverkehr gesperrt. Nur hält sich niemand an dieses Verbot, denn es fehlt etwas recht wichtiges, um sich tatsächlich an dieses Verbot halten zu können. Eine Alternativroute. Obendrein fahren dort auch Straßenbahn, Taxis und Lieferverkehr, weshalb wohl jeder nachvollziehen kann, das sich kein Radler an dieses Verbot gehalten hat.

Klingt irgendwie nach Schilda und so hat sich nun auch eine der im Ortschaftsrat vertretenen Fraktionen dazu durchgerungen, hier einfach mal eine Verbotsaufhebung zu beantragen. Das Verbot sollte aufgehoben und Schilder angebracht werden, die den Radverkehr zum langsamen fahren auffordern. Mehr dürfte aber dem Vernehmen nach dank des desolaten Pflasterzustandes ohnehin nicht drin sein. Beantragt hatte übrigens die FDP mit Unterstützung von den Grünen.

Aber jetzt kommt es: Als es zur Abstimmung kam, fand der Vorschlag neben den obligatorischen gegenstimmen von SPD und CDU nicht einmal mehr die Mehrheit der FDP bekommen. Abgelehnt!

Mindestens 260 Millionen Euro für Radverkehr

Die österreichische Radlobby hat anläßlich des Starts der Europäischen Mobilitätswoche die größte Radumfrage Österreichs gemacht. Dabei wurden online 10.000 Radfahrer befragt, welchen Investitionsbetrag sie von der öffentlichen Hand pro Jahr und pro Kopf für den Radverkehr erwarten. Daraus ergab sich ein Investitionsumfang von insgesamt 260 Millionen Euro. Und die wären gut angelegt:

„Das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei Investitionen in den Radverkehr ist enorm positiv: ein Euro in den Radverkehr investiert bringt einen volkswirtschaftlichen Nutzen von über 5 Euro“, hält der Masterplan Radfahren des BMLFUW fest. „Einer Investition von 260 Millionen Euro würde also ein Nutzen von über 1,3 Milliarden Euro pro Jahr gegenüberstehen“, so Radlobby-Sprecher Alec Hager.

Verkehrscheck in 7 Videos

Bei hessenschau.de gibt es einen ganz netten Artikel, der die Situation der Fahrradfahrer in Frankfurt beschreibt. „So blöd fühlt sich Radfahren in Frankfurt an“ lautet der Titel und wenn man sich die Videos dazu anschaut, dann kann man ihn nur allzu gut nachvollziehen. Wobei sich die in den Videos gezeigten Szenen durchaus auch auf jede beliebige andere deutsche Großstadt reflektieren lässt.

Hier ein Beispielvideo, sechs weitere gibt es dann im Artikel. Dort lohnt es sich übrigens auch, wie so oft bei derartigen Themen, die Kommentarspalte ein wenig genauer zu studieren. Aber vorher ruhig etwas Popcorn bereitstellen… 😉

Radverkehrszählung in Berlin

Die Berliner Verkehrsverwaltung hat die Daten der verschiedenen Zählstellen für den Radverkehr veröffentlicht. Dazu gibt es eine nette Karte, auf der man sich die jeweilige Zählstelle auswählen und heruntergebrochen bis auf einen einzelnen Tag – aktuellster Wert ist jeweils der Vortag – anschauen kann. Wer auf solche Zahlenspielchen steht, kann sich da richtig austoben.

Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse aber auch, wieviel verkehr sich in Berlin tatsächlich auf dem Fahrrad abspielt. So rollen bspw. jeden Tag 9800 Radler allein über die Oberbaumbrücke. Erstaunlich, das der Senat angesichts solcher Zahlen nicht schon lange reagiert hat und selbst beim Radentscheid noch immer mauert.

Tweet der Woche: Kommunikation auf dem Baustellenzaun

Diesmal ist es kein Tweet, sondern ein Beitrag bei Google+…

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

In eigener Sache

Twitternutzer werden sie kennen, die netten, aus Twittermeldungen aggregierten „Zeitungen“ von paper.li. Und genau so eine gibt es jetzt auch zum Thema Radverkehr: „Daily Ra(n)dnotizen“ sammelt allerlei Meldungen zum Thema Radverkehr ein und dient auch als (eine) Quelle (von mehreren) für das wöchentliche Original.

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

4 thoughts to “Ra(n)dnotizen #60”

  1. In dem Film aus Frankfurt kann man wunderbar sehen, welche Gefährdung von diesen „Schutzstreifen“ ausgeht. Enges Überholen ist da noch das Harmloseste, da der Streifen ja suggeriert, dass hier kein Sicherheitsabstand eingehalten werden muss. Im Grund müssten solche Streifen verboten werden. Die, die sie angeordnet haben, müssten sie meines Erachtens den ganzen Tag benutzen, dann gäbe es sie nicht mehr. Wahrscheinlich sind die Verkehrsplaner keine Radfahrer. 😉

  2. Hi, Netter Blog! Im Bereich Fahrrad finde ich einige Dinge wieder die mich auch bewegen. Vielleicht können wir uns mal gegenseitig mit den Blog verlinken?

    Ich baue meinen Blog jetzt nach und nach aus und schreibe aus Münster (der noch Fahrradhauptstadt von Deutschland)
    http://fahrradstattauto.de

    Schöne Grüße,
    Jens

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