Ra(n)dnotizen #61

Themen: (1) Freie Fahrt für Radler (2) Der Weg des geringsten Widerstandes (3) Reaktionen auf den Verkehrscheck (4) Unsicher auf dem Schutzstreifen (5) StVO-Novelle bringt Verbesserungen für Radverkehr (6) Initiative zum Volksentscheid macht Druck (7) Tweet der Woche: Vom Bus überholt (8) Allerlei liegengebliebene Links

Freie Fahrt für Radler

So ganz sicher, wie das hier zu bewerten ist, bin ich mir noch nicht. Einerseits finde ich es toll, das hier Radfahrern mehr Raum gegeben wird, andererseits kann auch von behördlichem Einknicken die Rede sein. Aber um was geht es? In Köln wurden nun auf zwei Straßen die Fußgängerzonen für Radfahrer freigegeben.

Soweit ist das noch nichts wirklich sensationelles, jedoch finde ich hier die Begründung recht spannend. Begründet wird nämlich damit, das sich die Radler ja ohnehin nicht an das Verbot gehalten hätten. Das wiederum ist ziemlich panne, denn Regeln lassen sich ja durchaus auch durchsetzen. Deutlich besser scheint mir daher die Erkenntnis, das man ja nun festgestellt habe, das sich Fußgänger und Radler unter bestimmten Voraussetzungen durchaus miteinander vertragen.

Und ein weiterer Punkt kommt hinzu: Die Freigabe erfolgte natürlich nicht durchgehend, denn werktags erfolgt sie lediglich von 20 bis 11 Uhr. Wobei man hier wenigstens auf die Lieferzeiten geachtet hat, denn bspw. hier in Spandau gibt es da ja auch eine nette Posse. Hier darf der Lieferverkehr deutlich länger als die Radler durch die Fußgängerzone. Vermutlich, weil so ein Lieferwagen ungefährlicher ist…

Ra(n)dnotizen

Der Weg des geringsten Widerstandes

Radfahrer und abbiegende LKW, tote Winkel und tote Menschen, ein ewiges Thema. Leider wird ja oft und gern der Weg des geringsten Widerstandes gegangen. Nein, nicht der LKW-Fahrer muss umsichtiger werden, der Radfahrer muss es. Er ist schließlich der Schwächere und so hat er sich doch gefälligst den 1000 PS des Trucks neben ihm unterzuordnen, ehrfürchtig den Koloss ziehen zu lassen, bevor er sich dann gesenkten Hauptes wieder auf sein Velo setzt.

So zumindest klingen viele Forderungen, oft sogar von der Polizei höchstselbst erhoben. Aber das ist hier in Deutschland, in Amerika ist man für gewöhnlich ein Stück weiter und so wundert mich gar nicht, das die American Bike Education Association da auf einer ihrer Webseiten verbreitet: „NEVER pass a truck on the right!“.

Man soll übrigens auch nicht dahinter fahren, denn dann würde man von abbiegendem Gegenverkehr umgemäht, nein, man solle sich generell nur links von LKWs über Kreuzungen bewegen. Da fragt man sich, wer letztlich diese netten Animationen bezahlt hat. 😯

Reaktionen auf dem Verkehrscheck

Letzte Woche habe ich ja auf die 7 Videos der Hessenschau verwiesen, die durchaus eindrucksvoll zeigten, wie Radfahrer ihren Alltag in deutschen Städten erleben. Solche Videos, insbesondere dann, wenn sie eben vornehmlich die Radfahrerperspektive zeigen, bleiben selten ohne Reaktion.

Und so gab es natürlich auch hier jede Menge Reaktionen. In diesem Rahmen hat die Hessenschau nun auch Daniel Sidiani, den hauptberuflichen Referenten für Verkehrspolitik beim Verkehrsclub Deutschland (VCD) Hessen, interviewt. Das Interview ist recht interessant, besonders deswegen, weil Daniel Sidiani hier als Vertreter eines Clubs, der mir persönlich bisher eher autofahrerfreundlich ins Auge fiel, klare Kante für nachhaltigen Verkehr zeigt. Ein durchaus lesenswertes Interview mit einer, wie üblich, popcornfreundlichen Kommentarspalte.

Unsicherheit auf dem Schutzstreifen

Schutzstreifen für Fahrradfahrer sind eine nicht ganz unumstrittene Sache. Der ADFC befürwortet sie durchweg, ja er forderte sie sogar im Rahmen seiner Mitarbeit an der aktuellen Novellierung der StVO, andere hingegen sehen sie eher kritisch. Und das zu Recht, wie ich finde. Schutzstreifen haben nämlich einen ganz entscheidenden Nachteil. Sie markieren Reviere.

So hat dann der Radfahrer seins und der Autofahrer ebenso. Leider nehmen das dann fast alle Autofahrer zum Anlass, sich eben voll und frei in „ihrem Revier“ zu bewegen, soll heißen, sie fahren wenn es eng wird auch mal ganz weit rechts direkt am Schutzstreifen entlang. Das trotz Schutzstreifen 1,50m Abstand zu halten sind, interessiert dann die wenigsten. Und so wundert es nicht, das man aktuell aus Bautzen zu lesen bekomment, das sich die Radler dort auf den Schutzstreifen recht unsicher fühlen.

StVO-Novelle bringt Verbesserungen für Radverkehr

Wie eben schon angesprochen wird derzeit die StVO novelliert (bzw. wurde es gerade). Dabei gibt es diesmal einige Änderungen, die auch Radfahrer betreffen. So wurde unter anderem die lange geforderte Begleiterlaubnis für Kinder auf dem Gehweg aufgenommen, so dass Eltern nun nicht mehr von der Fahrbahn aus ihre Kleinkinder auf dem Gehweg beobachten müssen, sondern mit ihnen gemeinsam dort radeln dürfen.

Sehr begrüßenswert ist die neu geschaffene Möglichkeit, deutlich einfacher und ohne Gefahrenlagenachweis Tempo 30 anzuordnen. Was ein wenig Beigeschmack hat, ist die neu geschaffene Möglichkeit, einfacher Schutzstreifen für Radfahrer einzurichten. Denn diese bringen den eben schon angesprochenen Nachteil mit sich. Hier hätte man eher auf baulich getrennte Radverkehrsanlagen pochen sollen.

Weiterhin neu ist ein Schild „E-Bikes frei“, das an Radwegen montiert werden kann. Allerdings ist das in meinen Augen arg ungünstig gewählt, dürfen doch normale E-Bikes ohnehin schon auf dem Radweg fahren und hier wird suggeriert, das dies nun auch S-Pedelecs dürfen. Und dem ist nicht so. Gemeint sind nämlich eher E-Mofas und E-Scooter. Aber mit neuer Technik tut sich der Gesetzgeber ja immer ein wenig schwer…

Initiative zum Volksentscheid macht Druck

In Berlin sind die Wahlen zum Abgeordnetenhaus gelaufen und die Parteien sind neben dem Lecken ihrer Wunden mit der Suche nach Koalitionen beschäftigt. Nun steht aber, wer die Berliner Politik ein wenig kennt wird das bestätigen, die Gefahr im Raum, das diverse Versprechen ganz schnell vergessen sind. Unter anderem die vielfachen Versprechen, sich nun endlich um den Radverkehr zu kümmern.

Die Initiative Volksentscheid Fahrrad fordert nun entsprechend schnelles Handeln.

Das Radverkehrsgesetz müsse bis März 2017 verabschiedet sein. Andernfalls fielen die Kampagnenzeiten der Radler für einen Volksentscheid und der Parteien für die Bundestagswahl zusammen. Eine vorsätzliche Verschleppung durch den SPD-geführten Senat werde dann offensiv thematisiert.

Und das kann dann durchaus nach hinten losgehen. 🙂

Tweet der Woche: Vom Bus überholt

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)