Ra(n)dnotizen #62

Themen: (1) Dicke Luft in München (2) Problemfall „Berliner Linie“ (3) Leuchtende Radwege (4) Mehr Fahrradparkhäuser für Hamburg (5) Critical Mass Light (6) Podcast mit Heinrich Stößenreuhter (7) Tweet der Woche: Kinder begleiten (8) Allerlei liegengebliebene Links

Dicke Luft in München

Das Radfahrer neben frischer Luft vor allem auch in Sachen Autoabgase einen satten Schluck aus der Pulle kriegen, ist ja kein Geheimnis. Nun haben Forscher der Uni Heidelberg im Auftrag von Greenpeace in zwölf deutschen Städten die Stickoxidkonzentration gemessen und besonders München fiel hier negativ auf.

So liegt München zwar durchaus im unteren Mittelfeld, denn neben hoher NO2-Konzentration an stark befahrenen Straßen gibt es sehr geringe in den Stadtrandgebieten, jedoch liegen die meisten Radwege direkt neben den viel befahrenen Straßen, weshalb hier die Radler ganz besonders betroffen sind. Eine Fahrt mit einem an einem Fahrrad montierten Messgerät ergab dabei eine durchweg zu hohe Konzentration, einmal sogar oberhalb der Gefahrenschwelle. Der Studie zufolge besteht in München damit „eine sehr hohe gesundheitsgefährdende Belastung für Radfahrer“.

Ra(n)dnotizen

Problemfall „Berliner Linie“

Eine ziemlich interessante Sache ist mir in der taz über den Weg gelaufen, die mir so noch gar nicht bekannt war und die, was mich schon ein wenig wundert, so auch heute kaum aufs Tapet gebracht wird. Die so genannte Berliner Linie. Erst neulich berichtete ich ja von der Bilanz, die die Fahrradstaffel der Berliner Polizei nach zwei Jahren ihrer Tätigkeit zog.

Wie erwartet stellte sich dabei heraus, das hier vornehmlich Radfahrer kontrolliert und mit Bußgeldern belegt wurden, eine sehr wichtige Aufgabe der Staffel jedoch, die Ahnung von Radwegparkern und dergleichen doch eher „Randgeschäft“ war. Nun stolperte ich über einen Artikel zur Bilanz nach dem ersten Jahr der Fahrradstaffel. Nicht nur, das man dort ebenso ganz gut erkennen kann, das eben die einfacher zu erreichenden Radfahrer die vornehmlichen Kontrollobjekte sind, auch wird hier der Grund erläutert, aus dem die Radwegparker so oft ungeahndet bleiben:

Der Piraten-Anfrage ist es auch zu verdanken, dass eine in der Öffentlichkeit wenig bekannte Dienstanweisung der Polizei wieder in den Fokus gerät: die „Berliner Linie“ beim Umgang mit Falschparkern. Laut Innenstaatssekretär Bernd Krömer handelt es sich um „Abwägungskriterien als Grundlage eines einheitlichen polizeilichen Einschreitens“, die man 1978 als Reaktion auf einen BGH-Beschluss erarbeitet habe.
Gemäß dieser „Linie“ lässt man Lieferfahrzeuge in zweiter Reihe parken, wenn das „Interesse des Parkenden an der durchzuführenden Lieferung objektiv gegenüber dem Interesse des Fließverkehrs überwiegt“, aber auch weitere Kriterien erfüllt sind, etwa dass links neben einem haltenden Lkw noch eine Fahrspur frei bleibt.

Und ganz richtig stellt die taz dann abschließend fest, das es seit 1978 wohl niemand für nötig gehalten hat, diese Anweisung nach nunmehr 38 an aktuelle Realitäten, zum Beispiel das Vorhandensein von Radstreifen, anzupassen. Da wundert man sich dann tatsächlich über gar nichts mehr…

Leuchtende Radwege

Nachts auf Überlandstrecken ist der Autofahrer zumeist ganz klar im Vorteil: Er hat leuchtstarke Scheinwerfer, die ihm den Weg hinreichend ausleuchten. Beim Radler ist es oft anders, denn die wirklich guten Lampen haben nur sehr selten eine Straßenzulassung. In Polen hat man sich dieses Problems nun angenommen und einen selbstleuchtenden Radweg entwickelt.

Dabei wird fluoreszierender Splitt in die Oberfläche eines Radwegs integriert. Dieser „lädt“ sich dann tagsüber bei Sonnenlicht – 30 bis 60 Minuten sollen völlig ausreichen – auf und leuchtet in der Nacht. In der Kreisstadt Lidzbark Warminski wurde nun eine Teststrecke für diese „Beleuchtungslösung“ installiert. Auch in Deutschland wurde der selbstleuchtende Radweg schon präsentiert und zumindest aus Bremen kam Interesse.

Mehr Fahrradparkhäuser für Hamburg

Die Hamburger Radverkehrskoordinatorin Kirsten Pfaue hat dem NDR ein Interview gegeben, in dem sie unter anderem mehr Fahrradparkhäuser für die Hansestadt ankündigt. Wenn ich das richtig verstehe, soll das Bergedorfer Fahrradparkhaus mit angeschlossener Werkstatt und Verleihstation dabei als Vorbild dienen. Zuerst soll der Hauptbahnhof ein solches Parkhaus bekommen, weitere U- und S-Bahnstationen sollen folgen.

Nun denn, wenn das tatsächlich zügig umgesetzt wird, dann wäre das schon ein ordentlicher Schritt, denn in Hamburg gilt ähnlich wie in Berlin, das man den Anschluss deutlich verloren und in den letzten Jahren eindeutig zu wenig für den Fahrradverkehr getan hat. Neben den Fahrradparkhäusern sollen in Hamburg übrigens auch drei Fahrradstraßen eingerichtet werden. Dazu zeigt der NDR ein kurzes Video, in dem man auch die Strecken sieht.

Critical Mass Light

Nein, hier geht es keinesfalls um eine verkleinerte Ausgabe einer Critical Mass, hier geht es um Licht. Kai-Andre Mach aus Bochum hat sich ein wunderfeines Rücklicht – das Critical Mass Light – für sein Bike gebaut, das bei der Critical Mass in Bochum so gut ankam bzw. so viele Rückfragen erzeugte, das er nun überlegt, das Ding in Serie aufzulegen.

Das Rücklicht zeigt ein Fahrrad mit der CM-typischen geballten Faust und wird, sofern sich mindesten 100 Leute dafür finden, wohl so um die 25 Euro kosten. Wenig Geld, wenn man dazu den Effekt bedenkt, den so ein Licht bei einer Critical Mass erzeugen kann. Wer Interesse hat, kann sich in den E-Mail-Verteiler eintragen. Ebenso kann man sich über die Webseite zu diversen Fragen äußern (aktuell Farbe und Stromversorgung).

Podcast mit Heinrich Stößenreuther

Heinrich Stößenreuther, Initiator des Volksentscheid Fahrrad, wurde vom Podcast QDeWe (Kunst der Weltverbesserung) interviewt. Dabei sitzt er ganz untypisch mit in einem Auto und spricht über den Volksentscheid und über viele Dinge/Erlebnisse rund um das Fahrrad im Allgemeinen und den Fahrradverkehr in Berlin im Speziellen.

Tweet der Woche: Kinder begleiten

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

2 thoughts to “Ra(n)dnotizen #62”

  1. Sehr interessant. Ja, über die Berliner Linie verzweifel ich hier auch täglich. Die Umsetzung von Fahrradstreifen ist oft so schlecht durchdacht, dass s hon bei der Eröffnung eines neuen Streifen Probleme absehbar sind. Ich habe noch keinen Radstreifen gesehen,bei dem im PKW Bereich rechts an Lieferzonen gedacht worden. Dafür müssten ja ein paar Parkplätze herhalten und soweit wollen in Berlin die Verkehrsplaner nicht gehen. Der frische Radstreifen auf der Manteuffelstrasse ist oft so zugeparkt, dass ich da Slalomfahren üben kann.

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