Ra(n)dnotizen #63

Themen: (1) Sicheres Kreuzungsdesign (2) Cargo-Bikes auf engen Radwegen (3) Elektrisches Faltrad (4) Das übliche Personalproblem (5) Schikanierte Autofahrer (6) Hinter der Planke (7) Tweet der Woche: Wer den Radverkehr fördert (8) Allerlei liegengebliebene Links

Sicheres Kreuzungsdesign

Bei hannovercyclechic wurde demletzt ein Leserbrief als eigener Gastbeitrag veröffentlicht, weil er inhaltlich quasi den Befehl dazu gegeben hat. Und da ich ihn ebenfalls höchst lesenswert finde, darf er hier ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Im ursprünglichen Artikel – der ebenfalls sehr lesenswert ist – ging es um den Schutz der Fahrradfahrer vor Rechtsabbiegern, also ein immer wieder aktuelles Thema.

Der Leserbrief dazu, der nun als Gastbeitrag veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass die Lösungen aus Massachusetts durchaus auch in Europa Verwendung finden, nämlich in Norwegen. Dort ist man in Oslo damit beschäftigt, die Stadt bis zum Jahr 2019 autofrei zu bekommen und das ist in diesem Fall deutlich mehr als nur ein Lippenbekenntnis. Interessant ist jedoch der Verweis auf die Herkunft der Grundidee:

Überraschend und erfreulich wie sich diese beiden Standards aus den USA und Norwegen gleichen. Denn sie beruhen beide auf dem Radwegedesign, das in den Niederlanden seit Jahrzehnten erfolgreich umgesetzt wird. Im Radverkehr kommt also alles immer zurück auf die Niederlande.

Das der Beitrag im Schluss noch dazu kommt, das in Deutschland in genau die andere Richtung experimentiert wird, ist dann nur noch zu erwartende Konsequenz. Insgesamt ist dieser Gastbeitrag also tatsächlich sehr lesenswert. Also: Lesebefehl! 😉

Ra(n)dnotizen

Cargo-Bikes auf engen Radwegen

Da kommt sicherlich noch einiges Konfliktpotenzial auf uns zu: Die stetig steigende Anzahl Lastenfahrräder auf den Straßen. Gerade in Berlin sieht man sie immer häufiger und das ist durchaus zu begrüßen. Immerhin werden dadurch jede Menge Autofahrten in der Stadt eingespart und damit gezeigt, das es eben auch umweltfreundlich, sauber und leise geht. Bei Cargobike.jetzt stieß ich nun auf einen Artikel, der auf ein tatsächlich vorhandenes Problem hinweist, das einmal mehr verdeutlicht, das Radfahrern schnell mehr Platz eingeräumt werden muss.

So geht es in besagtem Artikel darum, das eine Dame aus Ostfriesland einen Leserbrief an die fairkehr geschrieben hat, in dem sie sich darüber beschwerte, das auf den engen Radwegen in ihrer Heimat zunehmend Pedelecs, „gerne mal in Kegelclubstärke“, aber auch Lastenräder unterwegs sind und ihr dabei mehr und mehr ein Gefühl der Unsicherheit geben. Der Artikel antwortet nun darauf aus Sicht eines Cargobikers, ganz entspannt und die Situation gut analysierend.

Elektrisches Faltrad

Aus Kopenhagen kommt eine ziemlich geniale Entwicklung, das Mate eBike. Dabei handelt es sich um ein kleines Faltrad, das elektrisch angetrieben wird. Das Ding ist voll gefedert, hat Scheibenbremsen und einen bequemen Sattel. Somit ist es das perfekte Bike für die Stadt, aber auch für den Urlaub. Denn entweder man nimmt es zusammengefaltet mit ins Büro, oder es kommt für den Urlaub mit in den Kofferraum, denn es lässt sich auf kompakte 90 x 68 x 40 Zentimeter bringen.

Wie üblich bei solchen Innovationen ist auch hier Crowdfunding im Spiel. Über ein Indigogo-Projekt wird Geld gesammelt, das es Early-Adoptern ermöglicht, das Ding recht preisgünstig abzustauben. Die 250W-Version kommt dabei dann mit 700 bzw. 800 statt später 2000 bzw. 2200 Dollar herum, die 350W-Version für 850 statt später 2250 Dollar.

Das übliche Personalproblem

Sachsen stellt sich, so wurde jetzt zugegeben, in eine Reihe mit bspw. Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg. Man würde ja gern – so zumindest erklärter Wille – die Radinfrastruktur ausbauen, es fehlt jedoch ganz deutlich das Personal. Bei Bundesverkehrsportal.de liest man dazu:

„Das ist viel zu wenig!“, kritisiert Katja Meier, verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag. „Gerade einmal 0,6 Vollzeitäquivalente (ca. 24 Wochenstunden) sind im SMWA für den Aufgabenbereich ‚Grundsatzfragen Nichtmotorisierter Verkehr/Radverkehrsanlagen‘ vorgesehen – verteilt auf zwei Angestellte. Hinzu kommen noch drei Gebietsreferenten im Bereich Straßenplanung und -bau, die mit jeweils unfassbaren 0,05 Vollzeitäquivalenten (ca. 2 Wochenstunden) mit Radverkehr befasst sind.“

Dies ergab die Antwort von Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig auf eine Anfrage der Grünen. Daraus resultiert dann das übliche Problem. Man hat zwar Gelder am Start, auch wenn diese ganz sicher deutlich zu wenig sind, aber nicht einmal das Wenige das man hat, wird auch tatsächlich auf die Straßen resp. Radwege gebracht. Gerade mal 25% der vorhandenen Gelder werden in Sachsen tatsächlich abgerufen. Traurig, das…

Schikanierte Autofahrer

Nun denn, in München geht es wohl ebenso zur Sache, wie in Berlin. Denn immer dann, wenn in Berlin ein paar Straßen für Radsport- oder ähnliche Fahrradveranstaltungen gesperrt werden, kann man das Gejammer der Autofahrer meilenweit hören. Besonders Popcornverdächtig sind dann immer die Kommentarspalten der einschlägigen Tageszeitungen, die über diese Sperrungen berichten.

München schafft es jedoch, da noch einen draufzusetzen. Sogar Politiker beschweren sich lautstark und mit wirklich kindischen Argumenten über solche Sperrungen. Von „Schikane für Spaßveranstaltungen“ ist da die Rede, von einer zunehmenden „Eventisierung“ der Stadt. Man hätte von Autofahrern gehört, die sonntags über eine Stunde im Stau standen, was ja wohl unzumutbar wäre.

Bleibt zu fragen: Warum muss man am Sonntag mit dem Auto fahren? Und vor allem, wo ist denn da nun der Unterschied zu einem Dienstag oder Freitag? Da stehen die Autofahrer doch ebenso im Stau, oft sogar noch länger. Sorry, aber wenn ich derartige Beschwerden höre oder lese, dann kann ich gar nicht soviel fressen, wie ich … na ihr wisst schon. 🙁

Hinter der Planke

Tja, das ist wohl ganz besonders weitsichtige Planung. Da wurde eben schon an den Radweg gedacht, der evtl. mal gebaut wird. Wenn er denn geplant wird. Und die Grundstücke dafür aufgekauft wurden. Und man weiß, wer das bezahlen wird. Und so. 😉

Tweet der Woche: Wer den Radverkehr fördert

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

5 thoughts to “Ra(n)dnotizen #63”

  1. Dann würden die Leute darüber aufregen, dass es da 100 Meter Radweg gibt und hinter aufregen, dass der Radweg umgebaut wird, wenn der Rest fertig ist …

  2. Hauptsache, die Leute haben etwas, über das sie sich aufregen können. Ich glaube kaum, dass das Stück Radweg 400.000 Euro gekostet hat, das sind wohl eher die Kosten für die komplette Brückensanierung.

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