Ra(n)dnotizen #64

Themen: (1) Mehr als 60% Radverkehrsanteil (2) Was ist denn eine Fahrradstraße? (3) Voll auf die Nase (4) Rennradfieber (5) Urteile zum Fahrrad- und Fußgängerverkehr (6) Mehr Fahrradstraßen gefordert (7) Berliner Totenkopf-Atlanten (8) Fahrradkennzeichen (9) Fehlende Fahrradbeleuchtung (10) Ein ganz normaler Donnerstagmorgen (11) Tweet der Woche: Rote Ampeln (12) Allerlei liegengebliebene Links (13) In eigener Sache

Mehr als 60% Radverkehrsanteil

Bei uns stehen diese Dinge noch an und man muss schon sehr weltfremd sein, um nicht zu erkennen dass es auch ganz dringend Zeit dafür wird. Die Rede ist von der „Verkehrswende“, von der Abkehr vom klassischen Automobilverkehr, hin zu umweltfreundlichen Verkehrsmitteln wie bspw. dem Fahrrad. In Holland hatte man dies bereits in den 70er Jahren, also vor fast einem halben Jahrhundert, weshalb man dort bereits heute einen sehr hohen Fahrradanteil am Gesamtverkehr hat und inzwischen sogar mehr als 60% Fahrradanteil anpeilt.

Richtig, mehr als 60%, also etwas, das in Deutschland wohl noch lange nicht möglich sein wird. Und das liegt letztlich nicht nur an der generell sehr autofreundlichen Politik, das liegt, wie man auch im holländischen Groningen weiß, zumeist daran, dass der deutsche Autofahrer der Verkehrsregeln nicht mächtig ist. Aber klar, Verkehrszeichen 260 beinhaltet ja auch einfach zuviele Informationen, die kann man gar nicht alle aufnehmen und umsetzen. Schon klar. 😉

Ra(n)dnotizen

Was ist denn eine Fahrradstraße?

Aber nicht nur im holländischen Groningen haben deutsche Autofahrer so ihre lieben Probleme mit den Verkehrsregeln, auch im heimischen Berlin tun sie sich ziemlich schwer damit. So beklagen sich derzeit vermehrt die Anwohner des Bayerischen Viertel in Berlin darüber, dass es in einer Fahrradstraße während des täglichen Berufsverkehrs quasi zu stauähnlichen Zuständen kommt.

Das ging nun soweit, das sich Lokalpolitiker aufmachten und erklärende Flugblätter an Autofahrer verteilten, denen entweder der Begriff Fahrradstraße unbekannt war, oder die einfach nur – wie leider so oft – den Begriff „Anlieger“ sehr großzügig auslegten und „ihrem Anliegen eines schnellen Vorankommens folgend“ einfach durch die Fahrradstraße bretterten.

Voll auf die Nase

Schlösser und andere Sicherungssysteme für Fahrräder waren hier ja durchaus schon öfter mal Thema. Zumeist handelte es sich dabei um Crowdfundingprojekte denen man mehr oder weniger Erfolg nachsagen konnte. Aber die wirklich einzigartige Lösung war noch nie dabei. Und genau das wird Skunklock wohl auch nicht sein, aber dafür ist es allemal ein ziemlich witziges Ding, denn es greift den Bösewicht direkt an. Mit reichlich üblen Gerüchen…

Rennradfieber

Gleich noch ein Crowdfundingprojekt, und zwar eines das es gerade eben zur Fertigstellung gebracht hat. Filmemacher Oliver Kratz hatte Anfang des Jahres über Startnext gesammelt und mit etwas über 22.000€ das Fundingziel von 35.000€ nicht wirklich erreicht. Dennoch wurde der Film, der das Rennradeln aus Sicht von 5 „Betroffenen“ erzählt, fertig. Aktuell befindet er sich in Auslieferung. Schade eigentlich, das ich erst jetzt davon erfahren habe. Hier wäre ich gern bei den Fundern dabei gewesen.

Urteile zum Fahrrad- und Fußgängerverkehr

Zu fast keinem Thema gibt es in Deutschland mehr Mythen, als zum Thema Verkehr bzw. Verkehrsregeln. Wie oben ja schon angesprochen, werden diese gern sehr großzügig ausgelegt. Schlimm ist ebenfalls, das viele Regeln komplett unbekannt sind, oder zumindest den Anschein machen. Darunter fallen bspw. die Regelungen zur Radwegebenutzungspflicht und zum Überholen von Fahrradfahrern.

Denn mal ehrlich, man braucht doch nur mal 20 Minuten lang durch eine Stadt wie Berlin radeln und kann in dieser Zeit mehrere Dutzend Verstöße gegen Überholabstände zählen und wird derweil locker 5 mal blöd angemacht, weil man doch besser auf einem imaginären Radweg unterwegs sein sollte. In oft darauf folgenden Diskussionen hört man dann gern, das einige Dinge ja nicht wirklich definitiv geregelt sind.

Bspw. der Überholabstand soll ja laut StVO nur „ausreichend“ sein. Die (oft unbekannten) 1,50m Abstand hingegen sind vor Gericht festgelegt worden. Und da man die passenden Urteile oft nicht schnell genug aus dem Hut gezogen bekommt, sei eine entsprechende Sammlung empfohlen. Darin finden sich allerlei interessante Urteile rund um das Thema Fahrrad- und Fußgängerverkehr.

Mehr Fahrradstraßen gefordert

Während der Senat in der Hauptstadt den Volksentscheid Fahrrad sabotiert wo er nur kann, denken die Berliner Bezirke so langsam um und merken, das es doch im Interesse der Bewohner wäre, das Ruder in SAchen Verkehr ein wenig herum zu reißen. So wurde jetzt in Pankow das Bezirksamt durch die Bezirksverordnetenversammlung aufgefordert, die Einrichtung weiterer Fahrradstraßen zu prüfen.

Schon jetzt gebe es genug Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern. Deshalb müssten im Interesse der Sicherheit Radverkehrsanlagen in der benötigten Kapazität und Qualität zur Verfügung gestellt werden. „Dabei bieten besonders Fahrradstraßen größere Sicherheit für Radfahrerinnen und Radfahrer“, so Daniela Billig. Überprüft werden sollen elf Straßen. Sollten diese Straßen tatsächlich zu Fahrradstraßen werden, würde Pankow eine Vorreiterrolle übernehmen. In der ganzen Stadt gibt es bislang nämlich erst 17 Fahrradstraßen. Da sind andere Städte schon weiter.

Das muss man sich übrigens mal auf der Zunge zergehen lassen: 17 Fahrradstraßen! Und wir reden hier von Berlin. Einer Stadt mit über 5.300 Straßenkilometern. 😯

Berliner Totenkopf-Atlanten

Die Berliner Zeitung hat demletzt ein nettes Stück Berliner Fahrradgeschichte ausgegraben. Die so genannten Totenkopf-Atlanten. Mir als erst zur Jahrtausendwende zugezogenem Fastberliner (wirklich nur fast, denn Spandau ist nicht Berlin[sic!]) waren diese Karten bisher absolut unbekannt. Sie entstanden ungefähr um 1980 und sollten Straßen und Kreuzungen markieren, an denen man als Radfahrer besonders gefährlich lebte.

Und dabei sind diese Pläne bei weiten nicht der Anfang, ein Stadtplan für Radler datiert auf 1897 und schon da waren die Straßen gekennzeichnet, auf denen man mit dem Fahrrad besonders gut oder schlecht voran kam. So richtig ins Rollen kam die „Radfahrerbewegung“ dann aber tatsächlich erst mit den Totenkopf-Atlanten und Fahrraddemos, die mit gerade mal 7 Teilnehmern durchaus den Autoverkehr zu irritieren wussten. Kurzum, ein wirklich lesenswerter Artikel zur Geschichte der Berliner Fahrradbewegung.

Fahrradkennzeichen

Man hört es ja immer wieder von den Autofahrern, insbesondere in Diskussionen die sich in Foren, bei Facebook oder in den Kommentarspalten der Tageszeitungen entwickeln: Fahrräder brauchen Kennzeichen, damit man die „wildgewordenen Radelrambos“ identifizieren und dingfest machen kann. Nüchtern betrachtet ist es natürlich Blödsinn und müsste bei konsequenter Anwendung auch Kennzeichen für Fußgänger nach sich ziehen.

In Wien ist allerdings mal wieder die Politik dran und fordert Nummerntafeln für Radler. Glücklicherweise wird das bisher mehrheitlich allein wegen des zu erwartenden Verwaltungsaufwandes abgelehnt. Die ÖVP-Bezirksvorsteherin der Wiener Innenstadt, Ursula Stenzel besteht aber dennoch darauf:

Der Verwaltungsaufwand sei „kein gutes Argument, weil dann dürfte ich nirgends Tafeln haben“, verwies die City-Chefin auf die Nummernpflicht bei Mopeds oder Autos. Es könne doch kein Aufwand sein, wenn beim Radkauf das Taferl einfach dazukomme. Das sei eine Versicherungsfrage. „Das Problem bei den Radfahrern – nicht bei allen, aber bei dieser Militanzgruppe – ist, dass sie die Straßenverkehrsordnung boykottieren“, ärgerte sich Stenzel über Biker, die in Fußgängerzonen, auf Gehsteigen und gegen die Einbahn unterwegs sind. Diese könnten dank Nummerntafel dann dingfest gemacht werden.

Möge sich nun jeder seinen Teil zu dieser Aussage denken…

Fehlende Fahrradbeleuchtung

Jedes Jahr aufs neue ist es im Herbst ein Thema: Fahrradbeleuchtung. Zumeist, weil viele Radler tatsächlich auch in der dunklen jahreszeit ohne brauchbares Licht unterwegs sind. Ich selbst sehe es fast täglich auf dem Arbeitsweg, das Radler unvorsichtigerweise ohne Licht unterwegs sind. Und die sind dann gern auch noch komplett dunkel gekleidet.

Nun, jeder stirbt wie er es will, dennoch sollte man aber auch immer daran denken, das derjenige, der einen dann totfährt, damit weiterleben muss. Unfein, das. Was mich in diesem Zusammenhang dann aber doch ein wenig wunderte, war die von der Deutschen Verkehrswacht genannte Zahl. Ganze 40% aller Radler sollen ohne oder nur mit unzureichendem Licht unterwegs sein. 😯

Ein ganz normaler Donnerstagmorgen

Der Titel passt, was wohl jeder, der regelmäßig in der Stadt mit dem Fahrrad fährt, bestätigen kann. Und so zeigt dieses Video einmal mehr, weshalb es dringend notwenig ist, die innerstädtische Infrastruktur zu ändern, fahrradfreundlicher zu machen. Und das gilt wohl für so ziemlich jede deutsche Stadt.

Tweet der Woche: Rote Ampeln

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

In eigener Sache

Es steht ein kurzer Urlaub an, weshalb es mit den Radnotizen erst am 21.11.2016 weitergeht. Die nächsten beiden Wochen wird hier also nichts neues erscheinen.

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

3 thoughts to “Ra(n)dnotizen #64”

  1. als TAZ leser und Zahler bin ich bestends über die <SCönwetter menschen, scheint die <sonne nix wie aufs Radl jeder <autofarer wird angepöppelt <verkehrsregeln unbekannt, Oma spring oder ich fahr dich übern Wetter ist wie jetzt im erbst kommt der DRahltesel in den Keller und man steigt ins Auto, Bahn frei dabei braucht man in Berlin kein Auto bei dem PNV, aber laufen ist ebn passe und die Holländer benutzen gerne die deutscen Strassen . besonders die LKW, n Holland fahren sie nicht alles auf die deutschen BAB ach gott immer diese GUtmenscen man kann nicht genug klagen, aber so ist es auptsache man at jemanden den man kritisieren kann, und at der Autor ein Auto

Kommentare sind geschlossen.