Ra(n)dnotizen #65

Themen: (1) Verkehrswende in Berlin? (2) Die Fahrradwelt in Zahlen (3) Abstand halten (4) Abgewälzte Verantwortung (5) Der Forsa-Chef und der Fahrradwahn (6) Radfahren in New York (7) Tweet der Woche: Schild vorm Kopf (8) Allerlei liegengebliebene Links

Verkehrswende in Berlin?

Es hat sich ja in den letzten Wochen verdammt viel getan, insbesondere in Berlin. Denn hier hat sich der künftige rot-rot-grüne Senat in den Koalitionsverhandlungen doch recht offen und vor allem positiv über den Radverkehr geäußert. Es gibt zusagen, das Radgesetz in weiten Teilen in ein neues Mobilitätsgesetz gießen und umsetzen zu wollen. Sehr positiv das.

Das alles wird positiv begleitet von einer Höhertaktung der Bahnen auf dem Ring und einem Ausbau des Straßenbahnnetzes. Beides sind wichtige Dinge, denn ohne einen Ausbau des ÖPNV wird man auch den Radverkehr nicht in dem Maße erhöhen können, wie man es erwartet. Ebenfalls sehr schön ist übrigens, das auch die Ausbaupläne der Autobahn vom Tisch sind. Aber auch ein Wermutströpfchen ist dabei. Die Parkraumbewirtschaftung, die innerhalb des S-Bahnringes flächendeckend angedacht war, wird wohl wegfallen. Schade eigentlich…

Ra(n)dnotizen

Die Fahrradwelt in Zahlen

Zahlen, Zahlen, Zahlen. Gerade in Diskussionen rund um Veränderungen und Neuerungen bestehender Strukturen werden gern Zahlen und Statistiken zu Rate gezogen. Jeder fälscht sie so, wie sie ihm dann am besten in die Argumentation passen und so kann jedermann jederzeit damit dienen. Aber zumeist handelt es sich dabei eben nur um gefühlte Zahlen.

Bei Ilovecycling.de stolperte ich demletzt auch über Zahlen. So richtig imposant ist dabei die erste Zahl: 24.800.000.000. Dabei handelt es sich um die (dereinst) für 2015 erwartete Anzahl an Personenfahrradkilometern in Deutschland. Diese und weitere Zahlen, allesamt mit Quellen belegt, kann sich der geneigte Leser dann direkt vor Ort abholen.

Abstand halten

Mit dem Abstand ist es ja so eine Sache, insbesondere Autofahrer haben damit ihre Probleme. Wobei lustigerweise auch hier gilt: Umso größer das Auto, umso kleiner der Pimmel und trotzdem ist er angeblich 20cm lang. Und bei dergestalt schlechtem Einschätzen von Maßen wundert es auch nicht, das dann 15cm auch gern mal als 1,50m durchgehen.

Leider wird aber auch viel zu wenig Aufklärung betrieben, so dass viele Autofahrer gar nicht wissen, das sie auch 1,50m Abstand beim Überholen halten müssen. Dabei ist die Faustregel „kompletter Spurwechsel und der Abstand passt“ doch eigentlich ganz einfach. Noch mehr Unwissen gibt es in einem anderen Fall, nämlich den Schutzstreifen.

Deren Kritiker, zu denen auch ich gehöre, führen hier gern ins Feld, das Autofahrer bei Schutzstreifen besonders oft zu knapp überholen. Immerhin meinen sie ja, ihnen stünde der komplette Verkehrsraum neben dem Schutzstreifen zur Verfügung und die gestrichelte Linie schützt den Radler ausreichend vor der Sogwirkung die ihr Kfz erzeugt. Da fand ich es natürlich sehr erfreulich, das bei Zeit.de tatsächlich auch mal auf diese Problematik hingewiesen wurde. Schade nur, das die größten Deppen wohl eher die BILD lesen… 🙄

Abgewälzte Verantwortung

Derzeit sind immer wieder Unfälle in den Schlagzeilen, bei denen Radfahrer von abbiegenden LKW getötet werden. Und wie üblich finden sich dann in den Kommentarspalten der Zeitungen und auch bei Facebook die obligatorischen pawlowschen Reaktionen: Der Radler ist selbst schuld, was erzwingt er sich auch die Vorfahrt, der Radler ist selbst schuld, wenn man der Schwächere ist muss man warten, bla bla bla, das typische Victim Blaming eben.

Nun ist es ja schön, das sich allenorten trotzdem auch noch Gedanken dazu gemacht werden, wie man dieses Problem eindämmen kann. Mehr Sichtfenster in den Türen, mehr Spiegel, Außenkameras, ect. Auch die Stadt Hamm hat sich Gedanken gemacht, zeigt aber leider, das gut gemeint nicht immer gut gemacht ist.

Einigen Müllfahrzeugen wurden nun Lautsprecher verpasst, die beim Abbiegen – mit der netten Stimme von Bruce Willis bzw. dessen deutschem Synchronsprecher – darauf hinweisen, das man doch Abstand halten soll. Ja bitte gehts noch? Da wird die verantwortung mal eben direkt auf den Radler abgewälzt. In der Folge gewöhnt sich der LKW-Kutscher dann auch noch daran und sobald er mal keinen Lautsprecher am LKW hat, holzt er den nächsten Radler um? Man kann nur hoffen, das dies keine Schule macht…

Der Forsa-Chef und der Fahrradwahn

Es wirkte schon recht befremdlich auf mich, als ich über einen Artikel stolperte, in dem sich der Forsa-Chef Prof. Manfred Güllner über einen angeblich aufkommenden Fahrradwahn in Deutschland echauffierte und Kommunalpolitikern riet, hier ganz standhaft zu bleiben. Er fabulierte von gefühlten Wahrheiten und verdrängte Zahlen und Fakten in einem Maße, wie man es gerade vom Forsa-Chef nun ganz und gar nicht erwartet hätte.

Und ehe ich das verdaut und ein wenig genauer reflektiert hatte, kam auch schon eine ganz feine Antwort zu diesen Auslassungen, die man so direkt stehen lassen kann, spricht sie sich doch für sich und vor allem die klaren Fakten. Matthias Gastel, MdB, zeigt in seinem Blog genau auf, was tatsächlich Sache ist und rät dabei auch gleich:

Kommunalpolitiker sollten sich nicht von den Wahnvorstellungen eines umstrittenen Institutsleiters verleiten lassen.

So isses!

Radfahren in New York

Oben schrieb ich ja schon zu Berlin und das der neue Senat deutliche Verbesserungen für den Fahrradverkehr plant. Unter anderem gehört dazu auch, die Straße Unter den Linden autofrei zu bekommen (inkl. dem üblichen Dummlall in den Kommentarspalten). Ähnliches wurde auch in New York getan, hier hat man mal eben den Times Square zur Fußgängerzone umgebaut. Selbstredend mit den gleichen Widerständen wie in Berlin.

Aber wenn Politiker Mut beweisen und einfach mal machen, dann sehen oft auch die ärgsten Kritiker, das eine vermeintlich dumme Idee gar nicht so sehr dumm war. Insgesamt hat man in New York zwar nun noch immer kein durchgängiges Radwegenetz, jedoch wurden einige Plätze und Straßen umgestaltet und der gute Wille führte dazu, das die Zahl der Radfahrer in New York zwischen 2010 und 2014 um ganze 83% gestiegen ist.

Das folgende Video zeigt, wie sich einige dieser Straßen und Plätze in New York im Laufe der Jahre verändert haben. Hin zu einer lebenswerten und fahrradfreundlichen Stadt. Da sollte der künftige Berliner Senat immer mal wieder reinschauen, damit er nicht vergisst, das es tatsächlich funktioniert.

Tweet der Woche: Schild vorm Kopf

Heute ist es zu Abwechslung mal wieder kein Tweet, aber Google+ ist ja auch verdammt nah dran. 😉

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)