Ra(n)dnotizen #67

Themen: (1) Radverkehr auf gutem Weg (2) Schwimmender, überdachter Ragweg (3) Niederländisches Kreuzungsdesign (4) Haltebereiche für Fahrradfahrer (5) Anarchie im Straßenverkehr (6) Bundesweites Radgesetz (7) Tweet der Woche: Schutzstreifen (8) Allerlei liegengebliebene Links

Radverkehr auf gutem Weg

Das Baden-Württembergische Verkehrsministerium hat eine Wirkungsstudie in Auftrag gegeben, die sich mit der Entwicklung des Radverkehrs im Land befasst. Laut dieser Studie hat der Radverkehr in den letzten 5 Jahren um 35% zugenommen, was als durchaus positives Zeichen gewertet wird.

Damit habe sich der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr von 8 auf 16% verdoppelt. Neben dieser Zunahme, die schon für sich eine sehr gute Nachricht ist, gibt es aber auch noch eine weitere gute Nachricht. Bei den Unfallzahlen konnte ein leichter Rückgang verzeichnet werden. Gut so!

Ra(n)dnotizen

Schwimmender, überdachter Radweg

In Chicago hat man große Pläne. Als Rahm Emanuel im Jahr 2011 zur Bürgermeisterwahl angetreten ist, tat er dies mit dem ziel, Chicago zur fahrradfreundlichsten Stadt der USA zu machen. Dies ist ihm inzwischen gelungen, denn das Fahrradmagazin „Bicycling“ wählte Chicago im September zu eben dieser Stadt, der fahrradfreundlichsten der USA.

Grund dafür sind unter anderem 150 Kilometer neuer Radwege und ein riesiges Fahrradleihsystem, mit dem man fast überall in der Stadt ein Fahrrad leihen kann. Aber darauf will man sich nicht ausruhen und nimmt die nächste große Sache in Angriff. Ein 10 Kilometer langer Radweg ist geplant. Aber nicht irgendeiner, es soll ein schwimmender Radweg mit Überdachung sein, der direkt auf dem Chicago River liegen, ähh, schwimmen soll.

Das Ding wird dann regen- und schneefrei sein und durch Solarstrom eine beheizte Fahrbahn haben. Kostenpunkt? Stolze 84 Millionen Dollar, die teils aus privaten und teils aus öffentlichen Geldern kommen. Aber hey, die sind auf jeden Fall gut angelegt.

Niederländisches Kreuzungsdesign

Es ist schon erstaunlich, wie oft man vom niederländischen Kreuzungsdesign hört. So erstaunlich, das man sich immer wieder fragt, aus welchem Grund sich deutsche Verkehrsplaner so sehr dagegen sträuben, solch einfache und dennoch effiziente Maßnahmen auch hierzulande umzusetzen.

Und so stolperte ich demletzt bei Youtube über dieses Filmchen hier, das, auf angelsächsisch, ganz gut eine sehr einfache Möglichkeit erläutert, eine Kreuzung für Radler und Fußgänger sicherer zu machen. Und das mit dem vorhandenen Raum.

Haltebereiche für Fahrradfahrer

Und dann gleich noch ein Thema, das Kreuzungen betrifft und auch hier spielen die Niederlande eine Rolle. Dort ist es nämlich, ebenso wie in Belgien, England und den USA, so, dass Radler an roten Ampeln direkt an allen Autofahrern orbeiradeln dürfen, um dann auf einer Haltezone direkt vor dem motorisierten Verkehr auf grünes Licht zu warten.

Auch in Stuttgart gibt es wohl solche Haltezonen, was dazu führte, dass eine Zeit-Leserin ganz interessiert fragte, ob damit die Sicherheit für Radler erhöht wird und wann sie tatsächlich sinnvoll sind. Und so findet man nun bei zeit.de einen ganz interessanten Artikel zu eben diesem Thema.

Anarchie im Straßenverkehr

Bei Weddingweiser.de findet man einen sehr interessanten Artikel, der sich mit der im Berliner Stadtteil Wedding befindlichen Badstraße befasst. In diesem Artikel wird die Verkehrssituation beleuchtet und aus Sicht von Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern betrachtet, die allesamt gleichermaßen vor echten Herausforderungen stehen.

Ist das noch Berliner Lässigkeit oder schon provinzielle Arroganz? Die Nutzer der Badstraße lassen die Bereiche verschwimmen. Wo ist noch mal die Fahrspur, wo die Parkfläche – und wo eigentlich der Fahrradweg? Was ist los auf einer der quirligsten (oder der rücksichtslosesten?) Straßen Weddings?

Schlimm ist eigentlich, das sich die Betrachtungen des Artikels durchaus auch auf andere Berliner Straßen projizieren lassen und so zeigt dieser Artikel einmal mehr, das die Berliner Verkehrspolitik ebenso versagt, wie die Berliner Polizei, die in Sachen Verkehrsverstöße nur noch schulterzuckend versucht, sich der Verantwortung zu entziehen. Da werden Zweite-Reihe-Parker mal eben zum ruhenden Verkehr erklärt, damit man den schwarzen Peter an die Ordnungsämter abgeben kann, die wiederum, zu Recht, die zweite Reihe als fließenden Verkehr – mit Zuständigkeit der Polizei – betrachten und ebenso untätig sind.

Bundesweites Radgesetz

Das Berliner Radgesetz, geschrieben und hoffentlich der Stadt bald mittels Volksentscheid „aufgezwungen“, habe ich hier ja schon ziemlich oft erwähnt. Klar, es ist ein tolles Gesetz das, so es denn tatsächlich beschlossen und umgesetzt wird, die Lebensqualität in Berlin maßgeblich steigern und das Fahrrad fahren deutlich sicherer machen wird.

Was mir dabei nie so richtig in den Sinn gekommen ist, wurde nun bei Ilovecycling.de erwähnt. Nicht nur Berlin, nein, die ganze Bundesrepublik benötigt so ein Radgesetz. Und tatsächlich, wenn man sich den Bundesverkehrswegeplan 2030 so anschaut, bei dem immer mehr Autobahnen gebaut werden sollen, der Radverkehr aber nur eine Nebenrolle spielt, dann wird ganz schnell klar, das wohl nur ein bundesweites Radgesetz dafür sorgen kann, wenigstens ansatzweise für Flächengerechtikkeit zu sorgen…

Tweet der Woche: Schutzstreifen

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.

Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)