Ra(n)dnotizen #69

Über Köln gab es in letzter Zeit ja zuweilen auch positive Dinge zu berichten, heute aber eher nicht. Denn die Kölner Zoobrücke muss saniert werden, da der hohe Anteil LKW am Gesamtverkehr die Fahrbahn ziemlich heftig beschädigt hat. Aber nun darf natürlich nicht sein, das der Automobilverkehr, der für die Schäden verantwortlich ist, auch unter deren Behebung leidet. Also muss der Radverkehr herhalten, der nun eingeschränkt wird, indem er auf den Gehweg verlegt wird.

Für den motorisierten Verkehr soll es bei der Sanierungsmaßnahme aber zu keinerlei Einschränkungen kommen. Alle sechs Fahrsteifen für Kraftfahrzeuge bleiben erhalten. Dies wird zu Lasten des Radverkehrs ermöglicht, indem dieser auf den Gehweg verlegt wird und der Radweg insbesondere von LKW benutzt werden soll.

In der TAZ findet sich ein ganz interessantes Interview mit dem Geografen Heiner Monheim. Er äußert sich darin recht unverblümt und nennt die aktuelle Verkehrssituation „bescheuert“. Im Interview geht es dann darum, das heutzutage immer weniger Menschen ein eigenes Auto besitzen und immer mehr mit dem Fahrrad unterwegs sind. Obendrein wird mit einigen Behauptungen, bspw. dem immer wiederkehrenden „aber an der Automobilindustrie hängen unendlich viele Jobs“ aufgeräumt.

Das sind Quatschzahlen. Selbst jeder Vierzehnte ist noch übertrieben. Eingerechnet sind auch die Hersteller von Bussen, Taxen und Carsharing-Autos, zudem Beschäftigte von Versicherungskonzernen, der Straßenbauwirtschaft und der Verwaltung. Dabei verdienen die Versicherer ihr Geld auch mit anderem, pflastern Straßenbauer Gehwege, stoppen Polizisten auch Radfahrer.

Die Äußerungen des Forsa-Chefs Manfred Güllner, der von einem Fahrradwahn in Deutschland fabulierte und dabei unterstellte, das es eigentlich überheupt keinen nennenswerten Radverkehr gäbe, wurden ja schon von allerlei Leuten beantwortet und widerlegt. Nun hat sich auch der Zweirad-Industrie-Verband zu Wort gemeldet und dabei auf, genau, die Realität verwiesen. Aber auch die Tatsache, das sich viele einfach nicht auf das Fahrrad einlassen, weil die nötige Infrastruktur fehlt, wird noch einmal klar dargestellt:

Dass nach wie vor etliche Menschen lieber täglich im Stau stehen und hohe Kosten für Nutzung und Unterhalt eines Autos zahlen, anstatt mit dem Rad zu fahren, liegt in erheblichen Maße auch daran, dass sie aufgrund der vielerorts mangelhaften Fahrradinfrastruktur Angst haben auf das Rad zu steigen.
Verkehrsplaner täten deshalb gut daran, weiterhin die Realitäten in den Kommunen zu beobachten und die Bedürfnisse der Menschen vor Ort zu erörtern. Und das heißt konkret, den Radverkehr weiter zu fördern und eine entsprechende Infrastruktur zu schaffen.

Das der politische Wille fehlt, intensiv und zukunftsweisend die Radverkehrsinfrastruktur auszubauen, stellt dabei auch der ADFC immer wieder fest. So auch aktuell in der Oberpfalz, wo die Zustände in Neumarkt bemängelt werden. Dabei wurde dann auch in einem Artikel von Mittelbayerische.de auf das Henne-Ei-Problem hingewiesen. Ganz passend zu den angeblich fehlenden Radlern, die der Forsa-Chef mokierte, wartet auch in Bayern die Politik wohl darauf, das trotz mangelhafter Infrastruktur mehr Radler auf der Straße sind, bevor man etwas tut.

Es ist die Frage von der Henne und dem Ei. Wer war zu erst da? Übertragen auf den Fahrradverkehr in Neumarkt bedeutet dies: Wartet die Politik zuerst auf mehr radfahrende Bürger, bis sie dem Thema Radverkehr mehr Aufmerksamkeit schenkt? Oder, schafft sie zuerst verstärkt Infrastruktur, um mehr Menschen in den Radsattel zu bringen?

Aus Itzehoe hört man auch ganz üble Dinge. Dort meint man, ein knapper Schutzstreifen für Radler wäre das nonplusultra und will diese Dinger deshalb auf Biegen und Brechen umsetzen. Auf der Alten Landstraße wird es dabei dann recht knapp mit dem Raum, was den Politikern dennoch komplett egal ist. Es passt ja schließlich alles „gerade so“. Das da trotz Schutzstreifen immer noch 1,50m Überholabstand zu Radfahrern zu halten ist, unterschlagen sie in ihrer Argumentation dann gleich komplett.

Geduldig zitierte Bodo Schmedtje die Zahlen: 4,50 Meter sei die Fahrbahn in der Alten Landstraße breit, sein Passat messe gerade einmal 2,05 Meter in der Breite. „Das ist knapp, aber es passt.“ Außerdem dürften die Autofahrer, um auszuweichen, den Streifen ja befahren, so lange dort kein Radfahrer unterwegs sei.

Passend dazu hat sich der ADFC Hamburg schon im Frühjahr 2015 zu Wort gemeldet und dabei ein wenig die Hamburger Marotte beleuchtet, ganz einfach überall Streifen auf die Straße zu malen und das dann Radverkehrspolitik zu nennen. Denn auch in Hamburg wird – wie eigentlich überall, wenn Schutzstreifen gemalt werden – vieles zwar gut gemeint, jedoch selten gut gemacht.

Gucken wir uns mal den idealen Radfahrstreifen an: Der ist mindestens 1,8 m breit. Rechts davon parken entweder gar keine Autos oder zu den Parkständen ist ein Sicherheitsabstand von mind. 0,75 m markiert. Die Fahrstreifenbreite links des Radfahrstreifens ist so breit, dass auch ein LKW mit mindestens 1,5 m Überholabstand am Radfahrer vorbeifahren kann, ohne seine Spur zu verlassen.

Zum Thema „lustige Straßenmalerei“ lohnt auch mal ein Blick auf diesen Artikel hier, der ziemlich wirre Malereien in Stuttgart ein wenig genauer unter die Lupe nimmt.

Fundstück der Woche: Parken in Wilmersdorf

Matthias Nickel aus Berlin war so freundlich, mir dieses Foto zukommen zu lassen, das den #Fahrradalltag in Berlin zeigt. Ganz selbstverständlich wird der Schutzstreifen für Radler von Autofahrern als Parkplatz genutzt. Und das völlig straffrei, denn in Berlin sind sich Ordnungsämter und Polizei nicht einig, wer da zuständig ist.

Die Ordnungsämter sehen nur „echte Parkplätze“ als ruhenden Verkehr an, für den sie zuständig sind. Die Polizei hingegen hält parkende Fahrzeuge generell für ruhenden Verkehr und sieht sich somit auch nicht in der Pflicht.

Fahrradalltag in Berlin - Zugeparkte Fahrradwege und Schutzstreifen

[Foto: Matthias Nickel]

Allerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

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Schrottie

Ich blogge hier seit Anfang 2005 über wechselnde Themen. Zumeist handelt es sich dabei um Linux, Android, Geocaching oder Fotografie, aber zunehmend auch rund ums Fahrradfahren (mit MTB und Rennrad), das ich nach einigen Jahren Pause wieder für mich entdeckt habe. Dabei ist die Themenwahl insgesamt recht selektiv, also ich schreibe immer nur dann, wenn mich etwas wirklich interessiert und/oder bewegt und so kommt es dann auch, das man hier zuweilen auch private Dinge findet. Wer mir für die Arbeit ein kleines Dankeschön zukommen lassen möchte, der kann dies gern über meinen Amazon Wunschzettel tun. :-)

2 thoughts to “Ra(n)dnotizen #69”

  1. Zu Neumarkt fallen mir zwei Durchfahrten meinerseits aus diesem Jahr ein. Generell gibt es dort recht viele gut ausgebaute Radwege, doch leider münden die mitunter recht plötzlich in einem Park und mit dme Renner ist dann Vollbremsung angesagt. Zudem ist es nahezu unmöglich, durch die Stadt zu finden, wenn an nicht aus der Stadt oder ohne GPS-Track unterwegs ist. Bei der Beschilderung gäbe es noch viel zu verbessern.

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